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gesehen: Voice from the Stone


© Ascot Elite


Story


Das toskanische Landhaus, in dem Verena ihre neue Stelle antritt, ist ein uraltes Gemäuer voller Erinnerungen und Geheimnisse. Hier soll sich die Kinderpflegerin um Jakob kümmern, der seit dem plötzlichen Tod seiner Mutter stumm ist. Oft lauscht der Junge an den Steinen, die mit ihm zu flüstern scheinen. Verena hält das zunächst für eine Erscheinung seiner grossen Trauer, doch dann hört sie selbst die gespenstische Stimme …

gelesen: Trollhunters

© Heyne > fliegt

Guillermo del Toro, einer meiner liebsten Regisseure, schreibt nebenbei auch Bücher. "Trollhunters" richtet sich, man erkennt es unschwer schon am toll gestalteten Cover, eher an ein jüngeres Publikum. Das hält mich natürlich keinesfalls vom Lesen ab. Wer lieber anschauen mag, der findet die passende Serie übrigens auf Netflix. Nun aber fix hinein ins Buch, bevor die Sonne aufgeht....

Das steht drin


An Monster unter dem Bett glaubt der 15-jährige Jim schon lange nicht mehr. Er hat ganz andere Probleme und Träume, wie z. B. seinen Loserstatus an der Schule zu verlieren, in Mrs.Pinktons Matheunterricht möglichst nicht an die Tafel gerufen zu werden und endlich, endlich, endlich die Aufmerksamkeit von Claire Fontaine, dem schönsten und coolsten Mädchen der Schule, zu erregen. Das ändert sich jedoch, als eines Abends eine gewaltige, haarige Pranke mit Krallen, so lang wie ein Unterarm, unter Jims Bett hervorschießt und ihn an den Füßen packt... 

gesehen: Life

Life © Sony Pictures Releasing GmbH

Story


Die Forschungsmission einer Gruppe Wissenschaftler auf einer internationalen Raumstation nimmt eine unerwartete Wendung: Eines Tages entdeckt das sechsköpfige Team einen sich rapide entwickelnden Organismus. Aus anfänglicher Neugierde auf die fremde Spezies entwickelt sich schon bald ein Kampf um das eigene Überleben.

Filmkritik: Crimson Peak

© Universal
Story: England im 19. Jahrhundert: Die junge Autorin Edith Cushing ist noch nicht lange mit Sir Thomas Sharpe verheiratet, doch schon kommen ihr erste Zweifel, ob ihr so ungemein charmanter Ehemann wirklich der ist, der er zu sein scheint. Edith spürt immer noch die Nachwirkungen einer schrecklichen Familientragödie und sie merkt, dass sie sich immer noch zu ihrem Jugendfreund Dr. Alan McMichael hingezogen fühlt. Durch ihr neues Leben in einem einsamen Landhaus im Norden Englands versucht sie, die Geister der Vergangenheit endlich hinter sich zu lassen. Doch das Haus auf Crimson Peak – und seine übernatürlichen Bewohner – vergessen nicht so einfach ... denn zwischen Begehren und Finsternis, Geheimnissen und Wahnsinn liegt die Wahrheit unterhalb von Crimson Peak.
Kritik: Guillermo del Toro gehört, das muss vorher festgehalten werden, zu meinen absoluten Lieblingsregisseuren. Er bewegt sich in den fantastischsten, oft selbst erschaffenen Welten als wären sie sein Zuhause, und er erzählt Geschichten die vielleicht nicht immer direkt zugänglich für jeden sind, aber doch immer so viel mehr sagen als man auf den ersten Blick vermuten würde. "Crimson Peak" ist eine Gothic Horror Story, wie sie im Buche steht. Dessen sollten sich die Zuschauer bewusst sein, bevor sie mit völlig falschen Erwartungen an den Film herantreten.
Mia Wasikowska als Edith Cushing © Universal
Mit Tom Hiddleston, Jessica Chastain und auch Mia Wasikowska hat Del Toro Darsteller gefunden, die perfekt in diese altmodisch-gruselige Umgebung passen. Ergänzt werden sie durch einen zurückhaltenden Charlie Hunnam und den wie immer wundervollen Jim Beaver. "Crimson Peak" arbeitet, wie die Klassiker ihrer Zeit, vor allem über die emotionale Schiene. Und hier machen sich die Schauspieler dann bezahlt, denn die Atmosphäre knistert nur so vor versteckten Geheimnissen und Anspannung aller Art. Als Zuschauer spürt man, dass die Geschwister etwas verbergen und man ist gemeinsam mit Edith hilflos in den schier endlosen Gängen von Allerdale Hall verloren.
Jessica Chastain und Tom Hiddleston © Universal
Visuell ist "Crimson Peak" erneut eine gigantische Spielwiese, auf der sich ausgetobt werden kann. Die Kontraste zwischen der Umgebung und dem Aussehen der Darsteller sowie ihren Kostümen lädt zum Staunen und interpretieren ein. Rabenschwarzes Haar auf weißem Schnee, alles umfangende Dunkelheit in Form eines Mantels: "Crimson Peak" geizt nicht mit seiner Bildsprache. Als zentrales Schaustück glänzt das verfallene Haus der Sharpes. Roter Ton trieft wie Blut aus den Wänden, die absolute Isolation von der restlichen Umgebung und die Verschmelzung von Innen und Außen dank des eingefallenen Daches jagt wohlige Schauer über den Rücken. Dort, wo Häuser normalerweise Schutz bieten, dringen die Elemente ungehindert ein. Einige Räume sind verriegelt, und die Suche nach dem passenden Schlüssel wird zur Überlebensangelegenheit. Da viel Zeit darauf verwendet wird, die Architektur des Hauses und die verworrenen Gänge zu erforschen, bleibt im Finale die Orientierung möglich, was die Spannung gut nach oben treibt. Musik und vor allem die Umgebungsgeräusche ziehen die Spannungsschraube ebenfalls kräftig an und lassen "Crimson Peak" zu einem visuellen wie akustischen Meisterwerk werden. Zwischendrin gibt es einige, oftmals unerwartete, Gewaltspitzen zu bestaunen, im Großen und Ganzen jedoch ist dies hier eine liebevolle Hommage an den Glanz vergangener Zeiten, in denen die wahren Monster doch irgendwie humanen Ursprungs waren. Dabei wird sicher das Rad nicht neu erfunden, doch in seiner Opulenz sucht "Crimson Peak" seinesgleichen vergebens.
Allerdale Hall, heimlicher Hauptdarsteller © Universal
Fazit: "Crimson Peak" leidet vor allem unter seinem schlechten Marketing. Die Trailer suggerieren einen Horrorfilm voller Geister, doch hier liegt etwas ganz anderes vor. Würde man ihn richtig einordnen, dann hat man es hier mit einem lupenreinen, klassischen Gothic Horrorfilm zu tun, und der unterscheidet sich vom "normalen" und modernen Horrorfilm. Die Geister sind metaphorisch zu sehen. Guillermo del Toro hat seine Hausaufgaben gemacht und liefert einen Film ab, der von seinen Darstellern und vor allem von den grandiosen Kulissen getragen wird. Natürlich kann man bemängeln dass die Geschichte vorhersehbar ist, aber geht es wirklich darum? Ein Film auf den man sich einlassen muss, aber in seinem Fach ein ganz starker Genrebeitrag, der zum Wiedersehen, zum Träumen und Versinken einlädt.
Infos zum Film

Originaltitel: Crimson Peak
Erscheinungsjahr: 2015
Genre: Horror, Romantik, Fantasy, Drama
FSK: 16
Laufzeit: 118 Minuten
Regie: Guillermo del Toro
Drehbuch: Guillermo del Toro, Matthew Robbins
Darsteller: Mia Wasikowska, Jessica Chastain, Tom Hiddleston, Charlie Hunnam, Jim Beaver, Doug Jones u.a.
Trailer


Filmkritik: Don't Breathe

© Sony Pictures
Story: Drei Jugendliche verdienen ihren Lebensunterhalt damit, kleinere Einbrüche durchzuziehen. Bargeld nehmen sie niemals mit, um härteren Strafen zu entgehen, falls sie erwischt werden. Doch ein Raubzug erweist sich als zu verlockend. Ein blinder, namenloser Kriegsveteran (Stephen Lang) hortet in seinem Haus ein stattliches Sümmchen. Rocky (Jane Levy) sieht ihre Chance gekommen, endlich mit ihrer kleinen Schwester aus ihrem kaputten Umfeld zu entkommen. Doch der Raubzug in der menschenleeren Wohngegend erweist sich als Fehler, denn die Kids haben die Rechnung ohne ihr vermeintliches Opfer gemacht.

