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Filmkritik: Deadpool

© 20th Century Fox
Story: Bei Wade Wilson (Ryan Reynolds) läuft es eigentlich gut. Der Söldner verdient sein Geld auf leichte Art und Weise und dann lernt er mit Vanessa (Morena Baccarin) die Liebe seines Lebens kennen. Doch dann wird bei ihm Krebs im Endstadium diagnostiziert. Er entschließt sich zur Teilnahme an einem geheimen Programm, welches Heilung verspricht. Doch stattdessen mutiert er unter der Behandlung von Ajax (Ed Skrein) und verfügt ab sofort über rasend schnelle Selbstheilungsfähigkeiten. Es ist also Zeit für einen Rachefeldzug, denn Ajax verfolgt ziemlich finstere Pläne.

Kritik: Lange mussten die Fans des Söldners mit der großen Klappe auf einen eigenen Kinofilm warten. Der missglückte Auftritt in "X-Men Origins: Wolverine" entpuppte sich vor Jahren als Debakel. Wie gut, dass Ryan Reynolds an der Sache dran geblieben ist und beinahe 10 Jahre damit verbracht hat, für eine Umsetzung des derben Comicmaterials zu sorgen. Ein paar Minuten geleaktes Testmaterial, unzählige Trailer und Videokampagnen später strömten die Fans nur so ins Kino. Bereits einen Monat nach Kinostart blickte der Film mit der hohen Altersfreigabe (ab 16 bei uns, R-Rating in den USA) bereits auf fast 670 Millionen Dollar Umsatz. Es scheint also einiges richtig zu laufen für 20th Century Fox. Da Deadpool theoretisch zu den X-Men gehört liegen die Rechte an dieser Marvel-Figur nämlich bei Fox. Das hindert Deadpool allerdings nichts daran, Seitenhiebe in alle möglichen Richtungen auszuteilen. Aber gehen wir der Reihe nach.
Fassungslos: Deadpool © 20th Century Fox
Die grobe Marschrichtung wird gleich in den ersten Minuten des Films klar. Zu oberkitschiger Musik gibt es die Eröffnungsszene in Zeitlupe. Statt den Namen der Beteiligten bekommen wir locker flockige Beschreibungen ihrer Arbeit zu lesen. Eine Zeitschrift mit Ryan Reynolds und dem Vermerk "Sexiest Man Alive" fliegt durch das Bild. Und ehe wir uns versehen sind wir mittendrin im Geschehen und begleiten Deadpool auf seinem Rachefeldzug. Zwischenzeitlich wird in Rückblenden aufgearbeitet wie es zur aktuellen Lage kam. "Deadpool" macht dabei eine Menge richtig. Der Soundtrack von Junkie XL (der auch bei "Fury Road" schon für erfreute Lauscher sorgte) fetzt. Die restliche Auswahl an Songs ist eigenwillig, aber eindrücklich. Die ersten Überraschungen lassen auch nicht lange auf sich warten. Wer hätte innerhalb eines solchen Filmes schon eine der angenehmsten Liebesgeschichten der letzten Zeit erwartet? Wade und Vanessa pokern mit ihrer traumatischen Kindheit um Mitleid, leben eine völlig entspannte Beziehung in jeder Hinsicht und verstehen sich blendend. "Your crazy matches my crazy" hält als Erklärung her, und wenn wir mal ehrlich sind: aus viel mehr besteht das Geheimrezept für eine funktionierende Beziehung doch nun wirklich nicht. Man findet jemanden der zu einem passt, der einen akzeptiert und im besten Fall gleich bescheuert ist. Bingo, Bahn frei für ein Happy End. Dass der Film darüber hinaus die Beziehung der beiden in einer schrägen Montage aus Sexszenen, angepasst an verschiedene Feiertage im Jahr, präsentiert, ist erfrischend: endlich ist Sex in einem Film mal nichts, was sich unter Bettdecken und Tonnen von Scham zu verstecken hat.

Beste Lovestory ever! © 20th Century Fox
Natürlich kommt vor allem der Spaß hier wirklich nicht zu kurz. Der eine oder andere wirklich infantile Witz hat sich eingeschlichen, keine Frage. Vor allem die unendlich vielen popkulturellen Referenzen zünden aber. Da darf man sich auch schon mal fragen ob die Eltern aus "Taken" 1-3 nicht einfach die miesesten Eltern überhaupt sind, wenn jeden Film jemand aus der Sippe entführt wird. Auf Deadpools Beziehung zu den X-Men wird ebenfalls eingegangen. Colossus (gesprochen von Stefan Kapicic) und Negasonic Teenage Warhead (benannt nach einem Song von Monster Magnet, gespielt von Brianna Hildebrand) vertreten die restlichen Mutanten. Colossus würde Deadpool wirklich gerne für die X-Men rekrutieren, Negasonic Teenage Warhead ist eigentlich einfach nur eine gelangweilte Teenagerin. Die Darsteller gehen allesamt in ihren Rollen auf und es tut gut, Leuten zuzusehen die Spaß an ihrer Arbeit haben. Wer im dritten Akt aufpasst bekommt noch ein, zwei mächtige Seitenhiebe aufs Marvel Cinematic Universe mit auf den Weg, und eine Szene nach dem Abspann darf natürlich auch nicht fehlen. Beim freizügigen Einsatz von derbem Humor lässt Deadpool es sich natürlich nicht nehmen, regelmäßig mit dem Publikum zu sprechen. Auch bekannt als das Durchbrechen der vierten Wand (im Theater die Trennung zwischen Bühne und Zuschauerraum), wird effektiv jede Distanz zum Film weggebrochen, die Sache ist direkt persönlich. Das sorgt natürlich für weitere Gags. Die mögen nicht immer alle sitzen, aber eine Komödie mit so hoher Gagdichte, bei der jeder Witz tatsächlich zündet muss auch erst noch gedreht werden.

