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Game of Thrones 7.7: The Dragon and the Wolf

© HBO
Da sind wir auch schon wieder, am Ende der bereits siebten Staffel "Game of Thrones". Und was für ein Ende! Hoffen wir, dass an den Gerüchten, es würde erst 2019 weitergehen, nichts dran ist, denn ich bezweifle ernsthaft, dass ich so lange ohne Thrones auskommen kann. Aber genug gequatscht, stürzen wir uns in die bisher längste Episode mit saftigen 80 Minuten Laufzeit.

Game of Thrones 7.6: Beyond the Wall

© HBO

Die vorletzte Folge ein jeder Staffel "Game of Thrones" geizt für gewöhnlich nicht mit großen Schockmomenten. Das ist auch in der siebten Staffel wahr, wobei die Betonung in diesem Fall tatsächlich auf dem Wort "groß" und weniger auf dem Schockmoment als solchen liegt. Die düstere Eröffnung der Folge mit der Fahrt über den Tisch, die im wahrsten Sinne des Wortes nördlich der Wall endet, stimmt jedenfalls auf die Dinge ein, die in den nächsten 70 Minuten passieren.

Recap: Game of Thrones 7.5: Eastwatch

© HBO
Nach der ziemlich heftigen Episode der letzten Woche präsentiert sich "Eastwatch" fast schon als ruhige Episode, zumindest gibt es hier keine großen Gefechte. Doch mit Wendungen, Überraschungen und dergleichen wird trotzdem nicht gespart, und so rücken all die einzelnen Puzzleteile weiter zusammen.

Recap: Game of Thrones 7.4: The Spoils of War

© HBO

Nachdem die vierte Episode vor allem durch einen vorzeitigen Leak ihre Wellen im Internet schlug, ist es nun an der Zeit, den knackig-knusprigen Fünfzigminüter (ist das ein Wort? Gelebter Sprachwandel, liebe Leute!) gebührend zu besprechen. Aber reden wir zuvor noch über den Leak und unsere teilweise fehlende Geduld.

So wie es aussieht, wurde HBO in der vergangenen Woche gehackt und bis zu 1,5 Terabyte an Daten sind entwendet worden. Darunter auch Scripts zu weiteren Folgen. Der Leak der vierten Episode scheint damit aber nicht zusammenzuhängen, stattdessen wird eine undichte Stelle bei "Star India" dafür verantwortlich gemacht. Der Sender kümmert sich um die Ausstrahlung der Serie in ... na, dreimal dürft ihr raten. Und scheinbar klappt das nicht so gut, wie es sollte. Die Qualität des Leaks selbst ist allerdings unterirdisch gewesen und ich wage zu behaupten, dass zwei Tage warten in diesem Fall die klügere Entscheidung waren. So schick, wie Thrones aussieht, wäre es eine Schande, es nicht in voller Pracht zu genießen. Aber in Zeiten in denen alles immer schneller und am besten sofort und auf einmal verfügbar sein muss, ist Geduld ein rares Gut geworden, wie mir scheint. Aber genug davon, kehren wir zunächst zurück nach Winterfell.

Recap: Game of Thrones 7.3: The Queen's Justice

© HBO
Zehn Folgen. Das ist alles, was uns von "Game of Thrones" insgesamt noch erwartet. Dementsprechend bleibt das Tempo irgendwo auf Lichtgeschwindigkeitsniveau und es passieren unendlich viele und unendlich große, wichtige Dinge. "The Queen's Justice" verschwendet keine Zeit und gönnt dem Zuschauer keine Sekunde zum Durchatmen.

Auffällig ist vor allem, wie sich die Serie in Bezug auf den Geschwindigkeitsfaktor entwickelt hat. Als sie noch dichter an die Buchvorlage geknüpft war, verliefen die einzelnen Geschichtsstränge langsamer. Da konnte schon mal eine Figur zwei Staffeln lang im wahrsten Sinne des Wortes in der Wüste herumstehen. Mittlerweile ist Zeit kein Faktor mehr, der eine Rolle spielt. Die Geschichten entwickeln sich allesamt so, dass die Hauptstory nicht zum Erliegen kommt. Das ist ungewohnt, war Thrones doch bisher eine eher zähfließende Serie. Nun geht es im gestreckten Galopp Richtung Ziellinie. Einige Ereignisse fallen so zwar irgendwie unter den Tisch, doch im Ganzen macht es die Serie konzentrierter, was so kurz vor dem Ziel sicher keine schlechte Idee ist.

Recap: Game of Thrones 7.2: Stormborn

© HBO

Da sind wir also wieder, dieses Mal mit der zweiten Episode von "Game of Thrones" mit dem verheißungsvollen Namen "Stormborn", oder "Sturmgeborene" in der deutschen Fassung. Gemeint ist damit natürlich Daenerys. In vielerlei Hinsicht ist die Folge aber einfach eine logische Fortsetzung der letzten Woche. Dort wurden uns die verbliebenen Mitspieler vorgestellt. In dieser Woche müssen sie alle wichtige Entscheidungen über ihre weiteren Schritte auf der Landkarte treffen. Einige davon erscheinen sinnvoll, andere wirken auf den ersten Blick etwas überhastet. Aber der Reihe nach.

