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Recap: Game of Thrones 7.1: Dragonstone

© HBO
Willkommen zurück, falls ihr bisher schon treu mitgelesen habt. Und willkommen an Bord, falls ihr diesen Blog erst im letzten Jahr entdeckt habt und euch bisher der akute "Game of Thrones" Wahnsinn, der sich hier abspielt, entgangen ist. Offensichtlich ist alles, was nach diesem kleinen Absatz steht, voller Spoiler. Falls ihr die Episode also noch nicht gesehen habt und eine Allergie gegen besagte Spoiler habt: Husch husch mit euch, weg von hier. Alle anderen: nehmt euch ein gutes Glas Wein (keine Angst, wir servieren heute einen guten, dornischen Tropfen) und lasst den Staffelauftakt nochmals Revue passieren.

Recap: Game of Thrones 6.10: The Winds of Winter

Winter is here. © HBO
Okay, Leute. Tief durchatmen, die Krokodilstränen trocknen und nach vorne schauen. Wir haben eine weitere Staffel "Game of Thrones" durchgestanden, und ohne hier irgendwie voreilig ein Fazit ziehen....ach komm. Beste Staffel ever. There, I said it. Klar, die Euphorie ist groß, das Adrenalin kursiert durchs Blut wie irre, aber sind wir mal ehrlich, das war schon großes Kino. Schauen wir uns also ein letztes Mal für dieses Jahr gemeinsam an, was eigentlich passiert ist. 

Recap: Game of Thrones 6.9: Battle of the Bastards


© HBO
Wir sind in der vorletzten Folge angekommen, und mittlerweile steht auch so ziemlich sicher fest, dass die beiden nächsten Staffeln a) das Finale bilden und b) jeweils nur sieben Folgen haben werden. Zeit also, schreiend im Kreis zu laufen. Aber bevor ihr losrennt quatschen wir noch ein bisschen über "Battle of the Bastards", Generationenprobleme, fähige und unfähige Herrscher und natürlich über Haustiere.

Recap: Game of Thrones 6.8: No One

Selbstgefälliges Fressbrett auf 12 Uhr. © HBO
Noch einmal kurz inne halten und Luft holen vor dem (hoffentlich) großen Finale: "No One" bringt die letzten Figuren auf dem Schachbrett in Position, meuchelt nebenbei ein paar Fan-Theorien und verläuft überraschenderweise sowohl ruhig als auch größtenteils vorhersehbar. Also füllt euer Glas mit "The Imp's Delight" und lasst die Folge noch einmal Revue passieren.

Recap: Game of Thrones 6.7: The Broken Man

© Steven Depolo
Ihr fragt euch sicher, was es mit dieser zuckersüßen Zimtschnecke dort oben auf sich hat. Aber keine Panik, ihr seid am richtigen Fleck, hier gibt es das Recap / Review zur aktuellen Folge "Game of Thrones", dieses Mal wundervoll betitelt mit "The Broken Man". Was leckeres skandinavisches Gebäck mit der Serie zu tun hat erfahrt ihr nach dem Jump Break. 

Recap: Game of Thrones 6.6: Blood of my Blood

Es ist kein Spoiler wenn es ein Flashback ist! © HBO
Und da sind wir schon wieder, nun offiziell im zweiten Teil der sechsten Staffel von "Game of Thrones". Wie ihr am Bild oben unschwer erkennen könnt gibt es auch hier wieder Flashbacks. Ich will ja nichts sagen, aber ich habe bei dieser Episode ein paar Mal vor Freude rumgejault wie ein räudiger Straßenköter. etwas lauter gejubelt. Ähm....also. Nach der fulminanten letzten Episode kommen die Dinge wieder ein wenig zur Ruhe, jedenfalls für einen kurzen Moment. Doch dann läuft unsere liebste Serie mal wieder zur Höchstform auf. Wenn es darum geht, so viel Chaos wie möglich vorzubereiten. Und einige lang vermisste Mitstreiter tauchen wieder auf der Bildfläche auf. Alles beim Alten, sozusagen. Wie immer geht es nach dem Jump Break weiter, ihr kennt das ja mittlerweile. 

Recap: Game of Thrones 6.5: The Door

Aus jeder guten Tragödie wird mal eine Komödie auf der Bühne © HBO
Ja, ich bin diese Woche etwas später dran, ich weiß. Aber die aktuelle Folge war nur schwer zu verdauen, und ich bin mir beim schreiben dieses Intros auch noch nicht ganz sicher, ob ich überhaupt bis zum Ende komme. Und am Wochenanfang lag ich noch krank im Bett. Optimal gelaufen, würd ich sagen. Wir werden sehen. Auch diese Episode war randvoll mit heftigen Ereignissen, krassen Offenbarungen und jeder Menge Drama. Wie immer geht es mit einem Klick auf "weiterlesen" zum ganzen Text, wir wollen ja niemanden spoilern. 

Recap: Game of Thrones 6.4: Book of the Stranger

Na wenn das nicht Littlefinger höchstpersönlich ist! © HBO
"Game of Thrones" zeigt in der aktuellen Staffel eine Seite der Serie, die bisher deutlich zu kurz kam. Auch in "Book of the Stranger" passieren zahlreiche Dinge, die, besonders im Rahmen der Serie, richtigen Anlass zur Freude bringen. Ist nun deshalb in Essos und Westeros wieder alles in Butter? Mitnichten. Kommt also mit auf eine Reise in die vierte Folge der sechsten Staffel und lasst die Episode noch einmal Revue passieren. Wie immer geht es nach dem Jump Break weiter, es soll ja niemand gespoilert werden. 

Recap: Game of Thrones 6.3: Oathbreaker

© HBO

Auch die dritte Episode, passend mit "Oathbreaker" betitelt, hält das bisher erfreulich hohe Niveau der sechsten Staffel. Zwischen Flashbacks, Wiederkehrern, alten Bekannten und neuen Gesichtern ereignete sich in dieser Woche so einiges. Verlieren wir also keine Zeit und steigen direkt in die Episode ein. Weiter geht es wie immer mit heftigen Spoilern nach dem Jump Break. 

Recap: Game of Thrones 6.2: Home

© HBO
Die Zeit rast, und wir hatten bereits das Vergnügen mit der zweiten von insgesamt zehn Episoden "Game of Thrones". Erneut haben wir es mit einer extrem kurzweiligen Episode zu tun, in der so einiges passiert ist. Zur detaillierten Besprechung gelangt ihr aus Spoiler-Gründen mit einem Klick unten links in dieser Vorschau. Das ganze Recap wartet dann nach dem Jump Break auf euch. 

Recap: Game of Thrones 6.1: The Red Woman

© HBO
Ja, die Recap-Sektion in diesem Blog liegt furchtbar brach. Und ja, mir tut das in der Seele weh. Aber welcher Zeitpunkt bietet sich besser für eine Reaktivierung an, als der Start der neuen Staffel "Game of Thrones"? Eben. Also, ohne große Umschweife legen wir einfach direkt los, denn es gibt eine Menge zu besprechen. Für alle Neulinge, die bisher immer nur Filmkritiken hier gelesen haben: 

Dieser Beitrag ist schrecklich dunkel und randvoll mit Spoilern! Falls ihr Episode eins der sechsten Staffel noch nicht gesehen habt, dann husch husch, ab mit euch! Danach dürft ihr gerne wiederkommen und den Austausch suchen. 

Alle anderen: setzt euch, nehmt euch ein Glas dornischen Wein. Es hat sich nichts am Aufbau verändert, niemand muss sich umgewöhnen. Also, los gehts. Damit niemand beim drüberlesen gespoilert wird gibt es einen schicken, kleinen Jump Break. Also, bitte einmal klicken.

Review: True Detective 2.8: Omega Station

© HBO
Und da wären wir auch schon durch mit der zweiten Staffel "True Detective". Und weil Abschiede ja so schön sind bekommen wir gleich 90 Minuten serviert. Die, soviel kann man direkt festhalten, absolut nicht nötig gewesen wären. Schauen wir zunächst mal, was in der Folge passiert ist und diskutieren dann, ob man dafür wirklich 90 verdammte Minuten gebraucht hätte.

Frank hat nach seinem Ein-Mann-Aufräumkommando der letzten Woche schon vorgesorgt. Mit seinem letzten verbliebenen Angestellten, Nails, will er Jordan schonmal nach Venezuela schicken. Denn die Dame muss in Sicherheit gebracht werden. Letzte Zweifel an Jordans Loyalität werden gemeinsam mit dem Ehering aus dem Fenster geworfen. Jordan ist übrigens auch nicht schwanger, wie man nach der letzte Woche durchaus annehmen konnte. Die Gute bricht also nach Venezuela auf, nachdem sich noch ein bisschen über das erste Treffen (weiße Kleider und rote Rosen, Romantik pur) unterhalten wurde. Sehr süß.

Ray und Ani tauschen derweil postkoitale Geschichten aus, bis sie auf die Idee kommen mal bei Paul anzurufen. Da geht aber Burris ans Telefon und übermittelt die Nachricht von Pauls Ableben. Irgendwie schaffen es die beiden dann, nach diesem Anruf den restlichen Fall zusammenzupuzzeln. Natürlich waren es die beiden Waisenkinder des Raubüberfalls, die sich nun rächen wollen. Aber auf diese Tatsache kommt man nicht mittels anständiger Detektivarbeit, sondern die Erleuchtung kommt einfach so. Man reist also fix zum Haus der Geschwister. Dort finden sie Laura (vorgestellt wurde sie als Erica) an den Kamin angekettet vor. Ihr Bruder Lenny ist schon unterwegs, um den Polizeichef umzubringen. Lenny befindet sich nämlich mitten in seinem eigenen, kleinen Rachefeldzug. Falls ihr euch wundert: die Geschwister waren zuletzt in der dritten Folge zu sehen, ist also eine Weile her. Ani verfrachtet Laura in den nächstbesten Bus, Ray bricht zum Treffpunkt von Lenny und Holloway auf.
© HBO
Am Bahnhof angekommen sieht es zunächst auch ganz gut aus. Wir erfahren dass Casperes Leiche einmal durch die Stadt kutschiert wurde, weil "es lustig war". Wieso man ihm die Augen verätzte und ihn nachträglich kastriert hat? Spielt keine Rolle mehr. Schätze, Lenny war echt wütend. Doch natürlich hält die Ruhe nicht lange an, und am Ende sterben Lenny und Holloway, Burris (der sich irgendwie im Bahnhof aufhielt, Ray aber nicht entdeckt hat) kassiert einen Streifschuss. Ray kann entkommen. Lenny rastet übrigens aus, weil Holloway erzählt dass Laura die uneheliche Tochter von Caspere war.

Nun befinden sich theoretisch alle auf der Flucht. Wie gut und praktisch dass die Barkeeperin in der Stammkneipe nebenbei Menschen aus dem Land schleust. Nachdem wir aus heiterem Himmel ihre Hintergrundgeschichte erfahren sitzt Ani auch schon mit ihr in einem Boot und cruist in den Sonnenuntergang. Vorher ist sie noch bei Doktor Pitlor eingebrochen, um mehr Beweise zu sammeln, aber der Doktor lebt schon nicht mehr. Ohne Frage wurde er ermordet, doch der Mörder lies es nach Selbstmord aussehen. Ray findet ganz ähnliche Verhältnisse in der Villa der Chessanis vor, dort treibt der Bürgermeister tot im Pool umher. Seine verstörte und verwirrte Frau verdächtigt ihren Sohn, der vor fünf Folgen mal kurz durchs Bild gehuscht ist.

