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Filmkritik: Southpaw

© Tobis Films
Wenn Kurt Sutter, der Mann hinter Serien wie "Sons of Anarchy" und "The Shield" ein Drehbuch für einen Film schreibt, dann verdient dass Aufmerksamkeit. Wenn Antoine Fuqua dann als Regisseur mit an Bord kommt und Jake Gyllenhaal die Hauptrolle übernimmt, dann sollte das mediale Interesse und das des Zuschauers eigentlich sicher sein. Nun handelt es sich bei "Southpaw" um einen Film über einen Boxer, und wie der Sport selbst erfindet sich auch dieses Genre nicht unbedingt regelmäßig neu. In gewisser Weise mag das passend erscheinen. Doch kann der Film, für den Jake Gyllenhaal sich erneut verwandelt hat wie ein Chamäleon, überzeugen?

Story: "Southpaw" erzählt  die fesselnde Geschichte von Billy "The Great" Hope, dem amtierenden Schwergewichtsweltmeister im Boxen (Jake Gyllenhaal). Nach dem tragischen Tod seiner Frau Maureen (Rachel McAdams) stürzt Hope völlig ab und wendet sich an seinen unverhofften Retter, den ehemaligen Boxer Tick Willis. Unter Ticks Anleitung und mit dessen Hartnäckigkeit tritt Billy den härtesten Kampf seines Lebens (Forest Whitaker) an.
© Tobis Films
Kritik: Über Jake Gyllenhaals unverschämt großes Talent noch Worte zu verlieren sollte eigentlich unnötig sein. Aufgestiegen aus dem Bereich der belanglosen Romcoms und schablonenhaften Actionfilmchen bewies er zuletzt mit "Nightcrawler", "Enemy" und "Prisoners" seine Wandelbarkeit. Für seine Rolle als Boxer nahm er 15 Kilo zu, trainierte, verzichtete auf ein Stuntdouble und ließ sich stattdessen selbst im Ring verprügeln. Vielleicht nimmt man ihm den Boxprofi nicht zu jeder Sekunde voll ab, doch die Performance ist eindrucksvoll. Vor allem, da Billy außerhalb des Rings zu einer völlig anderen Person wird. Schüchtern ist er, zurückhaltend und immer irgendwie ein wenig verschreckt wenn ihn jemand anspricht. Außerhalb des Rings hat seine Frau die Kontrolle, hält die Familie zusammen und regelt alle wesentlichen Dinge. Erst im Ring mutiert er zu einer Art wildem Tier, brüllt herum und spuckt Blut in die Kamera. Gezähmt wird er danach ebenfalls von seiner Frau Maureen. Rachel McAdams hat leider viel zu wenig Screentime, doch sie liefert ein glaubwürdiges Portrait und ergänzt sich mit Gyllenhaal recht stimmig. Forest Whitaker überzeugt ebenfalls in seiner Rolle des weisen Mentors. Einzig Oona Laurence besitzt ein gewaltiges Nervpotential, doch im Rahmen des Drehbuchs ist auch sie überzeugend. 

Womit wir auch schon beim Problem von "Southpaw" wären. Filme über das Boxen verlaufen generell nach immer dem gleichen Schema. Am Ende muss sich in einem alles entscheidenden Kampf bewährt werden. Vorher muss man sich hocharbeiten, oder noch besser zuerst richtig tief fallen um sich dann hocharbeiten zu können. Diesem Muster folgt auch "Southpaw", neue Wege werden dabei nicht erkundet. Stattdessen ergeht man sich in allen nur erdenklichen Klischees. Dies trägt dann leider massiv zur Vorhersehbarkeit des Films bei, und so erfolgen über zwei Stunden tatsächlich keinerlei Überraschungen. 

Wer allerdings mit der Arbeit von Kurt Sutter vertraut ist, der wird Parallelen zu "Sons of Anarchy" und auch "The Shield" erkennen. Nehmen wir die Figur des Jax Teller aus SoA als Beispiel und Gegenstück zu Gyllenhaals Billy Hope. Bei Sutter sind Gefühle und Aggression oftmals zwei Seiten der gleichen Medaille, andere unterscheiden da deutlicher. Billy würde alles tun für diejenigen die er liebt, auch wenn er am Ende kämpfen muss. Letztendlich sind das auch die einzigen beiden Dinge, die er in seiner schwierigen Jugend gelernt hat. Wenn er alles verliert, fängt Billy an genau das zu tun was er am besten kann, doch alles um diese Essenz herum muss neu konfiguriert werden. Mit der Hilfe von Trainer Tick Willis kämpft Billy sich also wieder an die Spitze. Wieso der sich entschließt ihm zu helfen bleibt, wie so vieles andere auch, eher intransparent.

Fuquas Stil ergänzt sich weitestgehend mit der Rauheit des Drehbuchs. Besonders die Kämpfe sind visuell eindrücklich inszeniert, als Zuschauer nimmt man oft die Position eines Kontrahenten ein und fühlt sich, als würden die Schläge des Gegners einen selbst treffen. In Zusammenarbeit mit den Sportkommentatoren von HBO wird der letzte große Kampf dann allerdings von sich selbst sabotiert. Statt dem Zuschauer die Freude zu lassen sich auf die Bilder zu konzentrieren entschied man sich, das Geschehen von gleich zwei Kommentatoren erläutern zu lassen. So kriegt man permanent erzählt was man sich gerade anschaut und wird so völlig aus der Kinoerfahrung herausgerissen. Plötzlich fühlt "Southpaw" sich an wie ein ganz normaler Boxkampf im TV. Eine ungewöhnliche Entscheidung, die sicher nicht bei allen Zuschauern auf Gegenliebe stoßen wird.

Abgerundet wird der Film durch die Musik. Der Soundtrack an sich kommt vom kürzlich verstorbenen James Horner und war sein letztes Werk. Untergemischt werden einzelne Songs von Eminem, die genau die rauen und ungeschliffenen Kanten und Highlights setzen, die man von ihnen erwarten würde. Eine stimmige Mischung, die einen in genau die richtige Stimmung für den Film versetzen kann.
© Tobis Films

Fazit: "Southpaw" erfindet den Boxfilm nicht neu, bewegt sich aber auf durchaus solidem Grund und Boden. Das Drehbuch ist zwar absolute 08/15 Ware, doch die großartigen Darsteller geben ihr Bestes und erheben den Film mit ihren Leistungen knapp über das Mittelmaß. Allen voran gehört Jake Gyllenhaal gelobt, der von Film zu Film eine krassere Leinwandpräsenz zu entwickeln scheint. Abgerundet durch den schicken Soundtrack von James Horner und Eminem liegt hier ein Film vor, an dem Fans den Genres durchaus ihren Spaß haben dürften. Alle anderen werden allerdings mindestens die Leistung von Gyllenhaal positiv im Gedächtnis behalten.

Infos zum Film

Originaltitel: Southpaw
Erscheinungsjahr: 2015
Genre: Drama, Sportfilm
FSK: 12
Laufzeit: 123 Minuten
Regie: Antoine Fuqua
Drehbuch: Kurt Sutter
Darsteller: Jake Gyllenhaal, Forest Whitaker, Rachel McAdams, Naomie Harris, Curtis "50 Cent" Jackson, Oona Laurence


Trailer:

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