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Blogparade: 6×6: 6 fi(c)ktive Figuren fürs Bett

Szene aus "Hannibal" © NBC
Ihr Lieben, es ist kalt draußen, und wie man so schön zu sagen pflegt: Macht euch warme Gedanken. Dieser Logik folgte wohl auch die singende Lehrerin, die erneut zur Blogparade aufruft. Und so formuliert die Frau Lehrerin die Aufgabenstellung:

Outet euch also und stellt eine Liste von sexsechs fi(c)ktiven Figuren zusammen, die ihr nicht von der Bettkante stoßen würdet, die aber keinesfalls etwas für eine ernsthafte Beziehung wären! Charaktere aus Porno-Filmen sind ausgeschlossen – dafür könnt ihr frei auswählen, aus welchen Medien (Film, Serie, Buch, Comic) eure Charaktere stammen. Über Erklärungen und/oder entsprechend aussagekräftige Fotos oder Clips (nichts explizites natürlich) freue ich mich, wie immer, sehr!

Recap: Penny Dreadful 2.2: Verbis Diablo

Die zweite Folge dieser Staffel beweist, was sich in der ersten bereits angedeutet hatte: Eine ganze Staffel mit Worldbuilding und Einführung der Charaktere zu verbringen, hat sich ausgezahlt.So geht es in dieser Woche mitten hinein in das nicht sehr turbulente, aber dafür umso mehr fesselnde Geschehen. Für die kommende Folge erscheint das Recap dann auch wieder früher in der Woche, die letzte Woche war bei mir privat sehr turbulent. Aber dazu an anderer Stelle mehr. Legen wir los mit dem Recap für "Verbis Diablo".
© Showtime
Und reden wir doch gleich mal über ein zentrales und spannendes Thema. Wärend in Staffel 1 die sexuelle Spannung zwischen den Figuren eine stetige Strömung darstellte, die unter allem anderen durchfloss, legt Staffel 2 einiges obendrauf. In dieser Woche kehrte Dorian Gray zurück, und mit ihm lernen wir Angelique kennen. Nun war das vermutlich für die wenigsten aufmerksamen Zuschauer eine Überraschung, aber Angelique entpuppte sich als Transgender, gute 100 Jahre bevor dieses Wort überhaupt erfunden wird. Im Angesicht vollständiger frontaler Nacktheit zuckt Dorian nichtmal mit der Wimper. Doch die Implikationen dahinter sind ausschweifend. Wir müssen uns das viktorianische London ja doch als zumindest oberflächlich prüde vorstellen. Evelyn Poole schafft es unter Einsatz kompromittierender Fotos, Lyle gegen Vanessa und Sir Malcolm ins Feld zu schicken. Homosexualität wurde als abnormal angesehen, und Lyle kann sicher damit rechnen nicht nur sein Ansehen und seine Arbeit zu verlieren, sondern auch sein Leben. Man stelle sich vor, wie mit Angelique umgegangen wäre. Mich faszinierte übrigens, dass Ethan von Lyles Avancen einfach nur amüsiert war. Die Standards der Gesellschaft scheinen für unsere Protagonisten, besonder für die im Dunstkreis von Dorian Gray, gar nicht zu gelten. Ich bin übrigens gespannt ob Angelique irgendeine Verbindung zum Übernatürlichen haben wird. Möglich wäre es ja.

Natürlich steht das Verhalten der Protagonisten in klarem Kontrast zu diesen von der Gesellschaft diktierten Regel. Und es ist sicher anzunehmen, dass die meisten Leute sich ebenfalls nicht daran halten. Ich rechne der Serie hoch an, dass auch dieses Thema angesprochen wird, nicht zuletzt auch weil es hilft ein wirklich realistisches Bild der Gesellschaft zu zeichnen. Als extrem sticht da eher eine andere Beziehung heraus. 