Recap: Game of Thrones 7.1: Dragonstone

© HBO
Willkommen zurück, falls ihr bisher schon treu mitgelesen habt. Und willkommen an Bord, falls ihr diesen Blog erst im letzten Jahr entdeckt habt und euch bisher der akute "Game of Thrones" Wahnsinn, der sich hier abspielt, entgangen ist. Offensichtlich ist alles, was nach diesem kleinen Absatz steht, voller Spoiler. Falls ihr die Episode also noch nicht gesehen habt und eine Allergie gegen besagte Spoiler habt: Husch husch mit euch, weg von hier. Alle anderen: nehmt euch ein gutes Glas Wein (keine Angst, wir servieren heute einen guten, dornischen Tropfen) und lasst den Staffelauftakt nochmals Revue passieren.

Recap: Game of Thrones 6.10: The Winds of Winter

Winter is here. © HBO
Okay, Leute. Tief durchatmen, die Krokodilstränen trocknen und nach vorne schauen. Wir haben eine weitere Staffel "Game of Thrones" durchgestanden, und ohne hier irgendwie voreilig ein Fazit ziehen....ach komm. Beste Staffel ever. There, I said it. Klar, die Euphorie ist groß, das Adrenalin kursiert durchs Blut wie irre, aber sind wir mal ehrlich, das war schon großes Kino. Schauen wir uns also ein letztes Mal für dieses Jahr gemeinsam an, was eigentlich passiert ist. 

Recap: Game of Thrones 6.9: Battle of the Bastards


© HBO
Wir sind in der vorletzten Folge angekommen, und mittlerweile steht auch so ziemlich sicher fest, dass die beiden nächsten Staffeln a) das Finale bilden und b) jeweils nur sieben Folgen haben werden. Zeit also, schreiend im Kreis zu laufen. Aber bevor ihr losrennt quatschen wir noch ein bisschen über "Battle of the Bastards", Generationenprobleme, fähige und unfähige Herrscher und natürlich über Haustiere.

Recap: Game of Thrones 6.8: No One

Selbstgefälliges Fressbrett auf 12 Uhr. © HBO
Noch einmal kurz inne halten und Luft holen vor dem (hoffentlich) großen Finale: "No One" bringt die letzten Figuren auf dem Schachbrett in Position, meuchelt nebenbei ein paar Fan-Theorien und verläuft überraschenderweise sowohl ruhig als auch größtenteils vorhersehbar. Also füllt euer Glas mit "The Imp's Delight" und lasst die Folge noch einmal Revue passieren.

Recap: Game of Thrones 6.7: The Broken Man

© Steven Depolo
Ihr fragt euch sicher, was es mit dieser zuckersüßen Zimtschnecke dort oben auf sich hat. Aber keine Panik, ihr seid am richtigen Fleck, hier gibt es das Recap / Review zur aktuellen Folge "Game of Thrones", dieses Mal wundervoll betitelt mit "The Broken Man". Was leckeres skandinavisches Gebäck mit der Serie zu tun hat erfahrt ihr nach dem Jump Break. 

Recap: Game of Thrones 6.6: Blood of my Blood

Es ist kein Spoiler wenn es ein Flashback ist! © HBO
Und da sind wir schon wieder, nun offiziell im zweiten Teil der sechsten Staffel von "Game of Thrones". Wie ihr am Bild oben unschwer erkennen könnt gibt es auch hier wieder Flashbacks. Ich will ja nichts sagen, aber ich habe bei dieser Episode ein paar Mal vor Freude rumgejault wie ein räudiger Straßenköter. etwas lauter gejubelt. Ähm....also. Nach der fulminanten letzten Episode kommen die Dinge wieder ein wenig zur Ruhe, jedenfalls für einen kurzen Moment. Doch dann läuft unsere liebste Serie mal wieder zur Höchstform auf. Wenn es darum geht, so viel Chaos wie möglich vorzubereiten. Und einige lang vermisste Mitstreiter tauchen wieder auf der Bildfläche auf. Alles beim Alten, sozusagen. Wie immer geht es nach dem Jump Break weiter, ihr kennt das ja mittlerweile. 

Recap: Game of Thrones 6.5: The Door

Aus jeder guten Tragödie wird mal eine Komödie auf der Bühne © HBO
Ja, ich bin diese Woche etwas später dran, ich weiß. Aber die aktuelle Folge war nur schwer zu verdauen, und ich bin mir beim schreiben dieses Intros auch noch nicht ganz sicher, ob ich überhaupt bis zum Ende komme. Und am Wochenanfang lag ich noch krank im Bett. Optimal gelaufen, würd ich sagen. Wir werden sehen. Auch diese Episode war randvoll mit heftigen Ereignissen, krassen Offenbarungen und jeder Menge Drama. Wie immer geht es mit einem Klick auf "weiterlesen" zum ganzen Text, wir wollen ja niemanden spoilern. 

Recap: Game of Thrones 6.4: Book of the Stranger

Na wenn das nicht Littlefinger höchstpersönlich ist! © HBO
"Game of Thrones" zeigt in der aktuellen Staffel eine Seite der Serie, die bisher deutlich zu kurz kam. Auch in "Book of the Stranger" passieren zahlreiche Dinge, die, besonders im Rahmen der Serie, richtigen Anlass zur Freude bringen. Ist nun deshalb in Essos und Westeros wieder alles in Butter? Mitnichten. Kommt also mit auf eine Reise in die vierte Folge der sechsten Staffel und lasst die Episode noch einmal Revue passieren. Wie immer geht es nach dem Jump Break weiter, es soll ja niemand gespoilert werden. 

Recap: Game of Thrones 6.3: Oathbreaker

© HBO

Auch die dritte Episode, passend mit "Oathbreaker" betitelt, hält das bisher erfreulich hohe Niveau der sechsten Staffel. Zwischen Flashbacks, Wiederkehrern, alten Bekannten und neuen Gesichtern ereignete sich in dieser Woche so einiges. Verlieren wir also keine Zeit und steigen direkt in die Episode ein. Weiter geht es wie immer mit heftigen Spoilern nach dem Jump Break. 