Zwei weitere Dinge sind ebenfalls angenehm. Zum einen verzichtet "Deadpool" auf den Bombast, den die meisten anderen Comicverfilmungen mittlerweile mit sich herumschleppen. Hier geht es nicht darum die Welt zu retten. Es geht darum dem Typen eins reinzuwürgen, der dein Leben über den Haufen geworfen hat. Keine Aliens, keine Superwaffe, keine sonstige Art von massiver Bedrohung. Und während sich darüber lustig gemacht wird wie missglückt Deadpool nach seiner Transformation aussieht ist es doch relativ vielsagend dass ein Großteil seiner Krise daraus resultiert dass er denkt, er wäre nicht länger gut aussehend genug für seine Freundin. Vielleicht ist es zu viel Interpretation für eine Comicverfilmung, aber mir gefällt diese Idee ausgesprochen gut. 


Lustlose Teenager © 20th Century Fox
Ganz rund läuft bei "Deadpool" dann aber doch nicht alles. So fesselnd die Geschichte ist, am Ende haben wir es doch nur mit einer weiteren Origin-Story zu tun. Innerhalb dieser Geschichte ist die Handlung dann auch recht schmal: Typ verliebt sich in tolle Frau, wird mit Krebs diagnostiziert, wird zum Mutanten und kämpft, um seine Frau zu beschützen. Mit Ajax, gespielt von Ed Skrein (bei dem ich mir nicht sicher bin ob er neuerdings undeutlicher redet oder sein britischer Akzent als Witz so dermaßen übertrieben ist dass man ihn teilweise nicht versteht) reiht sich dann noch der nächste, recht farblose und generische Bösewicht in den Reigen der Comicverfilmungen ein. Der Typ schiebt sich einen Film, weil jemand seinen richtigen Namen erfahren hat? Ich schätze, Leute sind schon wegen unbedeutenderer Dinge ausgeflippt. Das sind aber letzten Endes Kleinigkeiten, die man "Deadpool" nicht wirklich zur Last legen kann, denn Spaß macht der Film allemal.


Fazit: "Deadpool" ist laut, hat ein freches und extrem loses Mundwerk, sitzt mit dem Finger viel zu schnell am Abzug und teilt 100 Minuten kräftig in alle Richtungen aus. Fans des Comics kommen also voll auf ihre Kosten. Wer den bisherigen, doch eher kuscheligen Kurs den die X-Men gefahren sind schon als zu hart empfindet, der wird hier Probleme kriegen. Alle anderen bekommen zwar in ihren Grundzügen nur eine weitere, dafür aber extrem kurzweilige Superhelden-Origin-Story, die kein Blatt vor den Mund nimmt. Inwieweit da jetzt der Hype um einen Publikumsliebling, das clevere Marketing oder die Altersfreigabe dran schuld ist? Völlig nebensächlich wenn das fertige Produkt so viel Laune macht.

Infos zum Film
Originaltitel: Deadpool
Erscheinungsjahr: 2016
Genre:Comicverfilmung, Action, Komödie
FSK:16
Laufzeit:109
Regie: Tim Miller
Drehbuch: Paul Wernick, Rhett Reese
Darsteller: Ryan Reynolds, Morena Baccarin, Ed Skrein, Gina Carano, T.J. Miller, Brianna Hildebrand, Stefan Kapicic u.a.

Trailer

Filmkritik: Dating Queen

© Universal
Amy Schumer arbeitet schon eine ganze Weile als Comedienne, und seit einer Weile ist ihre Serie "Inside Amy Schumer", die in den USA auf Comedy Central läuft, einfach überall bekannt. Mit bissigem Humor nimmt sie Klischees auf die Schippe, ist dabei immer sehr direkt, aber niemals so plump wie gewisse andere Individuen, die sich Comedian schimpfen dürfen. Mit ihrer Art folgt sie wundervollen weiblichen Comedians wie Amy Poehler und Tina Fey, und sie hat keine Angst auch unangenehme Themen anzusprechen. Oder Unsicherheiten, welche die meisten von uns begleiten. Das allein reichte aus um mich in helle Aufregung zu versetzen als es hieß, dass sie das Drehbuch zu "Trainwreck" geschrieben hat und selbst die Hauptrolle übernehmen würde. Als dann Judd Apatow als Regisseur zum Projekt kam stieg die Vorfreude nochmal an. Zwar hat Apatow die seltsame Angelegenheit, am Ende immer die Bekehrung zur Familie als Lösung zu präsentieren, aber in Kombination mit Amy Schumer versprach ich mir dann doch eine ganze Menge mehr als die typische 08/15 RomCom mit Zuckerguss - Happy End und langweiligen, stereotypen, flachen und dümmlichen Charakteren. Ob meine Erwartungen getroffen wurden?