Kritik: Fede Alvarez lieferte 2013 mit dem Remake von "Evil Dead" einen Film, der generell gut ankam und zu meinen persönlichen Favoriten gehört. Bereits da zeigte sich, dass er etwas von seinem Handwerk versteht und es schafft, unterschwellig Bedrohung aufzubauen, noch bevor dann tatsächlich die Dinge eskalieren. Bis zu einem gewissen Grad schafft er das auch mit seinem Zweitwerk, "Don't Breathe". Doch leider läuft auch so einiges einfach nicht ganz rund. Oder anders formuliert: Zu viele Chancen werden ausgelassen, zu viele Möglichkeiten bleiben ungenutzt.
© Sony Pictures
Doch bleiben wir vorerst beim Positiven. Jane Levy, die bereits die Hauptrolle in "Evil Dead" übernahm, zeigt auch hier wieder, wie man mit wenig Ausgangsmaterial eine Menge erreichen kann. Ihre Rocky zeigt emotionale Tiefe und eine ganze Bandbreite von Angstzuständen, die den Zuschauer unweigerlich mit in die Angelegenheit hineinziehen. Auch ihre Motivation ist zwar sehr einfach gehalten, sie spielt aber überzeugend genug, dass man ihr trotzdem wünscht, mit der Sache durchzukommen. Weniger überzeugend sind hingegen ihre beiden Freunde. Dylan Minette kommt als Alex niemals aus der "Netter Junge ist in unerreichbares Mädchen verliebt" Ecke heraus. Über weite Teile ist dies sein einziger Charakterzug und gleichzeitig seine einzige Motivation, überhaupt irgendwie zu agieren. Daniel Zovatto darf als Money so richtig tief in der Gangsterklischekiste wühlen. Er ist krass drauf, seine Frisur kann das bezeugen. Hier wäre mehr Charaktertiefe dringend nötig gewesen. Gottseidank taucht relativ zügig Stephen Lang auf. Er reißt seine Szenen an sich, füllt die Leinwand mit einer bedrohlichen Präsenz aus und zieht die Faszination des Publikums wie ein Magnet an sich.
© Sony Pictures
Heimlicher Star von "Don't Breathe" ist zweifelsohne Kameramann Pedro Luque. Zu Beginn des Films wird sich enorm viel Zeit genommen, um das Setting gründlich zu erforschen. Detroit darf wieder einmal als Kulisse für den Verfall herhalten, und als Zuschauer bewegt man sich langsam auf das Haus des blinden Veteranen zu. Wenn die Kids einbrechen bleibt die Kamera nah an ihnen und folgt ihnen durch die Räume und Gänge. Der Grundriss des Hauses und die Einrichtung einzelner Räume werden so greifbar, was im späteren Verlauf die Spannung enorm steigert. Hier kann "Don't Breathe" dann seine Stärken voll ausspielen. Enge Gänge und der begrenzte Raum des kleinen Hauses sorgen für klaustrophobische Gefühle. In der ersten Hälfte ist es kein bösartiges Monster, welches die Kids jagt. Stattdessen treffen sich zwei verschiedene Arten von Mensch, die sich beide in einer nachvollziehbaren, moralischen Grauzone bewegen. Als Zuschauer versteht man, dass Rocky mit ihrer kleinen Schwester abhauen will, man versteht aber auch die Trauer eines Mannes, der sein Kind verloren hat. Urängste werden bedient, denn wer will schon gerne gefangen sein, gejagt werden, und all dies in der Dunkelheit? Es sind simple Grundvoraussetzungen, die dann aber effizient umgesetzt werden und den Puls in die Höhe treiben. Wenn der Hausbewohner dann Jagd auf die Einbrecher macht und dabei vor Nichts zurückschreckt, dann werden die sonst geltenden Regeln des Home Invasion Thrillers gekonnt auf den Kopf gestellt.
© Sony Pictures
Im Verlauf der Geschichte tun sich allerdings zwei gravierende Probleme auf. Zunächst einmal bleibt die innere Logik später komplett auf der Strecke. In einem Moment ist der namenlose Veteran in der Lage, anhand zurückgelassener Schuhe zu erschnüffeln, dass weitere Personen im Haus sind, im nächsten riecht er die Leute nicht, die direkt vor ihm stehen? Laute Geräusche beeinflussen ihn manchmal, manchmal aber auch nicht. Unerklärlich taucht er in den verschiedensten Winkeln seines Hauses auf. Dabei wird, überraschenderweise, aber fast gänzlich auf plumpe Jumpscares verzichtet, was man dem Film wirklich anrechnen muss. Doch mit zunehmender Laufzeit wird eine der Figuren aus der moralischen Grauzone herauskatapultiert und entpuppt sich danach als ekelerregend bösartig. Der kurzzeitige Ausrutscher in die dämliche, vom Mottenstaub zerfressene Kiste der hilflosen Frauen, die vom starken Mann vor dem anderen, bösen Mann gerettet werden muss, passt tonal nicht zum restlichen Film. Er tut auch nichts zu irgendeiner wichtigen Entwicklung bei, es geht rein um den Schock. Dieses völlige Stoppen mitten in der rasanten Fahrt lässt "Don't Breathe" auf der Stelle treten, und zum Ende heraus will er dann auch nicht mehr wirklich in Fahrt kommen.
© Sony Pictures
Fazit: "Don't Breathe" ist über weite Teile hinweg spannend, in erster Linie aber packend klaustrophobisch inszeniert. Das tröstet darüber hinweg, dass mit fortschreitender Laufzeit die Logik bisweilen schmerzhaft und nahezu vollkommen auf der Strecke bleibt. Ein Event in der Mitte des Filmes zerstört hingegen das, was vorher so sorgsam aufgebaut wurde, und letzten Endes wird aus dem vielversprechenden Setting nicht annähernd das Maximum herausgeholt. Von einer Enttäuschung kann aber auch da nicht die Rede sein, denn wenn "Don't Breathe" seine guten Momente vor allem in der ersten Hälfte genüsslich ausspielt, dann zeigt er eindrucksvoll, zu welchen Taten das aktuelle Horrorkino bereit ist.

Infos zum Film

Originaltitel: Don't Breathe
Erscheinungsjahr: 2016
Genre: Thriller, Horror
FSK: 16
Laufzeit: 89 Minuten
Regie: Fede Alvarez
Drehbuch:  Fede Alvarez, Rodo Sayagues
Darsteller: Jane Levy, Stephen Lang, Dylan Minette, Daniel Zovatto u.a.

Trailer


Horrorctober 2016


Falls ihr keine Horrorfilme mögt, dann wird der Oktober ein ganz harter Monat für euch, liebe Leser. Denn wer letztes Jahr schon mitgelesen hat, der weiß was nun kommt: Horrorfilme satt, den ganzen Monat lang. Es ist wieder Zeit für den Horrorctober! Das Team der CineCouch hat euch auch in diesem Jahr wieder eine viel bessere Erklärung, als ich sie machen könnte, bereitgestellt. Außerdem findet ihr unter deren Beitrag auch alle anderen Teilnehmer. Scheut euch also nicht, auf Entdeckungstour zu gehen.

Naja, vielleicht finde ich zwischenzeitlich auch Zeit für etwas anderes. Aber wenn ihr mal einen Blick drüben in die Tag-Liste werft, dann taucht "Horror" dort ziemlich weit oben auf. Ich warte insgeheim immer noch darauf, diesem Genre irgendwann mal zu entwachsen, aber bisher bleibt dieser Schritt aus. Dementsprechend ist es über die Jahre hinweg schwieriger geworden, noch Filme zu finden, die ich noch nicht gesehen habe. So ist die Auswahl dieses Jahr vielleicht nicht zu 100% lupenreiner Horror, ich freue mich aber trotzdem auf jedes einzelne Werk. Und das sind die Schätze für die diesjährige Ausgabe:

© Concorde, Kinowelt, Wild Bunch, Universal, Senator, RapidEye Movies, UIP, Warner Bros., Lionsgate, ifc Films, Constructovision
  • Frankenstein (1931) von James Whale
  • Der weiße Hai (1975) von Steven Spielberg
  • The Lost Boys (1987) von Joel Schuhmacher
  • Funny Games (1997) von Michael Haneke
  • The Devil's Backbone (2001) von Guillermo del Toro
  • Slither (2006) von James Gunn
  • Bug (2006) von William Friedkin
  • Martyrs (2008) von Pascal Laugier 
  • The House of the Devil (2009) von Ti West 
  • Let me In (2010) von Matt Reeves
  • Kill List (2011) von Ben Wheatley
  • Berberian Sound Studio (2012) von Peter Strickland
  • The Lords of Salem (2012) von Rob Zombie
An "richtigen" Klassikern ist dieses Mal nur "Frankenstein" mit dabei, auf den bin ich dafür schon so richtig gespannt. Das Buch gehört zu meinen Favoriten! Ansonsten sind dieses Mal überraschend viele neuere Filme mit an Bord. Dies hauptsächlich, weil ich unzählige "die besten Horrorfilme aller Zeiten!" - Listen durchgegangen bin und bei so ziemlich jedem Eintrag nur sagte "kenn ich schon". Mit "The Lords of Salem" hole ich den aktuell einzigen noch unbekannten, aber bereits im Handel erhältlichen Rob Zombie nach, "The House of the Devil" wird mein zweiter Ti West, nachdem ich letztes Jahr sehr viel Freude an "The Innkeepers" hatte. Und mit "Let me In" wage ich mich an das Remake zu einem meiner liebsten Vampirfilme, "So finster die Nacht". Wie mir "The Devil's Backbone" bisher komplett entgehen konnte, bei meiner Liebe für Guillermo del Toro...reden wir besser nicht drüber, es wäre nur peinlich.
Eine erste Auswahl der Filme für dieses Jahr ist schon eingetroffen.
Natürlich werde ich auch in diesem Jahr versuchen, euch den Monat mit ein paar informativen Specials zu versüßen. Lasst euch also überraschen, und genießt den gruseligsten Monat des Jahres in vollen Zügen! Vielleicht macht ihr ja auch selbst mit? In dem Fall lasst doch Links in den Kommentaren, damit man eure Listen finden kann.

Filmkritik: The Rezort

© Ascot Elite

Story: Seit der großen Zombie-Apokalypse ist die Welt eine andere geworden. 2 Milliarden Tote und unzählige traumatisierte Seelen hat die Pandemie gekostet. Doch selbst aus unvorstellbaren Katastrophen kann man Profit schlagen. Mit „The ReZort“ wurde ein einzigartiger Ort geschaffen, der Luxusferien auf einer Trauminsel mit dem Nervenkitzel von Zombie-Jagd verbindet. Ein ausgeklügeltes Sicherheitssystem hält die zum Abschuss freigegebenen Untoten dabei in Schach – bis es versagt. Eine Gruppe von Amateur-Jägern wird plötzlich zu Gejagten. Bei dem Versuch, sich vor der untoten Meute zu retten, kommen die Zombie-Touristen zufällig dem ungeheuerlichen Geheimnis von „The ReZort“ auf die Spur. Denn das wahre Monster ist kein bissiger Untoter.