Frank und Ray verhindern dann noch eine Geldübergabe, deren genauere Abläufe wir an dieser Stelle nicht hinterfragen wollen. Danach gehen die beiden getrennte Wege. Frank wird auf dem Weg nach Venezuela von einer Bande abgefangen, über deren Herkunft ich jetzt auch nichts weiter zu berichten habe. In der Wüste wird er dann stilecht hingerichtet, geht aber mit seinen Illusionen noch ein wenig in der Wüste spazieren. Hätte er den Anzug mit den Diamanten drin mal besser rausgerückt. Als dann Jordan in ihrem weißen Kleid auftaucht ging das ganze Spiel auch schon ein paar Minuten zu lang, und wir erfahren dass Frank schon eine ganze Weile tot in der Wüste lag. Drama, Baby, Drama.

Ray wird ebenfalls verfolgt, ihm hat sich Burris an die Fersen geheftet. Doch als echter Vater (wie wir später erfahren) verabschiedet er sich noch von seinem Sohn. Jeder aufmerksame Zuschauer weiß spätestens an dieser Stelle, dass Ray die Folge nicht überleben wird. Und so stirbt Ray wenig später im Kugelhagel im Wald. Die letzte Nachricht an seinen Sohn konnte sein Handy nicht mehr hochladen, und die daran anknüpfende Montage zeigt uns, dass die Bösen gewonnen haben. Die Bahnstrecke wird gebaut, Chessani Junior ist Bürgermeister.

Doch irgendwo in Venezuela haben sich Jordan und Ani gefunden. Ani hat aus der kurzen Affäre mit Ray sogar ein Kind als Souvenir mitnehmen dürfen. Und sie hat all ihre gesammelten Dokumente und Beweise gesammelt und dem Journalisten übergeben, den Ray in der ersten Folge zusammengeschlagen hat. Way to go!
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Und das war es auch schon. Angereichert wurde das Finale mit zahlreichen Hintergrundgeschichten zu Figuren, die bisher kaum zu sehen waren. Zahlreiche angeschnittene Themen wurden unterwegs fallen gelassen wie heisse Kartoffeln. Die Detektivarbeit bestand hauptsächlich daraus, dass Paul auf Akten gestarrt hat, in Zimmern verschwunden ist und so auf Lösungen kam. Oder es erfolgte eine göttliche Eingebung. Jordan und Ani überleben am Ende, und im ersten Moment bin ich durchaus gewillt das als Reaktion auf die Kritik nach Staffel 1 durchgehen zu lassen. Dort kamen die weiblichen Figuren ja deutlich schlechter weg. Und doch missfällt mir, dass Ani einfach so in Sicherheit gebracht wird. Über die ganze Staffel hinweg hat sie gute Leistungen gezeigt, was ist da naheliegender als sie auf ein Schiff zu verfrachten und wegzuschaffen? Davon dass Jordan als Figur völlig verschenktes Potential war will ich gar nicht erst anfangen.

Auch der Fall war am Ende einfach zu verworren. So sehr ich das Neo-Noir Genre schätze, und so sehr ich für eine gute Mystery-Story zu begeistern bin: hier wurde zu dick aufgetragen. Ich setze mich gerne mit einem Film oder einer Serie hin und sammle Versatzstücke, um mir meine eigene Theorie zurecht zu legen. Doch dafür braucht man vor allem Puzzelteile. Und die gab es hier nicht, man musste sie sich in acht mühsamen Folgen aus Nebendialogen zusammensuchen, um am Ende festzustellen dass 3/4 der gesammelten Teile eh wertlos war.

Auch zu den Figuren konnte man eher schlecht eine Bindung aufbauen. Stattfindende Entwicklung wurde mit dem Tod von drei Hauptfiguren unterbrochen, und sind wir mal ehrlich, bis auf Pauls Ableben war nichts davon irgendwie nachvollziehbar. Ray verabschiedet sich, weil er seinen Sohn noch einmal sehen will. Anfängerfehler. Frank stirbt, weil er irgendeine verdammte Bande nicht entschädigt hat. Viel zu konstruiert. Charaktere einfach sterben zu lassen ist immer die Billigstmögliche Effekthascherei, und hier wurde damit übertrieben. Wären die Figuren einem noch irgendwie ans Herz gewachsen, dann hätte man hier noch irgendeine Form von emotionalem Gewicht gespürt. Doch nach acht Folgen in denen jede kleinste Handlung zehn Minuten lang besprochen und erklärt werden musste damit man sie einordnen konnte zieht das nicht.

Dabei ist anzumerken dass es auf keinen Fall an den Schauspielern liegt. Ausnahmslos alle Hauptdarsteller liefern gute bis sehr gute Arbeit ab, aber nur weil man einen Misthaufen vergoldet wird er nicht wertvoll. Die Lovestory zwischen Ani und Ray wirkt konstruiert, und dass die traumatisierte Männerhasserin nur mal geschwängert werden muss und dann zur liebenden Mutter mutiert, die nachträglich den Namen ihrer großen One-Night-Stand Liebe klären will...einfach nein.

Ich könnte jetzt noch ein paar Zeilen über Symbolik in dieser Folge schreiben, darüber dass es um Vergebung und Wiedergutmachung geht, dass viele Figuren so aussehen als wären sie beim letzten Gebet in der Kirche. Aber ehrlich, mir fehlt die Lust dazu. Die Grundaussage der Staffel, dass das politische System hochgradig abartig und zerstört ist, ist sicher lobenswert. Visuell wusste die Staffel ebenfalls zu überzeugen, keine Frage. Doch das Gesamtbild ist dann doch zu matschig, um mich zu begeistern. Ich werde die Staffel sicher ein zweites Mal ansehen und hoffentlich ein bisschen zufriedener sein, aber bis dahin wird es wohl noch eine Weile dauern.

Letzte Notizen bevor die Akte geschlossen wird:
  • Nails zeigt echt Engagement: sicher bezahlen ihn Ani und Jordan so viele Monate später nicht mehr, aber er bleibt trotzdem da. 
  • Paul hat also einen Memorial Highway bekommen. Wie schön. 
  • Asoziale, mobbende Kinder mobben also den Jungen, den sie immer gemobbt haben, auf einmal nicht mehr, weil er eine Polizeimarke mit sich herumträgt?  
  • Bittere Ironie das Holloway am Ende vermutlich nicht stirbt weil Leonard auf ihn eingestochen hat, sondern weil seine eigenen Männer ihm ins Herz geschossen haben. 
  • Am Ende macht auch der Titelsong Sinn, er erzählt quasi Anis Geschichte nach. 
  • Jordan stellt fest, dass Frank ein schrecklicher Schauspieler ist. Meine Theorie, dass Frank also innerhalb seiner Figur den Harten markieren wollte, fühlt sich bestätigt. Geben wir bitte Vince Vaughn einen Award für Awesomeness. 
  • Wie immer an dieser Stelle: vielen Dank dass ihr mitgelesen habt, mitdiskutiert habt oder auch einfach geschwiegen habt. Wir sehen uns hoffentlich in naher Zukunft bei weiteren Recaps. Falls ihr Wünsche habt, welche Serien besprochen werden sollen, teilt euch ruhig mit, vielleicht krieg ich ja dank euch was Neues auf den Schirm :)

Review: True Detective 2.7: Black Maps and Motel Rooms

Diese Woche bei "True Detective": eine ganz neue Show, und ich will verdammt sein, aber das war anständiges Fernsehen. Ein bisschen spät wenn man bedenkt dass nur noch eine Folge übrig ist, aber besser spät als nie, würd ich meinen. In dieser Woche wurden viele Dinge endlich aufgelöst, gleichzeitig zieht sich die kollektive Schlinge um die Hälse der Protagonisten zu. Und nicht alle erreichen das Finale lebendig. Aber versuchen wir der Reihe nach vorzugehen. Außerdem in diesem Recap: die genaue Erklärung, was eigentlich los ist. Ihr dürft mir später danken.

Zuerst möchte ich diese Zeilen allerdings nutzen um mich in aller Form (die er niemals mitkriegen wird, aber egal) bei Vince Vaughn zu entschuldigen. Vier Folgen lang habe ich angenommen dass er mit den teilweise bescheuerten Dialogen überfordert war, dass er für Dramen einfach nicht so geeignet ist. Das würde ich gerne zurücknehmen. Diese Episode hat gezeigt dass er als Frank seine Sache durchaus im Griff hat, vor allem aber sorgt sie dafür dass das bisher gesehene überdacht werden muss. Ich gehe davon aus dass Frank massive Zweifel daran hatte, dass der Weg in die Legalität der richtige Weg sei. Diese Unsicherheit schimmerte dann durch, eben in Form eines etwas wackligen Schauspiels. Doch "Black Maps and Motel Rooms" wischt all das vom Tisch. Legalität ist keine Option mehr, also kann man den ganzen Laden auch direkt niederbrennen. Im wahrsten Sinne des Wortes. 
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Klären wir, zur besseren Übersicht, kurz auf was zur Hölle eigentlich los ist. Dafür müssen wir zurück ins Jahr 1992. Dort wurde ein Juwelengeschäft in LA ausgeraubt, die beiden Besitzer wurden dabei ermordet, die Kinder konnten sich im Schrank verstecken. Paul untersucht die Akte dieses Falls und findet heraus dass Detective Teague Dixon, Lt. Burris und Chief Holloway(der in dieser Folge am Ende im Tunnel unterwegs war) die diensthabenden Beamten in diesem Fall waren und schließt daraus, dass sie sich damals abgesetzt haben müssen und die Diamanten an sich nahmen. Ben Caspere, unsere Leiche aus Folge 1, arbeitete ebenfalls damals für die Polizei und war in den Fall verwickelt. Später stiegen dann alle vier in hohe Positionen in Vinci auf.

Dann ist da noch die Sache mit dem Land. Da sieht es folgendermaßen aus: Die Catalyst Corporation, Frank Semyon, der Bürgermeister, Ben Caspere und Osip (der russisch-israelische Typ) haben alle günstiges Land in Californien gekauft. Das Land wurde absichtlich vorher vergiftet, um den Preis zu drücken. Alle haben untereinander einen Deal geschlossen, sie wollten ihr Land an die Regierung verkaufen, damit eine Bahnstrecke gebaut werden kann. Kurzum: eine Menge Kohle für alle Beteiligten.