Recap: Game of Thrones 6.2: Home

© HBO
Die Zeit rast, und wir hatten bereits das Vergnügen mit der zweiten von insgesamt zehn Episoden "Game of Thrones". Erneut haben wir es mit einer extrem kurzweiligen Episode zu tun, in der so einiges passiert ist. Zur detaillierten Besprechung gelangt ihr aus Spoiler-Gründen mit einem Klick unten links in dieser Vorschau. Das ganze Recap wartet dann nach dem Jump Break auf euch. 

Recap: Game of Thrones 6.1: The Red Woman

© HBO
Ja, die Recap-Sektion in diesem Blog liegt furchtbar brach. Und ja, mir tut das in der Seele weh. Aber welcher Zeitpunkt bietet sich besser für eine Reaktivierung an, als der Start der neuen Staffel "Game of Thrones"? Eben. Also, ohne große Umschweife legen wir einfach direkt los, denn es gibt eine Menge zu besprechen. Für alle Neulinge, die bisher immer nur Filmkritiken hier gelesen haben: 

Dieser Beitrag ist schrecklich dunkel und randvoll mit Spoilern! Falls ihr Episode eins der sechsten Staffel noch nicht gesehen habt, dann husch husch, ab mit euch! Danach dürft ihr gerne wiederkommen und den Austausch suchen. 

Alle anderen: setzt euch, nehmt euch ein Glas dornischen Wein. Es hat sich nichts am Aufbau verändert, niemand muss sich umgewöhnen. Also, los gehts. Damit niemand beim drüberlesen gespoilert wird gibt es einen schicken, kleinen Jump Break. Also, bitte einmal klicken.

Review: True Detective 2.8: Omega Station

© HBO
Und da wären wir auch schon durch mit der zweiten Staffel "True Detective". Und weil Abschiede ja so schön sind bekommen wir gleich 90 Minuten serviert. Die, soviel kann man direkt festhalten, absolut nicht nötig gewesen wären. Schauen wir zunächst mal, was in der Folge passiert ist und diskutieren dann, ob man dafür wirklich 90 verdammte Minuten gebraucht hätte.

Frank hat nach seinem Ein-Mann-Aufräumkommando der letzten Woche schon vorgesorgt. Mit seinem letzten verbliebenen Angestellten, Nails, will er Jordan schonmal nach Venezuela schicken. Denn die Dame muss in Sicherheit gebracht werden. Letzte Zweifel an Jordans Loyalität werden gemeinsam mit dem Ehering aus dem Fenster geworfen. Jordan ist übrigens auch nicht schwanger, wie man nach der letzte Woche durchaus annehmen konnte. Die Gute bricht also nach Venezuela auf, nachdem sich noch ein bisschen über das erste Treffen (weiße Kleider und rote Rosen, Romantik pur) unterhalten wurde. Sehr süß.

Ray und Ani tauschen derweil postkoitale Geschichten aus, bis sie auf die Idee kommen mal bei Paul anzurufen. Da geht aber Burris ans Telefon und übermittelt die Nachricht von Pauls Ableben. Irgendwie schaffen es die beiden dann, nach diesem Anruf den restlichen Fall zusammenzupuzzeln. Natürlich waren es die beiden Waisenkinder des Raubüberfalls, die sich nun rächen wollen. Aber auf diese Tatsache kommt man nicht mittels anständiger Detektivarbeit, sondern die Erleuchtung kommt einfach so. Man reist also fix zum Haus der Geschwister. Dort finden sie Laura (vorgestellt wurde sie als Erica) an den Kamin angekettet vor. Ihr Bruder Lenny ist schon unterwegs, um den Polizeichef umzubringen. Lenny befindet sich nämlich mitten in seinem eigenen, kleinen Rachefeldzug. Falls ihr euch wundert: die Geschwister waren zuletzt in der dritten Folge zu sehen, ist also eine Weile her. Ani verfrachtet Laura in den nächstbesten Bus, Ray bricht zum Treffpunkt von Lenny und Holloway auf.
© HBO
Am Bahnhof angekommen sieht es zunächst auch ganz gut aus. Wir erfahren dass Casperes Leiche einmal durch die Stadt kutschiert wurde, weil "es lustig war". Wieso man ihm die Augen verätzte und ihn nachträglich kastriert hat? Spielt keine Rolle mehr. Schätze, Lenny war echt wütend. Doch natürlich hält die Ruhe nicht lange an, und am Ende sterben Lenny und Holloway, Burris (der sich irgendwie im Bahnhof aufhielt, Ray aber nicht entdeckt hat) kassiert einen Streifschuss. Ray kann entkommen. Lenny rastet übrigens aus, weil Holloway erzählt dass Laura die uneheliche Tochter von Caspere war.

Nun befinden sich theoretisch alle auf der Flucht. Wie gut und praktisch dass die Barkeeperin in der Stammkneipe nebenbei Menschen aus dem Land schleust. Nachdem wir aus heiterem Himmel ihre Hintergrundgeschichte erfahren sitzt Ani auch schon mit ihr in einem Boot und cruist in den Sonnenuntergang. Vorher ist sie noch bei Doktor Pitlor eingebrochen, um mehr Beweise zu sammeln, aber der Doktor lebt schon nicht mehr. Ohne Frage wurde er ermordet, doch der Mörder lies es nach Selbstmord aussehen. Ray findet ganz ähnliche Verhältnisse in der Villa der Chessanis vor, dort treibt der Bürgermeister tot im Pool umher. Seine verstörte und verwirrte Frau verdächtigt ihren Sohn, der vor fünf Folgen mal kurz durchs Bild gehuscht ist.