Story: Amys Leben läuft ziemlich gut. Sie arbeitet für S'nuff, ein Männermagazin, hat eine tolle Wohnung und jede Menge Zeit zu feiern und Männer abzuschleppen. Als ihre Chefin ihr ein Portrait über einen Sport-Chirurgen aufzwingt bricht eine Krise aus. Denn Amy verabscheut Sport. Doch Aaaron Conners fasziniert sie, und die beiden kommen sich näher. Doch Amys Vater, der mittlerweile im Altenheim lebt, hat ihr vom Kindesalter an eingebläut dass monogame Beziehungen nicht funktionieren. Amy ist gezwungen, Neuland zu betreten.
© Universal
Kritik: Judd Apatow ist mittlerweile ein fester Bestandteil in Sachen Komödien. Besonders sympathisch machte ihn bisher seine Liebe zu den eigenen Figuren, auch wenn man durchaus anmerken kann dass die Lösung aller Probleme stets in der monogamen Beziehung (am besten mit Kindern) endet. Nun überlies er Amy Schumer die Zügel beim Drehbuch und agiert nur hinter der Kamera. Dies passiert wie gewohnt souverän, verlieren wir also keine weiteren Worte darüber. Reden wir stattdessen über Amy Schumer. Sie liefert eine wirklich überzeugende Darstellung mit einer ganz persönlichen Note. Sie strahlt richtig, überstrahlt aber zu keinem Zeitpunkt die anderen Darsteller. Bill Hader als von Grund auf ehrlicher Sportarzt ist souverän und ergänzt sich mit Amy sehr harmonisch. Richtig grandios wird es dann in den Nebenrollen. Ohne zuviel verraten zu wollen: es lohnt sich Ausschau nach Tilda Swinton, John Cena und Lebron James zu halten, die allesamt ein richtig gutes Gespür für Comedy an den Tag legen. 

Dass die Gags hier in den meisten Fällen sitzen ist erfreulich. Wer keinen Spaß an doch eher derbem Humor hat sollte sich den Kinobesuch allerdings überlegen. Besonders Amy Schumers todernste Art, Punchlines zu liefern ist ein Garant für Lacher. Doch bei allem Sinn für Scherze schwingen auch immer wieder ernste Töne mit. So ist der Einfluss der Eltern auf die jungen Kinder durchaus ein Thema, auch die Absurdität von Männermagazinen (und indirekt auch Frauenzeitschriften) wird demonstriert. Besonders trifft aber der Umgang von jeweils Amy und ihrer Schwester mit dem Vater, der zwei extreme Möglichkeiten aufzeigt. Und natürlich ist auch die Angst vor einer Beziehung und die Sabotage, der man sich selbst unterzieht um nicht verletzt zu werden ein Thema. So werden die komödiantischen Töne oftmals ganz heruntergedreht, um dem Drama eine Bühne zu geben, doch da die Figuren sympathisch sind fühlt man gerne mit. 

Erfreulich ist größtenteils auch der Umgang mit den Figuren. Skut-Shaming im direkten Sinne wird nicht betrieben, und sowohl Amy als auch beispielsweise ihre Chefin sind unabhängige Frauen, die ihr Ding durchziehen und sich nicht reinreden lassen. Auch das Umdrehen der Dynamik sonstiger RomComs ist erfreulich. Dies wirkt niemals affektiert oder gibt die Figuren der Lächerlichkeit preis. Es zeigt im Gegenteil zutiefst menschliche Figuren auf. Im letzten Drittel wird sich dann allerdings doch arg am langweiligen 0815-Muster bedient. 
© Universal
Auch fühlen einige Szenen sich schlichtweg deplaziert an. Die Sache zwischen Amy und dem Praktikanten verwundert höchstens. Das liegt keinesfalls an Ezra Miller, der wie immer liebenswürdig ist. Vielmehr fehlt schlicht und ergreifend der Zusammenhang, zu sehr fühlt es sich wie ein notwendiger Twist für die weitere Handlung an. Wo wir beim Twist sind: wäre es wirklich notwendig gewesen, Amys Verhalten im Nachinein permanent mit ihrer Vergangenheit zu erklären? Sicher, niemand zeigt mit dem Finger auf sie und stellt fest, dass sie eine Schlampe ist. Doch wie so oft liegt auch hier das einzige Glück in der Beziehung zu einem anderen Menschen. Niemand würde als "gesunder" Mensch freiwillig keine Beziehung führen, darauf läuft es am Ende hinaus. Geschädigt durch das Verhalten des Vaters, der seinen kleinen Töchtern die Trennung der Eltern mit "Monogamie ist keine Lösung" nahebringt, liegt die Erlösung klar im Finden der Liebe. Da es sich irgendwo um ein Drama mit hohem Comedyanteil handelt mag das im großen Ganzen sinnvoll sein, doch ein negativer Beigeschmack bleibt.

Fazit: Was als Wirbelsturm des scharfzüngigen Humors beginnt, verkommt gegen Ende zu einem lauen Lüftchen vor der typischen RomCom Kulisse. Konsequenteres Durchhaltevermögen wäre wünschenswert gewesen, keine Frage. Und doch macht Trainwreck (dessen deutscher Titel "Dating Queen" durchaus als Verbrechen am Kinogänger gewertet werden darf) mit seinen dramatischen Einschlägen zwischen all den humoristischen Einlagen über weite Teile und vor allem in der ersten Hälfte wirklich Spaß. Man bringe in diese Rechnung noch einen Haufen Darsteller, die sowohl in Haupt- als auch Nebenrollen brillieren und das Gesamtpaket ist fertig geschnürt: unterhaltsam, mitreissend dank liebenswerter Figuren, am Ende ein wenig zu sehr nach Schema F. Doch da es sich hier um das erste Drehbuch Schumers für einen Film handelt darf man gespannt sein, was in Zukunft aus ihrer Ecke noch auf uns zukommen wird.