Die Rede ist natürlich von Viktor und seiner mehr oder weniger glücklichen, untoten Familie. Werfen wir einen genaueren Blick auf diese in jeder Hinsicht gruselige Dreiecksbeziehung. Viktor hat ja schon in der letzten Folge seine Hände auf Entdeckungsreise geschickt, als Brona noch ziemlich tot in ihrem Wasserbecken lag. Nennt mich prüde, aber Nekrophilie rollt mir dann doch in jeder Form die Fußnägel hoch. Doch in dieser Woche wurde da noch einiges nachgeliefert. Nicht nur gibt Viktor sich als Cousin von Lily aus, als ihr Erschaffer ist er theoretisch auch so etwas wie ein Vaterersatz. Und wenn wir es schon sonst nirgens gelernt haben, dann wenigstens bei "Game of Thrones": Finger weg von der eigenen Familie. Dem steht John gegenüber, der irgendwie der Meinung ist, er hätte ein Anrecht auf Lily. Viktor sagt ihr zwar, dass sie diese Entscheidung selbst treffen muss, so ganz uneigennützig ist das aber auch nicht. Und irgendwo rennt auch noch Ethan herum, der sicher eine eigene Meinung zur Wiedergeburt seiner Exfreundin haben wird. Sollte Lily ihre ganz eigene Meinung zu dem Thema entwickeln (was ich ihr wünsche, niemand sollte Eigentum von irgendwem sein), entsteht hier ein ziemlich krasser Konflikt.
© Showtime
Auch Sir Malcolm wird in dieser Folge als Ziel auserkoren. Nachdem Evelyn in der letzten Woche bereits ankündigte, sich um ihn kümmern zu wollen, setzt sie in dieser Woche ihr Vorhaben in die Tat um. Wäre da nicht das fluchähnliche Geflüster gewesen, man würde die aufkeimende Romanze zwischen den beiden ja beinahe mögen. Letzte Woche war der Angriff der Hexen auf die Kutsche ein schickes Action-Setpiece, aber in dieser Woche fühlt sich das langsame Herantasten tausendmal gruseliger an. 

Das schreckliche Finale gehörte dann aber Hecate und Evelyn. Wenn Hecate das Paar mit dem Baby durch die Underground verfolgt stellen sich unweigerlich die Nackenhaare auf, und wenn die Eltern dann tot sind denkt man "ok, das Schlimmste ist vorbei". Nur um dann den schrecklichen Raum mit all diesen furchtbaren Puppen zu entdecken. Wie sie dort sitzen und Evelyn bei ihrer Arbeit beobachten scheinen sie fast so gestresst zu wirken wie der Zuschauer selbst. Dass sie das Herz eines Neugeborenen in eine Puppe einarbeitet, die aussieht wie Vanessa, knüpft nahtlos an die erste Staffel an. Dort verbrachte Vanessa die meiste Zeit besessen, hatte also keine Herrschaft über ihren eigenen Körper. Wie es aussieht wird dieses Thema nun fortgeführt. Vanessa und Lily könnten also vielleicht bald einen Club gründen. 

Wie hat euch die Folge gefallen?

Wahllose Gedanken zum Schluss:
  • Creature/Caliban/John Clare (irgendwann muss ich einen Namen aussuchen) erklärt Vanessa die Welt mit den Worten von William Blake. Durchaus eine gute Wahl, wenn man mich fragt.
  • Wo wir bei Gedichten sind: John Clare war ebenfalls ein Dichter, ein Kollege von unter anderem Mary Shelley. Die romantisch-verklärte Sicht auf's Landleben war sein Spezialgebiet. Allerdings ist er später auch einfach durchgeknallt.
  • Die Transformation von Brona zu Lily bringt die notwendigste aller Verbesserungen: der Akzent ist weg! Ich dachte ja vor Penny Dreadful, ich käme mit allen Akzenten irgendwie zurecht, aber Brona war wirklich sehr hart an der Grenze.
  • Zu der Zeit, in der "Penny Dreadful" spielt, war das Thema Cholera in England eigentlich schon gut unter Kontrolle. Es handelt sich nicht um das erste Mal, dass mit der linearen Zeit gespielt wird, und ich fand die Szene durchaus eindrucksvoll. Sie zeigt, dass neben all dem Übernatürlichen doch auch anderweitige Bedrohungen, hier in Form von Krankheiten, existieren. 
  • Wird man durch einen Biss zum Werwolf? Vielleicht hat Ehtan dann bald einen neuen Freund, oder doch eher einen Feind?
  • Dass Viktor sich als Cousin ausgibt könnte ein Hinweis auf "Frankenstein" in Buchform sein. Dort hat Viktor ja eine Cousine names Elizabeth, mit der er gemeinsam aufwächst.

