Posts mit dem Label Special werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Special werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Messebericht: German Comic Con in Dortmund, 5./6.12.2015

Und da ist sie auch schon vorbei, die German Comic Con, die dieses Jahr zum ersten Mal stattgefunden hat. In insgesamt drei der Dortmunder Westfalenhallen war Großes angekündigt, aber nach einem Besuch am Sonntag ist mein Eindruck doch eher durchwachsen, um nicht zu sagen negativ. Dass auf der Facebook Seite sämtliche Posts mit durchaus konstruktiver, sachlich formulierter Kritik einfach so entfernt werden, den ganzen Abend schon, ist übrigens eine verdammte Frechheit und es spricht Bände über das, was dort ablief. Dafür tauchen die "alles geil, gerne wieder" Postings reihenweise auf. Ein Schelm wer Böses dabei denkt. Aber fangen wir von vorne an. Fotos sind alle selbstgemacht, ich erspar euch die Copyrightangaben darunter also mal ;)

Vor der Con


Als bekannt wurde das in Dortmund eine Comic Con stattfinden wird wurde ich natürlich hellhörig. Nachdem ich früher eher unregelmäßig auf Conventions ging war ich letztes Jahr in London auf der Comic Con und hatte dort ordentlich Blut geleckt. Und San Diego steht auf meiner Bucket List recht weit oben. Mir war vorher klar dass solche Ausmaße hier natürlich nicht erreicht werden, und ein Besuch der Fantasy Basel, die dieses Jahr ebenfalls zum ersten Mal stattfand ließ mich davon ausgehen dass vermutlich nicht alles reibungslos laufen wird. Aber irgendwann muss ein Erstes Mal ja stattfinden. und so plante ich ein bisschen Chaos vorher mit ein. Das unschön anmutende Hin und Her zwischen Dortmund und Stuttgart, die beide schwer damit beschäftigt sind klarzumachen dass der jeweils andere natürlich nichts mit San Diego zu tun hat lasse ich mal außen vor, ich würde nach dem Besuch heute allerdings vermuten das Stuttgart weit weniger chaotisch wird, denn dort haben die Veranstalter dank FedCon und RingCon genug Erfahrung. Jedenfalls, genug abgelenkt, schauen wir uns an was auf der Con so los war. 
Finn und Jake waren auch da.
Nachdem ich am Samstagabend völlig verängstigt vor dem PC saß rechnete ich am Sonntag wirklich mit dem schlimmsten. Auf Twitter sammelten sich die Fotos von einer Schlange vor dem Gebäude, die zwischenzeitlich auf gut einen Kilometer anwuchs. Leute standen an die zwei Stunden in der Kälte, was im Angesicht von anwesenden Kindern und den obligatorischen leichtbekleideten Cosplay-Damen irgendwie besonders bitter war. Besonders böse erwischte es scheinbar die VIP-Tickets, die in ihrer gesonderten Schlange irgendwann kurzzeitig gar nicht mehr abgefertigt wurden. Aus dem Inneren hörte man dass die Panels eine akustische Katastrophe waren, die teuren Fotos teilweise verwackelt waren und die Fotoausgabe am Abend auch nach drei Stunden noch kein System innehatte mit dem man die bereits bezahlten Bilder an die Kunden bringen konnte. Auf der Facebook Seite mehrten sich die verärgerten Kommentare, einige wurden sang- und klanglos von den Betreibern gelöscht, natürlich mit einhergehender Sperre der User. Über beispielsweise die Absage von Michael Madsen wurde gar nicht über Social Media informiert, und nachdem bereits Ryan Hurst abgesagt hatte machte ich mir echt Sorgen ob James Marsters auftauchen würde. Mit gemischten Gefühlen ging ich also Samstagabend ins Bett, denn Sonntag sollte es ja früh losgehen. 

Eine der Hallen um kurz nach 10, also noch leer.

Auf der Con


Nachdem die Einweisung auf den Parkplatz (5€ Gebühr, naja) reibungslos lief gab es ein erstes Aufatmen: im Park zwischen den Hallen und dem Signal Iduna Gebäude war schon mal keine Schlange. Nach einer kleinen Reise um die Hallen herum fanden wir dann die anderen Besucher schön ordentlich aufgestellt. Doch zu meiner Überraschung ging es wirklich zügig vorwärts. Hinter uns befanden sich zwei recht spontan angereiste Mädels die sich beklagten dass man offensichtlich erst ab 16 allein auf das Gelände durfte, die Leute vor uns hatten komplett andere Infos und so blieb festzuhalten dass niemand so richtig Bescheid wusste. Doch die Aufregung war umsonst, denn eine Alterskontrolle beim Einlass erfolgte nicht. Direkt hinter dem Eingang bildete sich eine Schlange vor der Garderobe, die irgendwann von einem laut rumbrüllenden Hühnen aufgelöst wurde, man solle sich doch bitte in der zweiten Schlange anstellen. Die war allerdings nicht vorhanden, und das bilden einer solchen Schlange ließ die insgesamt drei Mitarbeiterinnen der Garderobe sichtlich verzweifeln. 

Ein Vortrag auf der Comicbühne. Umzingelt von Lärm und Durchgangsverkehr.
 Die darauf folgende Taschenkontrolle kann man getrost als Witz bezeichnen, denn für Taschen hat sich da einfach niemand interessiert. Ich hätte Gott weiß was in meiner Handtasche reinschmuggeln können, wär niemandem aufgefallen. Sicherheit geht anders, aber das war ein Problem das sich durchgezogen hat. Spätestens als deutlich als minderjährig zu erkennende Personen im FSK18 DVD-Bereich herumliefen hätte jemand mal kontrollieren müssen, aber der zuständige Mitarbeiter starrte lieber auf die Rückansichten der leichtbekleideten Elfchen die vorbeiliefen. Ein absolutes No-Go. Da muss für die nächste Veranstaltung ein System her. Meinetwegen mit farblich codierten Bändchen für Tagestickets/Wochenendtickets/VIPs und wenigstens nach U18 und Ü18 sortiert. Vor allem da der Veranstalter die langen Schlangen gestern mit den ausführlichen Sicherheitschecks rechtfertigte. Von wegen.

Auch ein Programmheft musste man erst suchen gehen. Lagepläne hingen sporadisch aus, in der Halle mit den Panels gab es überhaupt keinen Aushang mit dem Programm. Den Infopoint musste man ebenfalls suchen, und dort gab es dann Heftchen, in denen teilweise noch Schauspieler enthalten waren die schon lange abgesagt hatten. Aber verkaufen, das konnte man am Infopoint gut. Hier eine limitierte, 350€ teure Waffenreplik aus Halo, dort dubiose Funko-Figuren die angeblich exklusiv waren, allerdings in jedem Onlineshop für deutlich weniger Geld zu erwerben sind. Aber der Sticker auf der Verpackung, der rechtfertigt natürlich 5€ Aufpreis. Aber es besteht ja kein Kaufzwang, also zog ich weiter um mir einen generellen Überblick zu verschaffen. 

Die Person mit dem Zettel ist der einzige Versuch Ordnung und Infos in die Schlange zu bringen.
Das wurde allerdings immer wieder erschwert, denn es fand keinerlei Besuchermanagement statt. Die Schlangen vor den Fotoshooting-Locations gingen jeweils quer durch die Halle, und als Besucher musste man sich zwischen den Leuten irgendwie durchzwängen. Am Abholpunkt für die Fotos standen Kartons herum in denen sich Bilder befanden, aber auch hier gab es kein Abholsystem. Aber einen USB-Stick konnte man sich für 20€ kaufen, um die Bilder dann darauf ziehen zu lassen. Die teils unverschämt hohen Preise für die Bilder musste man aber trotzdem voll zahlen. Auch am Sonntagabend standen die Besucher teilweise zwei bis drei Stunden an um an ihre Bilder zu kommen. Ein absolutes Unding. Beim Versuch sich die angebotenen Panels der Stargäste anzuschauen verzweifelte ich. In der Halle herrschte reges kommen und gehen, an der Rückseite wurde Essen ausgegeben, es gab viel zu wenig Sitzplätze und der Lärm der Besucher die nur zum Essen kamen vermischte sich mit dem aus der Nachbarhalle. Man verstand kaum was auf der Bühne gesagt wurde. 

Die Sicht vom hintern Ende der Halle auf die Panels. War recht voll.
 Panels gehören wenigstens in einen Raum in dem nicht gleichzeitig noch Restaurantbetrieb herrscht. Dass dann noch dieser schräge Besucher mit seinem lauten Dinosaurier im Schlepptau seine eigene Show abziehen musste und so ebenfalls das Programm störte ist einfach nur rücksichtslos, doch Personal welches für Ruhe sorgte gab es weit und breit nicht. Auf der Comicbühne kämpften die Zeichner tapfer gegen die laute Musik der umliegenden Stände an, ebenfalls nicht besonders schön. Die vorne reservierten Plätze für VIP-Ticketinhaber wurden ebenfalls von anderen Besuchern besetzt, Kontrollen fanden auch hier nicht statt. Hier besteht eine Menge Nachholbedarf. So nervig es dieses Jahr auf der RingCon war das man als Pressevertreter mehrmals quer durch den Raum gejagt wurde weil die Helfer teilweise nicht wussten wo man sitzen soll, dort hatte wenigstens jeder seinen Platz. 