Infos zum Film

Originaltitel: Trainwreck
Erscheinungsjahr: 2015
Genre: Komödie, Lovestory
FSK: 12
Laufzeit: 130 Minuten
Regie: Judd Apatow
Drehbuch: Amy Schumer
Darsteller: Amy Schumer, Bill Hader, Tilda Swinton, Brie Larson, John Cena, Ezra Miller, Daniel Radcliffe, Marisa Tomei, Randall Park, LeBron James, Matthew Broderick

Trailer 


Media Monday #211


Sonntag Abend. Ich schreibe drei Artikel für 2 Outlets gleichzeitig. Neben mir liegt ein Haufen Klamotten neben dem Koffer, denn packen erledigt ja jeder vernünftige Mensch in der letzten Minute. Ich habe also bis morgen Vormittag Zeit, jawoll! Ein bisschen über Belgrad informieren wollte ich mich auch noch, aber ich glaube dafür ist es jetzt auch zu spät. Allerdings weiß ich, dass ich einen ganzen Tag mit shoppen verbringen werde. Ha! Die nächsten 10 Tage werden also auf jeden Fall ereignisreich, aber ich melde mich sicher hier mal zwischendurch. Und grad läuft auch noch die Comic Con, es herrscht also eh Ausnahmezustand.

Aber natürlich steht vorher der Media Monday vom Medienjournal ins Haus, der diesmal fast ohne Nachdenken von der Hand geht.

Buffy © Fox
1. Wäre ____ nicht bloß eine Film-/Serienfigur, würde sie/er fast ein Idol für mich sein, schließlich ____ . Völlig falsch gestellt, die Frage. Figuren wie Ellen Ripley oder Buffy Summers sind Idole für mich. Waren sie schon in meiner Jugend, und sie sind es auch heute noch. Unabhängige, vernünftige Frauen, die ihr Ding durchziehen und neben Sinn und Verstand noch eine ganze Palette an Emotionen auffahren können. Die Leute sollten mehr solche Idole haben. 
2. ____ war eine regelrechte kreative Meisterleistung, schließlich ____ . Heut hab ich's aber. Ist nicht jeder Film irgendwo eine kreative Meisterleistung? Also, bis auf wenige Ausnahmen. Wobei, eigentlich steckt in jedem Film Arbeit drin. Da haben sich Leute Mühe gemacht und eine Geschichte entwickelt, Figuren entwickelt. Schauspieler haben ihre Texte gelernt, sich vor der Kamera abgemüht. Hinter der Kamera arbeiten zahlreiche Leute, um eine Vision umzusetzen. Tja, manchmal kommt dann sowas wie der 40483 "Transformers" bei rum, wo alles kaputtgeht und sich scheinbar niemand Gedanken gemacht hat. Manchmal kommt sowas wie "Grand Budapest Hotel" dabei rum, wo offensichtlich ein wirklicher Künstler am Werk war. Aber kreativ sind sie alle irgendwie. 

Wobei, machen wir uns nix vor, "Grand Budapest Hotel" ist 'ne verdammte Meisterleistung, auch nach mehrmaligem Ansehen noch. Die Detailverliebtheit, die Bildkomposition...alles der pure Wahnsinn. 

3. Serien-Adaptionen zu erfolgreichen Filmen (bspw. Fargo, From Dusk Till Dawn, Scream etc.) betrachte ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge. "Fargo" hat mir außerordentlich gut gefallen, und auch der Trailer zu "Ash vs. Evil Dead" macht mich sehr, sehr glücklich. Reine Nacherzählungen im Serienformat, wo eigentlich gute Darsteller durch irgendwelche unbekannten und untalentierten Typen ersetzt werden braucht allerdings kein Mensch. Ehrlich nicht. 

4. "World of Warcraft" spiele ich seit Jahren immer wieder gerne, weil ja, keine Ahnung. Man nach mehreren Jahren mit dem gleichen Charakter das Gefühl hat, dass man den jetzt nicht einfach so allein lassen kann? Weil es zumindest mit jedem neuen Patch und Addon was neues zu entdecken gibt? Weil ich meine Haustiersammlung noch immer nicht vervollständigt habe? Ich weiß es doch auch nicht. Ich freu mich auch massiv auf den "Warcraft" Film kommendes Jahr. 
Durotan © Legendary Pictures


5. Filme in schwarzweiß sind genauso Filme wie die in Farbe? Schau ich mir auch ganz gerne an? Können extrem stimmig sein? Alles davon? Nichts davon?

6. "Inherent Vice" von Thomas Pynchon zu lesen hat mir riesige Freude bereitet, denn das Buch ist tausendmal abgedrehter und verwirrter und zielloser als der ohnehin schon geniale Film. Deswegen saß ich häufiger mal irgendwo draußen herum und musste beim lesen leise vor mich hinkichern. Ich glaube, meine Umwelt und die Mitmenschen lieben mich. 

7. Zuletzt habe ich "Age of Adaline" gesehen und das war grad zum Ende hin wirklich gut , weil ab der Mitte aus einer bis dahin völlig belanglos erzählten 0815-Romanze ein recht gutes Liebesdrama wurde, mit Figuren denen ich ein Happy End echt gewünscht habe.
© Universum Film

Blogparade: All you need is love

Bei Frau Margarete findet momentan eine Blogparade in Serie und zum Thema Serie statt. Pünktlich zum vierten Teil hab ich das endlich auch entdeckt, und fühle mich nun gezwungen, ordentlich Senf dazu zu geben. Das Thema? "All you need is love". Der Stein des Anstoßes formuliert sich so:

Welche sind deine liebsten Liebespärchen im Film? Welche Liebesgeschichte findest du besonders romantisch? Oder auch: In welchen Seriencharakter bist du (heimlich?) verliebt? Vielleicht aber auch: Welche Serienpärchen nerven dich besonders? Braucht eine gute Serie auch eine tolle Liebesgeschichte oder meidest du Romantik eher?