Frank und Ray verhindern dann noch eine Geldübergabe, deren genauere Abläufe wir an dieser Stelle nicht hinterfragen wollen. Danach gehen die beiden getrennte Wege. Frank wird auf dem Weg nach Venezuela von einer Bande abgefangen, über deren Herkunft ich jetzt auch nichts weiter zu berichten habe. In der Wüste wird er dann stilecht hingerichtet, geht aber mit seinen Illusionen noch ein wenig in der Wüste spazieren. Hätte er den Anzug mit den Diamanten drin mal besser rausgerückt. Als dann Jordan in ihrem weißen Kleid auftaucht ging das ganze Spiel auch schon ein paar Minuten zu lang, und wir erfahren dass Frank schon eine ganze Weile tot in der Wüste lag. Drama, Baby, Drama.

Ray wird ebenfalls verfolgt, ihm hat sich Burris an die Fersen geheftet. Doch als echter Vater (wie wir später erfahren) verabschiedet er sich noch von seinem Sohn. Jeder aufmerksame Zuschauer weiß spätestens an dieser Stelle, dass Ray die Folge nicht überleben wird. Und so stirbt Ray wenig später im Kugelhagel im Wald. Die letzte Nachricht an seinen Sohn konnte sein Handy nicht mehr hochladen, und die daran anknüpfende Montage zeigt uns, dass die Bösen gewonnen haben. Die Bahnstrecke wird gebaut, Chessani Junior ist Bürgermeister.

Doch irgendwo in Venezuela haben sich Jordan und Ani gefunden. Ani hat aus der kurzen Affäre mit Ray sogar ein Kind als Souvenir mitnehmen dürfen. Und sie hat all ihre gesammelten Dokumente und Beweise gesammelt und dem Journalisten übergeben, den Ray in der ersten Folge zusammengeschlagen hat. Way to go!
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Und das war es auch schon. Angereichert wurde das Finale mit zahlreichen Hintergrundgeschichten zu Figuren, die bisher kaum zu sehen waren. Zahlreiche angeschnittene Themen wurden unterwegs fallen gelassen wie heisse Kartoffeln. Die Detektivarbeit bestand hauptsächlich daraus, dass Paul auf Akten gestarrt hat, in Zimmern verschwunden ist und so auf Lösungen kam. Oder es erfolgte eine göttliche Eingebung. Jordan und Ani überleben am Ende, und im ersten Moment bin ich durchaus gewillt das als Reaktion auf die Kritik nach Staffel 1 durchgehen zu lassen. Dort kamen die weiblichen Figuren ja deutlich schlechter weg. Und doch missfällt mir, dass Ani einfach so in Sicherheit gebracht wird. Über die ganze Staffel hinweg hat sie gute Leistungen gezeigt, was ist da naheliegender als sie auf ein Schiff zu verfrachten und wegzuschaffen? Davon dass Jordan als Figur völlig verschenktes Potential war will ich gar nicht erst anfangen.

Auch der Fall war am Ende einfach zu verworren. So sehr ich das Neo-Noir Genre schätze, und so sehr ich für eine gute Mystery-Story zu begeistern bin: hier wurde zu dick aufgetragen. Ich setze mich gerne mit einem Film oder einer Serie hin und sammle Versatzstücke, um mir meine eigene Theorie zurecht zu legen. Doch dafür braucht man vor allem Puzzelteile. Und die gab es hier nicht, man musste sie sich in acht mühsamen Folgen aus Nebendialogen zusammensuchen, um am Ende festzustellen dass 3/4 der gesammelten Teile eh wertlos war.

Auch zu den Figuren konnte man eher schlecht eine Bindung aufbauen. Stattfindende Entwicklung wurde mit dem Tod von drei Hauptfiguren unterbrochen, und sind wir mal ehrlich, bis auf Pauls Ableben war nichts davon irgendwie nachvollziehbar. Ray verabschiedet sich, weil er seinen Sohn noch einmal sehen will. Anfängerfehler. Frank stirbt, weil er irgendeine verdammte Bande nicht entschädigt hat. Viel zu konstruiert. Charaktere einfach sterben zu lassen ist immer die Billigstmögliche Effekthascherei, und hier wurde damit übertrieben. Wären die Figuren einem noch irgendwie ans Herz gewachsen, dann hätte man hier noch irgendeine Form von emotionalem Gewicht gespürt. Doch nach acht Folgen in denen jede kleinste Handlung zehn Minuten lang besprochen und erklärt werden musste damit man sie einordnen konnte zieht das nicht.

Dabei ist anzumerken dass es auf keinen Fall an den Schauspielern liegt. Ausnahmslos alle Hauptdarsteller liefern gute bis sehr gute Arbeit ab, aber nur weil man einen Misthaufen vergoldet wird er nicht wertvoll. Die Lovestory zwischen Ani und Ray wirkt konstruiert, und dass die traumatisierte Männerhasserin nur mal geschwängert werden muss und dann zur liebenden Mutter mutiert, die nachträglich den Namen ihrer großen One-Night-Stand Liebe klären will...einfach nein.

