Filmkritik: Jane got a Gun

© Universum Film
Story: Der Traum von einem freien und sorglosen neuen Leben in New Mexico währt für Jane (Natalie Portman) nur kurz. Sieben Jahre nachdem sie mit ihrem Mann Bill „Ham“ Hammond (Noah Emmerich) aus den Fängen der ruchlosen Verbrecherbande der „Bishop Boys“ floh und eine Familie fernab der Zivilisation gründete, holen die alten Dämonen sie wieder ein. Die gefürchtete Bande rund um ihren brutalen Anführer John Bishop (Ewan McGregor) hat das Paar aufgespürt und sinnt auf Vergeltung, denn Ham war einst selbst einer von ihnen. Doch Jane ist fest entschlossen, ihr neues Leben und ihre Tochter mit allen Mitteln zu verteidigen und mit den „Bishop Boys“ abzurechnen. 

Kritik: "Jane got a Gun" hat vor allem eines hinter sich: eine bewegte Produktionsgeschichte. Der Austausch fast aller Darsteller (Aus Michael Fassbender wurde ein immernoch guter Joel Edgerton, Ewan McGregors Rolle gehörte mal Jude Law und dann Bradley Cooper), nur Natalie Portman war von Anfang an mit an Bord. Dann ging das Studio pleite, und eine ganze Weile lag der Film einfach in der Schublade herum. Auch der Kinostart Ende 2015 war mäßig erfolgreich, vermutlich hauptsächlich weil kaum ein Kino den Film zeigte. Ich erinnere mich jedenfalls daran kein Kino in meiner damaligen Nähe gefunden zu haben. Nun gibt es das Western-Drama als für das Heimkino. Und so ziemlich alles daran klingt vielversprechend. Natalie Portman? Geht immer. Western? An sich ja nicht schwer zu inszenieren. Der Titel verspricht dann noch eine Titelheldin, die ordentlich austeilen kann. Oder wofür braucht sie sonst die Waffe?
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Soviel steht fest: Zum Schießen mal sicher nicht. Oder nur kaum. Jane ist, was so ziemlich jede andere Frau in fast jedem Western (Ausnahmen schreibt ihr bitte in die Kommentare, danke) ist: völlig hilflos und aufgeschmissen, wenn kein Mann in der Nähe ist. Als ihr Mann angeschossen und fast tot nach Hause kommt und von der völlig farblosen (ok, McGregor hat die Haare gefärbt) Bishop Boys - Bande redet, macht Jane, was frau eben so macht. Statt ihre Tochter zu schnappen und das Land zu verlassen reitet sie zu ihrem Exfreund. Den schleppt zu ihrem noch immer nicht toten Mann ins Haus, damit alle gemeinsam darauf warten können, von der illustren Bande Banditen gemeuchelt zu werden. Denn wir alle wissen: es gibt nichts Ehrenvolleres und Besseres, als mit einem sinkenden Schiff gemeinsam unterzugehen. Wieso eine blühende, weil lebendige Zukunft für sich und das eigene Kind sicherstellen, wenn man stattdessen einfach sterben kann?

Zwischendrin gibt es Flashbacks, in denen die Beziehung zwischen Jane und ihrem Ex erläutert wird. Also, seine Geschichte. Sein Wille zu helfen wird dadurch ausgelöst, dass Jane Opfer eines sexuellen Übergriffs wurde. Und natürlich ist noch eine gute Portion Zwangsprostitution untergebracht, denn Frauen im Western können ja nicht außerhalb des Bordells existieren. In einigen Momenten des Films scheint Jane explizit dieses Thema anzusprechen, wenn sie ihren Ex darauf hinweist dass es nicht immer nur um ihn geht, dass andere Menschen neben ihm auch eine Rolle spielen. Im Gegenzug geht es ihm vordergründig um den Besitz. Also, seinem Besitzanspruch über Jane. Den musste er aufgeben, als er Jane mit einem anderen Mann und einem anderen Kind sah. Denn wir alle wissen, wie sexy es ist, wenn jemand einen so besitzen will. Nicht. In dieser Hinsicht lockt der Film mit dem Versprechen einer starken, unabhängigen Protagonistin, aber er macht sich keinerlei Mühe, dieses suggerierte Versprechen auch nur ansatzweise einzuhalten. 
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Leider ist "Jane got a Gun" aber auch sonst eher im Mittelfeld anzusiedeln. Die Geschichte kommt durch die ständigen Flashbacks beinahe komplett zum Erliegen. Die Figuren sind flach geschrieben, und wenn es nach mehr als 80 Minuten dann doch mal zur Sache geht, dann ist das irgendwie auch egal. Denn vorher fand nichts statt, was die Figuren irgendwie sympathisch oder besonders hassenswert gemacht hat. Visuell ist der Film hingegen schön gelungen, es gibt ein paar tolle Landschaftsaufnahmen und Panoramen. Die Musik bleibt nicht im Ohr hängen, geht aber auch nicht auf die Nerven. Sie ist einfach da, angenehm zurückhaltend. Die Kostüme sind ebenfalls schick, auch wenn mir jemand dringend erklären muss wie Jane es schafft, so weit draußen im Staub sauber und sexy zu bleiben, während alle um sie herum verdreckt sind. Da scheint es dann auch passend, dass sich im schmucken Westerngewand am Ende nichts weiter als eine Liebesgeschichte versteckt, wie sie schon hundert Male erzählt wurde.

Fazit: "Jane got a Gun" lockt mit einem absolut irreführenden Titel. Statt krasser, arschtretender Protagonistin gibt es eine langatmige Liebesschnulze mit hilfloser Natalie Portman im Westerngewand. Das ist nett anzusehen, die Darsteller machen auch durch die Bank weg einen guten Job. Leider bremst der Film sich mit seinen zahlreichen, sonnendurchfluteten Rückblenden aber immer wieder selbst aus, bis er dann vollkommen zum Erliegen kommt. Der Eindruck verbessert sich durch das relativ bleilastige Finale auch nur minimal. Fans des Genres können sicher einen Blick riskieren, denn nach wie vor kommen zu wenige Beiträge in Sachen Western. Ein Paradebeispiel für einen spannenden, gelungenen Film sollte man aber nicht erwarten.

Die Blu-ray: Die Blu-ray im Vertrieb von Universum Film (VÖ: 13.5.16) kommt im Amaray-Case mit Wendecover daher. Sowohl die deutsche als auch die englische Tonspur liegen in sattem, raumfüllendem DTS-HD MA 5.1 vor. Die Abmischung ist gut, die englische Tonspur bevorzugt zwischenzeitlich die Hintergrundgeräusche ein wenig zu sehr, dies bleibt aber noch im Rahmen. Untertitel liegen ebenfalls vor, leider aber nur auf Deutsch. Das Bild ist dem Format Blu-ray angemessen, die Farben kommen gut zur Geltung, die Schwarztöne sind sehr satt, hier flimmert auch in dunklen Szenen nichts.



Infos zum Film

Originaltitel: Jane got a Gun
Erscheinungsjahr: 2016
Genre: Western, Drama, Action
FSK: 12
Laufzeit: 98 Minuten
Regie: Gavin O'Connor
Drehbuch: Joel Edgerton, Brian Duffield, Anthony Tambakis
Darsteller: Natalie Portman, Joel Edgerton, Ewan McGregor u.a.

Trailer


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