 

Liebesgeschichten. Schwieriges Thema, ehrlich. Die meisten davon finde ich nicht gut erzählt. Alles ist immer Kitsch und Regenbögen-kotzende Einhörner und so. Aber wenn ich sage "die meisten", dann bedeutet dass ja automatisch auch dass es Liebesgeschichten und Paare gibt, die ich gerne mag. Paare, die anders sind, Paare bei denen ich sagen kann: wow, die finde ich wirklich klasse. Vielleicht auch ein bisschen Paare, in denen ich Eigenschaften von mir und meinem Freund wiedererkenne. Meine fünf Favoriten habe ich euch herausgesucht, und ich stelle sie nachfolgend vor und erkläre, wieso ich gerade diese Paare ganz besonders mag.

Amy und Rory, Doctor Who

Ich breche jetzt an dieser Stelle mal keine Diskussion vom Zaun, in der ich mich darüber aufrege was für dämliche Rollen die weiblichen Companions bei "Doctor Who" so haben. Stattdessen möchte ich über Amy und Rory reden. Die beiden machen unglaublich viel zusammen durch: Rory wird ausgelöscht, in der Zeit zurückgeschickt, er erschießt aus Versehen die Liebe seines Lebens, wartet dann 2000 Jahre auf sie, und Kinder kriegen ist nochmal ein ganz anderes Thema. Doch die beiden macht so viel mehr aus. Sie sind die perfekten Gegenstücke zueinander. Und sie vervollständigen sich. Rorys Unsicherheit wird durch Amy abgefedert, und er glaubt unnachgiebig an sie, selbst wenn sie fest davon überzeugt ist ein wandelnder Haufen Chaos zu sein. 


April und Andy, Parks and Recreation


Ah, April und Andy. Was so seltsam anfing entwickelte sich zu einer meiner allerliebsten Liebesgeschichten überhaupt. Ever! Beide bringen jeweils das Beste am anderen zum Vorschein. Andy schafft es, dass wir erkennen dass hinter Aprils dickem Schutzschild aus Ablehnung und Sarkasmus eine tiefe, innere Verletzbarkeit liegt. Und April vollbringt das Wunder und macht aus einem am Anfang wirklich nutzlosen Charakter einen der liebenswertesten Typen im Fernsehen. Sicher, die beiden sind ein bisschen verrückt. Aber wer ist das nicht? Und am Ende will jeder nur, dass der andere glücklich ist. Und beide würden alles dafür tun, ihren Partner glücklich zu machen. Oftmals ist bei Fernsehpaaren am interessantesten, wie sie zusammenfinden. Sobald dann das Paar als solches existiert, werden sie oft sterbenslangweilig. Aber nicht mit April und Andy. 


Leslie und Ben, Parks and Recreation


Noch ein Paar aus Parks and Recreation, ja. Aber mal ehrlich: die Serie ist voll von wundervollen Paaren. Und was sie so besonders macht ist die Tatsache, dass die Serie an sich um ihre Figuren besorgt ist. Niemand wird je der Lächerlichkeit preis gegeben, und alle Figuren werden dabei unterstützt ihr Glück zu finden. Für Leslie, die am Anfang immer irgendwie etwas zu verrückt wirkte, kam das passende Gegenstück in Form von Ben. Ben fing an als eine Person ohne jede Art von Selbstvertrauen, mit mehr Stöcken im Hintern als tatsächlichem Rückgrat. Doch die beiden finden zueinander. Leslie macht Ben selbstbewusster, Ben sorgt dafür dass Leslie ein kleines bisschen weniger verrückt ist. Beide vervollständigen sich, runden sich ab und werden zusammen einfach immer besser. Dass sie ihre kleinen Macken jeweils voll unterstützen macht sie noch liebenswerter als sie eh schon wären.
Lily und Marshall, HIMYM
Irgendwo da draußen rennen vermutlich Leute rum, die Ted bei "How I met your Mother" am meisten mochten. Die sich auch nach neun Staffeln noch ernsthaft dafür interessiert haben, mit wem er nun am Ende zusammen ist. Da gehör ich nicht dazu. Sogar Barney hat irgendwann mein Interesse nicht mehr halten können. Die einzigen Figuren in dieser Serie, die ich von der ersten bis zur letzten Folge wirklich mochte waren Lily und Marshall. Klar, die beiden sind manchmal ein bisschen nervig, wenn sie es mit ihrem Paar-Gehabe mal wieder übertreiben. Aber verdammt, eigentlich ist es total süß. Aber sie nehmen Rücksicht aufeinander, sorgen dafür dass der andere glücklich ist. Erinnert ihr euch, als Marshall jahrelang auf Oliven verzichtet hat, weil Lily sie so gerne mag? Und sie lieben sich nicht nur, sie mögen sich auch. Und im Verlauf der Serie entwickeln sie sich weiter, und jeder Schritt in dieser Entwicklung macht sie zusammen stärker. Wenn das nicht romantisch ist, was dann? 
Zoe und Wash, Firefly
 Zoe und Wash sind ein weiteres Beispiel für ein Paar, dass auch nach der Paarbildung interessant bleibt. Die beiden starten die Serie und sind schon lange verheiratet, und sie beenden sie auch verheiratet. Dazwischen gibt es kein Drama. Also, außer die Angriffe von den ganzen Weltraumbarbaren und Piraten und zwischendurch mal ein Kidnapping. Aber die beiden sind verrückt nacheinander, respektieren und akzeptieren sich. Angenehm finde ich auch, dass die beiden nicht zusammengekommen sind nachdem Wash in guter, alter Heldenmanier die Jungfrau in Nöten gerettet hat. Die beiden fanden sich einfach ansprechend, und zack - man wird ein Paar. Die stabile Verbindung der beiden kontrastiert dann auch wunderbar mit dem Chaos und der Ungewissheit auf dem Schiff. Da findet man kein Beziehungsdrama, und das ist extrem angenehm. Dass die beiden ohne diese ganzen, elenden Klischees auskommen (man braucht ewig bis man zusammenfindet - es gibt Stress - man trennt sich - oh, man findet wieder zusammen...) ist dann das Sahnehäubchen auf der Beziehungstorte.