Recap: Penny Dreadful 2.1: Fresh Hell

Willkommen zu den Recaps zur zweiten Staffel der Horror-Serie "Penny Dreadful". Wie immer gilt: Die Recaps sind voller Spoiler und sollten nur gelesen werden, wenn ihr die entsprechende Folge schon gesehen habt. Ging es in der ersten Staffel noch um Mina und ihre Rettung aus den Fängen der Vampire, gibt es in dieser Staffel einen neuen Gegner. Falls eure Erinnerungen nicht mehr allzu frisch sind, gibt es zu Beginn der Folge noch einen kleinen Rückblick. Doch wir wollen hier nicht zurückschauen, sondern uns mit den aktuellen Ereignissen befassen. Da die erste Staffel zumindest die größten Geheimnisse ihrer Figuren auch schon offenlegte, kann man die zweite Staffel mit einem Knall eröffnen.

Wer die Trailer bisher gemieden hatte, darf sich über ein Wiedersehen mit Madame Kali freuen. Weniger Grund zur Freude besteht für Vanessa, denn die ist Ziel eines Angriffs von Kali. Eigentlich wollte sie nur im Schnee spazieren gehen, doch Kali's gesungene Worte zwingen Vanessa buchstäblich in die Knie. Ethan erwacht derweil in seinem frisch angerichteten Massaker und beschließt, London zu verlassen. Um sich von Vanessa zu verabschieden wählt er eine abendliche Rundfahrt mit der Kutsche. Diese wird allerdings von drei mysteriösen Wesen angegriffen, die sich als Hexen herausstellen. Aber Überraschung, nicht nur die Hexen sprechen das Verbus Diablo, sondern auch Vanessa spricht fließend diese alte Sprache. 
© Showtime
Da Sir Malcolm bei seiner Frau ist, um Mina zu beerdigen, müssen Vanessa und Ethan zunächst allein mit den Ereignissen klarkommen. Sie rufen Frankenstein zur Hilfe, und auch Sembene wird zu Rate gezogen. Die Männer sind durchaus beunruhigt, da Vanessa die Sprache der Hexen spricht. Scheinbar handelt es sich dabei um eine Art pervertierte Sprache der Engel. Grund genug für Vanessa, sich in ihr Zimmer zurückzuziehen, bis Malcolm wieder nach London zurückkehrt.

Madame Kali macht kurzen Prozess mit den Mitgliedern ihres Zirkels und traut ihrer Tochter fortan größere Aufgaben zu. So erfahren wir, dass die Hexen einem Meister dienen, den sie Lucifer nennen. Ob es sich dabei tatsächlich um den Teufel handelt? Jedenfalls sehen sie in Vanessa seine Zukünftige und wollen die beiden vereinen. Damit endet die Folge dann auch: Vanessa versucht zu beten, doch Kali infiltriert ihr Gebet, und plötzlich stehen die Hexen in Vanessas Zimmer.

Doktor Frankenstein ist derweil damit beschäftigt, Brona wieder zum Leben zu erwecken. Seine erste Schöpfung hatte ja versprochen ihn endlich in Ruhe zu lassen, wenn er eine Gefährtin bekommen würde. Frankenstein befindet sich aber klar in einem Konflikt. Wird Brona sich erinnern, dass er sie umgebracht hat? Dass sie Ethan geliebt hat? Caliban befindet sich zwischenzeitlich auf Arbeitssuche und kommt ausgerechnet in einem Wachsmuseum unter. Der Inhaber begegnet ihm recht neutral, seine Frau scheint schockiert. Nur die blinde Tochter, die begegnet Caliban völlig unvoreingenommen. Frankenstein sieht sich zu allem Elend noch der Versuchung durch Brona ausgesetzt, die er prompt ein wenig befummelt. Mein lieber Doktor, gar nicht gut. Bleibt abzuwarten, wie sich diese beiden Geschichten, die ja so dicht miteinander verwoben sind, entwickeln.
© Showtime
Wer hätte erwartet, dass Madame Kali, oder Evelyn Poole, es so faustdick hinter den Ohren hat? Als sie in der ersten Staffel kurz auftauchte habe ich sie zunächst für einen richtigen Fake gehalten. Geister bei einer Seance beschwören, schön und gut, ein bisschen herumschreien und seltsame Namen nennen, mehr hatte ich ihr nicht zugetraut. Weit gefehlt! Helen McCrory passt auch perfekt zu dieser Rolle. Wie sie inmitten ihres Hexenzirkels mit leisen, wohl gewählten Worten den ganzen Raum für sich vereinnahmen kann und zu jeder Zeit die volle Kontrolle über sich selbst behält, ist wirklich bewunderswert. 