An diesem Punkt setzt die zweite Staffel ein. Caspere wird von dem Mann in der Rabenmaske ermordet. Franks Investment bricht zusammen. Am Ende läuft es darauf hinaus dass reiche Leute noch reicher werden wollen. Dafür morden und erpressen sie. Wer genau Caspere allerdings umgebracht hat ist unklar, denn dass seine Mitverschwörer dahinter stecken ist dann doch unwahrscheinlich. Wie praktisch dass unsere Ermittler herausgefunden haben dass die Tochter des Ladenbesitzers von 1992 nun als Eskortmädchen arbeitete und irgendwann Casperes Assistentin wurde. Sie ist auf den Fotos von den Sexparties zu sehen. Sie hat einen Bruder, um die 30 Jahre alt, dunkelhaarig, arbeitet als Setfotograf für kleinere Filmproduktionen. Eventuell besitzt er auch eine Rabenmaske. Näheres erfahren wir hoffentlich in der kommenden Woche
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Garniert wurde diese Auflösung des Falls mit einer ganzen Menge Action und Drama. Frank hat endlich die Schnauze voll von so ziemlich allen Personen in seinem Umfeld. Er konfrontiert Blake, der den wirklich durchdachten Vorschlag hat, die Leute in deren Auftrag er Frank hintergeht gemeinsam mit Frank zu hintergehen (soll ihm da noch mal jemand folgen...). Franks Antwort darauf ist stilsicher: ein Whiskyglas, mitten ins Gesicht. Dicht gefolgt von einem gezielten Schuss in den Bauch: "Look me in the eyes, I want to watch your lights go out". Dass Blake ihn seit Jahren hintergeht, ihm damals den falschen Typen als Vergewaltiger von Rays Frau präsentiert hat und dann auch noch seinen Teppich versaut ist eben einfach eine Spur zu viel. Seine Frau Jordan scheint darüber hinaus schwanger zu sein, und so ist es an der Zeit alte Brücken abzubrennen. Frank zündet also das Casino an, denn wenn er kein Geld hat sollen die Russen gefälligst ebenso auf dem Trockenen sitzen bleiben. Frank scheint zum Schluss zu kommen dass seine ehrlichen Pläne nicht zielführend sind, aber immerhin wäre er ein Gangster mit Moralvorstellungen. Ob man das gleiche von Jordan behaupten kann? Sie war auffällig schnell an Ort und Stelle. Jedenfalls hat Frank jetzt eine Menge Geld und viele Waffen, was in Vinci definitiv keine schlechte Ausgangslage ist.

Die Arschkarte der Episode geht definitiv an Paul. Halten wir an dieser Stelle kurz einen Moment inne und lassen sein Leben nochmal durchlaufen: Die Mutter ist ein Fall für irgendeinen Beratungsdienst. Paul kriegt sein ganzes Leben eingetrichtert, wie ein Mann zu sein hat. Dementsprechend unterdrückt er, was er eigentlich ist und eifert einem Idealbild nach. Am Ende wird er so durch die Fotos, die Dixon vor seinem Ableben angefertigt hat, erpressbar. Dass es sein ehemaliger Kollege und Liebhaber ist, der ihm sagt "hättest du mal offen dazu gestanden, dann wäre das hier nicht passiert", tut doppelt weh und ist auch ein wunderbarer Seitenkommentar auf unsere eigene Gesellschaft. Während diese zwar anteilig immer offener und akzeptierender wird werden einzelne Stimmen immer lauter, die nicht in der Lage sind andere Menschen zu akzeptieren. Alle naselang wird einem eingeredet, man sei unnormal, man sei selbst schuld daran, man könnte sich ändern, wenn man nur wollen würde. Ich will nicht wissen, wie viel Leid daraus entsteht.

Vor seinem Ableben hat er allerdings noch einmal mächtig aufgeräumt. Das Konglomerat aus Catalyst Corporation, dem Polizeichef und den Blackrock-Sölndern hat am Ende einige Opfer zu beklagen. Doch dann ist es Lt. Burris, der zur falschen Zeit am falschen Ort auftaucht und Paul hinterrücks erschießt. Hätte man durchaus mit rechnen können. Von allen damaligen Beteiligten sind ja nur noch zwei übrig, und Holloway tauchte schon im Tunnel auf. Doch Paul bettelt nicht, sondern geht mit einem fetten "Fuck you" aus diesem Leben. Hoffen wir, dass sein Kind in einer besseren Welt aufwachsen wird. Taylor Kitsch verdient wirklich eine große Portion Lob für seine Rolle hier. Auch wenn ich mir nach all dem Drama ehrlich gewünscht hätte, dass er da lebend rauskommt. 

Ani beginnt die Episode mit dem herunterkommen von ihrem Drogentrip. Wie gut, dass Ray da ist, an den macht sie sich im Rausch noch schnell heran. Aber nicht mit Ray, denn er gehört zu den guten Jungs. Nach dem Ausnüchtern kriegt Ani dann Gelegenheit, mit der Frau zu sprechen, die sie mitgenommen hat. Doch die zeigt sich wenig kooperativ. Als es dann Zeit wird, die Familie in Sicherheit zu bringen, bekommt sie Gelegenheit sich mit ihrem Vater auszusprechen. Wie sich herausstellt hat der mit dem Fall wirklich nichts zu tun, und ihm tut es unendlich leid was mit seiner Tochter damals passiert ist. Details erfahren wir nicht, aber wir wissen dass sie vier Tage lang weg gewesen ist, in der Gewalt des Typen an dessen Gesicht sie sich nun erinnert. Ihr ehemaliger Kollege hilft der Familie dann bei der Flucht, und Ani stellt einen neuen Rekord in Sachen "Umarmungen an einem Tag" auf. Ob man ihrem ehemaligen Kollegen trauen kann wird sich zeigen, sicher bin ich mir da nicht.
© HBO
Ray läuft ebenfalls in eine Falle, doch er reagiert blitzschnell und macht sich wieder auf die Flucht. So langsam wird klar, dass es für unsere Detectives wirklich nicht gut aussieht, denn es ist einfach niemand mehr da, der ihnen helfen könnte. Dafür kommen er und Ani sich am Ende der Folge dann völlig nüchtern ein wenig näher. So sehr mir dieses "ich überkomme meine schwere Vergangenheit und das Trauma des Missbrauchs und entdecke den "guten" Typen Klischee auf die Nerven geht, die beiden passen gut zusammen. Auch die Art der Annäherung gefällt mir. Dafür, dass beide so viel durchgemacht haben gehen sie langsam vor, Ani legt ihre Hände in die von Ray, beide zeigen sich, dass sie sich vertrauen. Irgendwie fühlt es sich noch immer an wie "wir brauchen eine Lovestory, die beiden sind grad da", aber naja.

"Black Maps and Motel Rooms" kommt dabei nicht ohne Fehler daher. Zwischen den einzelnen Szenen ist alles so vollgepackt mit Erklärungen, dass man die Folge am besten zweimal schaut, um wirklich alles mitzukriegen. In vielen Fällen sind mir die Figuren noch immer nicht sympathisch genug um wirklich mitzufühlen. Und bei einigen habe ich einfach auch noch immer keine Ahnung, wer sie eigentlich sind. Ich weiß jetzt, dass eine Frau namens Tasha in der kleinen Hütte gestorben ist und vorher Fotos gemacht hat. Aber wer Tasha war? Keine Ahnung. Immerhin hab ich rausgefunden wer Stan war. So bin ich mir recht sicher, dass wir kommende Woche ein zufriedenstellendes Finale bekommen werden. Doch der Weg dahin hat zu lange gedauert, zu viel Zeit wurde mit Nichtigkeiten vergeudet. Bei all den Nichtigkeiten ist man als Zuschauer gefordert, jederzeit alles im Blick zu behalten, aber wenn ich mich so im Internet umsehe, dann scheine nicht nur ich damit massive Probleme gehabt zu haben. Dass nun am Ende alles zusammenfindet ist eine schöne Angelegenheit, aber ich frage mich, ob das Chaos im Vorfeld nötig war.


Notizen für die Akten: 
  • Willkommen im Internet. Der Ort, an dem Screenshots von ALLEM angefertigt werden. Auch von Shoppinglisten, die sich einfach wiederholen. Ehrlich, hatte niemand 2 Minuten Zeit um eine verdammte Liste zu schreiben? 
  • Paul Woodrugh, Wortakrobat. "These pictures. Pictures of me". Da hab ich 'nen Song parat
  • Regie führte diese Episode Daniel Attias. Danke an dieser Stelle für die schicke Aufnahme von Colin Farrell, der das größte "Nope" des Jahres liefert. Rein ins Auto, anfangen zu reden, realisieren dass die Lady tot ist, raus aus dem Auto. Pure Effizienz. Außerdem hätte ich bitte gerne viele Bilder von Leuten, die sich diese Staffel irgendwo gegenüber saßen.
  • Überhaupt, good guy Ray Velcoro, nutzt nicht aus dass Ani unter Drogeneinfluss stand. Stattdessen bietet er Hilfe an: "You want me to roll a joint?". Hach. 
  • James Frain ist auch nur in Serien, um anderen gegenüber möglichst asozial zu sein, oder? Verdammte Camper immer. Lernen die Leute nie, dass man die Ecken überprüfen muss?
  • Der Frank der Woche: "In the midst of being gang banged by forces unseen, I figure I’d drill a new orifice, go on and fuck myself for a change.". Eigentlich aber auch jeder andere Satz, den er in dieser Folge loswurde. 
  • Pauls Freundin und seine Mutter müssen jetzt für immer in diesem Motelzimmer bleiben, richtig?

Review Hannibal 3.09: And the Woman Clothed with the Sun

Die zweite Folge der "Roter Drache" Storyline beweist eindrucksvoll, dass der Zeitsprung von drei Jahren sich gelohnt hat. Viele Figuren haben sich gewandelt, doch einige sind noch exakt die gleichen wie vor drei Jahren. Schauen wir uns der Reihe nach an, was passiert ist. 

Die Folge setzt nahtlos an der vorherigen an, und Will und Hannibal stehen sich nach drei Jahren zum ersten Mal wieder gegenüber. Die üblichen Höflichkeiten werden ausgetauscht, auch wenn man bei Hannibal durchaus fiese Untertöne heraushören kann. Effektiv wird in dieser Episode das Thema des Mind Palace aufgegriffen, den sowohl Hannibal als auch Will jeweils für sich erschaffen haben. Doch, und das wurde ja in der zweiten Staffel bereits betont, beide teilen sich auch einige Räume, und auf diese greifen sie nun zu. Dies ermöglicht wunderschöne Bilder der beiden vor einem riesigen Vollmond. Man kann über die Serie denken und sagen was man will, aber visuell ist sie ein richtiges Schatzkästchen. Auch die Aufnahmen um Hannibals Zelle, in dessen Glaswand Will und Hannibal kurz zu einer Person verschmelzen wissen zu gefallen.
© NBC
Im Gespräch der beiden wird dann auch schnell deutlich, um welches Thema es in dieser Woche geht: Familie. “Like you Will, he [The Tooth Fairy] needs a family to escape what’s inside of him.”. Treffsicher analysiert Hannibal, was momentan vor sich geht. Da er Will als Teil seiner eigenen Familie betrachtet ergibt sich recht schnell ein Konflikt, denn Will hat sich eine neue, gesündere Familie zugelegt. Dass er nun einen Adoptivsohn hat macht ebenfalls Sinn, denn Will hat vermutlich höllische Angst davor, die labilen Teile seiner Persönlichkeit weiterzugeben. Hannibal macht keinen Hehl daraus, Wills Entscheidung zu diskreditieren. Nach drei Jahren in einer Zelle dürfte er sich langsam fragen ob es die Aufgabe seiner Freiheit wert war, denn so wirklich viel hat er von Will bisher nicht gehabt. 

Passend zur kleinen, nicht mehr so fröhlichen Familie der beiden "Murder Husbands" (Willkommen zurück, Freddie Lounds!) gibt es ein paar Flashbacks aus Hannibals Sicht. Hier wird aufgeklärt was genau zwischen Hannibal und Abigail passiert ist. Wie auch Will ist sie fasziniert von Hannibal und spielt sein Spiel mit, wohl wissend dass es mit ihrem eigenen Tod enden könnte. Während die Szenen einige Lücken füllen und uns erneut zeigen wie Hannibals Konzept einer Familie aussieht, empfand ich sie durchaus als ablenkend und weniger effektiv. Abigails Einsatz in der ersten Hälfte der Staffel war da weitaus effektiver. 