Ist euer liebstes Paar auch dabei, oder habt ihr andere Favoriten? Lasst doch einen Kommentar da :)


 

Filmkritik: 50 Shades of Grey

© Universal
50 Shades of Grey, soviel kann man sicher behaupten, ist ein Phänomen. Begonnen hat es als Fanfiction zu den Twilight-Romanen. Die jetzt, soviel kann ich als Leser von allen vier Teilen sagen, nicht der Gipfel der literatischen Schaffenskunst waren. "Shades" hab ich dann nur in der Zusammenfassung gelesen, man will ja wissen was die komplette Umwelt wochenlang so feiert. Und der Inhalt der Bücher lies mich dann doch mehrmals zusammenzucken. Es folgt ein kleiner Aufreger, und im nächsten Absatz geht es dann mit der Kritik weiter. Wer gerne Aufreger liest: viel Spaß, alle anderen springen bitte zum nächsten Absatz. Über das darin geschilderte Frauenbild und die, und an dieser Stelle Entschuldigung für die Wortwahl, abgefuckte und kaputte Darstellung von SM haben sich vor mir bereits viele andere aufgeregt. Und sie haben Recht, mit dem was sie sagen: was dort präsentiert wird, hat mit einer einvernehmlichen SM-Beziehung nichts zu tun. SM ist auch nichts, was pathologisiert werden müsste, es handelt sich bei dieser Vorliebe nicht um eine geistige Krankheit, die man durch das richtige Maß an Liebe "heilen" kann. Weil es nichts zu heilen gibt. Und, liebe Mädchen, vertraut mir: ihr wollt keinen Typen, der euch dauernd überwacht. Der euch auf Schritt und Tritt verfolgt und den ihr mit ein bisschen kauen auf der Unterlippe so wahnsinnig macht, dass er euch auf der Stelle den Hintern versohlen muss, bevor er euch mal so richtig durchnimmt. Weil ihr ihn ja provoziert habt. Ich kann garnicht weit genug ausholen um deutlich zu machen, wie falsch ich das finde. Deswegen höre ich an dieser Stelle damit auf, und wende mich der eigentlichen Sache zu: dem Film. Und der ist, zumindest in einigen Belangen, dann doch etwas besser ausgefallen, als ich angenommen habe. Aber lest selbst. 

Anastasia Steele will eigentlich nur für ihre kranke Mitbewohnerin einspringen. Diese soll ein Interview mit einem der erfolgreichsten Unternehmer der Stadt, Mr. Christian Grey, durchführen. Ana trifft also auf Mr. Grey, und der zieht sie sofort in seinen Bann. Doch auch er ist von der schüchternen, etwas tollpatschigen jungen Frau angezogen. Die beiden kommen sich näher, doch Ana muss schnell feststellen, dass Christians sexuelle Vorlieben ihre Vorstellungskraft übersteigen. Wenn sie eine Beziehung mit ihm will, dann nur zu seinen Konditionen, denen sie sich fügen kann, oder eben auch nicht. Um seine SM-Vorlieben abzusichern, will Christian, dass Ana einen Vertrag unterschreibt. Doch sie zögert... wird sie am Ende unterschreiben und sich fügen?
© Universal
Besprechen wir doch zunächst die positiven Dinge des Films, denn da gibt es schon die ein oder andere Sache, die verhältnismäßig gut gelungen ist. Da wäre zuerst einmal Dakota Johnson. Sie spielt überraschend gut, und man nimmt ihr sowohl die naive Unschuld als auch den Konflikt am Ende sehr leicht ab. Ein weiterer Bonus ist, dass Anastasia im Film nicht annähernd so widerlich rückgratlos rüberkommt wie in den Büchern. Sie widerspricht, sie zieht zumindest kurzfristige Grenzen. Klar fällt sie dann doch wieder darauf rein, dass sie Macbooks und Autos vor die Tür gestellt bekommt, aber da blitzt wenigstens zwischendurch mal Widerstand auf. Auch wenn da ärgerlich viel Bella-mäßiges Geschnaufe stattfindet. In diesem Zuge ist gleich noch positiv anzumerken, dass es die "Innere Göttin" aus dem Buch nicht in den Film geschafft hat. Ich gehe auch schwer davon aus, dass ich spontan Amok gelaufen wäre, wenn ich alle zwei Minuten mit Anas innerer Stimme, die alles total geil findet, in Kontakt hätte treten müssen.