Über das breit gefächerte Angebot will ich mir nicht einmal unbedingt ein Urteil bilden. Das "Comic" im Titel sollte man allerdings nicht wörtlich nehmen, denn Stände an denen tatsächlich Comics verkauft wurden gab es kaum. Eingekauft hab ich natürlich trotzdem, und mit ein bisschen vergleichen konnte ich auch feststellen dass die Preisunterschiede für Merch teilweise gravierend waren. Das gute Gefühl hier und da ein Schnäppchen gemacht zu haben ist allerdings trotzdem schön, und die Tasche von Jessica Jones ist mal ein schickes Messegoodie gewesen. Ein persönlicher Gruß  geht noch raus an den Händler der die komplette Außenseite des FSK18 Bereichs bekleidete: Woher soll ich wissen dass der herrenlose Tisch 5 Meter von deinem Stand entfernt zu dir gehört wenn Drumherum jeder den gleichen Kram verkauft wie du? Dachtest du ernsthaft ich kaufe bei dir noch was nachdem du auf die höfliche Nachfrage ob die Waren dort zu dir gehören so kackendreist reagierst und mich anbrüllst? Ich sag's mal mit Calcifer weil ich mich sonst im Nachhinein doch noch vergesse: 


Aber natürlich gibt es nicht nur negatives zu berichten. Wie beinahe auf jeder Con waren die zahlreichen Cosplayer wirklich eine Augenweide. Wie viel Mühe und Arbeit einige in ihre Kostüme stecken ist wirklich der Wahnsinn. Auch die anwesenden Profis, wie beispielsweise Kamui oder Lightning waren freundlich, unterhielten sich mit ihren Fans und gaben Tipps, von irgendwelchen Starallüren war keine Spur zu sehen. Die Anzahl an anwesenden Deadpools, Harley Quinns und Jokern war allerdings überdurchschnittlich hoch. Auch das Personal gab sich weitestgehend Mühe und blieb freundlich. Größtenteils toll waren auch die anwesenden Stargäste. Über die Autogrammpreise kann man sicherlich streiten, und ob Nebendarsteller aus "Game of Thrones" jetzt tatsächlich 35€ für ihre Unterschrift verlangen sollten ist irgendwie diskutabel. 
Ein paar Gäste: Manu Bennett, Nathalie Emmanuel, James Marsters, Sylvester McCoy, Rory McCann, William Baldwin
Ich hatte mir im Vorfeld ein Autogramm von James Marsters gesichert und war zunächst von der Abfertigung dort angetan. Man gab seinen Ausdruck ab, suchte sich ein Bild aus, der Name für die Widmung wurde mit einem Post-It angebracht und dann durfte man weiter zum jeweiligen Star. Da kam dann klar das Fangirl durch und ich wusste erstmal gar nicht was ich sagen soll. James war allerdings wirklich zauberhaft und wir hatten kurz Gelegenheit uns zu unterhalten, bevor ich dann mit einem Puls von 180 weiterzog. Die Auswahl an Merchandise war ebenfalls recht gut gelungen, auch wenn der Anime-Anteil recht hoch war. Mich persönlich hat's gefreut, andere schienen eher genervt. Auf Twitter gab es bereits gestern allerdings Beschwerden dass im FSK18 Bereich auch Nazikram verkauft wurde, aber das würde allerhöchstens ins Gesamtbild der nicht vorhandenen Kontrollen passen. 
Beute! Unter anderem meine erste Funko-Pop. Wer kann schon "nein" zu Rey sagen?

Fazit


Selbst wenn man mit einbezieht dass es die erste Veranstaltung dieser Art war ist mein persönliches Fazit ernüchternd. Kommunikation fand im Vorfeld kaum statt, über Absagen wurde teilweise gar nicht informiert. Vor Ort gab es keinerlei Sicherheitskontrollen die ich mitbekommen habe. Das Händlerangebot war in Ordnung, die Stargäste teilweise arg demotiviert. Wobei sich bei Gästen wie William Baldwin auch ein wenig die Frage stellt weswegen er überhaupt da war, denn viel zu tun oder zu erzählen hatte er nicht. Selbst Thomas "Der Punisher" Jane schien zwischendurch an seinem Platz zu schlafen. Die Infrastruktur war verbesserungswürdig (immerhin gab es zwischen den Hallen draußen halbwegs günstiges Essen), die Panels unschön organisiert. 

Leider nicht Lola, trotzdem hübsch.
Alles in allem bleibt das bittere Gefühl dass es hier nur darum ging schnell ein bisschen Geld zu verdienen mit einer Veranstaltung, an der man selber auch ein bisschen Spaß hat. Muss ja auch toll sein wenn man sich mit dem Geld anderer Leute ein paar Stars querbeet einladen kann. Noch eine Amateur-Wrestlingbude aufgebaut, lieblos ein paar Zeichner an die Ränder quetschen, alles mit dem immer gleichen Merch auffüllen und fertig ist die Con. Das ist der Eindruck, der nach diesem Erstversuch in Dortmund bleibt. Wie wenig die Veranstalter mit der berechtigten Kritik umgehen zeigt sich auf der Facebook Seite, auf der seit Sonntagabend rigoros alles gelöscht wird was nicht "war total geil, gerne wieder" aussagt. Ein bisschen wie Ebay-Bewertungen klingt das alles. Man liest von verwackelten Fotos, von bezahlten Fotos die nicht herausgegeben wurden. Von dubiosen Rückerstattungen, die nur vor Ort stattfinden können. Das Debakel mit dem Einlass von Samstag entbehrt jeder vernünftigen Grundlage. Selbst wenn sich bis zum kommenden Jahr, wo die Con erneut stattfinden wird, all diese Dinge ändern würde ich aus Prinzip nicht hingehen. Wer sich selbst trotz solcher eklatanten Mängel in den höchsten Tönen gelobt sehen will verdient einfach keine Gäste.


"Noirvember" - Eine Einleitung in den Film Noir

Beleuchtungswunder: Das Milchglas in Hitchcocks "Suspicion" © RKO Radio Pictures

Eben hatten wir erst den Horrorctober, dessen Rückstau an zu kritisierenden Filmen mich mittlerweile in den Wahnsinn treibt, da ist es auch schon November. Draußen wird es ein wenig trist, es ist schneller dunkel, alles bereitet sich auf den Winterschlaf vor. Das nehme ich zum Anlass um euch ein schwer zu definierendes, aber sehr belohnendes Filmgenre näher zu bringen: den Film Noir. Und weil Wortspiele toll sind machen wir daraus doch glatt Noirvember. Bevor wir uns also alle mit Weihnachtsspecials die Zeit vertreiben werfen wir einen Blick zurück in eine Zeit, in der in Hollywood noch ganz andere Gesetze galten als heute. Der Artikel ist dabei keinesfalls als allumfassend anzusehen, aber ich hoffe ihr werdet am Ende ein bisschen schlauer sein als am Anfang, dann hat sich die Sache schon gelohnt ;)

Historische Einordnung

 

Ja, ich weiß, die meisten von euch finden Geschichte vermutlich recht trocken. Um den Film Noir zu verstehen ist es allerdings notwendig sich wenigstens kurz in der Geschichte umzuschauen. Ich verspreche ich halte mich kurz und verpacke die Infos so lesbar wie möglich.  

Die Wirtschaft bricht zusammen


Wir befinden uns im Amerika der 1930er Jahre. Die 20er waren ein gutes Jahrzehnt, die Wirtschaft boomte, es wurde konsumiert und produziert. Gleichzeitig hatte ein Großteil der Bevölkerung nicht genug Geld um sich all die Dinge zu leisten, die auf dem Markt waren. Also wurden fleißig Kredite aufgenommen, und vermutlich hat einfach niemand so richtig aufgepasst. Es wurde spekuliert, mit Aktien gehandelt, Bilanzen wurden gefälscht. Doch am 24.10.1929 crashte die amerikanische Börse, der Tag ging als "Schwarzer Donnerstag" in die Geschichte ein. Banken meldeten Insolvenz an, da sie zu leichtfertig Kredite vergeben hatten. Die Kunden horteten ihr Geld, es wurde weniger gekauft und natürlich sank so die Nachfrage. Kurzum: die Wirtschaft ging vor die Hunde, es folgte eine weltweite Wirtschaftskrise. Die Welt erholte sich davon auch erst im Zweiten Weltkrieg wieder.

Kino als Flucht vor dem Alltag

"Frau ohne Gewissen" © Paramount
Eine Möglichkeit diesem tristen Alltag zu entkommen war das Kino. Während praktisch fast alle Wirtschaftszweige brach lagen hatte das Kino seine Blütezeit. In den 20ern wurde der Ton besser, der Kontrast zwischen schwarzer und weißer Farbe besserte sich. Die so genannten "Big 5" Studios in Hollywood (MGM, Paramount, Fox, RKO und Warner Bros.) zelebrierten ihren Höhepunkt in beinahe verschwenderischem Ausmaß. 1939 gab es 15.000 Kinos in den USA. Anfang der 30er kam dann Technicolor auf und Filme wie "The Wizard of Oz" entstanden. Solche Filme waren aber aufwändig und teuer, und so überlegte man sich ein Verkaufssystem. Kinos kauften sozusagen die Katze im Sack: Pakete mit bis zu 100 Filmen, bei denen einige wenige Hochkaräter dabei waren, aber der Großteil waren schnell produzierte Filmchen die man spät abends als zweite Hälfte eines Double Features zeigen konnte. So hatten die Kinos um die 100 Filme pro Jahr, während die Studios garantiert Gewinn machen würden. Beide Seiten konnten sich als Gewinner sehen.

Der Einfluss der Nazis auf den Film Noir


Als die Nazis in Europa wüteten kamen immer mehr Regisseure in die USA. Einige kehrten nach dem Krieg in die Heimat zurück, andere waren schlicht auf der Flucht. So oder so, das Gesehene, die Gräueltaten des Krieges mussten verarbeitet werden. Da die Studios ja sowieso mit ihren Filmen Gewinn machten war es bis zu einem gewissen Rahmen möglich zu experimentieren. Der so genannte "Hayes Code" verbot allerdings die Darstellung tabuisierter Dinge wie beispielsweise Sexszenen. Man verlegte solche Szenen also einfach in die Dunkelheit, den weniger ausgeleuchteten Teil des Bildes. Gleichzeitig wurde die Technik mobiler und man konnte auch außerhalb der Studios drehen. So wurde der Film Noir geboren.

Der Untergang des klassischen Film Noir

 

1948 beendete der Supreme Court das blockweise Verkaufen von Filmen. Günstige B-Movies zu produzieren lohnte sich plötzlich nicht mehr. Viele der Regisseure flüchteten vor der Arbeitslosigkeit, und zwar ins Fernsehen. Hier änderte sich die Beleuchtung, Szenen wurden vollständig ausgeleuchtet, also das komplette Gegenteil von Film Noir. Diese gleichmäßige Beleuchtung hält sich bis heute. Gleichzeitig wurde es immer leichter auch mit Farben zu arbeiten, man war also nicht mehr auf die Dunkelheit im Bild angewiesen um beispielsweise Tiefe zu erschaffen. Im Film veränderte sich ebenfalls vieles, unter anderem wurden auch riskantere Themen immer wieder dargestellt, so dass der Hayes Code Ende der 60er abgeschafft wurde.

Schön und gut, aber jetzt nenn doch mal Beispiele!