Ich könnte jetzt noch ein paar Zeilen über Symbolik in dieser Folge schreiben, darüber dass es um Vergebung und Wiedergutmachung geht, dass viele Figuren so aussehen als wären sie beim letzten Gebet in der Kirche. Aber ehrlich, mir fehlt die Lust dazu. Die Grundaussage der Staffel, dass das politische System hochgradig abartig und zerstört ist, ist sicher lobenswert. Visuell wusste die Staffel ebenfalls zu überzeugen, keine Frage. Doch das Gesamtbild ist dann doch zu matschig, um mich zu begeistern. Ich werde die Staffel sicher ein zweites Mal ansehen und hoffentlich ein bisschen zufriedener sein, aber bis dahin wird es wohl noch eine Weile dauern.

Letzte Notizen bevor die Akte geschlossen wird:
  • Nails zeigt echt Engagement: sicher bezahlen ihn Ani und Jordan so viele Monate später nicht mehr, aber er bleibt trotzdem da. 
  • Paul hat also einen Memorial Highway bekommen. Wie schön. 
  • Asoziale, mobbende Kinder mobben also den Jungen, den sie immer gemobbt haben, auf einmal nicht mehr, weil er eine Polizeimarke mit sich herumträgt?  
  • Bittere Ironie das Holloway am Ende vermutlich nicht stirbt weil Leonard auf ihn eingestochen hat, sondern weil seine eigenen Männer ihm ins Herz geschossen haben. 
  • Am Ende macht auch der Titelsong Sinn, er erzählt quasi Anis Geschichte nach. 
  • Jordan stellt fest, dass Frank ein schrecklicher Schauspieler ist. Meine Theorie, dass Frank also innerhalb seiner Figur den Harten markieren wollte, fühlt sich bestätigt. Geben wir bitte Vince Vaughn einen Award für Awesomeness. 
  • Wie immer an dieser Stelle: vielen Dank dass ihr mitgelesen habt, mitdiskutiert habt oder auch einfach geschwiegen habt. Wir sehen uns hoffentlich in naher Zukunft bei weiteren Recaps. Falls ihr Wünsche habt, welche Serien besprochen werden sollen, teilt euch ruhig mit, vielleicht krieg ich ja dank euch was Neues auf den Schirm :)

Review: True Detective 2.7: Black Maps and Motel Rooms

Diese Woche bei "True Detective": eine ganz neue Show, und ich will verdammt sein, aber das war anständiges Fernsehen. Ein bisschen spät wenn man bedenkt dass nur noch eine Folge übrig ist, aber besser spät als nie, würd ich meinen. In dieser Woche wurden viele Dinge endlich aufgelöst, gleichzeitig zieht sich die kollektive Schlinge um die Hälse der Protagonisten zu. Und nicht alle erreichen das Finale lebendig. Aber versuchen wir der Reihe nach vorzugehen. Außerdem in diesem Recap: die genaue Erklärung, was eigentlich los ist. Ihr dürft mir später danken.

Zuerst möchte ich diese Zeilen allerdings nutzen um mich in aller Form (die er niemals mitkriegen wird, aber egal) bei Vince Vaughn zu entschuldigen. Vier Folgen lang habe ich angenommen dass er mit den teilweise bescheuerten Dialogen überfordert war, dass er für Dramen einfach nicht so geeignet ist. Das würde ich gerne zurücknehmen. Diese Episode hat gezeigt dass er als Frank seine Sache durchaus im Griff hat, vor allem aber sorgt sie dafür dass das bisher gesehene überdacht werden muss. Ich gehe davon aus dass Frank massive Zweifel daran hatte, dass der Weg in die Legalität der richtige Weg sei. Diese Unsicherheit schimmerte dann durch, eben in Form eines etwas wackligen Schauspiels. Doch "Black Maps and Motel Rooms" wischt all das vom Tisch. Legalität ist keine Option mehr, also kann man den ganzen Laden auch direkt niederbrennen. Im wahrsten Sinne des Wortes. 
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Klären wir, zur besseren Übersicht, kurz auf was zur Hölle eigentlich los ist. Dafür müssen wir zurück ins Jahr 1992. Dort wurde ein Juwelengeschäft in LA ausgeraubt, die beiden Besitzer wurden dabei ermordet, die Kinder konnten sich im Schrank verstecken. Paul untersucht die Akte dieses Falls und findet heraus dass Detective Teague Dixon, Lt. Burris und Chief Holloway(der in dieser Folge am Ende im Tunnel unterwegs war) die diensthabenden Beamten in diesem Fall waren und schließt daraus, dass sie sich damals abgesetzt haben müssen und die Diamanten an sich nahmen. Ben Caspere, unsere Leiche aus Folge 1, arbeitete ebenfalls damals für die Polizei und war in den Fall verwickelt. Später stiegen dann alle vier in hohe Positionen in Vinci auf.

Dann ist da noch die Sache mit dem Land. Da sieht es folgendermaßen aus: Die Catalyst Corporation, Frank Semyon, der Bürgermeister, Ben Caspere und Osip (der russisch-israelische Typ) haben alle günstiges Land in Californien gekauft. Das Land wurde absichtlich vorher vergiftet, um den Preis zu drücken. Alle haben untereinander einen Deal geschlossen, sie wollten ihr Land an die Regierung verkaufen, damit eine Bahnstrecke gebaut werden kann. Kurzum: eine Menge Kohle für alle Beteiligten.