Positiv finde ich auch die Wahl einer Regisseurin, jedenfalls auf den ersten Blick. Sam Taylor-Johnson hatte wohl während der ganzen Dreharbeiten permanent Stress mit E.L. James, die dauernd reinreden wollte. In den meisten Punkten scheint sich aber die Regisseurin durchgesetzt zu haben. Auch das Ende bietet ein gewissen Potential, auch wenn es den restlichen Film ad absurdum führt. Im Film entwickelt sich durchaus der Eindruck, dass die Sub die mächtigere der beiden Partner ist, was zumindest ein schöner Gedanke wäre. Ich bin mir allerdings nicht sicher, inwieweit dieser Gedanke beabsichtigt war. Im Vergleich zum Buch finde ich ihn aber erfreulich, denn dort ist Ana nunmal eine vollkommen leere Hülle und eine absolut nichtssagende Person.

Hier folgen Spoiler zum Ende:
Die Fahrstuhl-Szene führt das dann wieder ad absurdum. Laut Regisseurin war zunächst beabsichtigt, dass Ana ihr Safeword benutzt. Somit wäre das Verhältnis der beiden bis zu diesem Moment Bestandteil des Spiels geblieben. Die Buchautorin hat sich aber hier durchgesetzt und lässt sie nur "stop" sagen. Das degradiert Ana dann wiederum zu einem kleinen Mädchen, dass halt doof genug war sich in den falschen Typen zu verlieben. Die Macht, die sie zumindest zuvor noch ausstrahle, war eine Illusion die am Ende zerschlagen wird. 
Spoiler Ende

Auch technisch weiß der Film zu gefallen. Die Farbgebung sticht hier besonders hervor. Die Aufnahmen von Seattle werden dem Namen "50 Shades of Grey" durchaus gerecht, die Schlafzimmerszenen hingegen sind in kühle Blautöne getaucht. Und wenn es dann mal sexy wird, so dominieren die Rottöne. Auch die Kamera arbeitet sauber und verwackelt nicht. Der Soundtrack stammt von Danny Elfman, der normalerweise als Haus- und Hofkomponist von Tim Burton durchgeht. Hier gibt es nun ein paar Tracks von ihm selbst, die irgendwie nichtssagend daherkommen, und ein paar geschickt ausgewählte Popsongs. Tut niemandem weh, fällt nicht unangenehm auf. Coversongs, gesungen von Annie Lennox, gehen sowieso immer, der Rest plätschert so belanglos vor sich hin. 
© Universal
Tja, das war es dann aber auch schon mit den positiven Seiten des Films, jedenfalls für mich.Klar, ich muss zugeben dass das Ausgangsmaterial undankbar ist wie sonstwas. Und ich gehe stark davon aus dass alle Beteiligten da das Beste rausgeholt haben. Und dennoch hatte ich selten bei einem Film, der nicht als Komödie deklariert war, so viel zu lachen. Und so sicher wie das zu Beginn des Films noch gewollt war, so garantiert ist das nach den ersten 20 Minuten nicht mehr der Fall. Doch die Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern ist faktisch nicht vorhanden, und die schlechte Vorlage schimmert an allen Ecken durch. Die Dialoge sind kitschig, werden hölzern vorgetragen und sorgen zwischendurch echt einfach nur für Fremdscham hoch zehn. Jamie Dornan mag in "The Fall" großartig sein, aber hier ist er völlig fehl am Platz. Dass er sich zur Vorbereitung mal dazu herabließ, bei einer SM-Session zuzusehen, und danach seine Familie erst sehen wollte, nachdem er sich ausgiebig geduscht und von dem Schund gereinigt hatte, sagt alles. Was hat so jemand in so einem Film zu suchen? Also, außer Geld natürlich. 

Überhaupt ist Christian Grey in erster Linie das Gruseligste, was mir seit langem im Film untergekommen ist. Er kriegt die Frau also am Ende rum, weil er nicht nur Flugzeuge, sondern auch Helikopter fliegen kann. Und gefühlte 20 Autos besitzt (nettes Product Placement übrigens sowohl von Audi als auch Apple). Und so geplagt von seiner Vergangenheit ist, und wir wissen ja alle dass Frauen eigentlich nichts anderes wollen, als den perfekten ( also reichen) Mann mit ihrer Liebe zu heilen. Auch wenn das bedeutet dass sie manchmal ein bisschen Prügel einstecken, und immerhin hat sie ja drum gebeten, nicht wahr? Dieser Grey ist einfach ein rundum ätzender Typ. Er fordert und fordert und fordert noch ein wenig mehr, und er fühlt sich im Recht weil er mal ein Auto oder ein Macbook springen lässt. Er selbst betont aber immer wieder, wie wenig er bereit ist sich zu ändern, wie er akzeptiert werden will, so wie er ist. Was ja an sich grundrichtig ist, doch das Prinzip sollte in beide Richtungen gelten. Selbstaufgabe fordern, aber nichts zurückgeben ist einfach nur ein ekelhafter Zug. Gerechtfertigt wird das durch seine ach so mysteriöse Vergangenheit, über die er ja nicht sprechen will. Wir erfahren ja dann doch, woran es liegt, und da geht es dann schon wieder los mit der Pathologisierung von sexuellen Vorlieben und wir stehen wieder am Anfang.