Zwar sehen die Hexen in ihrer anderen Gestalt den Vampiren aus der ersten Staffel recht ähnlich, ich bin aber sehr gespannt auf deren weitere Fähigkeiten. Interessant ist auch, dass sich sowohl Victor als auch Ethan mit der Sprache der Hexen auskennen. Bei Victor wundert das weniger, da er ja aus gutem Hause kommt und sicherlich zu Bildungszwecken in der Bibel lesen musste. Aber Ethan? Klar, er hat in der ersten Staffel irgendwie einen Exorzismus auf die Reihe gekriegt. Aber mysteriös ist das trotzdem. Mich beschleicht das Gefühl, die Werwolfangelegenheit ist bei weitem nicht sein einziges Geheimnis.

Und auch der gute Doktor scheint in dieser Staffel ein ziemliches Problem zu bekommen. Zwar erweckt er Brona zum Leben, aber die Sache mit der Erinnerung dürfte noch interessant werden. Zu befürchten ist auch, dass Caliban sich gar nicht mehr für seine Zukünftige interessieren wird, denn die Tochter seines neues Arbeitgebers scheint ihn ja auch zu faszinieren. Könnte sich da eine Beziehung zwischen Schöpfer und Schöpfung anbahnen? Und was wird Ethan zu der ganzen Angelegenheit zu sagen haben? Hier liegt auch eine der Stärken von "Penny Dreadful": Noch längst nicht mögen sich alle Hauptfiguren, und es wird nicht davor zurückgescheut diese in Konflikte treten zu lassen.
© Showtime
Mit "Fresh Hell" ist ein guter Staffelauftakt gelungen. Man gibt sich nicht lange mit Altlasten ab, sondern springt kopfüber ins Geschehen. Die Grundsteine für die zweite Staffel sind somit gelegt und ich bin schon gespannt, was uns ab der kommenden Woche für schaurig-schöne Geschichten erwarten werden. Das neu eingeführte Ermittlerteam war noch ein wenig farblos, doch die Erweiterung um diese Komponente hat durchaus Potential, noch interessant zu werden. Auch die Dialoge, vor allem die der Hexen, dürfen gerne noch ein wenig ausgefeilter daherkommen. Größter Pluspunkt sind aber nach wie vor ganz eindeutig die grandiosen Schauspieler. Eva Green spielt weiterhin in ihrer ganz eigenen Liga, scheint dort aber Gesellschaft von Helen McCrory zu bekommen. Doch auch alle anderen finden scheinbar leicht in ihre Rollen zurück. Wie gut, dass die lange Pause nun endlich vorbei ist.


Wahllose Gedanken zum Schluss:
  • Das Lied, welches Kali in ihrer Badewanne singt, ist die Vertonung von einem alten Gedicht: The Unquiet Grave. Vanessa hat in der zweiten Folge der ersten Staffel ebenfalls eine Zeile daraus gesungen, als sie bessesen war. 
  • “I don’t know which makes me sadder—Mina’s full coffin, or Peter’s empty one.”. Sir Malcolms Frau spricht einen wichtigen Punkt an. Was ist schrecklicher? Die Dinge, die wir sehen und greifen können, oder das, was wir uns nur vorstellen können?
  • Wo war Dorian? Und noch wichtiger: wann kriegen wir sein Bild zu sehen?
  • Kam die erste Staffel noch mit 8 Folgen daher, bekommen wir dieses Mal volle 10 Episoden. Ich freu mich tierisch dadrüber.
  • Die Badewanne voller Blut erinnerte stark an Elisabeth Báthory. Elisabeth lebte in der heutigen Slowakei und wurde im Jahr 1611 nach einem Prozess bis zu ihrem Lebensende 1614 unter Hausarrest gestellt. Sie hatte auf ihrem Schloss eine unbekannte Anzahl junger Mädchen zu Tode gefoltert, Gerüchte besagten außerdem, dass sie in deren Blut badete um nicht zu altern. Es gibt aber auch gegenläufige Theorien, die hinter den Anschuldigungen den Komplott eines anderen Herrscherhauses sehen. Elisabeth herrschte als Frau über enorm viel Land, dies war ungewöhnlich und ungern gesehen.
Hier ist der Trailer für die zweite Episode