 
"Tote schlafen fest" © Neue Visionen Filmverleih

Und da stehen wir dann auch schon vor einem massiven Problem. Denken wir an Genres wie... nehmen wir mal Western. Da ist vorher schon klar was als Western klassifiziert wird und man weiß schon bevor man das Drehbuch schreibt dass man einen Western mit seinen typischen Elementen drehen will. Mit dem Film Noir verhält es sich anders. Einige Filmwissenschaftler sind sich sogar einig dass es das Genre "Noir" eigentlich gar nicht gibt und es sich um eine anderweitige Art der Klassifikation handelt, die durch Stimmungen und Motive erzeugt wird. Die Frage ist also: Stil, oder doch eher Genre? Schauen wir uns an was verschiedene Autoren dazu zu sagen haben. 

  • die beiden französischen Kritiker Raymond Borde und Etienne Chaumeton hielten 1955 in "Panorama du film noir américain 1941–1953" stark vereinfachte Kriterien fest: seltsam, erotisch, ambivalent, grausam und mit traumhaften Elementen versehen. Diese müssen aber nicht alle, und auch nicht zu gleichen Teilen vorhanden sein.
  • Die Britannica definiert Film Noir als Genre mit folgenden wichtigen Elementen: zynische Helden, besonderer Beleuchtung, häufig vorkommende Flashbacks, verschachtelte Geschichten und unterschwellige existentialistische philosophische Tendenzen. 
  • Der Filmwissenschaftler Chris Fujiwara betont dass die damaligen Regisseure nicht behauptet haben einen Film Noir zu drehen, sondern davon ausgingen dass sie Kriminalgeschichten oder romantische Melodramen auf die Leinwand bringen. Das Fehlen einer Produktionskategorie zu einer Zeit in der diese Kategorie ihren Höhepunkt erlebte spräche also dafür dass Noir nicht unbedingt ein eigenes Genre, sondern eher ein Stil wäre. 
  • Raymond Durgnat, ein britischer Kritiker, stellte 1970 in Paint It Black: The Family Tree of the Film Noir fest: Der ‚Film Noir‘ ist kein Genre wie der Western oder der Gangsterfilm, und er führt uns in den Bereich der Klassifizierung durch Motiv und Stimmung

Man sieht also: vier Leute, vier Meinungen, die alle unterschiedlich ausfallen. Fassen wir zusammen was wir bisher über den Film Noir wissen:

Wir haben düstere Charaktere. Frauen treten meist als Femme Fatale auf, die Männer sind zynisch, verbittert und abgehalftert. Die Dialoge sind sehr auf das Wesentliche reduziert, der Grundton ist pessimistisch. Die Kamera arbeitet ruhig, Flashbacks werden großzügig verwendet. Einen besonderen Stellenwert hat auch die Beleuchtung, so wie das visuelle generell hier sehr eigen ist. Schauen wir uns diese beiden Schwerpunkte mal genauer an. 

Die Beleuchtung und das Visuelle im Film Noir


Dreht man einen Film, dann verwendet man typischerweise drei Arten von Licht: Key Light (das hellste und dominanteste Licht), das Fill Light (gegenüber dem Key Light um Schatten aufzufüllen) und das Back Light (welches Konturen schafft die zB einen Darsteller vom Hintergrund abheben). Für den Film Noir ist das Key Light elementar, außerdem ist das Back Light als Gegenstück dazu wichtig. Für den Film Noir ergibt sich aus diesen beiden Anteilen das Low-Key Lighting. Seinen Ursprung findet diese Form in der Renaissance, dort nannte man diese Art der Beleuchtung Chiaroscuro. Hier werden gleichzeitig zB Figuren überbelichtet und Schatten verstärkt, um die Figuren durch verstärkte Kontraste noch deutlicher hervortreten zu lassen. Hier ein Beispiel von Caravaggio: 

Der Ungläubige Thomas von Caravaggio
Auch im Film Noir wird mit dieser Art des Kontrastes gearbeitet. Oft bleiben große Teile des Bildes schwarz, auch Schatten spielen eine große Rolle. Durch das Setzen von weißen Punkten im Bild, oft Reflexionen, wird verhindert dass sich die Augen des Zuschauers an die Dunkelheit gewöhnen. Dadurch wirkt das Bild gleichbleibend finster, während man sich mit dem Ausbleiben eines solchen Referenzpunktes irgendwann auch in der Dunkelheit zurecht finden würde. 

Dadurch dass die meisten Zuschauer mit Dunkelheit automatisch auch Negatives assoziieren dient die Beleuchtung durchaus unterstützend zur Narrative. Sie kann bedrohlich wirken, sie kann für Verbrecher aber auch Schutz bieten, um nur zwei verschiedene Beispiele zu nennen. Verstärkt werden können diese Eindrücke durch die Kameraperspektive. So wird oft schräg gefilmt, die Figuren werden von weit oben oder sehr weit unten abgefilmt um sie beispielsweise bedrohlicher oder auch kleiner aussehen zu lassen. Weitwinkelobjektive spielen häufig eine Rolle, ebenso wird gerne durch Glas oder anderes, verzerrendes Material hindurchgefilmt. Viele, wenn nicht die meisten Filme sind in Schwarzweiß gedreht, es gibt aber zahlreiche Ausnahmen. Auch Filme die überwiegend im hellen gefilmt wurden können dem Genre zugeordnet werden, das visuelle reicht als Identifikationspunkt also kaum aus.

Das Licht ist verhältnismäßig hart, dementsprechend sind die Schatten klar umrissen und nicht aufgeweicht oder verschwommen. Hartes Licht kommt von einer einzigen Lichtquelle, stellt euch vor ihr richtet einen Scheinwerfer auf eine Person. Würde das Licht aus mehreren Quellen kommen, so würde das Licht weicher wirken. Verschiedene Blenden oder auch Objekte vor der Lichtquelle erzeugen beispielsweise die Fensterläden-Optik die so typisch für den Film Noir ist. Die Frauenfiguren werden hingegen oft mit weichem Licht beleuchtet, um das sie umgebende Mysteriöse zu verstärken.

Ein so genannter "Venetian Blinds Shot" aus "Killer's Shadow"


Meinetwegen. Aber wo bleiben die verdammten Beispiele? 

Ok, ihr wollt Beispiele. Filmfutter, das ihr verschlingen könnt. Vielleicht auch ein paar Comics? Alles kein Thema, ich hab euch ein paar Leckerbissen herausgesucht.

Klassischer Film Noir

Hier eine Vielzahl von Filmen aufzuzählen würde den Artikel vermutlich sprengen, deswegen mache ich es kurz und bringe euch drei Filme näher, die man gesehen haben sollte um eine vernünftige Grundlage für Gespräche zu haben. Alle drei Filme zusammen sollten eine feste Grundlage bilden, auf der man bei Interesse dann aufbauen kann, aber wenn ihr die drei kennt, dann habt ihr eure Hausaufgaben vorerst gemacht. 

  • "Frau ohne Gewissen" (Double Indemnity), Billy Wilder 1944: Laut Woody Allen der beste Film der je gedreht wurde, verfilmt nach dem Roman von James M. Cain. Ein Versicherungsvertreter, durch und durch harmlos, wird von einer Frau dazu verführt ihren Mann ums Leben zu bringen, um eine Versicherung auszahlen zu lassen. Vielleicht die Mutter aller Femme Fatales und sicher einer der besten, wenn nicht sogar wirklich der beste Film Noir.
  • "Im Zeichen des Bösen" (A Touch of Evil), Orson Welles 1958: Auch hier liegt ein Roman als Grundlage vor, nämlich "Badge of Evil" von Whit Masterson. Welles hat die Charaktere sozusagen vertauscht und erzählt mehr als 50 Jahre vor unserer Zeit ein Drama rund um die mexikanisch-amerikanische Grenze. Ein Thema das auch heute noch nichts an Aktualität eingebüßt hat. 
  • "Tote schlafen fest" (The Big Sleep), Howard Hawks 1946: Grundlage hier ist der Roman von Raymond Chandler. Lauren Bacall und Humphrey Bogart, zwei der damals (und heute noch) größten Darsteller überhaupt, suchen nach einem verschwundenen Mann. Doch die Story ist hier nur nebensächlich, wird zwar am Ende aufgelöst und ist typisch für den Film Noir, die Bühne gehört aber den Darstellern. Beide waren miteinander verheiratet und in der fertigen Fassung wurden einzige Szenen herausgeschnitten um die Beziehung zwischen den Figuren zu betonen. So wird die Geschichte immer mehr zu einer Art Labyrinth, dessen Besuch sich aber ganz klar lohnt. 
 Im Zeichen des Bösen © Universal

Neo-Noir

Neo-Noir verfolgt die gleichen Grundprinzipien wie der klassische Film Noir, wartet aber mit neuen technischen Spielereien oder anderen, aktuelleren Themen auf. Sozusagen ein Update. Relevante und bekannte Vertreter sind relativ zahlreich vertreten. Wie auch beim klassischen Film Noir sind die Grenzen hier recht weit gesteckt und über die Zuordnung einiger Filme in dieses Genre kann man sicher streiten, was ihr in den Kommentaren auch gerne tun dürft. Nachfolgend soll nur eine minimale Auswahl getroffen werden, die aber dennoch eindeutig aufzeigt wie vielseitig diese Art von Film sein kann. Wie immer gilt: wenn ihr eine Empfehlung loswerden wollt hinterlasst einen Kommentar, macht die Leser auf eure Favoriten aufmerksam!

-David Cronenbergs "A history of violence" von 2005
- Mary Harrons "American Psycho" von 2000 nach dem gleichnamigen Buch von Bret Easton Ellis
- Paul Verhoevens "Basic Instinct" von 1992
- Die Coen-Brüder drehten "The Big Lebowski" 1998
- Ridley Scotts "Blade Runner" von 1982
- David Lynchs "Mulholland Drive" von 2001
- John Boormans "Point Blank" von 1976

 
Noir-Comics

Szene aus "Sin City" © Buena Vista
Auch Comics bedienen sich Noir-typischer Elemente. Den Auftakt machte seinerzeit "The Spirit" von Will Eisner. Alan Moores "Watchmen" folgte, Stan Lee zeichnete "Daredevil". Auch "Batman" lässt sich hier einordnen. In der jüngeren Comicgeschichte wäre Frank Millers "Sin City" zu nennen. Ihr merkt schon, die hier genannten Comics wurden alle auch verfilmt, teils mehrfach.