Kritik: Zombiefilme erfreuen sich nach wie vor großer Beliebtheit. Kein Wunder, im besten Fall sind die Horden von meist hirnlosen, dafür aber sehr verfressenen Untoten ja auch gruselig wie sonstwas."The Rezort" schickt sich an, blutig-bissige Zombieaction mit Ferienlaune zu vermischen. Und das gelingt überraschend gut, denn wenn man sich anschaut, was im B-Movie Sektor und besonders im Bereich der Horrorfilme sonst so produziert wird, dann ist "The Rezort" tatsächlich eine angenehme Abwechslung.
© Ascot Elite
Mit Dougray Scott, der zuletzt unter anderem in der Netflix-Serie "Hemlock Grove" für Unterhaltung sorgte, konnte ein solider Hauptdarsteller gewonnen werden. Seine Präsenz ist klar genug, um auch über die etwas längere Anlaufzeit hinweg zu helfen, die der Film sich gönnt. Statt uns nämlich gleich ins Gemetzel zu werfen, gibt es erst einmal eine ausgedehnte Vorstellungsrunde. Hier wäre wünschenswert gewesen, dass die Figuren sich ein wenig von der all zu starren Schablone der Horrorstereotypen abheben. Einige tun dies auch, der Rest ist, wie es das ungeschriebene Buch der Horrorfilmregeln so will, leichtes Kanonenfutter.

Auf der Insel zeigen sich die Menschen dann von ihrer besten Seite. "The Rezort" bemüht sich, aus allen möglichen Kanälen Gesellschaftskritik zu üben. Back to the Roots sozusagen, wenn man bedenkt aus welcher Motivation die Zombiefilme zu ihren Anfangszeiten entstanden sind. Das wirkt hier und da ein wenig zu übertrieben, wenn den Zombies von Aktivisten auf Teufel komm raus gleiche Rechte zugeschrieben werden sollen. Andererseits, wer weiß? Vielleicht wollen auch Zombies einfach nur in Ruhe futtern? Auch die Touristen, die nach Herzenslust auf die Untoten ballern dürfen, sind jederzeit auf der sicheren Seite. Die Distanz ist weit, in Häuserschluchten sind die Zombies angekettet. In etwa so mutig und herausfordernd wie Gummienten in der Badewanne angeln ist also das Jagen. Bis die Brut dank eines Comupterfehlers ausbricht. Anleihen an "Jurassic Park" sind hier nicht von der Hand zu weisen.

© Ascot Elite
Aber auch hier gilt: Lieber gut inspirieren lassen als schlecht selber ausdenken. Und wenn die Biester dann endlich ausbrechen, dann geht es gut rund auf der Insel. Überraschend gut gelungen sind auch die Effekte, bis auf ein paar ganz wenige Aussetzer in Sachen Computerblut sieht das Gemetzel sehr anständig aus. Auch die Zombies selbst sehen wunderbar unappetitlich aus. Sobald die Action losgeht folgt "The Rezort" dann brav den bereitgestellten Genrepfaden. Seitenhiebe auf die Tourismusindustrie, die aktuelle Flüchtlingskrise und die generelle Rücksichtslosigkeit der Menschen werden großzügig eingestreut und heben den Film so doch deutlich vom splattrig-matschigen Einheitsbrei ab. 

Fazit: "The Rezort" macht Laune. Gute Effekte, deutliche Seitenhiebe auf die weltpolitische Lage und die generelle Idee an sich, Zombies als Ferienunterhaltung zum Abschuss freizugeben sorgen für einen guten Zugangspunkt. Die Figuren sind etwas hölzern geraten, die Schauspieler überzeugen aber in den ihnen vorgegebenen Möglichkeiten. Nach einer etwas zu langen Anlaufphase fetzt es dann so richtig und dürfte Zombiefans zumindest vorübergehend sattmachen.

Die Blu-ray: Die Blu-ray im Vertrieb von Ascot Elite ist seit dem 16. September 2016 im Handel erhältlich. Sie kommt in einem schicken Pappschuber ins Haus, auf den leider ein FSK-Aufkleber aufgedruckt ist. Wer diesen Anblick gar nicht erträgt, der findet im inneren des Schubers ein Wendecover für das Amaray-Keepcase. Die Extras sind nett geraten. Es gibt einen Einblick hinter die Kulissen, ein Featurette zu den visuellen Effekten, dazu noch ein paar Trailer. Bei den Tonspuren kann zwischen dem englischen Original und der deutschen Synchro ausgewählt werden, beide liegen in sauber abgemischtem DTS-HD MA 5.1 vor. Untertitel gibt es ebenfalls, wenn auch nur in deutscher Sprache. Das Bild ist ebenfalls ausgewogen, die Kontraste sind gut gelungen und auch die Schärfe überzeugt.

Infos zum Film

Originaltitel: The Rezort
Erscheinungsjahr: 2016
Genre: Horror, Thriller
FSK: 16
Laufzeit: 91 Minuten
Regie: Steve Barker
Drehbuch: Paul Gerstenberger
Darsteller: Dougray Scott, Jessica De Gouw, Martin McCann, Elen Rhys Jassa Ahluwalia, Lawrance Walker u.a.

Trailer


Filmkritik: Ghostbusters (2016)

© Sony Pictures Releasing GmbH
Story: Erin Gilbert steht kurz vor der Promotion an der Columbia University. Doch es taucht unliebsamer Ballast aus ihrer Vergangenheit in Form eines Buches über Geister auf, welches sie mit ihrer damaligen, besten Freundin Abby zusammen geschrieben hat. Die steckt nach wie vor mitten in ihrer Forschung über Geister, gemeinsam mit der Wissenschaftlerin Jillian Holtzman. Doch plötzlich wird die unfreiwillige Gruppe mit einem richtigen Geist konfrontiert. Die Vorkommnisse häufen sich. Unterstützung bekommt das Team von Patty, die sich wie keine andere in New York auskennt, und dem Sekretär Kevin, der in erster Linie sein Aussehen im Kopf hat. Können die "Ghostbuster" New York retten?

Kritik: Beinahe, aber nur beinahe, hätten ja all die Menschen, die sich im Vorfeld so auf den Film eingeschossen haben, meine Vorfreude auch getrübt. Schlimmer aber war noch, dass der erste Trailer ja nun wirklich einfach mies war. Ich musste also massive Überzeugungsarbeit leisten, um die bessere Hälfte ins Kino zu bewegen. Arbeit, die sich aber gelohnt hat, denn er fand den Film fast genauso grandios wie ich. Aber fangen wir mal von vorne an. Und ich werde versuchen, nicht weiter auf das ganze negative Gehacke einzugehen, einfach weil es keinerlei Grund für die Negativität gibt. Wenn überhaupt, dann erleben die "alten" Ghostbuster grad einen riesigen Aufschwung, und das ist doch super. Die Filme ranken recht weit oben bei Amazon und der Markt wird mit Merchandise überschwemmt. Eine ganz neue, junge Generation entdeckt Ghostbuster grad neu. Yay! So, nun aber wirklich genug, ab zur Kritik. Wo soll ich nur anfangen? Hmm...
© Sony Pictures Releasing GmbH
Reden wir über die Figuren und vor allem über die Darstellerinnen. Klar, nicht jeder mag Melissa McCarthy (was vollkommen ok ist, aber bitte mögt sie nicht, weil ihr sie unlustig findet, und nicht weil ihr Aussehen euch nicht passt, niemand schuldet irgendwem Schönheit, ok?), ich finde sie grandios. Nicht nur in lustigen Rollen, sondern vor allem auch, weil sie eine gewisse Wärme in ernstere Rollen mitbringt. Kristen Wiig, Kate McKinnon (meine klare Favoritin, Holtzman ist pure Liebe) und Leslie Jones sind ebenfalls komödiantische Schwergewichte und mir von Grund auf sympathisch. Ich war also gespannt, wie diese vier Ladies harmonieren würden. Und das Ergebnis kann sich weitestgehend auch sehen lassen. Vor allem McKinnon als grenzgeniale, aber irgendwie auch leicht debil-gefährliche Jillian Holtzman, ist eine Offenbarung. Irgendwo im Film macht sie sich über eine Dose Pringles her, so ganz am Rande des Geschehens, und es wäre genug Material für einen eigenen Film. Der Wahnsinn schlummert bei ihr ganz nah unter der Oberfläche, und hier und da blitzt er durch, und es sorgt jedes Mal für teils ungläubige Lacher. Leslie Jones bringt als Stadtkennerin und Metro-Angestellte Patty die nötige Bodenhaftung mit und gibt skeptischen Zuschauern eine Chance, in die ganze Geisterangelegenheit so schmerzlos wie möglich reinzurutschen.
© Sony Pictures Releasing GmbH
Kristen Wiig spielt Erin Gilbert, die gerne ihre geisterlastige Vergangenheit hinter sich lassen würde und auf eine Beförderung an ihrer Uni wartet. Doch ihre Jugendfreundin Abby (McCarthy) zieht sie, wenn auch unfreiwillig, wieder mitten ins Geschehen rein. Auch die beiden sind sympathisch. Wiig stellt sich schnell als eine Art Ghostbuster-Mutter heraus, die immer ein Auge auf das restliche Team hat. Ich hätte mir allerdings gewünscht, dass die Freundschaft und das Geisterjagen vielleicht nicht gerade auf traumatischen Kindheitserinnerungen fußt. Lasst die Ladies doch einfach unbeschwert ihren Job erledigen, Frauen und Figuren im Allgemeinen können auch andere Motivation als "Trauma" für ihr Handeln haben. Abseits davon harmonieren die vier aber wirklich gut miteinander, es werden erstaunlich oft ruhige Töne angeschlagen. Das verpasst dem Film eine schöne, persönliche Note und setzt einen guten Kontrast zum unweigerlichen Haudrauf-Finale, vor dem uns in diesem Sommer irgendwie kein Blockbuster verschonen will.