An diesem Punkt setzt die zweite Staffel ein. Caspere wird von dem Mann in der Rabenmaske ermordet. Franks Investment bricht zusammen. Am Ende läuft es darauf hinaus dass reiche Leute noch reicher werden wollen. Dafür morden und erpressen sie. Wer genau Caspere allerdings umgebracht hat ist unklar, denn dass seine Mitverschwörer dahinter stecken ist dann doch unwahrscheinlich. Wie praktisch dass unsere Ermittler herausgefunden haben dass die Tochter des Ladenbesitzers von 1992 nun als Eskortmädchen arbeitete und irgendwann Casperes Assistentin wurde. Sie ist auf den Fotos von den Sexparties zu sehen. Sie hat einen Bruder, um die 30 Jahre alt, dunkelhaarig, arbeitet als Setfotograf für kleinere Filmproduktionen. Eventuell besitzt er auch eine Rabenmaske. Näheres erfahren wir hoffentlich in der kommenden Woche
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Garniert wurde diese Auflösung des Falls mit einer ganzen Menge Action und Drama. Frank hat endlich die Schnauze voll von so ziemlich allen Personen in seinem Umfeld. Er konfrontiert Blake, der den wirklich durchdachten Vorschlag hat, die Leute in deren Auftrag er Frank hintergeht gemeinsam mit Frank zu hintergehen (soll ihm da noch mal jemand folgen...). Franks Antwort darauf ist stilsicher: ein Whiskyglas, mitten ins Gesicht. Dicht gefolgt von einem gezielten Schuss in den Bauch: "Look me in the eyes, I want to watch your lights go out". Dass Blake ihn seit Jahren hintergeht, ihm damals den falschen Typen als Vergewaltiger von Rays Frau präsentiert hat und dann auch noch seinen Teppich versaut ist eben einfach eine Spur zu viel. Seine Frau Jordan scheint darüber hinaus schwanger zu sein, und so ist es an der Zeit alte Brücken abzubrennen. Frank zündet also das Casino an, denn wenn er kein Geld hat sollen die Russen gefälligst ebenso auf dem Trockenen sitzen bleiben. Frank scheint zum Schluss zu kommen dass seine ehrlichen Pläne nicht zielführend sind, aber immerhin wäre er ein Gangster mit Moralvorstellungen. Ob man das gleiche von Jordan behaupten kann? Sie war auffällig schnell an Ort und Stelle. Jedenfalls hat Frank jetzt eine Menge Geld und viele Waffen, was in Vinci definitiv keine schlechte Ausgangslage ist.

Die Arschkarte der Episode geht definitiv an Paul. Halten wir an dieser Stelle kurz einen Moment inne und lassen sein Leben nochmal durchlaufen: Die Mutter ist ein Fall für irgendeinen Beratungsdienst. Paul kriegt sein ganzes Leben eingetrichtert, wie ein Mann zu sein hat. Dementsprechend unterdrückt er, was er eigentlich ist und eifert einem Idealbild nach. Am Ende wird er so durch die Fotos, die Dixon vor seinem Ableben angefertigt hat, erpressbar. Dass es sein ehemaliger Kollege und Liebhaber ist, der ihm sagt "hättest du mal offen dazu gestanden, dann wäre das hier nicht passiert", tut doppelt weh und ist auch ein wunderbarer Seitenkommentar auf unsere eigene Gesellschaft. Während diese zwar anteilig immer offener und akzeptierender wird werden einzelne Stimmen immer lauter, die nicht in der Lage sind andere Menschen zu akzeptieren. Alle naselang wird einem eingeredet, man sei unnormal, man sei selbst schuld daran, man könnte sich ändern, wenn man nur wollen würde. Ich will nicht wissen, wie viel Leid daraus entsteht.

Vor seinem Ableben hat er allerdings noch einmal mächtig aufgeräumt. Das Konglomerat aus Catalyst Corporation, dem Polizeichef und den Blackrock-Sölndern hat am Ende einige Opfer zu beklagen. Doch dann ist es Lt. Burris, der zur falschen Zeit am falschen Ort auftaucht und Paul hinterrücks erschießt. Hätte man durchaus mit rechnen können. Von allen damaligen Beteiligten sind ja nur noch zwei übrig, und Holloway tauchte schon im Tunnel auf. Doch Paul bettelt nicht, sondern geht mit einem fetten "Fuck you" aus diesem Leben. Hoffen wir, dass sein Kind in einer besseren Welt aufwachsen wird. Taylor Kitsch verdient wirklich eine große Portion Lob für seine Rolle hier. Auch wenn ich mir nach all dem Drama ehrlich gewünscht hätte, dass er da lebend rauskommt. 

Ani beginnt die Episode mit dem herunterkommen von ihrem Drogentrip. Wie gut, dass Ray da ist, an den macht sie sich im Rausch noch schnell heran. Aber nicht mit Ray, denn er gehört zu den guten Jungs. Nach dem Ausnüchtern kriegt Ani dann Gelegenheit, mit der Frau zu sprechen, die sie mitgenommen hat. Doch die zeigt sich wenig kooperativ. Als es dann Zeit wird, die Familie in Sicherheit zu bringen, bekommt sie Gelegenheit sich mit ihrem Vater auszusprechen. Wie sich herausstellt hat der mit dem Fall wirklich nichts zu tun, und ihm tut es unendlich leid was mit seiner Tochter damals passiert ist. Details erfahren wir nicht, aber wir wissen dass sie vier Tage lang weg gewesen ist, in der Gewalt des Typen an dessen Gesicht sie sich nun erinnert. Ihr ehemaliger Kollege hilft der Familie dann bei der Flucht, und Ani stellt einen neuen Rekord in Sachen "Umarmungen an einem Tag" auf. Ob man ihrem ehemaligen Kollegen trauen kann wird sich zeigen, sicher bin ich mir da nicht.
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Ray läuft ebenfalls in eine Falle, doch er reagiert blitzschnell und macht sich wieder auf die Flucht. So langsam wird klar, dass es für unsere Detectives wirklich nicht gut aussieht, denn es ist einfach niemand mehr da, der ihnen helfen könnte. Dafür kommen er und Ani sich am Ende der Folge dann völlig nüchtern ein wenig näher. So sehr mir dieses "ich überkomme meine schwere Vergangenheit und das Trauma des Missbrauchs und entdecke den "guten" Typen Klischee auf die Nerven geht, die beiden passen gut zusammen. Auch die Art der Annäherung gefällt mir. Dafür, dass beide so viel durchgemacht haben gehen sie langsam vor, Ani legt ihre Hände in die von Ray, beide zeigen sich, dass sie sich vertrauen. Irgendwie fühlt es sich noch immer an wie "wir brauchen eine Lovestory, die beiden sind grad da", aber naja.