Abschließende Worte

Lässt sich der Film Noir jetzt so richtig schön eingrenzen und klar von anderen Genres abheben? Ich würde sagen nein. Man ist sich ja nicht einmal sicher ob es sich nun tatsächlich um ein Genre handelt oder doch eher um wiederkehrende Elemente. Ist auch fraglich ob man nun immer alles klar benennen muss. Ich hoffe jedenfalls dass ihr etwas gelernt habt, so wie ich beim Schreiben. Wenn ihr Filmtipps habt lasst sie doch in den Kommentaren. Wenn ihr unbedingt mal ein Genre auf diese Art hier behandelt sehen wollt gilt das gleiche, vielleicht wird ja eine wiederkehrende Sache draus. 

Special + Gewinnspiel: Otto - 50 Jahre Jubiläumsbox

Otto Waalkes, das ist ein Name den man den wenigsten erklären muss. Seit 50 Jahren steht der Comedian aus dem hohen Norden auf diversen Bühnen und tobt sich auf zahlreichen kreativen Wegen aus. Ohne ihn aufzuwachsen war zumindest in meiner Kindheit und Jugend schlicht nicht möglich, und ich erinnere mich heute noch daran wie wir mit der Familie auf der Rückfahrt aus dem Holland-Urlaub unbedingt über Emden fahren mussten, damit wir Kinder das Otto-Haus besichtigen konnten und so lange quengelten bis wir je einen eigenen Ottifanten mitnehmen durften. Dieses Jahr wurde Otto dann, passend zum Jubiläum, mit einem Bambi in der Kategorie Comedy ausgezeichnet. Grund genug zum halben Jahrhundert auf der Bühne ein Special zu veröffentlichen. Aber wie um Himmels Willen packt man fünf Jahrzehnte Kunst und Comedy in eine DVD-Box? Eigentlich handelt es sich da um eine von vornherein unlösbare Aufgabe, aber im Hause Edel:Motion schreckte man davor nicht zurück. Insgesamt werden am 13.11.2015 ganze drei Editionen im Handel erhältlich sein. Ich werde euch alle drei Boxen vorstellen, und am Ende könnt ihr die, ich nenn sie mal Einsteigervariante, gewinnen. Wenn das mal nix ist, dann weiß ich auch nicht. Legen wir also los. 


Die Standard-Edition:"50 Jahre Otto" als Doppel-DVD

 

Auf den beiden DVDs warten insgesamt knapp 214 Minuten Entertainment. Man entschied sich für eine chronologische Vorgehensweise, was Sinn macht. Denn wenn man so einen Berg von Material vor sich hat muss man ja irgendwie durchkommen. Leider wurde an einem Booklet gespart, man findet aber wenigstens eine grobe Einteilung auf der Rückseite der Verpackung. Hier gibt es pro DVD je drei Themengebiete, von denen fünf jeweils ein Jahrzehnt abdecken. Da wären "Die Otto Shows" aus den 70ern, die mit knapp 20 Minuten Laufzeit einen Einblick in Ottos erste Serie geben. Insgesamt gab es im Jahr 1973 davon sechs Folgen und die bekanntesten Klassiker sind hier vertreten.

Dann geht es weiter in die 80er. Hier gibt es knapp zehn Minuten "Hilfe, Otto kommt!", "Ein neues Programm von und mit Otto Waalkes" mit elf Minuten Laufzeit. Abgeschlossen werden die 80er mit rund 18 Minuten aus "Ronny's Pop Show". Hier handelt es sich um eine Art Musiksendung, in der Otto verschiedene Affen synchronisierte. Die 90er sind mit der ersten, 23 Minuten langen Folge von Ottos eigener "Ottifanten" Serie vertreten. Davon gab es insgesamt 13 Episoden, ausgestrahlt wurde die Serie 1993.

DVD Nummer zwei führt den Zuschauer dann ins aktuelle Jahrtausend. Neben einem halbstündigen Rundgang durch die Otto-Ausstellung, in der auch Freunde des Künstlers zu Wort kommen und eine doch eher unbekannte Seite lebendig werden lassen wird es auch sonst etwas privater. In einem beinahe 40 Minuten langen Special mit dem Titel "Otto - Mein Ostfriesland und Mehr" lernen wir viel über Otto als Privatperson, auch wenn das Ganze natürlich nicht ohne Humor und Einsatz verschiedener Kunstfiguren präsentiert wird. Seine Band "Otto und die Friesenjungs" wird in einem Konzertmitschnitt gewürdigt und mit "Geboren um zu Blödeln" gibt es ganze 45 Minuten Bühnenprogramm satt. 

Die Kunst-Box mit Jutebeutel und Kunstdrucken


Falls man sich mit Otto als Maler näher befassen will oder dies bereits getan hat sollte man zur Kunst-Box greifen. Neben der normalen DVD gibt es eine hübsche Schachtel aus Pappe zum aufbewahren. Dazu kommt noch eine Kalender-Box, in der man 12 Fotos und Gemälde findet. Auch ein Bild namens "Nachteule" mit Passepartout-Rahmen liegt bei. Als besonderes Highlight gibt es sechs Kunstdrucke, je drei auf Leinen und Foto, und einen bedruckten Jutebeutel. Wer also den Zugang zu Otto über die Kunst suchen will, der wird hier sicherlich glücklich. Besonders schön finde ich persönlich den Jutebeutel, ich habe mittlerweile auch eine kleine Sammlung an Einkaufstaschen damit ich nicht dauernd auf Plastiktüten angewiesen bin. Mit dem Kalender wird man dann auch gleich durchs ganze Jahr begleitet und Kunstdrucke sind immer eine schöne Deko-Idee für die eigene Wohnung. Als besonderes Extra gibt es einen persönlichen Brief von Otto obendrauf dazu. Der Preis wird vermutlich bei rund 70€ liegen. 

Die Deluxe Version im Koffer inklusive handsigniertem Acrylglasbild 


Wer gerne so richtig schweres Geschütz auffährt wird mit der Deluxe Version sicherlich einen guten Fang machen. Wie schon in der Kunst-Box sind auch hier der Kalender sowie der persönliche Brief enthalten. Aber schon bei der Verpackung gibt es Unterschiede, denn Deluxe bedeutet in diesem Fall dass ihr einen ganzen Koffer euer Eigen nennen dürft. Am Anfang des Artikels findet ihr ein Bild von Otto mit dem Koffer, der gar nicht mal so klein ausfällt. Im Koffer findet ihr dann ein signiertes und nummeriertes (da auf 1000 Stück limitiertes) Acrylglasbild von 20x30cm Größe, eine flauschige und knallrote Kuscheldecke, einen niedlichen Plüsch-Ottifanten und eine Tasse für Tee oder Kaffee (oder heiße Schokolade!). Neben der normalen DVD gibt es als Extra noch "Otto - der Film". Eine nette Idee, auch wenn richtige Sammler den sicher schon lange ihr eigen nennen dürften. Voraussichtlich ist man mit rund 200€ im Rennen um diese Edition.

 

Fazit

50 Jahre kreatives Schaffen in etwas mehr als drei Stunden abzuhandeln ist natürlich unmöglich machbar. Doch die Zusammenstellung der DVD liefert einen guten Überblick über die verschiedenen kreativen Outlets eines unheimlich vielseitigen Künstlers. Als Einstieg in das Gesamtwerk ist die DVD sicher prima geeignet, der Hardcore-Fan wird aber auf wenig Neues treffen. Doch das ist auch gar nicht der Sinn der Sache, und die Essenz, das Wesentliche was Otto ausmacht wurde hier wirklich gut eingefangen. Ganz überzeugte Fans werden dann sicherlich die beiden Sondereditionen interessant finden. Für eine kleine und vor allem extrem kurzweilige Reise ist die DVD aber wirklich sehr bedacht zusammengestellt, und der ein oder andere wird sicher neue Facetten von Otto kennenlernen. Ein schöner Versuch eines Überblicks, der überraschend gut gelungen ist. 

 

Das Gewinnspiel

 

Die Teilnahme ist ganz einfach. Hinterlasst mir einen Kommentar mit eurem liebsten Otto-Moment. Das kann ein Film sein, eine Erinnerung an einen Sketch, vielleicht wart ihr auch mal im Otto-Huus in Emden oder habt eine Herde Ottifanten zuhause? Vergesst nicht irgendeine Art der Kontaktmöglichkeit mit anzugeben über das Kommentar-Formular. 


Und hier noch mal euer Gewinn


Und die Teilnahmebedingungen

- Die Verlosung startet sofort und endet am 12.11.2015 um 20:00. Der Gewinner wird sofort nach Auslosung kontaktiert, ich verschicke die DVD sobald ich eine Adresse erfahren habe.
- verlost wird 1x die DVD "Otto - 50 Jahre: Eine Zeitreise durch die Otto-Welt".
- bitte hinterlasst einen "richtigen" Kommentar, Beiträge im Stil von "sehr gerne dabei" nehmen nicht an der Verlosung teil.
- Teilnehmen darf jeder ab 18 Jahren und mit Wohnsitz in Deutschland.
- bitte gebt irgendeine Art der Kontaktmöglichkeit bei eurer Antwort an!
- Eure persönlichen Daten sammele ich nicht, die Angabe einer Mailadresse oder sonstigen Kontaktmöglichkeit (Links zu euren eigenen Blogs etc.) erfolgt nur damit ich euch im Gewinnfall benachrichtigen kann. Eure Daten werden niemals von mir weitergegeben, verkauft, gesammelt oder anderweitig verwendet!
- Der Rechtsweg ist ausgeschlossen und die Barauszahlung des Gewinns ist nicht möglich.
- Ich behalte es mir vor, dass Gewinnspiel anzupassen, zu ändern oder abzubrechen, falls die Notwendigkeit besteht.

Das wäre es auch schon. Ich wünsche euch viel Erfolg bei der Teilnahme!

Alle Bilder © Edel:Motion

#Horrorctober 2015 - Ein Resümee

Und da ist er auch schon wieder vorbei, der Oktober. Und mit ihm auch der Horrorctober,an dem ich in diesem Jahr zum ersten Mal teilgenommen habe. Dementsprechend gibt es heute eine kleine Zusammenfassung, einen Rückblick wenn man so will. Ich werde kurz über die Filme berichten die ich mir angeschaut habe, packe euch noch einmal alle Specials in den Beitrag, gebe den Gewinner des "Altar" Gewinnspiels bekannt und ziehe so generell ein Fazit. Also, schnappt euch eure Süßigkeiten und blickt gemeinsam mit mir zurück. 