Serienkritik: Penny Dreadful Staffel 1

© Showtime
Alle Jahre wieder erblickt etwas Seltenes das Licht der Welt, und oft passiert dies unbemerkt. Und während man trefflich darüber debattieren kann, ob das Horrorgenre als solches seinen Zenit überschritten hat, oder Serien wie "Hannibal" die rühmliche Ausnahme darstellen, ist "Penny Dreadful" im letzten Jahr still und heimlich auf der Bühne erschienen. Während es im populären Horrorfilm scheinbar nur noch darum geht, entweder den Ekelfaktor hochzuschrauben oder Jumpscares an den unnötigsten Stellen einzubringen, bis der Zuschauer sich am Ende erschreckt wenn ausnahmsweise etwas nicht passiert, bemüht sich diese Serie vorrangig um die ruhigen Töne, ohne dabei jedoch auf wohldosierte Action zu verzichten. Produziert wird "Penny Dreadful" von Sam Mendes (American Beauty) und geschrieben von John Logan (Gladiator, Skyfall). Pünktlich zum Start der zweiten Staffel könnt ihr nun herausfinden, ob die erste Staffel einen genaueren Blick wert ist. Seit Anfang April ist Staffel 1 auch in Deutschland auf DVD und Blu-Ray erhältlich, die Serie läuft hierzulande außerdem bei Netflix. In den USA läuft sie beim Sender Showtime.


Penny Dreadful, dahinter steckt keine Person. Vielmehr handelt es sich dabei um gruselige Groschenromane, die im viktorianischen London äußerst populär waren. Darin wurden aktuelle Ereignisse, gerne auch blutige Verbrechen, aufgearbeitet oder mysteriöse Geschichten um Monster erzählt. Wohliger Grusel mit Garantie für Gänsehaut in Literaturform sozusagen. Wie schon bei "Liga der außergewöhnlichen Gentlemen" (Die Comics, nicht der doch eher mittelmäßige Film) mischt "Penny Dreadful" zahlreiche berühmte Figuren der britischen Horrorliteratur zu einem äußerst reizvollen Ganzen zusammen und lässt sie in verschiedenen Konstellationen aufeinandertreffen.
© Showtime
Da wäre die geheimnisvolle Vanessa Ives (Eva Green), die ihr eigenes Geheimnis mit sich herumträgt und scheinbar übernatürliche Fähigkeiten besitzt. Gemeinsam mit Malcolm Murray (Timothy Dalton), einem Forscher, sucht sie nach dessen Tochter Mina. Ihnen zur Seite stehen der amerikanische Revolverheld Ethan Chandler (Josh Hartnett), der ebenfalls das ein oder andere Geheimnis versteckt. Ethan lässt sich mit Brona Croft (Billie Piper) ein, die mit einer schweren Krankheit kämpft. Wie gut, dass sich auch ein junger Arzt (Harry Treadaway) der Gruppe anschließt. Dieser verbringt auffällig viel Zeit mit seinen eigenen Forschungen. Und dann ist da noch der geheimnisvolle Dorian Gray, der sich in den erlesensten Kreisen der Gesellschaft bewegt und ein Auge auf Vanessa geworfen hat...

Bereits ab der ersten Sekunde fällt auf, mit wie viel Liebe zum Detail gearbeitet wurde. Die Kostüme sind atemberaubend, die Kulissen stimmig und detailliert. Das viktorianische London entsteht zwar in Dublin, doch auffällig ist das nicht. Die Stadt ist düster, dreckig, faszinierend. Voll mit kleinen, verwinkelten Gassen, alten Häusern und bedrohlichen Ecken. Die Gefahr könnte hinter jeder Ecke lauern. Und Gefahren gibt es in London definitiv. So wird nach der verschwundenen Mina gesucht, und schnell wird klar: Wesen, die man nicht benennen kann, die aber eindeutig nicht menschlich sind, haben das Mädchen entführt. Als die Gruppe eines dieser Wesen fangen kann, erfahren sie eine Wahrheit, die zunächst schwer zu glauben ist und die das Weltbild der Figuren auf den Kopf stellt. 

Während "True Detective" zuletzt bewiesen hat wie gut ein einziger Regisseur für eine ganze Staffel funktioniert, fährt "Penny Dreadful" das Modell "ein Regisseur für je zwei Folgen". Insgesamt umfasst die erste Staffel nur 8 Episoden, große Möglichkeiten für Ausreisser sind also von vorherein nicht gegeben. So liegen die Folgen alle auf einem recht hohen visuellen Niveau, und Brüche in der Darstellung gibt es keine. Durchaus ein Modell, an dem sich viele weitere Serien orientieren könnten.