Der Film schafft es dabei, ganz wie das Original, eine tolle Mischung aus Humor und Grusel zu liefern. In meiner Kinovorstellung (in den USA, am frühen Nachmittag und ein paar Wochen nach dem Starttermin) waren um die 30 Leute, bunt gemischtes Publikum: Paare, Einzelgänger, Eltern mit Kindern, ich schätze die Besucher waren zwischen 10 und 45 Jahren alt. Ein guter Schnitt also. Und es wurde sich bei einigen Stellen schön im Kollektiv erschreckt. Natürlich muss man hier keine expliziten Splatterszenen oder ausgefeilte Schockeffekte erwarten, der Film richtet sich ja an ein gemischtes Publikum. Und auf der Humorschiene trift er dabei wirklich ins Schwarze. Ein paar Slapstick-Einlagen fanden besonders bei den jüngeren Besuchern großen Anklang, einige Sprüche erfreuten dafür die Erwachsenen im Saal umso mehr. Es ist ja typisch für Komödien, dass nicht jeder Gag sitzt, dass nicht jeder Zuschauer über jeden Witz lacht und so weiter, aber hier würde ich die Mischung als gut ausgewogen bezeichnen. Ich hätte mir klar gewünscht, dass die bereits im Trailer so herübergekommen wäre, da hat man sich im Hause Sony meiner Meinung nach echt selbst ins Bein geschossen. Hätten die Witze darüber hinaus gerne noch eine Spur krasser sein dürfen? Bei den Darstellerinnen auf jeden Fall, so fühlt es sich zwischenzeitlich ein wenig gedämpft an. Ich schiebe das mal auf die breit gestreute Zielgruppe, oder anders gesagt: es sind Kinder anwesend. Wobei sich tatsächlich der eine oder andere Witz südlich der Gürtellinie eingeschlichen hat, der Eltern vielleicht in Erklärungsnot bringen könnte.
© Sony Pictures Releasing GmbH
Voll in die Humorschiene fällt auch der Auftritt von Chris Hemsworth als liebenswert-trotteliger Sekretär Kevin. Wer ihn nur als hammerschwingenden Donnergott kennt, der dürfte hier sein blaues Wunder erleben. Sein Timing in Sachen Comedy ist jedenfalls präzise und er scheint sich auch nicht zu schade, Witze auf Kosten seines guten Aussehens mitzutragen. Das ist erfreulicherweise aber niemals herablassend, und die Ghostbuster setzen alles daran, klarzumachen, dass niemand Kevin irgendwas antun darf. Jedenfalls stiehlt er beinahe jede Szene, in der er vorkommt, und es ist herrlich. Frisch aus dem New York Urlaub zurückgekommen lasse ich mich mal dazu hinreißen zu behaupten, dass New York (wo der Film spielt, auch wenn vieles in Boston gedreht wurde) voll von Typen wie Kevin ist.  Und wer sich davon nicht überzeugen lässt, der kriegt im Abspann eine Tanzszene serviert, die... ach, bleibt einfach zum Abspann sitzen, er ist sehr gut. Auch, weil es dort einen Cameo hat, der mich in höchstem Maße erfreut hat.

Cameo ist generell ein gutes Stichwort, denn "Ghostbusters" ist voll davon. Fast alle Darsteller aus dem Original tauchen auf, und Billy Murray ist tatsächlich nicht der witzigste von ihnen (die Rolle würde ich Dan Aykroyd mit seiner herrlichen "fuck this" Attitüde zuschreiben). Irgendwo taucht Andy Garcia auf, und Steve Higgins demonstriert eindrucksvoll, wie beschissen ein Chef sein kann. Als jemand, der mit dem alten Film aufgewachsen ist, war dieses Wiedersehen toll, auch weil die Darsteller gut in die Geschichte eingebunden werden. Es gibt einen oder zwei Momente, wo auf einen Cameo hingearbeitet wird, nur um dann dem Zuschauer vorzugaukeln, dass er nicht kommen wird, und man fiebert automatisch mit. Doch bis auf Murray, der seltsam lustlos daherkommt, sitzen die Gastauftritte. Teilweise bremsen sie die Handlung des Films ein wenig aus, dafür feuern sie aus allen Rohren pure Nostalgie. Hier wurde vermutlich versucht, einen Kompromiss zu finden, in meinen Augen sehr gelungen. Dies gilt generell für die meisten Teile des Films. Die Geschichten sind sich ähnlich, aber es handelt sich nicht um eine exakte Kopie. Vielmehr wird eine andere, mögliche Version gezeigt. Statt sich auf nur eine Figur zu konzentrieren (sind wir ehrlich, damals drehte sich alles um Bill Murray), steht hier das Team als Ganzes im Vordergrund. Und da ist sie dann auch wieder zu spüren, diese Wärme, die den meisten anderen Blockbustern zurzeit einfach fehlt. 
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Und dann wäre da noch die generelle Optik des Films. Hier offenbart sich eine schicke Mischung aus Oldschool-Look, mit sanften Updates. Es gibt viel, viel mehr Gadgets, weil Holtzman einfach nicht aufhören kann, neues Zeug zu entwickeln, jetzt wo sie ihren Freiraum gefunden hat. Hab ich schon erwähnt, wie sehr ich Holtzman liebe? Ehm, ja. Ihre neuen Gadgets machen die Geisterjagd dann auch deutlich mobiler und vielseitiger. Die Geister sind zu Beginn noch eine Mischung aus irgendwie liebenswert-schrullig-altmodisch, zum Ende hin wird dann aber das Gaspedal durchgedrückt und es wird richtig schön abgedreht. Die Effekte sind wirklich schick gelungen. Wenn man jetzt wollen würde, könnte man "Ghostbusters" vermutlich vorwerfen, dass die Geschichte altbacken ist. Missverstandener Kerl beschwört die Hölle auf Erden, weil... aus Gründen eben. Natürlich hat es irgendwann diesen einen Moment, in dem ein hell leuchtendes Etwas in den Himmel emporsticht. Aber kommt es darauf wirklich an? Oder steht vielleicht viel mehr im Vordergrund, dass die vier Ladies sich behaupten, Freundschaft schließen, aufeinander aufpassen? Und das (und hier kommt eines meiner persönlichen Highlights!) ganz ohne krampfhaft eingebaute Lovestory, unpraktische Kostüme und mit High Heels und Tonnen von Make-up verdeckt. Ich weiß, für viele Leser mögen das seltsame Kritikpunkte sein. Für mich persönlich erdet er die Ghostbusters und macht deutlich, dass es sich dort in erster Linie um normale Menschen handelt, die gemeinsam ein Problem lösen. Find ich in höchstem Maße sympathisch, und wenn ich mich an all die begeisterten Kinder nach der Kinovorstellung erinnere, die nun auch unbedingt Ghostbuster werden wollen, dann kann ich nur sagen: Alles richtig gemacht. 
© Sony Pictures Releasing GmbH
So richtig meckern möchte ich am Ende aber doch noch: Der Titelsong ist ein Verbrechen an der Menschheit, in all seinen Variationen, die im Film vorkommen. Ganz furchtbare Sache, dürfte gerne durch etwas anderes ersetzt werden. Irgendwas. Meinetwegen auch Stille. Das wäre es dann aber auch schon, ich bin fest davon überzeugt, dass man an dem Film viel liebenswertes entdecken kann, wenn man nicht schon mit einer vorgefertigten Meinung an die Sache rangeht.

Fazit: Meine Kindheit ist noch intakt, meine Blu-ray der beiden alten Teile ist nicht zu Staub zerfallen. Paul Feig und sein Team schaffen es, gleichzeitig respektvoll mit dem Ursprungswerk umzugehen und etwas Eigenes zu erschaffen. Humortechnisch richtet sich der Film an ein breites Publikum: Slapstick für die Kleineren, Witze der etwas härteren (und teilweise vielschichtigen) Art für die Erwachsenen. Tolle visuelle Effekte, vor allem aber sowohl die vier Hauptdarstellerinnen (hab ich eigentlich schon erwähnt, wie sehr ich Holtzman...oh, never mind) als auch so ziemlich jede einzelne Nebenrolle sind perfekt besetzt. Da entsteht so viel Verbundenheit im Team, harmonieren die Ladies so herrlich miteinander, dass es glatt über die ein bisschen zu langweilige Story hinwegtäuscht. Macht aber nichts, ich habe mich prächtig unterhalten gefühlt und hier meinen perfekten Sommerblockbuster gefunden.

Infos zum Film

Originaltitel: Ghostbusters
Erscheinungsjahr: 2016
Genre: Komödie, Horror, Action
FSK: 12
Laufzeit: 117 Minuten
Regie: Paul Feig
Drehbuch:  Paul Feig, Katie Dippold
Darsteller: Kate McKinnon, Melissa McCarthy, Leslie Jones, Kristen Wiig, Chris Hemsworth, Andy Garcia, Charles Dance, Neil Casey u.a.