Meine Filme für den Horrorctober

© Deutsches Institut für Filmkunde

Horrorctober, da musste ich schon kurz überlegen bevor ich mich zur Teilnahme entschied. Als Jugendliche hab ich Horrorfilme verschlungen, zu groß war der Reiz des Verbotenen. Später nahm dieses Interesse dann ab und eine Weile konnte ich Horror wirklich gar nichts abgewinnen. Erst als ich lernte dass hinter Horrorfilmen viel mehr stecken kann als nur der kurze Kick für den Augenblick wuchs das Interesse wieder. Für den Horrorctober wollte ich mir also eine ausgewogene Mischung aus Klassikern und neuen Filmen zusammenstellen. Und das war meine Liste: 
  • "Das Cabinett des Doktor Caligari", 1920, Regie: Robert Wiene 
  • "Nosferatu", 1922, Regie: F.W. Murnau
  • "Evil Dead 2", 1987, Regie: Sam Raimi
  • "House of Wax", 1953, Regie: André de Toth
  • "House of Usher", 1960, Regie: Roger Corman
  • "Suspiria", 1977, Regie: Dario Argento
  • "Aliens", 1986, Regie: James Cameron
  • "Dawn of the Dead", 1978, Regie: George A. Romero
  • "The Fly", 1986, Regie: David Cronenberg
  • "Orphan", 2009, Regie: Jaume Collet-Serra
  • "You're next", 2011, Regie Adam Wingard
  • "The Innkeepers", 2011, Regie: Ti West
  • "Under the Skin", 2013, Regie: Jonathan Glazer
 Zu "Suspiria" und "Under the Skin" findet ihr die Kritiken schon verlinkt, wenn ich Zeit finde folgen sicher noch ein oder zwei weitere. Für Cronenbergs "The Fly" hat es diesen Monat nicht gereicht, den werde ich aber zeitnah nachholen. Und "Dawn of the Dead" hab ich in der völlig gewaltbefreiten 2 1/2 Stunden langen Fassung erwischt, die mich nach knapp 30 Minuten ernsthaft zum einschlafen brachte. Auch hier wird nachgeholt sobald ich eine weniger verstümmelte Version zu fassen kriege, denn das hat der Film nun wirklich nicht verdient. 

Die größte Überraschung im Horrorctober war vermutlich "Das Cabinet des Doktor Caligari". Den gab ich mir stilecht im Double Feature zusammen mit "Nosferatu", und ich war begeistert. Der Film hat ja beinahe 100 Jahre auf dem Buckel, hebt sich aber durch seine Erzählweise, die surrealistische Optik und vor allem das Ende wirklich aus der Mssse ab. Stummfilme sind generell eine Sache zu der ich erst in diesem Jahr so richtig Zugang fand, dementsprechend bin ich froh dass ich jetzt zwei richtige Klassiker unter "gesehen" verbuchen kann. 

Ein erfreuliches Wiedersehen gab es mit "Aliens" von James Cameron. Ellen Ripley gehört noch immer zu meinen großen filmischen Vorbildern und der Film ist von der ersten bis zur letzten Sekunde spannend. Ein bisschen an Glanz verloren hat hingegen "Evil Dead 2", da hab ich gemerkt dass mir die ernsten Töne des ersten Teils doch mehr zusagen als das eher komödienhafte Flair von Teil 2. Das Ash aber trotzdem Kult bleibt ist ja klar. 

"House of Usher" und "House of Wax" waren meine ersten Begegnungen mit Vincent Price, und was soll ich sagen? Ich bin ihm hoffnungslos verfallen. Besonders "House of Usher" ist eine visuelle Pracht gewesen! Visuell stark ging es dann auch mit "Suspiria" weiter, dem ich eine eigene Kritik gewidmet hab. Argentos Meisterwerk ist auch frisch vom Index runter, es lohnt sich also die Augen offen zu halten. Lasst nur die Finger von der normalen Blu-ray weg, die ist nach wie vor geschnitten. Was hier aufgefahren wird ist nicht weniger als die perfekte Symbiose von Bild und Ton zu einem wahrlich verstörenden Alptraum. Hat mich begeistert und wird sicher nicht das letzte Mal im Player gelandet sein. Wer gerne mal in die verstörend-geniale Musik von Goblin reinhören will darf hier auf "play" drücken: 


Neuere Filme waren natürlich auch vertreten. "Orphan" überzeugte mit einer wahnsinnigen und wahnsinnig guten Kinderdarstellerin und einer erfrischenden Direktheit. "You're Next" entpuppte sich als clevere Home Invasion die mich mitfiebern ließ. Ti West's "The Innkeepers" war über weite Teile sehr ruhig, wusste dann aber wie man das Publikum so richtig verstört. Ich denke den werden viele langweilig finden, ich fand ihn sehr überzeugend. Definitiv war das nicht meine letzte Begegnung mit West. Mein ganz persönlicher Favorit war dann aber, und das hat mich selbst überrascht, "Under the Skin". Was hier geboten wird ist überragend, so vielseitig und klug gemacht und herausragend gespielt. Da hat's mich echt vom Hocker gehauen. Anders lässt sich die knapp 2500 Wörter lange Analyse des Films, die ich danach geschrieben hab, wohl auch kaum erklären.  

Und zu guter Letzt habe ich mir im Oktober auch eine thematisch passende Serie herausgesucht. Wer sich meine ausführliche Kritik zur ersten Staffel "Hemlock Grove" durchlesen will kann dies bei Moviebreak tun. Alle anderen können sich auf eine Serie freuen, bei der man entweder nach 2 Folgen genervt abschaltet weil es zäh vorwärts geht, oder man bis zum Ende durchsuchtet weil es so verdammt atmosphärisch ist. Als weiteren Bonus gibt es zwei tolle männliche Hauptdarsteller und eine wundervoll biestige Famke Janssen obendrauf. Das innere Fangirl ist jedenfalls sehr beglückt dank "Hemlock Grove".

Specials

© Edel Germany GmbH

Jeweils zu den Wochenenden gab es Specials, die sich mit verschiedenen Aspekten des Horrorfilms beschäftigt haben. Ich habe mir die schlimmsten Frauenklischees im Horrorgenre angeschaut und man muss kein Hellseher sein um zu erraten dass es da nicht besonders gut drum bestellt ist. In der Folgewoche stellte ich die recht plakative Frage "Ist der Horrorfilm am Ende?",worauf die Antwort natürlich "nein" lautet. Aber ich denke ich konnte doch ein, zwei Schwachstellen aufdecken und benennen, die momentan überhand nehmen. Besonders freu ich mich, dass der Artikel auch bei Moviepilot veröffentlicht wurde und dort ein breites und überwiegend positives Echo hervorrief. In der dritten Woche schaute ich mir dann unter dem Titel "Menschen, Monster, Misanthropen" an, wie der Mensch als Mörder im Horrorfilm dargestellt wird. Und zum Abschluss stellte ich mir die Frage "Warum schauen wir eigentlich Horrorfilme?". Dazu ging ich zurück bis in die Antike, schaute mir an was Wissenschaftler dazu zu sagen haben und wollte auch von euch wissen, wieso ihr euch gern vor dem TV gruselt. Eine Blu-ray gab es auch zu gewinnen, ich gratuliere an dieser Stelle "Jacker", den ich heute morgen bei einer guten Tasse Kaffee aus dem Lostopf gezogen habe. Der Umschlag wandert nachher in den Briefkasten und sollte dann zum Wochenanfang ankommen.  

Fazit

Ja, falls euch diese ganze Horrorsache enorm genervt hat heißt es an dieser Stelle: tief durchatmen, denn der Horrorctober ist vorbei. Ich hab viele tolle neue Leute auf Twitter kennengelernt, konnte vielleicht den einen oder anderen Leser dazu animieren sich mit einem sonst doch eher vernachlässigten Genre zu befassen. Ich habe ein paar tolle Filme kennengelernt, endlich mal ein paar Klassiker nachgeholt und viel über Horror gelernt. Ein dickes Danke geht auch an das Team der CineCouch, die den Horrorctober nun schon zum dritten Mal veranstaltet haben. Ich hoffe man sieht sich im kommenden Jahr wieder!

Horrorctober Special #4: Warum schauen wir Horrorfilme? Mit Gewinnspiel!

Wir nähern uns mit Siebenmeilenstiefeln Halloween, der #Horrorctober läuft in vollem Gange, ich hänge gnadenlos mit meinen Filmen hinterher und draußen fallen die Blätter von den Bäumen. Ein ganz normaler Oktober also. Nachdem wir uns in der letzten Woche gemeinsam angeschaut haben was eigentlich normale Menschen im Horrorfilm so alles anstellen bleiben wir auch diese Woche mehr oder weniger beim Thema Mensch. Was ich letzte Woche schon beim Text zu "Cabin in the Woods" angemerkt habe, nämlich unsere Schaulust, soll dieses Mal im Zentrum stehen. 

Wieso schauen wir uns Horrorfilme an? Was fasziniert uns an Mördern, übernatürlichen Phänomenen, an Folterpornos und an durchgedrehten Tieren? Wieso schauen wir uns an, wenn in Zeitlupe die Gedärme fliegen und das Blut in meterhohen Fontänen aus der Halsschlagader pocht? Sind wir eigentlich noch ganz dicht, haben wir noch all unsere Frösche im Teich und Latten am Zaun? Warum haben wir so einen Spaß daran, Angst zu haben? Ist das nicht eigentlich total paradox? Schauen wir uns doch diese Woche mal an, was die Medien, die Philosophie, die Psychologie und die Zuschauer selber dazu sagen. Im Text findet ihr ein paar Hinweise auf lesenswerte Bücher und die ein oder andere Studie, wer sich also auch über den Text hinaus bilden will findet hier ein paar Wegweiser.Alle anderen bekommen nützliche Informationen, verpackt in einen hoffentlich kurzweiligen Text. Am Ende findet ihr dann noch ein Gewinnspiel, dranbleiben lohnt sich also diese Woche ganz besonders.
Szene aus "Hostel", 2005 © Sony

Eine Frage der Angst?