"Black Maps and Motel Rooms" kommt dabei nicht ohne Fehler daher. Zwischen den einzelnen Szenen ist alles so vollgepackt mit Erklärungen, dass man die Folge am besten zweimal schaut, um wirklich alles mitzukriegen. In vielen Fällen sind mir die Figuren noch immer nicht sympathisch genug um wirklich mitzufühlen. Und bei einigen habe ich einfach auch noch immer keine Ahnung, wer sie eigentlich sind. Ich weiß jetzt, dass eine Frau namens Tasha in der kleinen Hütte gestorben ist und vorher Fotos gemacht hat. Aber wer Tasha war? Keine Ahnung. Immerhin hab ich rausgefunden wer Stan war. So bin ich mir recht sicher, dass wir kommende Woche ein zufriedenstellendes Finale bekommen werden. Doch der Weg dahin hat zu lange gedauert, zu viel Zeit wurde mit Nichtigkeiten vergeudet. Bei all den Nichtigkeiten ist man als Zuschauer gefordert, jederzeit alles im Blick zu behalten, aber wenn ich mich so im Internet umsehe, dann scheine nicht nur ich damit massive Probleme gehabt zu haben. Dass nun am Ende alles zusammenfindet ist eine schöne Angelegenheit, aber ich frage mich, ob das Chaos im Vorfeld nötig war.


Notizen für die Akten: 
  • Willkommen im Internet. Der Ort, an dem Screenshots von ALLEM angefertigt werden. Auch von Shoppinglisten, die sich einfach wiederholen. Ehrlich, hatte niemand 2 Minuten Zeit um eine verdammte Liste zu schreiben? 
  • Paul Woodrugh, Wortakrobat. "These pictures. Pictures of me". Da hab ich 'nen Song parat
  • Regie führte diese Episode Daniel Attias. Danke an dieser Stelle für die schicke Aufnahme von Colin Farrell, der das größte "Nope" des Jahres liefert. Rein ins Auto, anfangen zu reden, realisieren dass die Lady tot ist, raus aus dem Auto. Pure Effizienz. Außerdem hätte ich bitte gerne viele Bilder von Leuten, die sich diese Staffel irgendwo gegenüber saßen.
  • Überhaupt, good guy Ray Velcoro, nutzt nicht aus dass Ani unter Drogeneinfluss stand. Stattdessen bietet er Hilfe an: "You want me to roll a joint?". Hach. 
  • James Frain ist auch nur in Serien, um anderen gegenüber möglichst asozial zu sein, oder? Verdammte Camper immer. Lernen die Leute nie, dass man die Ecken überprüfen muss?
  • Der Frank der Woche: "In the midst of being gang banged by forces unseen, I figure I’d drill a new orifice, go on and fuck myself for a change.". Eigentlich aber auch jeder andere Satz, den er in dieser Folge loswurde. 
  • Pauls Freundin und seine Mutter müssen jetzt für immer in diesem Motelzimmer bleiben, richtig?

Review Hannibal 3.09: And the Woman Clothed with the Sun

Die zweite Folge der "Roter Drache" Storyline beweist eindrucksvoll, dass der Zeitsprung von drei Jahren sich gelohnt hat. Viele Figuren haben sich gewandelt, doch einige sind noch exakt die gleichen wie vor drei Jahren. Schauen wir uns der Reihe nach an, was passiert ist. 

Die Folge setzt nahtlos an der vorherigen an, und Will und Hannibal stehen sich nach drei Jahren zum ersten Mal wieder gegenüber. Die üblichen Höflichkeiten werden ausgetauscht, auch wenn man bei Hannibal durchaus fiese Untertöne heraushören kann. Effektiv wird in dieser Episode das Thema des Mind Palace aufgegriffen, den sowohl Hannibal als auch Will jeweils für sich erschaffen haben. Doch, und das wurde ja in der zweiten Staffel bereits betont, beide teilen sich auch einige Räume, und auf diese greifen sie nun zu. Dies ermöglicht wunderschöne Bilder der beiden vor einem riesigen Vollmond. Man kann über die Serie denken und sagen was man will, aber visuell ist sie ein richtiges Schatzkästchen. Auch die Aufnahmen um Hannibals Zelle, in dessen Glaswand Will und Hannibal kurz zu einer Person verschmelzen wissen zu gefallen.
© NBC
Im Gespräch der beiden wird dann auch schnell deutlich, um welches Thema es in dieser Woche geht: Familie. “Like you Will, he [The Tooth Fairy] needs a family to escape what’s inside of him.”. Treffsicher analysiert Hannibal, was momentan vor sich geht. Da er Will als Teil seiner eigenen Familie betrachtet ergibt sich recht schnell ein Konflikt, denn Will hat sich eine neue, gesündere Familie zugelegt. Dass er nun einen Adoptivsohn hat macht ebenfalls Sinn, denn Will hat vermutlich höllische Angst davor, die labilen Teile seiner Persönlichkeit weiterzugeben. Hannibal macht keinen Hehl daraus, Wills Entscheidung zu diskreditieren. Nach drei Jahren in einer Zelle dürfte er sich langsam fragen ob es die Aufgabe seiner Freiheit wert war, denn so wirklich viel hat er von Will bisher nicht gehabt. 