Trailer

Filmkritik: The Neon Demon


© Koch Media/24 Bilder
Story: Los Angeles – Stadt der unbegrenzten Möglichkeiten, Glamourwelt, Schauplatz zahlloser Träume und Abgründe. Als das junge aufstrebende Model Jesse (Elle Fanning) nach L.A. kommt, kann sie nicht ahnen, dass ihre Jugend und Lebendigkeit schon bald den Neid einer Gruppe schönheitsfanatischer Frauen auf sich ziehen wird. Und die scheuen keinerlei Mittel, um das zu bekommen, was Jesse hat…

Kritik: Nicolas Winding Refn, nach Lars von Trier vermutlich das nächste Enfant Terrible aus Dänemark, liefert mit "The Neon Demon" erneut ein Werk ab, das mehr Erfahrung als reiner Film ist. "Valhalla Rising" ging in eine ähnliche Richtung, und "Drive" lockte seinerzeit die Massen ins Kino, um sich danach in deren Wutausbruch zu ergötzen, weil der Trailer wieder mal all die falschen Versprechungen machte. Nun ist also die glitzernde Welt der Models seine neue Zielscheibe. Und natürlich übertreibt er, überspannt den Bogen und verschiebt vermutlich die Realität soweit ins Alptraumhafte, dass der geneigte Zuschauer sich verarscht vorkommen könnte. Es passiert wenig, das Wenige fühlt sich an wie ein Traum, der ab und an durch Dialoge unterbrochen wird. Doch unter der glänzenden Oberfläche pulsiert es. Nicht schön, sondern wie eine Ansammlung von Maden, etwas abstoßendes, perverses, das sich normalerweise dem Blick entzieht.
© Koch Media/24 Bilder
Nun bezeichnet Refn sein Werk selbst als Horrorfilm. Wer sich davon Gore verspricht, der wird sich 90 von 120 Minuten langweilen. Der Horror hier ist ein anderer. Auf den ersten Blick mag "The Neon Demon" als Rundumschlag gegen die Frau an sich gelten. Konkurrenzkampf, der Körper als Gefahr und Waffe: Der Film suhlt sich in diesen Themen, hat sie an sich kleben wie Jesse das Blut und den Glitter in der Eröffnungsszene. Doch es bringt nichts, darüber zu lamentieren, dass der Umgang, die reine Diskussion mit solchen Themen, schlecht und frauenfeindlich wäre. Nicht, wenn gleichzeitig genau diese Themen das sind, was uns allen von der Jugend an mitgegeben wird.

Jesse, die Hauptfigur, ist im Film erst 16 Jahre alt. Nun kann ich als Frau keine Aussagen darüber machen, wie sich 16 anfühlt, wenn man ein Junge ist. Aber ich kann mich an meine eigene Jugend zurückerinnern. Wie ich mir die Cosmopolitan und andere Blätter am Kiosk kaufte. Mit Bewunderung in den Augen durch die Seiten dieser Hochglanzmagazine blätterte. "25 Wege, Ihn mit Kleidung um den Verstand zu bringen", "Die schönsten Dessous-Sets für den Herbst", "15 Gerichte, die als Vorspiel für grandiosen Sex taugen" und natürlich "wie bringe ich ihn am effektivsten um den Verstand?" Durchgestylt von oben bis unten, nichts an diesen Bildern war echt. Ich lernte früh, dass mein Körper defizitär war, nicht genug um mit dieser fremden Welt mithalten zu können. Ich lernte dafür aber, wie eine Frau zu sein hat. In einer Zeit, in der Diskussionen um Victimg Blaming und Rape Culture nicht präsent waren, auch wenn sie bereits damals dringend gebraucht wurden.
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Der doppelte Standard, der jungen Frauen noch heute eingetrichtert wird, tat sein Übriges. "Zieh ein anderes Shirt an, man sieht ja deinen Ausschnitt", "Willst du so vor die Tür gehen? Du könntest..." Ja, was? Ich lernte, dass mein Körper eine Gefahr war. In diesem Spannungsfeld zwischen Gefahr und Macht kämpfte ich gegen mich und meinen Körper, erlebte die von der Allgemeinheit propagierten Konsequenzen eines zu lockeren Kleidungsstils. Wollte gesehen werden. Der unerreichbare Traum von der Perfektion entpuppte sich als Minenfeld, in dem ich nicht bestehen konnte, in dem jeder Schritt ein Fehltritt war. Vielleicht spricht "The Neon Demon" mich deshalb so sehr an: Er zeigt mir, was ich kenne, verpackt in Schönheit. Lässt mich teilhaben an dem Traum der mir als Normalität verkauft wurde, bis er unerträglich wird, ich nicht mehr hinsehen will und kann. Sei vorsichtig mit deinen Wünschen, sie könnten in Erfüllung gehen. 

Mit dem Selbstzweifel geht die Suche nach Bestätigung einher. Jesse weiß, dass sie sonst nicht über viele Talente verfügt. Schönheit, das "gewisse Etwas" ist ihr gegeben. Sie will gesehen werden, spürt, dass sie über eine Form von Macht verfügt. Diese Macht zu nutzen ist schwierig, und sie übertreibt. Alles, was Frauen permanent eingetrichtert wird, kumuliert in den Figuren des Films, zeigt seine hässliche Fratze. Doch niemals wird über sie gewertet, keine einzige Figur im Film wird für ihr Handeln verurteilt. Erfrischend und angenehm, denn wer könnte ihnen Vorwürfe machen? Die beiden anderen Models spüren, wie ihre Schönheit, ihre Macht, mit einem Verfallsdatum markiert ist, sie wollen ihren Status nicht zu Gunsten einer Jüngeren aufgeben. Die Make-Up Artistin steht im Schatten der konventionellen Schönheit, abseits, ungesehen, unbegehrt, mit zu wenig Macht. Es sind rohe Kräfte dort am Werk, das pure Begehren, der Wille, Alles zu geben, die sich in dieser Konstellation gegenseitig ihre hässliche Seite zeigen. Aber können wir jemandem Vorwürfe machen wenn er oder sie das tut, was sozusagen verlangt wird?
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"The Neon Demon" verkörpert dabei eine seltsame Form von Style over Substance. Der Zugang wird leichter, wenn wir Kunst als eigenständige Sache sehen. Nicht jede Form von Kunst muss eine Aussage über Etwas treffen. Sicher, der betörende Soundtrack von Cliff Martinez spinnt sein ganz eigenes Netz um seinen Zuschauer. Und ja, die Bilder sind, wie wir es von Refn gewohnt sind, durchgestylte Perfektion in wunderschön aufeinander abgestimmten Neonfarben. Jede einzelne Kameraeinstellung sitzt und "Neon Demon" ist nicht nur ein Titel, sondern eine Entität, die in beinahe jeder Einstellung spürbar ist, auch wenn sie niemals sichtbar wird, in all den verlassenen Hinterhöfen, abgewrackten Motelzimmern und anderen Hässlichkeiten, die LA so hergibt. In dieser Hinsicht ist der Film klar über Schönheit als Thema, doch er braucht keine kohärente Erzählung, um dieses Thema dem Publikum nahe zu bringen. Selbst wenn man nichts mit dem Werk anfangen kann wird man wohl zugeben müssen, dass "The Neon Demon" spektakulär aussieht. Seine Themen sind hässlich bis aufs Mark, doch Hässlichkeit war nie so wunderschön wie hier.

Schönheit tropft aus jedem Millimeter der Leinwand, wird zu einer sinnlichen Erfahrung, bleibt nicht auf der Ebene eines Gedankenspiels. Jesse erfährt die Schönheit ihres eigenen Körpers in einigen Szenen, beispielsweise auf dem Catwalk, auf dem sie umgeben von rosa-rotem Neonlicht, sich selbst endlich erkennt. Lustvoll gibt sie sich dem eigenen Bild hin. Lässt sich von den vergoldeten Händen des Fotografen anbeten. Die Erkenntnis, die Manifestation des Begehrens Anderer zu sein ist "Alles". Es ist diese, allgemein als verwerflich angesehene Wahrheit, die in so vielen von uns existiert. Nichts ist hässlicher als das versteckte Begehren tief aus dem eigenen Inneren so offensichtlich auf der Leinwand dargestellt zu sehen. Nichts ist erschreckender, als seinem ungeschönten Ich im Spiegel zu begegnen und nicht wegschauen zu können. Es verzehrt einen, und am Ende kann Schönheit in dieser Welt nicht bestehen. Refn als Regisseur versteht das, er ist aber über den Punkt hinaus, an dem er sich noch dafür interessieren könnte, was das Publikum von seinem Werk hält. "The Neon Demon" ist "Suspiria", "Blade Runner", jeder Film von Lynch und die fiesesten Folge "Germanys Next Topmodel", zusammengeschmolzen zu einem Amalgam, betrachtet durch Refns verzerrenden Spiegel hindurch. Aufwühlend, unbequem und ein unvergessliches Erlebnis.
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Fazit: Die Geschichte von "The Neon Demon" an sich ist rasend schnell erzählt. Und fast könnte man meinen, dass es noch zu viel Dialog gibt, denn hier sprechen die Bilder wirklich für sich selbst. Doch NWRs neuer Geniestreich hat so unendlich viel zu sagen. Darüber, wie wir aufwachsen. Wie unser Selbstbild von außen geformt wird. Wie hässlich die Dinge werden können, wenn ungesundes Konkurrenzdenken die Überhand nimmt. Exzessiv auf die Spitze und darüber hinaus getrieben entsteht ein Blick auf die Modelwelt, ein Haifischbecken, welches auch in unserer Realität seine hässlichen Wurzeln langsam um uns schlingt. Befreit ist davon wohl nur, wer noch nie die Nase, das Sixpack oder die wohlgeformten Schenkel seines Nächsten an den eigenen Körper gewünscht hat. "The Neon Demon" treibt diese Sehnsucht nach Perfektion im Spannungsgefüge zwischen Macht und Schönheit in ungeahnte, hässliche Höhen, garniert mit wunderschönen Bildern und erdrückendem Sound.

Infos zum Film

Originaltitel: The Neon Demon
Erscheinungsjahr: 2016
Genre: Horror, Thriller
FSK: 16
Laufzeit: 110 Minuten
Regie: Nicolas Winding Refn
Drehbuch:  Nicolas Winding Refn, Mary Laws, Polly Stenham
Darsteller: Elle Fanning, Jena Malone, Abbey Lee, Bella Heathcote, Christina Hendricks, Desmond Harrington, Keanu Reeves u.a.