Siegbert A. Warwitz schrieb 2006 in "Vom Sinn des Wagens. Warum Menschen sich gefährlichen Herausforderungen stellen." über eine Art positive Angst, die wir erfahren wenn wir uns einer Gefahrensituation stellen und als Gewinner daraus hervorgehen. Ab dem Moment wo man die Angst besiegt hat fühlt man sich besser und mutiger und auch selbstsicherer. Das lässt sich relativ leicht auch auf Horrorfilme umdenken. Ich erinnere mich immernoch lebhaft an "Paranormal Activity 2" im Kino, wo der ganze, randvolle Saal still wurde, sobald es im Film dunkel war, und die Anspannung merklich gelöst wurde wenn es wieder Tag wurde. Eine Art Gemeinschaftsgefühl stellte sich ein, alle wussten: wenn es wieder Tag wird haben wir eine weitere Nacht geschafft, ohne dass etwas passiert ist. Ein simples, aber effektives Muster. Die "Paranormal Activity" Reihe nutzte diesen Effekt bereits in der Werbung für den ersten Teil der Reihe. Ich habe euch den Trailer für den Film herausgesucht. In diesem sieht man nur wenige Szenen des Films, dafür wurde ein Testpublikum beim sehen des Films aufgenommen. Beobachtet also das Publikum mal genau: 

Dass Horrorfilme in der Gesellschaft anderer so effektiv funktionieren hat auch einen anderen Grund. Neben einer Vielzahl von körperlichen Reaktionen wie höherer Blutdruck, angespannte Muskulatur, empfindlichere Nerven und vielleicht auch unkontrollierbares zittern produziert der menschliche Körper bei Angstzuständen Pheromone, die andere Menschen ebenfalls wahrnehmen. Kurz gesagt: wenn einer Angst hat merken alle anderen das auch und bekommen auch Angst. Es ist also nicht verwunderlich dass wir im Kino nicht nur dann unweigerlich zusammenzucken wenn der Sitznachbar vor lauter Schreck laut schreit. Wir fühlen uns auch so im Verlauf des Films immer angespannter. Wenn wir einen Horrorfilm schauen, dann befinden wir uns in Alarmbereitschaft. Wir wissen dass das Gesehene nicht echt ist, aber manchmal lässt sich unser Gehirn dann eben doch austricksen, kriegt den Unterschied zwischen Film und Realität nicht mit und eskaliert im Angesicht von Blut und Gedärmen auf der Leinwand. Und je mehr wir uns gruseln, je spürbarer unsere körperliche Reaktion auf den Film war, desto besser finden wir ihn am Ende. In gewisser Hinsicht sind Horrorfilme eine Art Mutprobe, und wer will vor seinen Freunden nicht gern mutig sein? Man hat sich nahezu unvorstellbares auf der Leinwand oder im TV angesehen, und dann kann man hingehen und damit prahlen. Damals auf dem Schulhof gehörte man zu den ganz Harten, wenn man bestimmte Filme schon gesehen hatte. Natürlich viel zu früh und natürlich heimlich, ohne dass die Eltern etwas davon mitbekommen. Dass man damit kaum reflektiert umgehen konnte? Völlig uninteressant, denn man gehörte dazu! In einem noch die Eltern ein bisschen mitprovozieren? Aber immer gerne, nur her damit! Mit den teilweise desaströsen Effekten von Horrorfilmen auf Kinder und auch Jugendliche hat sich dann beispielsweise Joanne Cantor in ""Mommy, I'm scared": How TV and Movies Frighten Children and what we can do to protect them" befasst, ein Buch das generell sehr lesenswert ist.
Szene aus "Es", 1990 © Warner Bros. Television
Faszinierend ist dabei dass es durchaus Studien gibt, die sich mit den Reaktionen innerhalb des Gehirns beim Konsum von Horrorfilmen befassen. An der Uni Jena gab es beispielsweise Versuche zum Thema, wer sich gerne einlesen will kann hier das Abstract finden. Dabei kam heraus dass wir nicht unbedingt wirklich mit Angst auf die gezeigten Bilder reagieren. Vielmehr reagieren die Teile des Gehirns die für die Verarbeitung von visuellen Prozessen, das Selbstbewusstsein und das Lösen von Problemen zuständig sind. Horrorfilme fordern uns also, aber anders als man zunächst vermutlich denken würde. 


Was sagt eigentlich Aristoteles dazu?

Schauen wir doch mal was Aristoteles zum Thema zu sagen hat. Der hat sich zwar sicher keine Horrorfilme angeschaut, aber er hat sich zum Thema Gruselgeschichten geäußert. Hier kommt der Begriff der Katharsis ins Spiel. Aristoteles ging davon aus dass die Leute sich in gruselige und dramatische Geschichten flüchten um mit negativen Gefühlen klarzukommen. Wenden wir das auf Horrorfilme an, dann schauen wir Horrorfilme, hören aggressive Musik und spielen gerne Shooter, damit wir Aggressionen abbauen. Dumm nur für den guten Aristoteles dass die Forschung sich mittlerweile einig ist, dass es sich bei dieser Theorie um Unfug handelt. Sogar das Gegenteil scheint der Fall, brutales macht die meisten Nutzer nur noch wütender. Da sich aber in regelmäßigen Abständen scheinbar sämtliche Forscher uneinig darüber sind ob deswegen nun mehr Gewalttaten begangen werden oder die Spiele und Filme doch als Ventil gelten, und ich nun für beides zahlreiche Studien anführen könnte, belasse ich es erstmal bei der reinen Feststellung. 

Schlagen wir nochmal den Bogen zum Anfang zurück. Dort war die Rede davon, dass wir uns vor allem im Jugendalter Horrorfilme ansehen, um "dazu zu gehören". Bereits 1909 formulierte der Kulturwissenschaftler Arnold von Gennep den Begriff der so genannten "rites de passage", also Übergangsriten. Gennep forschte an indigenen Völkern, doch das Konzept lässt sich auch heute noch auf unsere Gesellschaft anwenden. So gibt es bestimmte Riten, die eingehalten werden. Dinge, zu "zum Erwachsenwerden" dazu gehören, Riten die den Übertritt in eine andere Form der Gesellschaft begleiten. Religiöse Hintergründe sind ebenfalls möglich, so gehören Kommunion, Konfirmation und so weiter zu den Übergangsriten. Zillman, Weaver, Mundorf und Aust führten dies in der so genannte "gender socialisation theory" fort und untersuchten in diesem Zusammenhang schon 1996 auch den Einfluss von Horrorfilmen. Dazu brachten sie jeweils einen männlichen und einen weiblichen Versuchsteilnehmer, in diesem Fall junge Studenten, zusammen und ließen die so entstandenen Paare Horrorfilme schauen. Ziel des Versuchs war es herauszufinden, wann Horrorfilme am meisten Spaß machen. Und zur Überraschung von vermutlich niemandem hatten die Männer am meisten Spaß am Horrorfilm, wenn ihre Partnerin sich angstvoll an sie kuschelte. Die Theorie wird deswegen auch gerne Kuscheltheorie genannt. Im Gegenzug dazu hatten die Frauen am wenigsten Spaß an der ganzen Sache, wenn die Männer deutlich zeigten, dass ihnen das Gesehene Angst bereitet. Ebenfalls hatten die Männer weniger Freude am Film wenn die Frau sich entspannt, nicht verängstigt und überhaupt der Situation gewachsen zeigte. Daraus könnte man nun schließen dass auch Horrorfilme gerne als eine Art Übergangsritus gelten, zumindest wenn man noch etwas jünger ist und sich und einer potentiellen Partnerin etwas beweisen will. 
Szene aus "Die Nacht der Lebenden Toten", 1968 © Cinema Service

Horrorfilme als Spiegel der Geschichte?

Einen weiteren Grund für das Konsumieren von Horrorfilmen könnte das soziale Umfeld bieten. Hierzu ist ein kleiner Geschichtsexkurs notwendig, aber ich verspreche, ich halte mich kurz. Schauen wir uns die 50er Jahre an. Die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki sorgten weltweit für Angst und Misstrauen. Im Horrorgenre häuften sich in dieser Zeit Filme mit Mutanten und anderen deformierten Monstern. Sie spiegelten die Angst der Bevölkerung vor dem, was nach den Bomben folgen könnte. Die 60er waren dominiert vom traumatischen Vietnamkrieg und im Horrorfilm tauchten die ersten Zombies auf. Der unter US-Präsident Nixon gelaufene Watergate-Skandal der 70er brachte ein tiefes Misstrauen gegenüber Autoritätspersonen mit sich. Das reflektierte sich in Filmen wie "Nightmare on Elm Street". Und in den frühen 2000ern griff die Angst vor globalen Pandemien und biologischer Kriegsführung um sich, und die Zombies wurden wieder populär. Die Welt nach 9/11 muss mit mehr Filmen aus dem Torture Porn Genre zurechtkommen, denn scheinbar interessieren sich seitdem vermehr Menschen für die Grenzen des menschlichen Körpers und deren systematische Überschreitung. 

Nun muss man anmerken dass es gefühlt hunderte Horror-Richtungen gibt die nicht in dieses Muster passen, aber der Gedanke lässt sich durchaus auch gut an den genannten Beispielen nachvollziehen. Besonders Filmemacher wie Wes Craven verstanden es meisterhaft, in ihren Horrorfilmen auch politische Kommentare unterzubringen. All diese Richtungen verbindet eine Art archetypischer Angst, der sich mittels Horrorfilmen gestellt werden kann. All die oben genannten Monster entziehen sich größtenteils unserem alltäglichen Verständnis und bedrohen uns auf eine Weise, mit der wir nur schlecht umgehen können. Mittels der Filme können wir uns also auch unserer eigenen, oft nicht näher definierbaren Angst stellen. Wir können "was wäre, wenn" Szenarien durchspielen, das Handeln der Protagonisten bewerten und mit unserem eigenen, hypothetischen Verhalten im Ernstfall abgleichen. Wir können in einem sicheren Umfeld eine Gefahrensituation in Ruhe wieder und wieder durchspielen.
Szene aus "Hügel der Blutigen Augen", 1977© United Artists

Doch wohin führt uns das jetzt? All diese Theorien bieten nur fragmentierte Erklärungen für höchstens einzelne Grüppchen, und oft bleibt es nur bei einem halbherzigen Erklärungsversuch. Doch eine Gruppe wurde noch nicht so wirklich näher beleuchtet, und dass sind die Zuschauer selber, ohne dass ein Forscherteam da irgendwas untersucht. Und deswegen folgt nun, um ein bisschen Anreiz bei euch zu schaffen, das erste Gewinnspiel auf meinem Blog. 