An anderer Stelle demonstriert Alana, dass sie nun eindeutig die Chefin in der Anstalt ist. Sie hat alle Schlüssel, sie kann Hannibal all die Annehmlichkeiten wegnehmen, die er in seiner Zelle genießt. Nebenbei erfahren wir, dass sie und Margot noch immer zusammen sind und Alana tatsächlich ein Baby ausgetragen hat. Ich hoffe, das Kind erbt ihren Sinn für Kleidung. Deutlich wird auch, dass Alana sich in einer Beschützerposition sieht. Inwiefern Hannibal also indirekt Kontrolle über sie ausübt (da sie sich ja gezwungen sieht die Außenwelt vor ihm zu schützen) wäre eine Frage, die ich gerne geklärt hätte. Tritt Alana Chiyohs Nachfolge an? Jack hingegen hat das erste Mal in drei Staffeln unklare Motive. Seine letzte Szene mit Hannibal zeigt, dass er Freddie verraten hat, dass Will und Hannibal sich wiedergesehen haben. Sicher, sein "it takes a killer to catch a killer" Ansatz mag nicht ganz falsch sein, doch wieder einmal opfert er Will für das augenscheinliche Allgemeinwohl. Ich bin mir nicht sicher, ob Hannibal dies so durchgehen lassen wird.
© NBC
Familie spielt auch für Francis Dolarhyde, also unseren Roten Drachen, eine große Rolle. Dass es in seiner Familie nicht rund läuft und lief spürt man bereits in der kurzen Zwischensequenz, in der er bei einer älteren Frau (vermutlich seine Großmutter) zu Besuch ist. Der Drang, die perfekte Familie zu ermorden resultiert möglicherweise aus dem Fehlen einer solchen in seinem eigenen Leben. Die Scherben der Spiegel ermöglichen ihm die volle Konzentration auf sich selbst, das erkennen in anderen Personen. Sein eigener Job im Entwicklungslabor für Filme reflektiert dieses Handeln auf umgedrehte Weise. Zwar ist er dort sozusagen von Menschen umgeben, doch die Bilder können ihn nicht ansehen, während er selbst alle Zeit der Welt hat, andere Menschen zu beobachten. Und so vielleicht seine Mordopfer zu finden? Wer weiß. Dem steht Reba McClane gegenüber. Sie ist blind, sieht also weder die Menschen auf den Bildern noch die um sich herum. Mitleid verabscheut sie, und bei Dolarhyde ist sie damit genau an der richtigen Adresse, denn Mitleid kann er nicht geben. Und doch scheint Reba zu ihm durchzudringen, denn dem Drachen in seinem Kopf scheint diese neue Art der Interaktion mit anderen Menschen so gar nicht zu gefallen. Die Zeichen für die restlichen Folgen stehen also auf Sturm, und wir dürfen gespannt sein was noch passieren wird.

Menü des Tages:
  • Endlich gibt jemand Rutina Wesley mal etwas zu tun. Als Tara war sie bei "True Blood" sowas von verschenkt. 
  • Das Rezept der Woche kommt dieses Mal aus Schweden, ist aber trotzdem amerikanisch wie sonst was: Cherry Pie, Twin Peaks Style
  • Will Graham: die männliche Version der "crazy cat lady" Trope, nur mit Hunden. Wie viele davon will er noch adoptieren? Ich hoffe Bryan Fuller hält sich an sein Versprechen, keine Hunde in der Show zu ermorden. Schätze die Proteste nach der Episode mit Randall Tier haben Wirkung gezeigt. Ob der Kommentar der beiden FBI-Spezis darauf anspielte?
  •  Freddie Lounds fängt mit einem Blog an, und drei Jahre später hat sie eine eigene Zeitung? Sie ist jetzt mein Vorbild. Auch wenn diese Reihenfolge dem aktuellen Diktat der Medienstruktur völlig widerspricht. Wer liest noch richtige Zeitungen?
  • Schön, wenn Begriffe die auf Tumblr geprägt wurden ihren Weg in die Show finden. Ob man den Erfinder von "Murder Husbands" ausfindig machen kann?
  • "I love a good finger-wagging." "Yes, you do. How is Margot?". Hannibal kümmert sich jetzt allein um das Innuendo, wo Mason ja nun nicht mehr da ist. 
  • Bryan Fuller ließ über Twitter bereits zur Premiere der ersten Staffel verlauten, dass der erste Mord (an der Marlowe-Familie) vom Roten Drachen begangen wurde. 

Wie immer findet ihr das Recap auch bei Moviebreak

Review: True Detective 2.06: Church in Ruins

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Da ich die fünfte Folge gestern erst gesehen habe und der Terminplan so dermaßen voll war dass ich nicht dazu kam, etwas zu schreiben, machen wir heute mal planmäßig mit der sechsten Folge weiter. Eventuell reiche ich das Recap für Folge Fünf nach, aber vermutlich wird mich in den nächsten 45 Minuten die Motivation dazu völlig verlassen. Ich werde also die Ereignisse aus Folge fünf hier mit aufgreifen, denn sind wir mal ehrlich: so wirklich viel passiert in dieser Serie eh nicht. 

Nachdem in der letzten Woche die Scherben des Vinci-Massakers aufgesammelt wurden und wir einen kleinen Zeitsprung von knapp drei Monaten hinter uns brachten, sind unsere Detectives erneut im Einsatz. Denn dass sich die ganze Geschichte mit dem Massaker von selbst beendet hat glaubt nun wirklich niemand. Offiziell gehen die drei zwar nun anderen Jobs nach, doch undercover geht die Arbeit weiter. Ray erfuhr außerdem, dass Frank ihn damals auf eine falsche Fährte brachte und der Vergewaltiger seiner Frau noch immer lebt. Was uns einen Cliffhanger in Form eines Rays beschaffte, der vor Franks Tür aufgetaucht ist. Und wenn wir uns an den Staffelbeginn zurückerinnern, dann ist ein wütender Ray vor der Tür niemals eine gute Sache. 

Effektiver wäre dieser Cliffhanger natürlich gewesen, wenn ich irgendwie Sympathien für Frank hegen würde. Aber der Zug ist nach 5 Folgen abgefahren. Da dies also nicht der Fall ist ging ich an diese Folge mit Erwartungen irgendwo knapp über Null. Letzte Woche ließ sich im Gesamtpaket zwar ein leichter Aufwärtstrend festmachen, aber ein bisschen Skepsis schadet ja nie. Doch es geschehen noch Zeichen und Wunder, und Vince Vaughn kann im Zusammenspiel mit Colin Farrell endlich mal zeigen, dass er was draufhat. Befreit von prätentiösen Dialogen und dem Zwang, den bösen Macker raushängen zu lassen, liefern die beiden sich ein verbales Duell am Küchentisch. Und ich saß tatsächlich hier und war fasziniert. 
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Frank selbst weiß entweder selbst nicht, welchen Fehler er vor Jahren begangen hat, oder er verbirgt das ziemlich gut. Die beiden einigen sich vorläufig darauf, sich nicht gegenseitig umzubringen und stattdessen zum normalen Prozedere zurückzukehren. Ich kann ja nicht oft genug betonen dass ich Vince Vaughn wirklich gerne mag, umso mehr freut mich nun diese gelungene Szene. Es sind diese Momente, in denen das Character-Building glaubhaft stattfinden kann. Und Frank und Ray bieten zwei völlig verschiedene Ansätze im Umgang mit ihrer Vergangenheit. Der eine schaut nach vorn und will etwas ändern, während der andere in seiner Vergangenheit gefangen scheint und stetig auf der Flucht ist. 

Diese Vergangenheit scheint Ray dann auch zu überwältigen. Nachdem er seinen Sohn nur unter Aufsicht besuchen darf und seine Exfrau nach wie vor auf einem Vaterschaftstest besteht, brennt ihm gleich der ganze Sicherungskasten durch. Nach ein paar saftigen Lines Kokain, ein paar anständigen Drinks und den obligatorischen Zigaretten muss die Energie erstmal wieder aus dem Körper. Also wird ein bisschen trainiert. Zum runterkommen entschließt Ray dann, ganz auf das Sorgerecht für sein Kind zu verzichten. Seine einzige Bedingung: seine Exfrau darf ihrem Sohn nicht sagen, dass er das Produkt einer Vergewaltigung ist. Nach einigem Zögern stimmt sie dieser Bedinung zu, und Ray kann sich ans ausnüchtern begeben. Sicher bin ich mir noch nicht, ob diese Entscheidung nun endgültig war, oder ob Ray sich das anders überlegen wird. Doch es könnte ein riesiger Schritt in die andere Richtung sein, und der Beginn einer Ruhephase. 

Paul verfolgt die Spur der Diamanten weiter, und Ani hat einen irgendwie so gar nicht durchdachten Plan ins Auge gefasst. Sie will sich auf eine der exklusiven Parties einschleichen. Gesagt, getan. Im erlesenen Kreis all dieser Männer findet sich dann auch die Riege der Vinci-Verantwortlichen. Leider werden die Eskort-Damen mit Drogen in Spray-Form gefügig gemacht, und Anis undurchdachter Plan eskaliert. In einer weiteren, von Drogen verzerrten Sequenz (die sich von Rays Erlebnissen visuell fundamental unterscheidet) begleiten wir Ani durch die scheinbar unzähligen Räume voller kopulierender Körper. Immer wieder taucht ein Gesicht auf, und schnell wird klar, dass Ani als Kind einer Form von Missbrauch zum Opfer fiel. Unter der Aufsicht ihres Vaters. Nun, woher die Differenzen zwischen den beiden kommen dürfte klar sein, und auch für Anis Verhalten Männern gegenüber scheint ein Grund gefunden zu sein. 
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Dem irgendwie ausgetretenen "Rape as Backstory"-Trope stehe ich ja dann doch kritisch gegenüber. Dass es dann gleich eine ganze Orgie braucht, um dieses Erlebte wieder zu triggern...naja, HBO halt. Dass die Szenen funktionieren liegt wohl hauptsächlich daran, dass Rachel McAdams so großartig ist. Der Kontrast der Emotionen die sich in ihren Augen und um ihren Mund herum spiegeln könnte größer nicht sein. Und es zerbricht mir das Herz dass es irgendein Typ war, der einem kleinen Mädchen etwas von Einhörnern im Wald erzählt hat, und so ein Leben nachhaltig negativ beeinflusst hat. Als ob Ani nicht sonst schon genug durchgemacht hätte. 

Immerhin hat sie das vermisste Mädchen aus der ersten Folge auf der Party gefunden und gerettet. Oh, und sie hat einen Typen ziemlich eindrucksvoll und routiniert gemessert. Hat sich das Training also gelohnt. Während Ani auf der Party unterwegs war hat Paul ein paar Unterlagen entwendet, die Truppe war also alles in allem diese Woche effizient und erfolgreich. Zusammen mit der blutverschmierten Hütte im Wald (auf welche die örtliche Polizei schon wieder höchst verdächtig reagiert) ergibt sich so langsam ein Bild, und ich hoffe auf Aufklärung in den letzten zwei Episoden. 