Trailer


Filmkritik: Conjuring 2

© Warner Bros.
Story: Lorraine (Vera Farmiga) und Ed Warren (Patrick Wilson), die beiden Geisterjäger, werden von der Kirche nach London beordert. Dort gehen im Haus der Familie Hodgson seltsame Dinge vor sich. Vor allem die elf Jahre alte Janet (Madison Wolfe) steht im Zentrum der Aufmerksamkeit eines fiesen Geistes. Können die Warrens helfen, oder täuscht die Familie die Heimsuchungen vielleicht nur vor, um aus dem alten Haus ausziehen zu können?

Kritik: "Conjuring" wurde weitläufig wohlwollend aufgenommen, und so war es vermutlich eine Frage der Zeit, bis Regisseur James Wan das hungrige Publikum mit einer Fortsetzung beglücken würde. Mir persönlich gefiel "Conjuring" wirklich gut, James Wan hat diese Eigenart, eigentlich abgenutzte Tricks und Spielereien in seinen Filmen zu verwenden, die dann aber so sauber ausgeführt werden, dass sie funktionieren. Nun bin ich, das muss vorher klargestellt werden, sowieso ein äußerst schreckhafter Mensch, und ich schaue schon seit einigen Jahren keine Horrorfilme mehr im Kino. Ich warte brav, bis ich mich in der sicheren Umgebung meines Bettes, Bettdecke stets griffbereit, terrorisieren lassen kann. Für "Conjuring 2" habe ich eine Ausnahme gemacht und mich ins Kino begeben, vermutlich hat das zum überaus positiven Eindruck ein wenig beigetragen. Denn Grusel funktioniert anders, wenn andere Menschen mit im Raum sind. Doch ist "Conjuring 2" wirklich gruselig, oder einfach nur ein weiterer Fall für die Akte "langweilige Fortsetzung"?
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Man muss sicher festhalten, dass James Wan das Horrorgenre nicht neu erfindet. Muss er aber auch gar nicht, denn was er hier abliefert ist hochgradig unterhaltsam. Mit 134 Minuten Laufzeit erschaffen sich alle Beteiligten hier eine gigantische Spielwiese in heimgesuchten Häusern. In dieser Fortsetzung werden beispielsweise die Ereignisse in Amityville ebenfalls zum Thema, doch sie dienen nur zur Eröffnung der eigentlichen Handlung. Das gibt einerseits James Wan die Möglichkeit, den wohl bekanntesten Fall von Besessenheit kurz abzuarbeiten, er setzt damit aber auch den Ton für den restlichen Film, denn Lorraine hat hier eine Vision, die sie später noch einmal einholen wird. Kurze Zeit später geht es dann auch schon nach London, wo sich der berühmt-berüchtigte Enfield Poltergeist in einer Familie einnistet.

Zunächst fällt auf, wie viel Mühe und Arbeit in das Setdesign gefallen sein muss. Die etwas offensichtliche Wahl von "London Calling" als Soundtrack entlockt ein Grinsen, verankert gemeinsam mit ein paar wenigen Aufnahmen und einem Blick auf die Kostüme die ganze Angelegenheit aber sicher und vor allem effizient in den 70ern. Das Motto "Show, don't tell" wird hier sehr ernst genommen. Wir lernen die Familie kennen, die später durch die Hölle gehen wird. Eine alleinerziehende Mutter mit vier Kindern. Viel erfährt man nicht über sie: eine Tochter möchte vor ihren Freundinnen als cool dastehen, einer der beiden Jungs wird gemobbt weil er stottert. Doch die Kinder halten zusammen, die Mutter gibt sich Mühe, ihre Panik vor dem Nachwuchs zu verbergen. Eine sympathische Familie, der man nichts Schlechtes wünscht. Aber das Böse hat natürlich andere Pläne. Und wie könnte man nicht mitfühlen, wenn das Ziel des Dämonen, ein elf Jahre altes Mädchen, sich im Gespräch Lorraine anvertraut? Sie fühlt sich alleine, sie weiß nicht was mit ihr passiert, sie hat Angst vor dem Unbekannten, die anderen haben Angst vor ihr. Mit niemandem kann sie reden und sie hat das Gefühl, mit ihrem Problem allein auf der Welt zu sein. Das lässt sich einwandfrei auf all die Ängste übertragen, die jeder von uns in diesem Alter durchmacht, es verankert den übernatürlichen Horror simpel und effektiv in etwas, das jeder von uns durchgemacht hat.

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Über die Handlung an sich möchte ich gar nicht so viel reden. Aufmerksame Zuschauer werden gegen Ende hin kaum überrascht, doch da Wan sich eine Menge Zeit nimmt, um das Finale aufzubauen, geht das voll in Ordnung. Die verhältnismäßig lange Laufzeit sorgt dafür, dass eine große Anzahl verschiedener Sets besucht werden kann, und sie alle tragen ihren Teil zum Aufbau der Geschichte weiter. Mit den Gruselmomenten werden aber auch kurze, teilweise sehr private Gespräche unter den Figuren verknüpft. Das grenzt manchmal hart an der Kitschgrenze, doch die Darsteller machen ihren Job gut, wirken sympathisch und man nimmt ihnen ihre Handlungen jederzeit ab. Vor allem Madison Wolfe legt hier eine Leistung aufs Parkett, die mich wirklich neugierig macht, wie man so junge Darsteller in Horrorfilmen so überzeugend einsetzen kann. Die Vermischung des Horrors, dem sich alle Figuren ausgesetzt sehen, und der immer wieder aufkommenden Romantik zwischen den Warrens funktioniert ebenfalls ausgezeichnet. In Szenen, die mit anderen Darstellern wohl unerträglich schleimig gewesen wären, wird mit kleinen Gesten deutlich, wieso die Beziehung dieser beiden auch einer Horde fieser Dämonen trotzen kann. Und eben weil so viel Zeit mit den Figuren verbracht wird, sitzt jede Gruselsequenz umso besser.

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Und wenn es gruselig wird, dann aber so richtig. In vielerlei Hinsicht ist "Conjuring 2" die Perfektion dessen, was James Wan bisher schon immer geliefert hat. Gemeinsam mit seinem Kameramann Don Burgess wühlt er sich durch die Trickkiste und fährt ein sattes Gruselkabinett auf. Lange, ununterbrochene Kamerafahrten mit den Figuren durch die Räume des Hauses bauen Spannung auf. Raumdetails verändern sich, während die Kamera an den Gesichtern der Beteiligten klebt. Man erlaubt sich, den Grusel unscharf im Hintergrund passieren zu lassen, während die Kamera im Vordergrund auf einen der Geisterjäger fokussiert. Angereichert wird all das durch die üblichen Verdächtigen, die sich in einem Gruselhaus so aufhalten: Wehende Vorhänge, sich von selbst bewegende Objekte, knarrende Türen. Zwischenzeitlich werden die beliebtesten Argumente von Anti-Gruselhaus-Fans entkräftet, so kann die Familie Hodgeson nicht einfach umziehen, da sie in einem staatlichen Haus leben und "mein Haus ist von Geistern besessen" bei Ämtern und Behörden schon in den 70ern keinen Eindruck macht. Wan erlaubt sich auch den Luxus, uns einen wirklich guten Eindruck von den Räumlichkeiten zu geben. Der Aufbau des Hauses wird schnell deutlich, die Wege bleiben nachvollziehbar. Das wird im Finale wichtig, und all die investierte Zeit in kleine Details macht sich dann bezahlt. Mag es in der Machart auch an "Poltergeist" erinnern, mit "Conjuring 2" beweist James Wan, dass er das Spiel auf der Gruselklaviatur perfektioniert hat.

Fazit: James Wan hat sein Publikum fest im Griff. Wirklich etwas Neues liefert er mit "Conjuring 2" nicht ab. Der sorgfältige Aufbau, die liebevoll ausgestatteten Kulissen, großartig aufgelegte Darsteller und miteinander verwobene, emotional nachvollziehbare Geschichten liefern gemeinsam mit meisterhaft umgesetzten Gruselmomenten das Fundament für einen der effektivsten Haunted House - Filme seit Langem.

Infos zum Film

Originaltitel: Conjuring 2
Erscheinungsjahr: 2016
Genre: Horror, Drama
FSK: 16
Laufzeit: 134 Minuten
Regie: James Wan
Drehbuch:  James Wan u.a.
Darsteller: Vera Farmiga, Patrick Wilson, Frances O'Connor, Madison Wolfe, Simon McBurney, Franka Potente u.a.

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Filmkritik: Stolz und Vorurteil und Zombies

© Square One Entertainment / Universum
Story: England, 1811. Das Land ist im Begriff, von einer neuen Zombie-Welle überrannt zu werden. Für Mrs. Bennet besteht jedoch das größere Problem darin, ihre fünf heiratsfähigen Töchter unter die Haube zu bringen. Eine davon ist Liz (Lily James), die wie der Rest ihrer Schwestern die Kampfkunst der Shaolin beherrscht und eine leidenschaftliche Kämpferin ist. Neben den Zombies ist ihre größte Herausforderung wiederum, der seltsamen Anziehung zu dem Kämpfer Mr. Darcy (Sam Riley) und dem Charme des manipulativen Mr. Wickham (Jack Huston) zu widerstehen. Liz und Darcy müssen erst persönliche Vorurteile überwinden, bevor sie im Kampf gegen die Zombies die wahre Liebe füreinander entdecken...