Das bringt uns auch direkt zu den Sexszenen des Films. Im deutschsprachigen Raum kam er mit einer FSK 16 davon, die Franzosen sehen es noch liberaler: da darf man sich schon ab 12 im Kino langweilen gehen. Mit rund 20 Minuten Sex auf zwei Stunden Laufzeit hätte es da ordentlich Potential gehabt. Stattdessen hangelt man sich am altbekannten Schema F mühsam ab: Hier mal ein beherzter Griff ins Laken, da mal ein angezogenes Bein. Davon, dass eine Frau auf dem Regiestuhl sitzt, merkt man hier auch nichts mehr. Während Anastasia also in mehr oder weniger voller Nacktheit zu sehen ist und die Kamera sich dort genüsslich abarbeitet (Teile davon wurden gedoublet), behält Mr. Grey aus unerklärlichen Gründen permanent seine viel zu weit unten hängenden Hosen an. Dürfte auf Dauer verdammt unbequem werden, wenn ich mir das so vorstelle. Hier wird ein absolutes Standardpublikum bedient, dass scheinbar zwar Sex will, gerne auch so mit Peitschen und Handschellen, hihihi, dann aber doch lieber nicht zuviel sehen will. Wo bleibt der weibliche Blick, der Rest des Films ist doch auch eher aus Anastasias Sicht erzählt? Nicht dass ich jetzt darauf bestehen würde, unbedingt nackte Männer zu sehen, aber nach wie vor erscheint es mir unfair dass Frauen stets komplett blank ziehen müssen, während die Jungs ihre Hosen anbehalten. Wo bleiben die Schweißtropfen, die nicht aussehen als wären sie in präziser Feinarbeit mit der Pipette aufgetragen worden? Die klinische Optik, die den Aufnahmen der Stadt noch einen gewissen Reiz abluchsen konnte, wird hier zur Falle und lässt die Langeweile regieren. Alles wirkt kontrolliert, nichts und niemand lässt los. Mr. Grey spricht irgendwann darüber, wie SM für ihn bedeutet, die Kontrolle abgeben zu können, sich fallen lassen zu dürfen. Als Zuschauer hätte ich dieses Gefühl auch gewollt, stattdessen spürt man die imaginären Fesseln des Konservativismus nur zu stark.
© Universal
Kritisch anzumerken ist, wie auch bereits beim Buch, dass das Thema des Kindesmissbrauchs einfach so unreflektiert im Nebensatz fällt. Und ja, mit 15 ist man noch ein Kind. Das reiht sich ein in eine ganze Riege unerfreulicher Dinge, die diesen Film ausmachen. Neben dieser nebensächlichen Abschiebung von Kindesmissbrauch (wo bleibt da eigentlich der sonst so beliebte #Aufschrei, oder ist das ok weil es ja Fiktion ist?) ist es auch die Art der Beziehung, die dargestellt wird. Grey kontrolliert nicht nur Anastasias Handy und ihren Aufenthaltsort, er will ihr vorschreiben was und wann sie zu essen hat, mit wem sie sich zu treffen hat. Er schreibt ihr vor, die Pille zu nehmen, was mich direkt auf die nächstbeste Palme hochtreibt. Er behandelt sie wie ein kleines, unmündiges Kind, und der Gedanke daran ist nicht sonderlich schön. Mister Grey ist einfach von vorne bis hinten falsch und der Typ braucht einen Psychologen und kein weiteres Opfer für sein Verhalten. Die Tatsache, dass abertausende von Frauen scheinbar dieser Art von Mann hinterherschwärmen (auch wenn er fiktional ist), versetzt mich in Sorge.

Am Ende bleibt es dann irgendwie doch ein typischer Romantikfilm: die beiden treffen aufeinander, sie ist schüchtern und arm, er selbstsicher und scheisse reich (und er kann fliegen, Helikopter und Flugzeuge. und er hat 20 Autos, Klavier spielen kann er auch und überhaupt), es gibt ein bisschen Sex, sie passen nicht zueinander, es gibt mehr Sex, er verprügelt sie mal so richtig, sie geht. Es lässt sich herunterbrechen auf eine einzige Frage: unterschreibt sie diesen beknackten Vertrag, oder nicht? Bis der Film diese Frage mehr oder weniger elegant löst, vergehen knapp über zwei Stunden, in denen ich mich zunächst durchaus unterhalten gefühlt hab. Was an größtenteils unfreiwilligen Lachern über die Dialoge und die Schauspieler lag. Es folgen langweilige Sexszenen, ein kleines bisschen Drama, Baby, und dann ist der Film auch schon vorbei. Mr. Grey würde wohl fragen "hat das jetzt weh getan?". Und ich würde mit einem beherzten "nein" antworten, bevor ich mir einen Film über Sex anschauen gehe, der wirklich etwas vorzuweisen hat. Ich empfehle Lars von Triers göttliches Meisterwerk "Nymphomaniac" (beide Teile), Steve McQueens "Shame", in dem es unter anderem einen nackten Michael Fassbender zu bewundern gibt (der Film ist auch ein großartiges Drama, so ganz nebenbei). Und wer sich mit dem Thema SM halbwegs massentauglich befassen will, der sollte sich "Secretary" anschauen, mit einer anbetungswürdigen Maggie Gyllenhaal. Alle Fans des Films dürfen sich jetzt schon auf zwei weitere Teile freuen, in denen es vermutlich nicht besser wird.

Infos zum Film
Originaltitel: 50 Shades of Grey
Genre: Drama, Erotik
FSK: 16
Laufzeit: 125 Minuten
Regisseur: Sam Taylor-Johnson
Darsteller: Dakota Johnson, Jamie Dornan, Marcia Gay Harden, Rita Ora, Eloise Mumford, Luke Grimes

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