Doch ich bin mir nicht sicher, ob wir die überhaupt bekommen werden. War es in Staffel 1 noch die weird fiction, die ihren Platz in der Narrative hatte, so ist es diesmal eine Form der Heimsuchung, die sich durch die Staffel zieht. Alle Figuren werden verfolgt: von ihrer Vergangenheit, ihren möglichen Versionen einer Zukunft. Von einer Version ihrer selbst, die sie gerne wären, aber niemals sein können. Denn so funktioniert Vinci nicht. Ehrlich unf aufrichtig sind zwei Arten, die in dieser Stadt ausgestorben sind. Von innen verrottet und korrupt. Unfruchtbar. Vielleicht ist nicht der überdimensionale Schatten von Staffel eins das Problem. Vielleicht ist es eher die Tatsache dass Form und Inhalt sich zu sehr angenähert haben. Dreckig und unschön, aber irgendwie realistisch. Mit kleinen Fehlern versehen, klar. Doch "Church in Ruins" hat mich das erste Mal in dieser Staffel richtig gepackt, auch weil die langweiligen Geschichten ausgelassen wurden. Zwar geht noch immer zuviel Zeit dafür drauf, dass die Figuren Dinge weitergeben, die schon längst bekannt sind. Doch das Tempo wurde maßgeblich angezogen, nun brettern wir hoffentlich ungebremst diesen korrupten, hässlichen Berg herunter.


Notizen für eure Akten
  • Wer zur Hölle ist Stan? Ernsthaft. Ich erinner mich doch nicht sechs Wochen lang an jeden Hannes, der da vor sechs Folgen mal im Hintergrund durch das Bild gehuscht ist. Immerhin hatte Vaughn so die Chance, einen weiteren Dialog gut rüberzubringen.
  • Ja ok, Paul wurde in einem Trailerpark großgezogen. Gibt es da keine Verträge? Dass da viele Namen draufstehen gehört irgendwie dazu. Oder meint er, dass viele relevante Namen auf dem Vertrag stehen? 
  • Den Namen der eigenen Schwester anzunehmen mag ja vordergründig betrachtet Sinn machen. Hoffen wir, dass Athena jetzt irgendwo in Sicherheit ist, denn diese ganzen Typen sahen nicht so aus als ob sie das witzig gefunden hätten
  • Ani verspricht dass jeder, der Hand an sie legt, unterhalb einer Minute verblutet. Die Dame kann zählen!
  • Die Regie übernahm diese Woche Miguel Sapochnik. "Game of Thrones" Zuschauer kennen ihn von Folge 8 der fünften Staffel, "Hardhome". Dürfte niemanden wirklich überraschen dass er einen ziemlich guten Job gemacht hat.


Review: Hannibal 3.08: The Great Red Dragon

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Ihr bemerkt es schon am Titel: "Hannibal" löst in dieser Woche die bisherigen Strukturen beinahe völlig auf. Ab jetzt sind die kommenden Episoden nicht mehr nach Speisen benannt, stattdessen wird es biblisch. "The Great Red Dragon and the Woman Clothed in Sun" ist der vollständige Name des Gemäldes von William Blake, und darauf aufbauend ist die restliche Staffel benannt. Für alle Kunstinteressierten gibt es am Ende einen kleinen Exkurs zu Blake und seinen Werken. 

Aber widmen wir uns der Folge. Nach einer kurzen Rückblende, in der noch einmal betont wird das Hannibal sich freiwillig ergeben hat werden wir als Zuschauer ins eiskalte Wasser geworfen. Mitten in der Staffel findet ein Zeitsprung von drei Jahren statt. Und nach drei Jahren geht es direkt nervenaufreibend los. Knappe fünf Minuten beobachten wir die Transformation eines normalen Menschen hin zum Roten Drachen. Ein Dialog findet nicht statt, die Musik ist minimalistisch gehalten. Unter der sicheren Regie von Neil Marshall, der zuletzt durch seine Arbeit bei "Game of Thrones" ("Blackwater" und "The Watchers on the Wall" gingen auf seine Kappe) liefert Richard Armitage eine Glanzleistung ab. Visuell gewohnt ästhetisch dient er, und vor allem sein Rücken, als Leinwand für die Entstehung eines schrecklich faszinierendes Kunstwerkes. Als Zuschauer sind wir mit ihm allein und ungeschützt, der Schrecken tropft zähflüssig und düster aus jedem Millimeter Bildmaterial. Dieser Stil bleibt durch die Folge hinweg erhalten. Die mentalen Episoden, die der Rote Drache hat werden durch nervenaufreibende Töne angekündigt, und im visuellen Bereich wird sich erneut ausgetobt. Highlight dürfte die Szene sein, in der er scheinbar von Film eingewickelt wurde und das Licht des Projektors aus seinen Augen und dem Mund hervorbricht.


Dem gegenüber steht, stark kontrastierend, Hannibal. Die Folge macht sich einen Heidenspaß daraus, ihn auf verschiedene Leute treffen zu lassen und den Eindruck zu ermitteln, dass er sich in Freiheit befinden würde. Doch Hannibal steckt im Baltimore State Hospital und freut sich darüber, dass er erfolgreich für unzurechnungsfähig erklärt wurde. Eine Lüge, und das wissen auch die beiden Leiter der Anstalt, Alana Bloom und Frederick Chilton. Natürlich flüchtet Hannibal sich in seinen Gedankenpalast, doch er hält großzügig Audienz und legt dabei eine erfrischende Offenheit an den Tag. So teilt er Alana gerne mit dass er ihr jemanden in ihr Bier gemischt hat, und auch Chilton erfährt einige unerfreuliche Neuigkeiten in Sachen Dessert. Nebenbei ist er auf bestimmt-freundliche Art mal wieder überaus bedrohlich und verspricht Alana, dass sie keinesfalls sicher ist. Charmant, charmant. 
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Überhaupt, der gute Doktor Chilton begibt sich mal wieder auf dünnes Eis. Hannibal zu provozieren scheint sein liebstes Hobby zu sein. So erzählt er Hannibal beim gemeinsamen (nur in Hannibals Gedanken stattfindendem?) Essen über den Mörder, den alle nur Tooth Fairy, also Zahnfee, nennen. Durch das reine Beobachten haben wir schon gelernt, dass sowohl Hannibal als auch der Rote Drache körperlich recht fit sind, beide sind auch sonst sehr nett anzusehen. Die äußere Schale wirkt also hübsch, geradezu anziehend. Doch da hören die Gemeinsamkeiten auch schon auf. Hannibal wird in dieser Folge ausschließlich durch seine Gedanken beschrieben, während wir den Drachen nur durch die Dinge, die er macht, kennenlernen. Auch in ihren Morden könnten beide nicht unterschiedlicher sein. Während Hannibal die Ästhetik über alle Maßen wichtig ist, sind die Morde des Drachen willkürlich und äußerst brutal. Chilton schlussfolgert daraus, dass der Drache ein größeres Publikum anspricht: "You, with your fancy allusions and your fussy aesthetics, you will always have niche appeal.". Noch mehr Meta-Ebene könnte man mit aller Gewalt dieser Welt nicht in einen einzelnen Satz legen. Nun ja, wenigstens können wir Fans uns nun über unsere Nischendasein freuen. 

Doch natürlich muss der Rote Drache gefasst werden, und Jack Crawford hat schon eine Idee, wer helfen kann. Kurzerhand steht er vor Wills Haustür, doch der ist nicht sonderlich erfreut über den Besuch. Nur widerwillig lässt er Jack ins Haus, und wir erfahren dass er sich in den drei Jahren eine Partnerin samt elfjährigem Sohn zugelegt hat. Oh, und natürlich noch mehr Hunde. Doch die Tatsache dass der Killer sich auf scheinbar perfekte Familien stürzt, zusammen mit dem Drängen seiner neuen Partnerin, reicht aus um Will umdenken zu lassen. Skandal, denn Hannibal hat ihm doch extra noch einen Brief geschickt, in dem er ihn genau davor gewarnt hat:  "Dear Will, we have all found a new life, but our old lives hover in the shadows. Soon enough I fear Jack Crawford will come knocking. I would encourage you, as a friend, not to step back through the door he holds open. It's dark on the other side, and madness is waiting.". Jack verspricht zwar auf Will aufzupassen, doch das hat er in der ersten Staffel auch schon getan, und das Ergebnis kennen wir alle. Aber es hilft nichts, Will findet sich am letzten Tatort wieder. 
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Und plötzlich fühlt "Hannibal" sich wieder an wie in der ersten Staffel. Will erkundet den Tatort und wir kriegen ein paar wunderschöne Bilder zu sehen. Also, nicht so schön im klassischen Sinne, aber toll umgesetzt. Die Leichen der Familie tauchen erst im Licht der Taschenlampe auf, und die Flügel aus den roten Fäden der Spurensicherung sind beeindruckend. Doch dies kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Morde abgrundtief hässlich und bestialisch sind. Dementsprechend hat Will hart mit dem Tatort zu kämpfen. Der Ausblick auf den Wahnsinnigen, in dessen Gedanken er sich versetzen muss, erschüttert ihn, und es dauert einen Moment bis er sich gefangen hat. Doch dann zeigt sich, dass Will in den drei Jahren Zeit hatte, zu sich selbst zu finden. Seine Beschreibungen der Tat klingen kalt und abgeklärt, distanziert. Hugh Dancy steht oft zu Unrecht im Schatten von Mads Mikkelsen, doch diese Folge zeigt erneut, welch fantastische Arbeit er leistet.

Am Ende sind sie dann alle wieder vereint. Will, Jack, Zeller und Price. Nur Hannibal, der sitzt in seiner Zelle, doch Will möchte ihn zu den Morden befragen. Es fühlt sich an wie eine Rückbesinnung auf die erste Staffel, doch die Karten sind völlig neu gemischt. Vor uns liegen nur noch fünf Folgen, aber ich gehe fest davon aus dass "Hannibal" uns auf die bestmögliche Weise verlassen wird.