Kritik: Leicht ist es vermutlich nicht, einer so oft verfilmten und erzählten Geschichte wie "Stolz und Vorurteil" von Jane Austen noch etwas Neues hinzuzufügen. Da muss schon tief in die Trickkiste gegriffen werden. Dachte sich auch ein findiger Autor und fügte der ganzen Sache kurzerhand ein paar Untote hinzu. Das klappte seinerzeit bei "Abraham Lincoln, Vampire Hunter" nur leidlich gut, doch hier macht man sich den übernatürlichen Gegner gut zu Nutze. 
© Square One Entertainment / Universum
Die Grundprämisse des Romans bleibt dabei erfreulich unberührt. Trotz der Zombies handelt es sich in erster Linie um eine weitere Adaption von Austens Gesellschafts- und Beziehungsdrama. Auch hier geht es in erster Linie darum, die zahlreichen Bennett-Töchter möglichst aussichtsreich zu verheiraten. Doch die anhaltende Zombieplage zwingt alle zu besonderen Maßnahmen, und so können die jungen Frauen gut auf sich selbst aufpassen. Es ist auch eine willkommene Umkehr der angestammten Rollen, die Frauen behaupten sich gegen die Untoten und die männlich geprägte Gesellschaft gleichermaßen. Dies irritiert natürlich die Männer das eine oder andere Mal, aber es wird als Normalität akzeptiert. Hier wartet jedenfalls keine hilflose Maid auf Rettung. 

Lily James stattet ihre Version der Liz Bennett mit einem kühlen Eifer aus. Schlagfertig in jeder Hinsicht, vor allem in den (Wort-)Gefechten mit Sam Rileys Mr. Darcy. Alle Darsteller gehen mit einer gehörigen Portion Ernst an die Sache, was dem Film ebenfalls gut tut. Niemand wirkt dabei ungewollt unsympathisch, selbst der Mutter nimmt man die aufrechte Sorge um die Zukunft ihrer Töchter als Motivation ab. Einzig Lena Headey ist ein bisschen verschenkt in ihrer Rolle, von ihr hätte ich gerne mehr gesehen. Doch der Fokus liegt woanders. So sind dann auch die Zombies mehr als nur ekliges Schauwerk. Sie zeigen uns den Umgang einer Gesellschaft mit dem Anderen, dem Fremden. Sie funktionieren aber auch als permanente, unterschwellige Bedrohung in alltäglichen Situationen. Ein spannender Twist, wenn man sich darauf einlassen kann. 
© Square One Entertainment / Universum
Die schönen Kulissen und die wundervollen, detailreichen Kostüme machen es jedenfalls leicht, in diese Welt einzutauchen. Es ist vermutlich der Umsichtigkeit des Regisseurs und einer gewissen Harmonie unter den Darstellern zu verdanken, dass dieses Experiment (und sind wir ehrlich, die Ausgangslage ist irgendwie dreist) nicht nur nicht scheitert, sondern stellenweise wirklich unterhaltsam ist, der Geschichte etwas neues hinzufügen kann und eine ziemlich gelungene Adaption von "Stolz und Vorurteil" ist. Wenn man Zombies allerdings nicht ausstehen kann, dann sollte man wohl einen Bogen um die ganze Angelegenheit machen, denn wenn sie auftauchen, dann sind sie wirklich fies anzusehen.

Fazit: Lily James und vor allem Sam Riley glänzen in dieser eigenwilligen Adaption des Kultromans von Jane Austen. Überraschend dialogtreu am Originalwerk gibt es allerhand fiese Zombiebrut zu eliminieren. Matt Smith sorgt für ein paar willkommene Lacher zwischendurch, andere Darsteller sind vom Potenzial her arg verschenkt. Doch falls hier keine hochtragende Literaturverfilmung erwartet wird, sondern eben wunderschön ausgestattetes 18. Jahrhundert, gepaart mit Ärsche tretenden Protagonistinnen und ein oder zwei Liebschaften, so macht "Stolz und Vorurteil und Zombies" sicherlich glücklich. Näher an Austens Vorlage als an einem richtigen Gruselstück kommt den Zombies hier die besondere Aufgabe zuteil, anderweitig für Horror zu sorgen. Ihre unterschwellige Bedrohung zieht sich dann auch durch den ganzen Film und ergänzt die eigentliche Aussage des ursprünglichen Werkes treffend. 

Die DVD: Die DVD im Vertrieb von Square One Entertainment / Universum Film ist seit dem 28. Oktober 2016 im Handel erhältlich.  Neben der deutschen Tonspur befindet sich auch die englische Originaltonspur mit auf der Scheibe. Beide kommen in einem guten Klangverhältnis daher, wobei die synchronisierte Fassung ein leicht besseres Verhältnis von Dialogen zu Geräuschen aufweisen kann. Insgesamt ist der Ton bei beiden Dolby Digital 5.1 Spuren aber gut ausbalanciert. Das Bild ist dem Format entsprechend scharf und auch farblich stimmig. Die Kontraste sowie Schwarzwerte überzeugen. Als Extras gibt es ein paar entfallene Szenen, einige Featurettes die sich mit den Hintergründen der Produktion auseinandersetzen sowie ein paar Interviews mit den Darstellern und der restlichen Crew.

Infos zum Film

Originaltitel: Pride and Prejudice and Zombies
Erscheinungsjahr: 2016
Genre: Horror, Drama, Komödie
FSK: 16
Laufzeit: 108 Minuten
Regie: Burr Steers
Drehbuch:  Burr Steers
Darsteller: Lily James, Sam Riley, Jack Huston, Matt Smith, Charles Dance, Lena Headey, Bella Heathcote u.a.

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Filmkritik: The Forest


© Tobis / Splendid
Story: Schreckliche Dinge erzählen sich die Menschen über Aokigahara, den berüchtigten Selbstmordwald am Fuße des Fuji. Als die junge Amerikanerin Sara (Natalie Dormer) erfährt, dass ihre Zwillingsschwester Jess dort unter mysteriösen Umständen verschwunden ist, fliegt Sara ohne zu zögern nach Japan und begibt sich sofort auf die Suche. Trotz aller Warnungen, keinesfalls vom Waldweg abzukommen, zieht es Sara immer tiefer ins finstere Dickicht. Dort wird sie mit den gequälten Seelen der Toten konfrontiert, die es auf alle abgesehen haben, die ihren Weg kreuzen ...

Kritik: Der Aokigahara-Wald fasziniert die Menschen, soviel lässt sich sicher sagen. Am Fuße des Fuji gelegen ist der Wald eine letzte Zufluchtsstätte für Menschen, die nicht länger weiterleben wollen (wer Lust hat kann sich dazu die wirklich gute Vice-Doku auf Youtube anschauen, lohnt sich!). Eigentlich das optimale Setting für einen Horrorfilm, wenn man mal vom leicht geschmacklosen Ausschlachten der Tatsachen absieht. Denn dass in Japan ein kulturelles Problem besteht, in einer Umgebung in der es eine Schande ist über die eigenen Probleme zu sprechen und in der Suizid eine praktikable Lösung ist, würde den Rahmen dieses Blog sprengen. Aber ihr, liebe Leser, seid kluge Leute, ihr dürft also gerne recherchieren. Aber darum soll es hier nun nicht weiter gehen, zumal nicht im Aokigahara-Wald gedreht wurde, sondern einfach in einem ganz normalen Wald. Also konzentrieren wir uns auf den Film.
© Tobis / Splendid
"The Forest" macht tatsächlich gerade zu Beginn vieles anders und richtig. Statt gleich zu Beginn aus allen Jumpscare-Kanonen zu feuern und den Zuschauer mit lauter Musik zu betäuben wird subtiler vorgegangen. Spannung wird vor allem durch die ruhige Kameraarbeit aufgebaut, Geräusche sind angenehm zurückgehalten. Klar, wenn mal etwas Gruseliges auftaucht macht es natürlich auch laute Geräusche. Aber die ohrenbetäubende Musik, die selbst dem abgestumpftesten Zuschauer signalisiert dass er sich jetzt zu erschrecken hat, die bleibt aus. Leider verläuft sich dieser angenehme Schrittwechsel im Verlauf des Filmes vollständig im Sand. Regisseur Jason Zada, der hier sein Debüt gibt, verlässt sich gegen Ende immer mehr auf die altbekannten und ausgelutschten Tricks, die nun wirklich niemand mehr in einem Horrorfilm sehen möchte. Hier ist das noch eine Spur ärgerlicher, weil der Anfang so vielversprechend war und gezeigt hat, dass es auch anders geht.

So darf dann Nathalie Dormer gegen den restlichen Film ankämpfen. Ihr Charakter entfernt sich dabei zwar vom leidigen "Frauen müssen immer sympathisch sein" Thema, fällt dann aber doch zu sehr ins andere, negative Extrem. Besonders Horrorfilme leben davon dass man mit der Hauptfigur mitfühlt, das ist hier aber nur selten der Fall. Sara ist naiv, viel zu leichtgläubig, stur wie ein Bock und zu sehr auf ihrer eigenen kulturellen Schiene festgefahren. Alles Eigenschaften, die sich in einem japanischen Selbstmordwald nicht besonders gut machen. Dormer holt aus dieser flachen Charakterisierung aber doch noch ein bisschen heraus, und so schaut man zu, ist aber nicht sonderlich mitgerissen. Dazu kommt dann noch ein bisschen hintergründiges Familiendrama, und fertig ist die Mischung. Aufgewogen wird vieles durch das atmosphärische Setting. Nebeldurchzogener Wald, mal in satten Grüntönen, mal in eher unterkühlten Blautönen, wird effektiv mit der Kamera eingefangen. Gespenstisch ziehen sich Seile und Absperrbänder zwischen den Bäumen entlang: es sind Hinweise der Toten, die gefunden werden wollen. Je mehr Zeit Sara im Wald verbringt, desto unklarer wird die Lage. Was ist real, was ist nur Schein? "The Forest" versucht, seine Zuschauer an der Nase herum zu führen, scheitert in den meisten Fällen aber leider recht offensichtlich. So bleibt es bei einem netten Versuch, bei dem das Potential an allen Ecken und Enden durchschimmert, aber nie genutzt wird.
© Tobis / Splendid
Fazit: Nathalie Dormer überzeugt in ihrer Doppelrolle und das Setting ist wunderbar gruselig in Szene gesetzt. Leider verstrickt der Film sich nach einem erfreulichen Auftakt in seiner eigenen Geschichte, setzt zu sehr auf Wiederholungen und kann sich dem klischeemäßigen Ende eines jeden x-beliebigen Horrorfilms nicht entziehen. Richtig eindrucksvolle Szenen werden leider immer wieder durch Belanglosigkeiten abgelöst, so dass am Ende ein wirklich unrunder Film entsteht der so viel mehr hätte sein können. Das macht "The Forest" allerdings bei weitem nicht zu einem schlechten Film, und wer sich im Horrorgenre wohlfühlt dürfte hier einen unterhaltsamen und kurzweiligen Abend verbringen können.