Gewinnspiel
Nun lest ihr schon seit vier Wochen immer wieder über Horrorfilme, und da dachte ich es wär doch mal eine Maßnahme, einen solchen zu verlosen. Gesponsort wird das Ganze von niemandem, deswegen geh ich direkt mal zur Inhaltsangabe über: 

Die Renovierung eines altehrwürdigen viktorianischen Hauses veranlasst Meg Hamilton (Olivia Williams), mit ihrem Mann Alec (Matthew Modine) und den beiden Kindern vorübergehend auch hier einzuziehen. Allerdings zeigt sich bald, dass das Misstrauen der Nachbarn und merkwürdige Geschehnisse ganz reale Wurzeln zu haben scheinen. Mit jedem geheimen Raum, jedem unerklärlichen Geräusch und jeder geisterhaften Erscheinung wird deutlicher, dass das Haus eine unheilvolle Geschichte und ein mörderisches Eigenleben birgt.

Wer lieber kurze Trailer schaut findet hier den englischen Trailer, der mit nur 30 Sekunden ausnahmsweise mal nicht den ganzen Film schon verrät:


So, was müsst ihr nun dafür tun? Ich fass euch das mal übersichtlich und mit allen Teilnahmebedingungen zusammen: 

Schreibt mir einen Kommentar: wieso und wie schaut ihr gerne Horrorfilme? Lieber allein oder in der Gruppe, wollt ihr euch gruseln oder mal so richtig mitfiebern? Oder sind es vielleicht ganz andere Gründe?

Teilnahmebedingungen:

Die Verlosung startet SOFORT und endet pünktlich zu Halloween am 31.10.2015, 22.00 Uhr

Folgender Preis wird verlost:
1x die Blu-ray zu "Altar - Das Portal zur Hölle"



- Der Preis wird sofort nach Ende des Gewinnspiels ausgelost.
- Es ist kein Muss, aber ich würde mich tierisch freuen wenn ihr meiner Seite bei Facebook folgt, dann lassen sich in Zukunft vielleicht auch mal häufiger Gewinnspiele veranstalten ;)
- Bitte nehmt nur einmal an der Verlosung teil ;)
- Bitte beantwortet die Frage, falls nur eine Antwort im Stil von "bin gerne dabei" oder so erfolgt landet ihr nicht im Lostopf.
- Teilnehmen darf jeder ab 18 Jahren und mit Wohnsitz in Deutschland
- Ihr dürfte gerne auch anonym teilnehmen. Gebt aber bitte eine gültige Mailadresse oder irgendeine Möglichkeit der Kontaktaufnahme an, damit ich euch kontaktieren kann falls ihr gewinnt.
- Eure persönlichen Daten sammel ich nicht, die Angabe einer Mailadresse oder sonstigen Kontaktmöglichkeit (Links zu euren eigenen Blogs etc.) erfolgt nur damit ich euch im Gewinnfall benachrichtigen kann. Eure Daten werden keinesfalls weitergegeben, von mir gesammelt oder sonstwie verwendet!
- Der Rechtsweg ist ausgeschlossen und die Barauszahlung des Gewinns ist nicht möglich.
- Die Verlosung steht in keinem Zusammenhang zu Facebook.
- Ich behalte es mir vor, dass Gewinnspiel anzupassen, zu ändern oder abzubrechen, falls die Notwendigkeit besteht.



Horrorctober Special #3: Menschen, Monster, Misanthropen

Zungenbrecher direkt in der Überschrift, fängt ja schonmal gut an, oder? Willkommen zur dritten Runde der Horrorctober-Wochenend-Specials. Diese Woche feiern wir Bergfest, denn bei ganzen fünf Samstagen in diesem Monat tun wir jetzt mal so als handle es sich um fünf vollwertige Wochenenden. Und am 1.10. ist ja eh für die meisten von uns frei, also: Willkommen zur Halbzeit. 

In dieser Woche richte ich meinen Blick auf ein ganz besonderes Monster. Eines das so grausam und schrecklich ist, dass einem fast die Worte dafür fehlen. Eins das auch aus reinem Spaß an der Freude quält und mordet, das undurchsichtiger sein kann als feinste Kürbissuppe im Herbst. Die Rede ist natürlich vom Menschen. Sicher, oft haben wir es im Horrorfilm mit Geistern, Dämonen, überaus großen Tieren, Mutanten oder sonstigen Figuren zu tun. Und das macht ja auch irgendwo Spaß, da muss man sich nicht groß mit auseinandersetzen. Aber sobald der Killer ein normaler Mensch ist sind wir Zuschauer gezwungen, uns damit zu befassen. Wir überlegen: wie konnte es dazu kommen? Was treibt einen Menschen an? Ein John Doe, wie er in David Finchers "Sieben" vorkommt könnte theoretisch unser Nachbar sein, wir würden über sein Doppelleben vermutlich nichts wissen. Deswegen werfen wir nun gemeinsam einen Blick auf ein paar ikonische Monster, die durch ihr Dasein als Mensch faszinieren. Danach werden wir uns Filme anschauen, in denen die Gesellschaft das wahre Monster darstellt. 

Menschen als Monster

Für diesen Artikel habe ich euch nur wirklich menschliche Monster und Mörder herausgesucht. So gerne also sicher Damien, Regan oder Dracula einen Platz hier ergattert hätten, ihre Nicht-Menschlichkeit oder ihre zeitweise Besessenheit macht ihnen da einen Strich durch die Rechnung. Schauen wir uns also ein paar der ikonischsten und gefährlichsten handelsüblichen Menschen im Horrorfilm an. Ich könnte sie unmöglich alle in eine Art Reihenfolge bringen, deswegen stellt die nachfolgende Liste keine Top 10 oder so dar. Stattdessen machen wir es uns einfach und gehen chronologisch vor.

Norman Bates - Psycho (Alfred Hitchcock, 1960)

Kein anderer hat den Eröffnungsplatz auf dieser Liste mehr verdient. Bevor "Psycho" 1960 erschien gab es im Horrorfilm größtenteils einfach nur Monster in Form von Vampiren oder riesigen Tieren, äußerlich hässlich, abstoßend und generell einfach unwirklich. Hitchcock drehte dieses etablierte Spiel um und verbannte das Monster des Films in den Kopf eines unscheinbaren Mannes. Wenn Norman seine Mutter durchs Haus trägt ist er die Versinnbildlichung der "wir tragen unsere Probleme mit uns herum" Redensart. Alles in seinem Haus erweckt den Anschein der Anwesenheit einer weiteren Person, und die Elemente des klassischen, terrorhaften Gothic Horror sind überaus dominant vorhanden und ziehen sich bis in die Erzählweise des Films. 
© Paramount
Hitchcock besaß nicht nur die für damalige Zeit beinahe undenkbare Dreistigkeit, die vermeintliche Heldin zu ermorden, er ging einen Schritt weiter. In einer Welt die von zwei großen Kriegen gebeutelt war, die den Abwurf von Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki und den Holocaust erlebt hatte sah er keinen Bedarf mehr für fiktive Monster. Wieder und wieder hatten Menschen unter Beweis gestellt dass sie grausamer waren als jedes Monster, welches man darstellen könnte. Jeder Horrorfilm der danach entstand, jeder Horrorfilm der einen Killer wie Michael Myers oder Jason Vorhees zeigt, zieht seine Kraft aus dieser Quelle. "Freitag der 13." dreht die Mutter-Sohn Beziehung ins absolute Gegenteil. Jamie Lee Curtis, welche die Hauptrolle in "Halloween" trägt, ist die Tochter von Janet Leigh. Ob in ihrer Effizienz auch nur einer dieser Filme, die durchaus ebenfalls als Meisterwerke auf ihrem Gebiet durchgehen, an "Psycho" herankommt ist fraglich. 1960 markierte die Geburtsstunde des Menschenterrors, oder vielmehr des Terrors, der Angst vor dem Menschen im Kino. Und auch wenn wir uns alle sicher sind, dass es nur Schokoladensirup ist, der am Ende in der Dusche verschwindet: die Angst vor dem alltäglichen ist danach beim Zuschauer fest verankert.

Leatherface - The Texas Chainsaw Massacre (Tobe Hooper, 1974)

Vor wenigen Tagen lief "Blutgericht in Texas" zum ersten Mal ungeschnitten im Deutschen Fernsehen. Tobe Hoopers Film von 1974 brachte uns einen der ersten Slasher und einen wirklich abgefahrenen Killer. "Texas Chainsaw Massacre" basiert auf der schauerlichen Mordserie des Ed Gein, der nicht nur mindestens zwei Frauen entführte und ermordete, sondern auch Leichen auf Friedhöfen ausgrub und in seinem Haus verstümmelte. Leatherface trägt Masken aus Menschenhaut und wie der Titel schon nahelegt ist seine Lieblingswaffe eine Kettensäge. In den zahlreichen Filmen, die Prequels, Sequels und Remakes enthalten, geht er hauptsächlich auf Teenager und Polizisten los, die seinem abstoßenden Haus zu nahe kommen. Dieses Haus ist mit der Figur fest verbunden. Denn egal wie krass ein Maske tragender Typ mit Kettensäge auch sein mag, in seinem Haus lauert der Schrecken hinter buchstäblich jeder Tür, und vermutlich würde niemand von uns dort je einen Fuß reinsetzen wollen.
© Drop-out Cinema eG

Michael Myers - Halloween (John Carpenter, 1978)

Michael Myers beweist eine enorme Standfestigkeit. Seit 1978 treibt er sein Unwesen, und er unterscheidet sich gravierend von fast allen anderen Killern. Denn er zeigt keinerlei Emotionen. Er ist einfach da, und er mordet. Über seine Persönlichkeit erfahren wir so gut wie nichts. In zahlreichen Filmen wurde auch er mit einer Hintergrundgeschichte versehen, und so wissen wir dass er seine Kindheit in der geschlossenen Anstalt verbrachte nachdem er seine Schwester ermordete. So drehen sich dann auch viele Filme um seine diversen Ausbrüche aus verschiedenen Institutionen. Am liebsten verfolgt er Laurie Strode, in den alten Filmen gespielt von Jamie Curtis. Ihre Rolle legte den Grundstein für den Stereotyp des Final Girl, der ja vor zwei Wochen schon hier besprochen wurde. Rob Zombie fügte seine eigene Version der Geschichte hinzu, in dieser ist Laurie die Schwester von Myers. Der erste der beiden Filme von ihm wird generell noch als holprig angesehen, doch Zombies "Halloween II" ist durchaus sehenswert und bietet zahlreiche interessante Aspekte. 
© Warner-Columbia

Jason Vorhees - Freitag der 13. (Sean S. Cunningham, 1980)