Passend zur kleinen, nicht mehr so fröhlichen Familie der beiden "Murder Husbands" (Willkommen zurück, Freddie Lounds!) gibt es ein paar Flashbacks aus Hannibals Sicht. Hier wird aufgeklärt was genau zwischen Hannibal und Abigail passiert ist. Wie auch Will ist sie fasziniert von Hannibal und spielt sein Spiel mit, wohl wissend dass es mit ihrem eigenen Tod enden könnte. Während die Szenen einige Lücken füllen und uns erneut zeigen wie Hannibals Konzept einer Familie aussieht, empfand ich sie durchaus als ablenkend und weniger effektiv. Abigails Einsatz in der ersten Hälfte der Staffel war da weitaus effektiver. 

An anderer Stelle demonstriert Alana, dass sie nun eindeutig die Chefin in der Anstalt ist. Sie hat alle Schlüssel, sie kann Hannibal all die Annehmlichkeiten wegnehmen, die er in seiner Zelle genießt. Nebenbei erfahren wir, dass sie und Margot noch immer zusammen sind und Alana tatsächlich ein Baby ausgetragen hat. Ich hoffe, das Kind erbt ihren Sinn für Kleidung. Deutlich wird auch, dass Alana sich in einer Beschützerposition sieht. Inwiefern Hannibal also indirekt Kontrolle über sie ausübt (da sie sich ja gezwungen sieht die Außenwelt vor ihm zu schützen) wäre eine Frage, die ich gerne geklärt hätte. Tritt Alana Chiyohs Nachfolge an? Jack hingegen hat das erste Mal in drei Staffeln unklare Motive. Seine letzte Szene mit Hannibal zeigt, dass er Freddie verraten hat, dass Will und Hannibal sich wiedergesehen haben. Sicher, sein "it takes a killer to catch a killer" Ansatz mag nicht ganz falsch sein, doch wieder einmal opfert er Will für das augenscheinliche Allgemeinwohl. Ich bin mir nicht sicher, ob Hannibal dies so durchgehen lassen wird.
© NBC
Familie spielt auch für Francis Dolarhyde, also unseren Roten Drachen, eine große Rolle. Dass es in seiner Familie nicht rund läuft und lief spürt man bereits in der kurzen Zwischensequenz, in der er bei einer älteren Frau (vermutlich seine Großmutter) zu Besuch ist. Der Drang, die perfekte Familie zu ermorden resultiert möglicherweise aus dem Fehlen einer solchen in seinem eigenen Leben. Die Scherben der Spiegel ermöglichen ihm die volle Konzentration auf sich selbst, das erkennen in anderen Personen. Sein eigener Job im Entwicklungslabor für Filme reflektiert dieses Handeln auf umgedrehte Weise. Zwar ist er dort sozusagen von Menschen umgeben, doch die Bilder können ihn nicht ansehen, während er selbst alle Zeit der Welt hat, andere Menschen zu beobachten. Und so vielleicht seine Mordopfer zu finden? Wer weiß. Dem steht Reba McClane gegenüber. Sie ist blind, sieht also weder die Menschen auf den Bildern noch die um sich herum. Mitleid verabscheut sie, und bei Dolarhyde ist sie damit genau an der richtigen Adresse, denn Mitleid kann er nicht geben. Und doch scheint Reba zu ihm durchzudringen, denn dem Drachen in seinem Kopf scheint diese neue Art der Interaktion mit anderen Menschen so gar nicht zu gefallen. Die Zeichen für die restlichen Folgen stehen also auf Sturm, und wir dürfen gespannt sein was noch passieren wird.

Menü des Tages:
  • Endlich gibt jemand Rutina Wesley mal etwas zu tun. Als Tara war sie bei "True Blood" sowas von verschenkt. 
  • Das Rezept der Woche kommt dieses Mal aus Schweden, ist aber trotzdem amerikanisch wie sonst was: Cherry Pie, Twin Peaks Style
  • Will Graham: die männliche Version der "crazy cat lady" Trope, nur mit Hunden. Wie viele davon will er noch adoptieren? Ich hoffe Bryan Fuller hält sich an sein Versprechen, keine Hunde in der Show zu ermorden. Schätze die Proteste nach der Episode mit Randall Tier haben Wirkung gezeigt. Ob der Kommentar der beiden FBI-Spezis darauf anspielte?
  •  Freddie Lounds fängt mit einem Blog an, und drei Jahre später hat sie eine eigene Zeitung? Sie ist jetzt mein Vorbild. Auch wenn diese Reihenfolge dem aktuellen Diktat der Medienstruktur völlig widerspricht. Wer liest noch richtige Zeitungen?
  • Schön, wenn Begriffe die auf Tumblr geprägt wurden ihren Weg in die Show finden. Ob man den Erfinder von "Murder Husbands" ausfindig machen kann?
  • "I love a good finger-wagging." "Yes, you do. How is Margot?". Hannibal kümmert sich jetzt allein um das Innuendo, wo Mason ja nun nicht mehr da ist. 
  • Bryan Fuller ließ über Twitter bereits zur Premiere der ersten Staffel verlauten, dass der erste Mord (an der Marlowe-Familie) vom Roten Drachen begangen wurde. 

Wie immer findet ihr das Recap auch bei Moviebreak
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