Infos zum Film

Originaltitel: The Forest
Erscheinungsjahr: 2016
Genre:Horror, Thriller
FSK: 16
Laufzeit: 94 Minuten
Regie: Jason Zada
Drehbuch:Ben Ketai, Sarah Cornwell, Nick Antosca
Darsteller: Nathalie Dormer, Taylor Kinney, Yukiyoshi Ozawa, Rina Takasaki u.a.

Trailer


Filmkritik: The Human Centipede 1 - 3


© Six Entertainment Company


Ab und an soll man sich ja etwas vornehmen. Zum Beispiel, alle drei "Human Centipede" Filme anzuschauen. Das habe ich in den letzten Wochen gemacht, und meine Eindrücke hab ich ausnahmsweise mal in einem Sammelpost zusammengefasst. An Bildmaterial erwarten euch jeweils die Poster zum Film, sowie je eine Szene aus jedem der drei Teile. Es handelt sich dabei nicht um blutiges Bildmaterial, auch auf Nahaufnahmen habe ich verzichtet. Die Trailer sind wie immer eingefügt, wer neugierig ist kann sich dort umschauen. Ich wünsche viel, äh.... Spaß beim lesen. Weiter geht es nach dem Jump Break, einerseits weil der Post recht lang ist, andererseits weil ich davon ausgehe, dass nicht jeder Bock auf diese Filme / diese Bilder hat. 

Filmkritik: The Witch

© Universal
Story: Neuengland, 1630. Farmer William (Ralph Ineson) findet, gemeinsam mit Frau Katherine (Kate Dickie) und den fünf Kindern, ein neues Zuhause auf einem abgelegenen Stück Land, nahe eines düsteren Waldes.
Bald kommt es zu beunruhigenden Vorfällen: Tiere verhalten sich aggressiv, eines der Kinder verschwindet, während ein anderes von einer dunklen Macht besessen zu sein scheint. Misstrauen und Paranoia wachsen und die älteste Tochter Thomasin (Anya Taylor-Joy) wird der Hexerei beschuldigt. Als sich die Lage immer weiter zuspitzt, werden Glaube, Loyalität und Liebe jedes einzelnen Familienmitgliedes auf eine schreckliche Probe gestellt …

Kritik: Wenn ich mir die Liste mit Schlagworten rechts in der Leiste neben diesem Beitrag anschaue, dann rangiert "Horror" mit über 30 Beiträgen recht weit oben. Und tatsächlich bin ich diesem Genre sehr zugetan. Vielleicht, weil ich besonders schreckhaft bin. Vielleicht, weil ich eine doch recht beflügelte Fantasie habe und Horrorszenarien bei mir so gleich auf doppelt fruchtbaren Boden fallen. Der nächste große Hype in Sachen Horrorfilm ist für das laufende Jahr 2016 der beim Sundance Festival bereits ausgezeichnete "The Witch", das Regiedebüt von Robert Eggers, der gleichzeitig auch das Drehbuch verfasste. Als unkonventionell gilt der Film, gelobt wird er für seine Andersartigkeit so wie zuletzt beispielsweise der österreichische Genrebeitrag "Ich seh, ich seh". Aber was ist dran am Hype?
© Universal
Gleich in den ersten Minuten wird klar: zumindest das Setting kann auf voller Länge punkten. Mit einer Liebe für das Detail, die ihresgleichen sucht, eröffnen sich eindrucksvolle Kulissen und wunderschöne Kostüme (von Linda Muir), so dass es leicht fällt, sich in die Zeit einzufinden. Immersion ist überhaupt ein gutes Stichwort. Die Dialoge scheinen, besonders im Originalton (zur deutschen Fassung kann ich keine Angaben machen) geradewegs aus dem 17. Jahrhundert herausgezaubert. Das ist nicht immer leicht zu verstehen, trägt aber ebenfalls zur Stimmung bei. Auch dank der sattelfesten Kameraarbeit verdichtet sich die Atmosphäre enorm, jede Einstellung, in der Wald zu sehen ist, wirkt auf ihre Weise bedrohlich und zutiefst beunruhigend. Der stellenweise brutal kratzige, atonale Soundtrack von Marc Korven liefert den Rest und lässt "The Witch" stellenweise zur richtigen Folter für den Gehörgang werden.  

Auch die Darsteller spielen nahe an der Perfektion. Ralph Ineson und Kate Dickie, die den Zuschauern von "Game of Thrones" bestens bekannt sein dürften, zerreiben sich als tiefgläubige Eltern aneinander, an der Umgebung und an den Umständen, die draußen in der Einsamkeit unweigerlich entstehen. Hilflosigkeit, die Unfähigkeit die eigenen Kinder schützen zu können und das Unverständnis über die Sache an sich stürzen die Elternfiguren in einen tiefen Konflikt. Ausgebadet wird dieser von den Kindern. Neben einem herrlich gruseligen, kleinen Geschwisterpaar sind es vor allem Harvey Scrimshaw und Anya Taylor-Joy, die hier die Grundsteine für hoffentlich lange, erfolgreiche Karrieren legen. Das Spiel der beiden ist intensiv, und spätestens ab der zweiten Hälfte des Films stellt sich die Frage, wie einige Szenen mit so jungen Darstellern überhaupt gedreht werden konnten.
© Universal
Wer allerdings bei "The Witch", und der Trailer leistet in dieser Hinsicht mal wieder ganze Arbeit, einen lupenreinen Horrorfilm im aktuellen Sinne erwartet, der wird sicher enttäuscht. Blut und Gedärme fließen, wenn überhaupt, dann sehr verhalten. Jumpscares sind zwar hier und da eingestreut, fügen sich aber so harmonisch in das Geschehen ein, dass sie nicht negativ auffallen. Der Horror kommt für heutige Sehgehwohnheiten wohl eher banal daher. Ein Hase und ein Ziegenbock spielen wiederkehrende Rollen, beide sorgen für eine Menge Unbehagen. Auch im Alltag der Familie auf der kleinen Farm passieren Dinge, die sich dort niemand erklären kann, Dinge, die im zeitlichen Kontext die absolute Hölle gewesen sein müssen. Darauf muss man sich als Zuschauer einlassen, sonst funktioniert der Film schlicht nicht. Und doch gibt es vereinzelt auch ganz klassische Horrormomente zu entdecken.

Seine volle Kraft entfaltet "The Witch" dann in den Teilen der Geschichte, die sich eher dem Drama als dem Horrorfilm zuordnen lassen. Beinahe schon nebenbei erforscht Robert Eggers hier die Geschichte eines jungen Mädchens, welches langsam zur Frau wird. Die aufkommende Sexualität darf natürlich wegen der religiösen Umstände nicht thematisiert werden. Eine Spur mehr als heute noch ist die Religion der Familie durch Männer geprägt, es gilt, das Weibliche zu unterdrücken, zu kontrollieren. Und immer dort, wo etwas nicht verstanden wird, sind die Menschen so schnell mit dem Wort "Hexe". Diese Anschuldigung löst in Thomasin etwas aus. Wie kann und soll sie ihre Unschuld beweisen? Wie soll sie damit umgehen, dass die Welt so anders ist, als es stets vom Vater gepredigt wurde? Hier manifestiert sich der wahre Horror dieses Films. Die Religion und der strenge Glaube ist maßgeblich am Zerfall dieser Familie beteiligt, und zu keinem Zeitpunkt wird (und das ist erfreulich) Thomasin die Schuld an der Misere gegeben. Für jeden Zuschauer sollte klar sein, dass sie am wenigsten für all das kann, was passiert. "The Witch" bleibt dabei konsequent nah an seinen Figuren und verbreitet so Unruhe, denn wer will schon so tief in die Privatsphäre einer solchen Familie eindringen? Die Rolle des Voyeurs, welche der Zuschauer einnimmt, ist hier stärker herausgearbeitet und deutlich unbequemer einzunehmen.
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Fazit: "The Witch" ist kein Horrorfilm im herkömmlichen Sinne. Großartig gelungen ist er trotzdem, vielleicht gerade deswegen. Das intime Portrait einer Familie, die an ihrem eigenen Glauben zugrunde geht, die sich aus Hilflosigkeit gegen die eigene Tochter stellt und tiefer in den Glauben flüchtet als es gesund wäre, zieht unweigerlich in seinen Bann. Regisseur und Autor Robert Eggers spricht ein paar spannende Themen an, liefert in erster Linie aber ein atmosphärisch dichtes Portrait einer Zeit an, die einerseits längst vergangen, andererseits in manchen Teilen der Gesellschaft auch heute noch aktuell ist. Zutiefst beunruhigend, grandios geschauspielert und eine klare Empfehlung für all diejenigen, die bereit sind, sich auf einen Horrorfilm der etwas anderen Art einzulassen. 

Infos zum Film

Originaltitel: The Witch
Erscheinungsjahr: 2016
Genre: Horror, Drama
FSK: 16
Laufzeit: 87 Minuten
Regie: Robert Eggers
Drehbuch: Robert Eggers
Darsteller: Anya Taylor-Joy, Ralph Ineson, Kate Dickie, Harvey Scrimshaw u.a.

Trailer


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