Jason ist eine Art Sonderfall, denn in seinem ersten eigenen Film taucht er nicht mal auf. Der überaus große Mann mit Hockeymaske und Machete treibt sein Unwesen am Crystal Lake. Oder so ähnlich, denn eigentlich ist Jason von Anfang an tot und kehrt erst aus dem Grab zurück als seine geliebte Mutter stirbt. Jasons einzige Aufgabe im Leben ist es, dämliche und möglichst leicht bekleidete Teenager zu meucheln, und darin ist er ziemlich gut und auch kreativ. Ganz ähnlich wie Michael Myers scheint er nicht tot zu kriegen zu sein, und so haben ihn seine zahlreichen Abenteuer unter anderem in "Jason X" schon in den Weltraum geführt. Nach ganzen 12 Filmen innerhalb der Serie plant der Sender The CW momentan eine Serie, die eher in der Realität verankert sein soll.
© Paramount

Hannibal Lecter - Das Schweigen der Lämmer (Jonathan Demme, 1991)

Keine solche Liste wäre vollständig wenn unser aller Liebster Kannibale fehlen würde. Nachdem Michael Mann 1986 Brian Cox in der Rolle des Hannibal in "Manhunter" auftreten ließ war es Anthony Hopkins in "Das Schweigen der Lämmer", der den Zuschauer gleichermaßen faszinierte und ihn das Fürchten lehrte. Charismatisch bis zum Anschlag und überaus intelligent ist sein Hannibal Lecter ohne jeden Zweifel der Böse in allen Filmen, in denen er mitspielt. Und doch ist er bei den Zuschauern beliebt, und immerhin tötet er ja für gewöhnlich nur diejenigen, die es auch verdient haben. Irgendwie. Dazu kommt seine wahrlich Gentleman-ähnliche Art im Umgang mit Clarice Starling. Wir alle wissen um die Gefahr, die von Serienmördern ausgeht, und normalerweise halten wir Abstand, weil wir vernünftig sind. Die Figur des Hannibal verringert diesen Abstand, denn ob man will oder nicht: seine Cleverness, seine ganze Art ist faszinierend. In der kürzlich abgesetzten Serie "Hannibal", die in immerhin drei Staffeln die Vorgeschichte von Hannibal Lecter ausbaute zieht der dänische Darsteller Mads Mikkelsen das Publikum ebenso in seinen Bann. Es scheint fast, als ob manche Dinge uns immer wieder ergreifen können. Dieser Kannibale gehört definitiv dazu.
© Columbia

Die Gesellschaft als Monster

Nun vergrößern wir das Feld ein wenig. Statt uns auf individuelle Mörder zu konzentrieren schauen wir uns ein paar Filme an, in denen man am Ende gerne alles auf die verkommene Gesellschaft schieben kann. Wie auch schon oben handelt es sich hier nur um eine kleine Auswahl, ihr seid wie immer herzlich eingeladen weitere Filme in den Kommentaren zu hinterlassen.

 
So Finster die Nacht - Tomas Alfredson, 2008

Zu dem Film hab ich sogar eine lustige Geschichte parat, denn als ich schwedisch in der Uni gelernt habe sollten wir als Hausaufgabe einen Film aussuchen, auf Schwedisch anschauen und ein Referat darüber halten. Zwischen zahlreichen Kinderfilmen starrte mich das Cover von "So finster die Nacht" an. Ich nahm ihn mit, erwartete einen Vampirfilm und wurde so richtig überrascht. Statt eines banalen Films mit einem Vampirkind bekam ich eine wundervolle Geschichte über Freundschaft präsentiert. Oscar, der Menschenjunge, wird in der Schule ziemlich hart gemobbt, und Eli, das Vampirmädchen, freundet sich mit ihm an. Als sie mitbekommt wie es ihm in der Schule ergeht greift sie ein. Doch an sich lebt die Geschichte von der Freundschaft der beiden, die auch nicht aufhört als Oscar erfährt, was Eli wirklich ist. Oscars Umfeld ist ein einziger Alptraum. Mobbing in der Schule, die Erwachsenen ignorieren ihn oder sind sowieso den ganzen Tag entweder betrunken oder mit sich selbst beschäftigt.
© MFA+
Er ist völlig allein, bis er auf Eli trifft, der es ähnlich geht. Geschickt werden hier Coming of Age Elemente mit eingebunden und wir kriegen einen sehr intensiven Blick auf die Probleme, denen sich auch junge Schüler schon stellen müssen. Ob man sich als Erwachsener automatisch nicht mehr an das eigene Mobbing in der Schulzeit erinnert? Ob die ganze Sache zum Erwachsenwerden dazu gehört, denn "früher hat mir das ja auch nicht geschadet und deswegen ist es in Ordnung?". Hier werden viele Fragen gestellt, und sie alle treffen ins Schwarze, wenn man bereit ist zuzuhören und genau hinzuschauen. Wer will kann sich auch das amerikanische Remake anschauen, mit dem Titel "Let me In". Für ein Remake ist es erstaunlich gut gelungen, doch die dichte Atmosphäre des Originals trägt wesentlich zu dessen Genialität bei.


The Cabin in the Woods - Drew Goddard 2011

 "Cabin in the Woods" wird vorrangig wegen seiner ziemlich schicken Meta-Ebene gefeiert. Die gängigsten Konventionen des Horrorfilms werden hier auf den Kopf gestellt und der Film macht da auch kein Geheimnis draus. Um die Zuschauer draußen zu unterhalten wird eine Gruppe junger Leute den Film hindurch am erfolgreich sein gehindert. Denn im Gegensatz zu den meisten jungen Leuten in Horrorfilmen sind bei "Cabin in the Woods" die Kids ganz und gar nicht dämlich. Da braucht es dann schon besonders hinterhältige Tricks um die Teenager im Wald zum Vögeln zu bringen. Der Schrei nach immer mehr und immer härterer Unterhaltung seitens des Publikums, also uns, wird hier erfolgreich vorgeführt. Auch die Drahtzieher innerhalb des Films müssen, ganz wie auch Regisseure die sich im Horrorgenre versuchen, immer mehr und immer härteres Zeug bieten, damit wir noch zufrieden sind. "Cabin in the Woods" ist auf viele Arten Meta, aber diese ist durchaus die interessanteste, denn sie sagt eine Menge über uns, die wir zuschauen wollen, aus.
© Universum

28 Days Later - Danny Boyle 2002

Wer hier schon ein bisschen länger mitliest dürfte mitbekommen haben wie sehr ich Danny Boyle mag. Alle anderen finden hier ein kleines Special über ihn. Mit "28 Days Later" zeigt Boyle nicht nur effektiv den Horror der mit dem Ausbruch eines tödlichen und hochgradig ansteckenden Virus einhergeht. Wir sind auch in der ersten Reihe dabei wenn es darum geht dass die Menschen mal wieder ihre feinste Seite zeigen. Major Henry West hat sich seine eigene Militärblockade aufgebaut, und was zunächst Sicherheit verspricht offenbart sich rasend schnell als die wirklich hässlichste Seite des gesellschaftlichen Zerfalls. Männer werden ohne mit der Wimper zu zucken exekutiert. Frauen dienen als sexuelle Sklaven für die ausgehungerten Soldaten, denn irgendwie müssen die ja bei Laune gehalten werden.
© 20th Century Fox
Sicher, die Infizierten sind gruselig. Aber der Missbrauch einer Machtposition ist der wahre Schrecken innerhalb dieses Films. Dazu gesellt sich die im Film portraitierte Unterdrückung von Minderheiten. Der Film spielt in England, alle Hauptfiguren sind aber Außenseiter die außerhalb von London leben. Drei der vier Hauptfiguren sind leicht als Iren auszumachen, die vierte (Selena) ist farbig. Der Zombie, der zu Forschungszwecken auf der Terrasse angekettet ist (wobei vorher im Film schon deutlich wird dass er allein der Unterhaltung dient) ist ebenfalls farbig, und West redet ausführlich über seinen nicht mehr vorhandenen Wert, da er kein Teil der arbeitenden, wertvollen Gesellschaft mehr sein kann. "28 Days Later" lädt also zum Nachdenken ein und lässt sich auf viele verschiedene Arten "lesen", doch sie alle streifen irgendwann die Gesellschaft in ihrem Verhalten und ihren Auswirkungen.

Frankenstein - James Whale 1931

Die Kreatur, die Viktor Frankenstein erschafft ist in vielerlei Hinsicht ein Erzeugnis ihrer Umgebung. Da wäre zunächst die Erschaffung selbst durch den neugierigen Frankenstein. Dieser versteht dann seine Kreatur auch gleich völlig falsch, und dann wäre da noch Fritz. Der geht gerne mal mit Feuer auf das Wesen los und erschreckt es bei jeder Gelegenheit. In gewisser Hinsicht ist er wie ein Vater, der sein Kind sträflich vernachlässigt. Statt sich um das Wesen zu kümmern und ihm Dinge beizubringen verstößt er es. Dass die Leute im Dorf dann ebenfalls auf die Kreatur losgehen ist auch nicht hilfreich. Bereits in Mary Shelleys Roman werden diese Tendenzen aufgegriffen. Zuletzt hat sich vor allem die Serie "Penny Dreadful" eingehend mit der Frankenstein-Thematik beschäftigt. Auch hier vernachlässigt Viktor seine erste Kreatur sträflich, diese zieht hinaus in die Welt und muss sich selbt beibringen, wie man lebt und überlebt. Auch hier kommt der Wunsch nach Rache auf, und seine Unfähigkeit wird immer mehr zum Problem für Dr. Frankenstein. In allen Versionen der Geschichte verbirgt sich ähnliche Kritik. Frankenstein verstößt seine Kreatur, auch weil er ihren Anblick nicht ertragen kann. Diese Oberflächlichkeit begegnet uns auch heute noch viel zu oft. Auch das fehlende Mitgefühl für die Kreatur, die ihrerseits ja zunächst auch anderen hilft (und dafür nur Ablehnung erfährt) erweist sich als Problem. Frankenstein ist nicht in der Lage das Wesen zu lieben, welches er selbst erschaffen hat. Die Ablehnung und Demütigung durch andere erschafft ein Monster und sichert Frankenstein selbst den höchsten Fall: von einem der alles hatte zu einer Person, die alles verloren hat.
© Universal


Und jetzt seid ihr dran: welchen menschlichen Killer findet ihr besonders furchteinflößend? Welche Filme in diese Richtung könnt ihr empfehlen, was habt ihr hinzuzufügen? Was hat euch gefallen, was eher nicht? Die Kommentare sind in jedem Fall der richtige Ort für euch :)
Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...