Menü des Tages
  • Jetzt hab ich diese Rubrik schon extra umbenannt, und jetzt wird gar nicht mehr so richtig gekocht. Aber egal, ich bleib jetzt dabei, und immerhin gab es diese Woche ein ziemlich schräges Rezept für ein italienisches Dessert aus Blut und Schokolade. Yummy! Obwohl ich mich ernsthaft frage, wie Hannibal in seiner Zelle gekocht haben will. Sind sich Chilton und Alana der Tatsache nicht bewusst, dass ein gefangener, kochender Hannibal eine ernsthafte Gefahrenquelle darstellt? Wobei es natürlich Sinn macht dass es ihm gut geht, denn so ziemlich alle profitieren von einem zufriedenen Hannibal. Oder bildet er sich seine schicke Zelle komplett ein?
  • Zeller und Price sind wieder da! Ich weiß, nicht jeder mag diese Art von Comic Relief, aber ich hab die beiden wirklich sehr vermisst. 
  • Tattle Crime ist natürlich live an den Tooth Fairy Morden dran. Ob Miss Lounds in dieser Staffel nochmal auftauchen wird?
  • Gillian Anderson ist noch in den Opening Credits gelistet, Grund genug für mich, auf ein Wiedersehen zu hoffen. Ich möchte außerdem glauben dass Zachary Quinto nicht nur für eine Minute innerhalb der ganzen Staffel gecastet wurde.
  • Wie versprochen nun ein Ausflug in die Kunstgeschichte. William Blake gehörte zu den ersten Autoren der britischen Romantikwelle, aber er hat nicht nur geschrieben, sondern auch viel gemalt. "The Great Red Dragon and the Woman Clothed in Sun" stammt aus einer vierteiligen Serie von Gemälden, gemalt wurde es mit Wasserfarben. Ihr könnt es im Brooklyn Museum of Art finden, die anderen Teile sind in Washington und Philadelphia untergebracht. Die vier Bilder entsprechen Bibelpassagen, genauer sind sie die visuelle Umsetzung der Offenbarung 12: 1-4: 1Und es erschien ein großes Zeichen im Himmel: ein Weib, mit der Sonne bekleidet, und der Mond unter ihren Füßen und auf ihrem Haupt eine Krone mit zwölf goldenen Sternen. 2Und sie war schwanger und schrie in Kindesnöten und hatte große Qual zur Geburt. 3Und es erschien ein anderes Zeichen im Himmel, und siehe, ein großer, roter Drache, der hatte sieben Häupter und zehn Hörner und auf seinen Häuptern sieben Kronen; 4und sein Schwanz zog den dritten Teil der Sterne des Himmels hinweg und warf sie auf die Erde. Und der Drache trat vor das Weib, die gebären sollte, auf daß, wenn sie geboren hätte, er ihr Kind fräße.…
  • Will Graham macht sich immer noch an erster Stelle Sorgen um Hunde. Awww. 
  • Der Rote Drache in zwei Sätzen: “Snaggle-toothed son of a bitch.” “He bites. A lot.
  • Letzte Staffel war ich jede Woche damit beschäftigt zu glaube dass Chilton noch lebt. Für die letzten fünf Folgen fange ich ein neues Spiel an: Wie lange kann Chilton Hannibal provozieren, bis der einen Weg findet ihn umzubringen?
  • Angenehm: Bryan Fuller möchte ungern detailliert darauf eingehen dass der Rote Drache seine weiblichen Opfer vergewaltigt während diese sterben oder schon tot sind. Seine genauen Motivationen, auch im Hinblick auf ein größtenteils weibliches Publikum, gibt er in einem sehr lesenswerten Interview mit Entertainment Weekly preis. In dieser Folge (und vermutlich auch in den nächsten) ist es am Zuschauer, die Hinweise auf dieses Vorgehen selbst zu suchen. In dieser Woche war es das Umräumen der Leichen und das Zurückbringen an den eigentlichen Platz, damit die Familie "zuschauen" konnte. Auch der Hinweis auf eine Scherbe des Spiegels, die in den Labien der Frau steckte, deutet auf diesen Vorgehen des Roten Drachen hin. Ich für meinen Teil bin froh über die Handhabung dieses Themas, und Bryan Fullers Interview ist wirklich lesenswert. 
  • Es wurde tatsächlich ein Weg gefunden, Alanas Kleidungsstil noch großartiger werden zu lassen. So langsam bin ich wirklich neidisch.  
  • Wer sich gerne vorbereiten will: Das passende Buch von Thomas Harris heißt "Roter Drache". Es gibt bereits zwei Verfilmungen, einmal "Manhunter" ("Blutmond" auf deutsch) von Michael Mann aus dem Jahr 1986 und "Red Dragon" ("Roter Drache") von Brett Ratner von 2002. "Manhunter" habe ich bisher nicht gesehen, aber an den Kinobesuch zu "Roter Drache" kann ich mich noch vage erinnern. Wird wohl Zeit, die ganzen Filme nochmal anzusehen. Also, alle bis auf "Hannibal Rising". Uhhh, der war mies.  
  • Wo wir bei mies sind: Es scheint als könnten wir unseren kollektiven Hass nun gegen Amazon richten. Die haben nämlich die Streaming-Rechte an "Hannibal", wollen die auch nicht aufgeben, weigern sich aber weitere Staffeln zu produzieren. Ich hätte Amazon gerne mein Geld gegeben wenn ich dafür mehr Hannibal bekommen würde. Aber ich schätze, die haben kein Interesse an mehr Geld. Seltsam.
  • Hannibal in seiner Freizeit:
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Wie immer erscheinen die Recaps zeitgleich auch auf Moviebreak. Schaut doch mal vorbei :)

Review: Hannibal 3.07: Digestivo

Die dritte Staffel von "Hannibal" wird insgesamt 13 Episoden umfassen, und mit der aktuellen Folge "Digestivo" schließen wir unsere kleine Exkursion nach Europa auf fulminante Weise ab. Ab der kommenden Woche begeben wir uns dann auf "Roter Drache"-Territorium und werden auch diese Geschichte in Staffel 3 wohl noch zu einem Ende bringen. Theoretisch bekommen wir Fans also zwei Staffeln unter dem Deckmantel einer einzigen, und das ist definitiv ein Grund zur Freude. Schauen wir also, wie die Staffelmitte unsere Charaktere zurücklässt. Mir gefällt übrigens das Konzept, die Staffel in zwei verschiedene Geschichten aufzuteilen. So bleibt alles schön kurz und knackig und vor allem frisch.

Nach dem Ende von "Dolce" war ja schon mehr oder weniger klar, dass "Digestivo" alles andere als leicht verdaulich sein wird. Doch ich muss ehrlich gestehen, dass ich mit dem Ausmaß von Wahnsinn in dieser Episode nicht gerechnet habe. Die gekaufte italienische Polizei rettet Will in letzter Sekunde vor Hannibal und seinem handlichen Sägewerkzeug, Chiyo rettet ihrerseits Jack vor der Polizei. Will und Hannibal enden auf Muskrat Farm, wo Mason Verger sich wie ein kleiner Junge über seinen Fang freut, und Margot und Alana verfolgen ihre eigenen Pläne. Über zu wenige Ereignisse in dieser Stunde kann sich wahrlich niemand beschweren. Aber gehen wir der Reihe nach vor.
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Dass Hannibal sich in Seelenruhe an Wills Gehirn vergreifen kann wurde effizient und in letzter Minute von der leider recht korrupten Polizei verhindert. Die freuen sich über die doppelte Beute, denn es winkt die doppelte Bezahlung. Nur für Jack ist in dieser Rechnung kein Platz, und so bleiben zwei Polizisten zurück, um ihn als letztes Opfer von Hannibal herzurichten. Doch nach sechs Folgen beweist Chiyoh endlich, dass auch sie zu etwas zu gebrauchen ist. Sie rettet Jack, der verrät ihr im Gegenzug wo Hannibal hingebracht wird.

Auf Muskrat Farm läuft es irgendwie nur für Mason Verger erfreulich. Er hat was er will, und in bester Bösewicht-Manier erzählt er Hannibal von seinem ausgereiften Plan, ihn zu verspeisen. Und Hannibal, das kann man nicht anders sagen, fühlt sich geehrt. Will hat weniger Grund, sich geehrt zu fühlen: Mason will sein Gesicht auf sein eigenes transplantieren lassen, bevor er anfängt Hannibal zu verspeisen. Will hat natürlich wenig Freude mit diesen Aussichten, und teilt seinen Missmut auch deutlich mit: er beisst Cordell ein Stück aus der Wange. Das macht Hannibal mächtig stolz, aber Cordell und Mason mächtig wütend.

Alana und Margot verfolgen ihre eigenen Pläne. Für Margot steht immernoch ein Nachkomme an erster Stelle, und sie konfrontiert Mason erneut damit. Der erklärt ihr ganz fürsorglich, dass sich schon längst eine Ersatzmutter auf der Farm befindet. Nach 3 1/2 Staffeln Hannibal weiß der Zuschauer natürlich sofort Bescheid was nun folgen wird, aber Margot scheint ernsthaft überrascht. Die Ziehmutter ist natürlich ein Schwein (also, so ein richtiges, immerhin leben alle auf einer Schweinefarm), und das (menschliche) Baby ist (erwartungsgemäß) tot. Margot reicht es nun endgültig, und auch Alana merkt langsam, dass sie etwas unternehmen muss.

Es folgen ein paar Unterhaltungen. Alana unterhält sich mit Will, und es wird klar dass sie ihr Mitgefühl nicht verloren hat. Sie weiß, dass das FBI so schnell nicht kommen wird, also muss sie selbst aktiv werden, um Will zu retten. Margot sucht Hannibal auf, der splitternackt und gebrandmarkt in einem Schweinekäfig angebunden ist. Wie so häufig sprechen die beiden darüber, dass Margot Mason umbringen muss. Alana gesellt sich zur illustren Runde hinzu und verhandelt ebenfalls mit Hannibal. Er soll Will helfen, und sie möchte bei dieser Gelegenheit auch wissen, ob sie jemals die Chance gehabt hätte Hannibal zu verstehen. Der kann nur verneinen, und das Thema ist beendet. Es ist eine kleine Szene, aber hier wird deutlich dass Alana sich letztendlich doch auf Hannibals Niveau begeben konnte, was mich aufrichtig für sie freut. Für einen kurzen Moment erlangt sie die Kontrolle über die Situation zwischen den beiden, und sie nutzt das vollkommen aus.
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Hannibal wird also von den Damen befreit, und die Folge beginnt für einen kurzen Moment in das fiebertraumhafte Ambiente abzudriften, welches uns zu Beginn der Staffel begrüßte. Will darf wieder hautnah erleben wie es sich anfühlt wenn jemand an seinem Gesicht herumschneidet. Alles verschwimmt, ist verzerrt und unmöglich ist auszumachen, was nun eigentlich passiert. Kurz danach lichtet sich der Nebel, und es offenbart sich ein wahres Horrorkabinett. Hannibal hat Cordells Gesicht entfernt und an Mason angebracht, und dann ist er mit Will abgehauen. Rückendeckung erhalten die beiden von Chiyoh.

Mason wacht auf, und er ist völlig verständlich sehr, sehr wütend. Doch seine Wut ist nichts gegen den Hass, den Margot empfindet. Alana erklärt ihm seelenruhig, dass Hannibal ihnen geholfen hat, mittels Prostatastimulation durch einen Viehtreiber (quasi ein Tazer, mit dem man Kühe und Schweine herumschubsen kann) das benötigte Sperma von Mason erhalten haben, während er betäubt war. Weil das aber nicht reicht bringen die beiden ihn auf sehr kreative Art um. Mason endet mit seinem Aal-Haustier in seiner Kehle. Würde ich meinem schlimmsten Feind so nicht wünschen, aber naja. Ich schätze er hat es irgendwo verdient. Die Waisenkinder der Umgebung werden jedenfalls aufatmen können. Es ist auch interessant, dass Mason am Ende zumindest bildlich zum Verhängnis wird, wovon er die ganze Zeit so besessen war. Erinnern wir uns daran, wie er Margot prinzipiell ihrer Reproduktionsfähigkeit beraubte, um Macht auszuüben. Wie er Schweine benutze, um sie daran zu erinnern. Wie er sich ewig lange über gekochten Penis unterhalten kann, und wieviel Gesprächszeit er dem möglichen Schicksal von Hannibals Genitalien widmet. Dass ihm am Ende sein phallusförmiges Haustier zum Verhängnis wird scheint angemessen.

Was bleibt ist das Finale zwischen Will und Hannibal. Will macht deutlich, dass er nicht nach Hannibal suchen wird, ihn nicht verfolgen wird: "I don't want to find you. I don't want to know where you are". Er macht sozusagen Schluss, stellt fest dass er Hannibals Appetit nicht teilt. Es ist das erste Mal seit langer Zeit, dass Will etwas vernünftiges unternimmt. Hannibal scheint das zu akzeptieren und verlässt das Haus. Kurze Zeit später rückt Jack mit dem FBI an, und Will erklärt, dass Hannibal nicht mehr da ist. Wenn er sich da mal nicht getäuscht hat, denn der gute Doktor marschiert seelenruhig auf Jack zu. Seine Motivationen sind unklar, und für einen kurzen Moment scheint es, als wäre nun endlich alles gut, denn er ist hoffnungslos in der Unterzahl. Doch Hannibal hat noch ein Ass im Ärmel: er ergibt sich. "I want you to know exactly where I am and where you can always find me" sagt er zu Jack, aber wir alle wissen: eigentlich meint er Will. Und so hat Will schon wieder keinerlei Kontrolle über seine eigene Situation. Oder ist es so, dass Hannibal aufgibt, weil es keinen Sinn macht, wenn Will ihn nicht verfolgt? Wobei ich klar sagen muss, dass Hannibal selbst hinter Gittern nicht besiegt werden kann. Wenn überhaupt kann er von da aus noch mehr Schaden anrichten. Und bisher hat er immer die Kontrolle behalten und andere höchstens glauben lassen, dass es anders herum sei...


Menü des Tages
  • Oh man, die Sache mit dem Viehtreiber kam ja auch im Buch vor. Ich bin nach all dem, was in dieser Episode gezeigt wurde beinahe froh, dass uns dieser Anblick erspart bliebt. 
  • Gebt Will bitte seine Hunde zurück!
  • Heute hab ich ein Rezept für Limoncello mitgebracht. Nicht verwirren lassen, im Rezept ist von einem Aperitif die Rede, Limoncello funktioniert aber auch wundervoll als Digestif, vor allem wenn es so verdammt heiß ist. 
  • Ab nächster Woche geht es also an "Roter Drache". Die Promo hat schon gezeigt dass mein liebstes Comic-Relief Team dann wieder mit am Start ist. Yay! Allerdings scheint ein Zeitsprung anzustehen, ich bin gespannt wie das laufen wird.
  • NBC hat in einem weiteren Anflug von Genialität beschlossen, dass die restlichen Folgen der dritten Staffel nun Samstag Nacht laufen werden. Weniger würdevoll wäre es nur, die Staffel gar nicht erst zu Ende zu zeigen...
  • Auf Wiedersehen, Joe Anderson. Ich war ja kritisch, aber verdammt, der Mann hat einen guten Job geliefert. 
  • Das verzerrte Bild, welches Will zu Beginn der Folge von Jack sieht, ist durch das Gemälde "The screaming Pope" von Francis Bacon inspieriert. 
  • "PIANO CONCERTO NO. 21 IN C MAJOR - ADANTE” von Mozart läuft bei Masons Dinner. Habt ihr bemerkt dass er Hannibal mit Austern füttern will, um seinen Geschmack zu verbessern?
  • P.I. Tchaikovsky’s “SYMPHONY NO. 5 IN E MINOR - ANDANTE CANTABLE”  läuft während der übereinandergeschnittenen Operationen.
  • Mads Mikkelsen kann so glücklich aussehen, man muss sich dann einfach mit ihm freuen.

Review: True Detective 2.4: Down will Come

Donnerstag ist ja eigentlich nicht der Tag, an dem die Recaps zu "True Detective" hier erscheinen, aber da ich mich noch immer im Urlaub befinde und Recaps sich nun wirklich schlecht schreiben lassen bevor man die Folge gesehen hat, geht momentan alles mit ein bisschen Verspätung an den Start. In einer Woche läuft dann aber alles wieder wie gehabt. Kümmern wir uns also um die aktuelle Folge mit dem schicken und ominösen Titel "down will come".

Regie führte Jeremy Podeswa, der durchaus als Mann für's Grobe durchgehen kann. Nicht nur kümmert er sich hier um ein Massaker, dessen Ausmaß in jeder anderen Serie als Parodie durchgegangen wäre, er hat auch bei "Game of Thrones" diese eine Folge in Staffel 5 inszeniert, über die wir noch immer reden. Dass er ein Händchen für Action besitzt schimmert hier aber durchaus ab und an durch.

Reden wir also zuerst mal über das Ende der Folge, denn da gibt es eine Menge Gesprächsstoff. Der Aufbau dafür, die Tatsache dass sich in dem Sweat Shop einer der Typen befindet, die gestohlenen Schmuck unter's Volk bringen, ist ein solider Grundbau. Doch dann folgt das vermutlich beste Beispiel für "that escalated quickly" in der jüngeren Fernsehgeschichte. Im großen Finale trifft es Alles und Jeden. Polizisten sterben, darunter auch Dixon, der das erste Mal in dieser Staffel etwas sinnvolles gemacht hat und dafür mit einer Kugel im Kopf belohnt wird. Ein Protest gegen die neue Bahn wird ebenfalls aufgemischt, zahlreiche andere Zivilisten sind am Ende ebenfalls tot.
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Und in all dieser Zerstörung, in all diesem Wahnsinn ist es Paul, der zum Fixpunkt für den Zuschauer wird. Die ganze Folge über, eigentlich ja schon die ganze Staffel hindurch ist er mit allem überfordert. Die Vergangenheit nagt an ihm, und mit der Selbstfindung ist es auch nicht all zu gut bestellt. Eigentlich befindet er sich permanent auf der Flucht, sowohl vor sich selbst als auch vor anderem. Als man ihm sein Bike klaut, nimmt man ihm damit auch sein liebstes Fluchtmittel. Doch der gehetzte und getriebene Paul findet im bleihaltigen Finale seine innere Ruhe wieder. Dies sind die Momente, für die er ausgebildet wurde. Der Ruhepol inmitten der stattfindenden Krise. 

Hier findet sich dann auch mein größtes Problem mit der Folge, abseits von dem was Vince Vaughn und Kelly Reilly sich da so leisten. Mal ehrlich, Franks Probleme mit dem Kinderkriegen, das Dilemma seiner hölzernen Frau, dieses ewige Schuldgeschiebe interessiert mich in etwa so sehr wie das nicht-gedeihen seiner Avocadobäume. Da das Thema auch vermutlich nicht zur Lösung des Falls beitragen wird frage ich mich also: wieso wird wertvolle Zeit damit verschwendet uninteressante Figuren aus allen Winkeln zu beleuchten? Wenn selbst Ray Velcoro dir Lebenshilfe liefert, dann stimmt ja was mit dir nicht, dann solltest du in dich gehen und nachdenken. Aber Frank benimmt sich wie ein wütender kleiner Junge, dem man seinen Lutscher geklaut hat. Ich behalte im Hinterkopf nach wie vor die Möglichkeit dass es sich dabei nur um einen Menschen handelt, der seine wütende Seite unterdrücken muss, damit er in der harten Geschäftswelt ernst genommen werden kann. Das Motiv der Augen, die ja in einer vorherigen Folge an der Decke auftauchten (bevor sie nahtlos in Casperes Augen überblendeten) kehrte ja auch diese Woche in Form einer Tischdecke zurück. Aber möglicherweise interpretiere ich auch nur hoffnungsvoll zu viel in eine weniger gute Darstellung. Oder es sind wirklich die Dialoge, die nun anhand der Performance als lächerlich entlarvt werden. Ich meine, Frank kann auf keine einzige Frage wie ein normaler Mensch antworten. Alles artet entweder in einer Bedrohung oder in einem Monolog über Schuld und Sühne aus.

Aber ich schweife ab, und im besten Fall sind es ja nur noch vier Folgen, in denen ich mich über Familie Semyon aufregen muss. Paul hat ein bisschen detektivische Arbeit geleistet und einen Zwischenhändler entdeckt. Ani wurde wegen der Affäre mit ihrem Kollegen vom Dienst suspendiert, darf aber weiterhin das Kommando über den Spezialeinsatz haben. Wieso auch immer. Doch das aufspüren des Zwischenhändlers Ledo Amarillo endet in einem Fiasko. Unsere drei Detectives wurden vermutlich in eine Falle gelockt, doch wir stehen nun gemeinsam vor einem Problem: irgendwie lebt niemand mehr, den man direkt verdächtigen könnte. 

Erst der zweite Blick zeigt neue Möglichkeiten auf. Und im Zentrum all dieser Möglichkeiten steht Ani Bezzerides. Ihre Schwester erwähnt irgendwelche Parties, auf denen sie selbst sich niemals herumtreiben würde. Chessani kannte ihren Vater bereits als Jungen, und er hat Verbindungen zu dessen Kult. Dort wiederum ist vor Beginn der Staffel ein Mädchen verschwunden. Und dann ist da noch Doktor Pitlor, der sowohl Anis Vater kannte, als auch ihre Mutter betreute, die Selbstmord beging. Chessanis Frau erlitt das gleiche Schicksal und war ebenfalls bei ihm in Behandlung. Es sind scheinbar wieder die Kinder, welche die Fehler ihrer Eltern später ausbaden müssen. 
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Sicher, besonders neu oder einfallsreich ist das Thema der belasteten Beziehung zwischen Eltern und Kindern nicht. Aber es bietet Raum zur Analyse, und dafür sind wir ja hier versammelt. Franks verdammte Avocados wollen auf dem toten Boden nicht wachsen, ein Kind zeugen klappt aber auch nicht. Adoptieren ist keine Alternative für ihn, er will nicht die Trauer und das Leid anderer Leute aufziehen. Ray hat möglicherweise genau das getan, da nicht sicher ist ob sein Sohn nicht das Produkt einer Vergewaltigung war. "Eines Tages wird wichtig sein, wo du herkommst". Also entweder war der Vater ein Vergewaltiger, oder das Kind darf auf eine lange Linie von Alkoholikern zurückblicken. Aufmunternd. Auch die Töchter haben es nicht einfach. Ani gibt ihrem Vater die Schuld am Suizid ihrer Mutter, und Chessanis Tochter lässt kein gutes Haar an ihrem Vater. Und auch Paul darf sich Gedanken machen, denn er nutzt sein ungeborenes Kind als neuen Deckmantel, unter dem er seine Homosexualität verbergen kann. Dass seine extrem schräge Mutter zumindest in Teilen für sein seltsames Männerbild verantwortlich ist dürfte auf der Hand liegen. 

Reden wir noch kurz über die Inszenierung. Sicher, Ani könnte niemals mit einem SUV Schritt halten, und niemand redet ernsthaft so, wie es die Figuren in dieser Serie tun. Alles ist ein wenig zu unwirklich, ein bisschen zu entrückt. Mich würde es nicht wundern wenn in dieser Staffel der Fall völlig ins Hintertreffen geraten würde, und dafür diese Beziehungen zwischen Eltern und Kinder noch deutlicher herausgearbeitet werden. Denn alles, was jetzt noch an Hinweisen vorhanden ist, spielt in diese Richtung herüber. Das wäre dann etwas anderes, etwas unerwartetes. Aber wäre es wirklich schlechter? 

Notizen für die Akten: 
  • You know what one of those dog fuckers said to me once: I'd rather be wrong first than right second. Tells you all you need to know" Nic Pizzolatto scheint die Presse nicht zu mögen.
  • Frank Semyon scheint also wirklich gute Zähne zu haben. 
  • "Better safe than something else". 
  • Mir vergeht langsam auch die Lust, Staffel 2 immer zu verteidigen. Ja, ich würde sie gerne getrennt von Staffel 1 betrachten. Aber wie soll ich das machen, wenn mir jede verdammte Folge wie ein nasser, stinkender Hund irgendwas präsentiert was vor einem Jahr schon genau so zu sehen war? Soll ich jede Folge loben und ihr sagen wie toll sie das gemacht hat? Was will HBO von mir???
  • Der Fallout der Schlusssequenz könnte gigantisch sein. Zahlreiche Tote, eine Kamera die live filmen konnte was passiert, eine Szene die an sich einwandfrei gemacht war. Aber ALLES an ihr schrie "schau mal, 6 Minuten Tracking Shot my ass! Wir sind besser, weil wir mehr von allem haben". 
  • Nic Pizzolatto hat diesmal das Script nicht allein geschrieben. Scott Lasser hat ihm geholfen, und er ist auch sonst halt so ein Autor. Freuen wir uns auf einen unfähigen und doofen Autor in Staffel 3, der in einer Nebenszene durch den Kakao gezogen wird. 
  • Ich wünsche mir mehr humorvolle Elemente. Wenn Velcoro Lebenshilfe leistet, nur um danach die Sirene anzuschalten weil ihm das langsame Tempo auf den Zeiger geht, dann hat das mehr Potential als Monologue über Avocadobäume. Auch Pauls Ruhe innerhalb der Krise erzählt mehr über ihn als es die meisten seiner bisherigen Szenen gemacht haben. Wieso nicht mehr davon?
Auch kommende Woche bin ich noch im Urlaub, das Recap wird also vermutlich nicht direkt am Montag erscheinen. Danach ist aber erstmal wieder business as usual geplant :)






Recap: Hannibal 3.6: Dolce

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Ich entschuldige mich vorab für die leichte Verspätung des Recaps, aber Comic Con ist dieses eine Wochenende im Jahr, an dem Ausnahmezustand herrscht. In meinem Browser sind momentan 5 Panels gleichzeitig geöffnet und sie alle warten darauf, angesehen zu werden. Doch ihr wartet ja auch, also lasst uns direkt loslegen und zur Sache kommen. 

Rollen wir das Feld diese Woche mal von hinten auf. Am Ende war ich mir recht sicher, dass wir eine neue Version von Ray Liottas unschönem Abgang aus "Hannibal" miterleben dürfen, nur dass Jack Crawford den Platz von Clarice Starling eingenommen hat, während Will für Paul Krendler einspringen darf. Doch Bryan Fuller konstruiert weiterhin seine eigene Version der Geschichte. Ich bin mir sicher, dass wir in der nächsten Folge erfahren werden wie genau nun alle bei Mason gelandet sind. 

Wo wir schon bei Mason sind: es ist bezeichnend, dass er in seinen Fantasien nicht mehr auf den Rollstuhl angewiesen ist. Dass er von Fremden gepflegt werden muss macht ihm zu schaffen. Aber sein Gesicht bleibt auch im Traum unverändert, vermutlich weil es die Rolle des Superschurken, in der er sich selbst sieht, so markant unterstreicht. Nur an seinen Essmanieren muss der Gute noch ein wenig arbeiten. Und überhaupt, sein kleiner Vortrag über das Baby, dass er gerne mit seiner Schwester zeugen würde hat mich mein Frühstück massivst bedauern lassen. In einer Show, in der der Protagonist ein mörderischer Kannibale ist muss man das auch erstmal schaffen. 

Wie gut das Margot gemeinsam mit Alana ihre eigenen Pläne verfolgt. Die Annahme, dass Alana nun im kompletten Rache-Modus unterwegs ist war zwar leider falsch, aber mit einer Alana, die so böse tut um Hannibal und Mason am Ende an das FBI zu verraten kann ich mich anfreunden. Margot will unterdessen das Familienimperium auch nach Masons Inhaftierung nicht aus den Fingern geben, also muss sie irgendwie an Masons Sperma kommen, um einen Nachkommen ausbrüten zu lassen. Vielleicht werden sie und Alana bald fürsorgliche Eltern? Auch wenn der Gedanke an Alana als Brutkasten irgendwie gruselig ist... Margot selber wurde ja von Mason ihrer Zeugungsfähigkeit beraubt. Die kaleidoskopisch gefilmte Sexszene zwischen Margot und Alana setzte dem visuellen Overkill dieser Folge dann unbestritten die Krone auf. Nicht nur war sie faszinierend anzusehen, sie unterstrich auch dass Margot und Alana Eins geworden sind. 
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Unbestrittene Königin in dieser Folge war allerdings Bedelia. Ihr Verhalten war über viele Folgen hinweg schlichtweg ein Mysterium, das man nicht so recht entziffern konnte. Bisher mussten wir oft annehmen, dass sie über ihre Lage keine Kontrolle hat. Dass sie, wie Chiyoh sagte, einer von Hannibals zahlreichen Vögeln in einem Käfig ist, einzig vorhanden um ihn zu unterhalten. Doch spätestens seit "Secondo" arbeitet Bedelia an einem Ausweg aus ihrer Lage. Bereits dort wollte sie von Hannibal wissen, ob er all seine Feinde wissentlich zu sich zieht. Darin liegt ihr Weg nach draußen, und sie hat ihn sorgsam vorbereitet. Wenn sie Hannibal mitteilt, dass sie ihn nicht weiter begleiten wird, hat niemand damit gerechnet. Am Wenigsten Hannibal selbst. Doch Bedelia legt die Fakten auf den Tisch: sie weiß, dass er sie gern verspeisen würde, doch sie hat noch nicht lang genug in der Marinade gelegen um seinem Geschmack zu entsprechen. 

Und auch sonst hat sie sich von ihrer passiven Rolle verabschiedet, sie ist zu einem aktiven Teilnehmer geworden. Wenn sie Hannibals Wunden versorgt wäre es leicht für sie gewesen, ihn zu ermorden. Doch sie überlässt den anderen das Spielfeld, will beobachten wer am Ende die Oberhand behält. Unterdessen verabreicht sie sich selbst Drogen, welche ihre Wahrnehmung verschwimmen lassen. Dass es sich um eine Fassade handelt wird klar, wenn sie mit Chiyoh eine klare Unterhaltung führen kann. Doch Jack und Will haben bereits bemerkt, dass es sich höchstwahrscheinlich um die gleiche Behandlung handelt, der auch Miriam Lass unterzogen wurde. Wenn das gleiche Mittel in Bedelias Blut nachgewiesen werden kann hat sie ein wunderbares Alibi. 

Chiyoh bleibt dabei weiterhin ein blasser Charakter. Ok, sie schubst Leute von fahrenden Zügen, und sie schießt Will in dieser Episode in die Schulter, um Hannibal zu retten. Weil sie ihn, um bei den Vögelchen zu bleiben, in einen Käfig stecken will. Will sie ihm und sich selbst beweisen, dass sie nicht das Monster ist, welches Hannibal in ihr wecken wollte? Inwiefern wäre einsperren dann die humanere Wahl? Wohin geht sie, als sie Jack am Ende der Folge alleinlässt? Für mich folgt sie keiner inneren Logik, und das verdirbt mir den ansonsten möglicherweise spannenden Charakter doch arg. 

Zum Ende hin sind dann aber alle Hauptfiguren mehr oder weniger fröhlich vereint. Will und Hannibal sehen sich endlich wieder, und zunächst sieht es ganz so aus als würden die beiden gemeinsam flüchten. Doch Will hat andere Pläne, die von Chiyoh vereitelt werden. Hannibal hat sich zum großen Wiedersehen die Wohnung der verstorbenen Soglianos ausgesucht und wartet nur darauf, dass auch Jack endlich zum Essen erscheint. Doch der Jack, der dann auftaucht, ist ein herber Rückschlag im Vergleich zur vorherigen Folge. Naiv wie ein kleines Kind lässt er sich von Will ablenken. Ich meine, sich unter dem Tisch zu verstecken ist sooo simpel, und wieso ist Jack auf einmal so unvorsichtig? Ein bisschen mehr Konsistenz in den Charakteren wäre schon wünschenswert. 
Knusprig! © NBC
Dass das drumherum auch in dieser Woche nicht sonderlich wichtig ist beginnt langsam, mich zu stressen. Auf einmal tauchen also Bilder der wirklichen Familie Fell auf, gleichzeitig schafft Mason es irgendwie, die komplette Polizei zu kaufen. Auch Jacks Antwort auf die Frage, wieso er Hannibal nicht getötet hat als er die Chance hatte, klingt eher nach "ging nicht weil die Autoren ihn lebendig brauchen". Dass Bedelia sich am Spielfeldrand aufhält ist nachvollziehbar, bei Jack macht es keinerlei Sinn. Da aber alles andere nach wie vor einfach enorm faszinierend ist kann man darüber gut hinwegsehen. Dass sich gegen einen Cliffhanger entschieden wurde und man sich wenigstens sicher ist das Wills Gehirn noch innerhalb seines Schädels residiert ist ebenfalls beruhigend. Wobei ich gestehen muss dass ich die ganze Szene über darauf gewartet habe dass Will keine Hände mehr hat. Oder keine Beine. Oder sonst etwas nicht mit ihm stimmt. Doch dann war es ja nur die Knochensäge, also war alles in Ordnung. Bis Mason eingreifen muss. Und mein Bauchgefühl sagt mir, dass es für Mason kein schönes Ende nehmen wird. Und wir haben noch immer nichts von Dolarhyde gesehen, es bleibt also noch eine ganze Menge auf das wir uns in dieser Staffel freuen können. Wenn das aktuelle Niveau gehalten wird dann wird es zwar ein Ende geben, aber ein Ende welches ordentlich knallt.


Menü des Tages: 
  • Maude Lebowski hätte diese Folge gefallen. 
  • Wills geflüstertes "I don't believe you" hat für richtig heftige Gänsehaut gesorgt!
  • Bryan Fuller hat diese Woche mitgeteilt dass weder Amazon noch Netflix eine vierte Staffel ermöglichen wollen. So langsam wird die Luft dünn. 
  • Das Rezept der Woche kommt mal wieder von Jaime Oliver. Diesmal machen wir Nachtisch, und natürlich *muss* ein Rezept für Tiramisu in dieser Staffel untergebracht werden. Da Schokolade zum überleben notwendig ist landet etwas davon im Rezept. Das wird durch den Verzicht auf zu viel Eigelb ausgeglichen, damit man nach dem Essen nicht direkt ins Fresskoma fällt. 
  • Will und Hannibal haben das gleiche Muster an Verletzungen im Gesicht. Jeweils konzentriert auf eine Gesichtshälfte. Zwei Teile eines Ganzen. 
  • "In my defense, you weaponized your uterus, you shouldn't have been waving it around like that!". Weil ich Mason Verger noch nicht ekelhaft genug finde, jetzt muss er sich auch noch anhören wie einer dieser "Hätte sie mal besser auf sich aufgepasst"- Vollidioten. 
  • "Transubstantiation".
  • Nach all den Drehungen und Wendungen und Abwandlungen habe ich schon seit einigen Folgen absoluten Horror vor diesem Aal in Masons Zimmer. Aale sind eh Kreaturen aus der tiefsten aller Höllen, und Aale und Bryan Fuller zusammen bescheren mir ernsthafte Alpträume. Die Sache mit dem Aal war in den Büchern schon heftig, und irgendwas sagt mir dass Alanas Gehstock auch noch eine Funktion erfüllen wird.
  • "If I saw you every day, forever Will, I would remember this time" das nenn ich mal romantisch.
  • Ich hatte es schon bei True Detective erwähnt, aber: ich bin ab Montag im Urlaub. Ich werde vermutlich zwar die Möglichkeit haben Serien zu schauen, kann allerdings nicht garantieren dass die Recaps pünktlich am Folgetag erscheinen. 
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