Neben den wunderschönen Kulissen sind es natürlich vor allem die Schauspieler, die im Fokus stehen. Allen voran beweist hier Eva Green, wie gut sie eigentlich ist. Sie verleiht Vanessa Ives Tiefe, portraitiert den inneren Konflikt auf wirklich mitreissende Weise. Ihr zur Seite steht Veteran Timothy Dalton, der als Paradebeispiel für den weisen älteren Mentor durchgeht. Josh Hartnett schlägt sich als planlos wirkender Amerikaner souverän. Doch auch die Neuentdeckungen wissen zu gefallen. Harry Treadaway liefert einen innerlich zerrissenen, von seiner Forschung heimgesuchten Doktor. Reeve Carney als Dorian Gray ist gleichzeitig wunderbar unschuldig und unglaublich lasziv, und seine Szenen mit Eva Green knistern geradezu vor Erotik, die Spannung zwischen den beiden schafft es mühelos, den ganzen Raum für sich zu vereinnahmen. Und dann ist da noch Rory Kinnear, der als Caliban seine ganz eigene Show außerhalb jeder Konkurrenz durchzieht. Selten hat eine Figur in einer Serie mich so in ihren Bann gezogen, mich so mitfühlen lassen. Wer für das Casting in dieser Serie verantwortlich war, hat wahrlich ein goldenes Händchen und ein sehr gutes Gespür für Talent.
© Showtime
Doch neben diesen Schauwerten bietet "Penny Dreadful" ein ausgewogenes Maß zwischen Storytelling und Action. Die Serie nimmt sich alle Zeit der Welt, ihre Figuren vorzustellen und genau zu erforschen. Man scheut sich auch nicht, wichtige Szenen wirklich als solche zu positionieren. So findet in der zweiten Folge eine Séance statt, die gute 10 Minuten der knapp 50 Minuten Laufzeit pro Folge in Anspruch nimmt. Die Vorbereitungen und das "Danach" sind von dieser Zeit wohlgemerkt ausgenommen. Nicht nur läuft hier Eva Green zur Höchstleistung auf, spielt sich im wahrsten Sinne des Wortes die Seele aus dem Leib. Als Zuschauer sitzt man unweigerlich davor und wagt es kaum zu blinzeln, um nur ja keine Sekunde dieser Performance zu verpassen. Auch eine gute Prise Erotik darf nicht fehlen, hierfür ist vor allem Dorian Gray verantwortlich. Eine Figur, der man kaum wiederstehen kann, besser man versucht es erst gar nicht. Und dann sind da noch die schicken Actionszenen, die durchaus auch mal blutig ausfallen dürfen.

"Penny Dreadful" begeistert mit mitreissender Optik und grandiosen Schauspielern. Dichte Atmosphäre ergänzt sich mit Szenen die stellenweise direkt aus ihren berühmten literarischen Vorlagen entnommen sind. Diese Nähe zur Literatur ist erfreulich. Die gekonnte Umsetzung verhindert, dass die Serie ins Kitschige abrutscht, die Figuren werden zu keinem Moment der Lächerlichkeit preisgegeben. Unterschwellig finden sich dann zahlreiche weitere Themen, wie der Umgang mit dem Unausweichlichem, dem sich alle Figuren gegenüber sehen. Auch der Wandel vom rationalen hin zum mystischen ist präsent. Eine packende erste Staffel, die Appetit auf mehr macht und für Fans von Horrorgeschichten, dem Übernatürlichen und ausführlichen Charakterisierungen wie geschaffen scheint. Riskiert einen Blick, aber lasst euch nicht zu tief in die Abgründe der Demimonde ziehen.






Filmkritik: 50 Shades of Grey

© Universal
50 Shades of Grey, soviel kann man sicher behaupten, ist ein Phänomen. Begonnen hat es als Fanfiction zu den Twilight-Romanen. Die jetzt, soviel kann ich als Leser von allen vier Teilen sagen, nicht der Gipfel der literatischen Schaffenskunst waren. "Shades" hab ich dann nur in der Zusammenfassung gelesen, man will ja wissen was die komplette Umwelt wochenlang so feiert. Und der Inhalt der Bücher lies mich dann doch mehrmals zusammenzucken. Es folgt ein kleiner Aufreger, und im nächsten Absatz geht es dann mit der Kritik weiter. Wer gerne Aufreger liest: viel Spaß, alle anderen springen bitte zum nächsten Absatz. Über das darin geschilderte Frauenbild und die, und an dieser Stelle Entschuldigung für die Wortwahl, abgefuckte und kaputte Darstellung von SM haben sich vor mir bereits viele andere aufgeregt. Und sie haben Recht, mit dem was sie sagen: was dort präsentiert wird, hat mit einer einvernehmlichen SM-Beziehung nichts zu tun. SM ist auch nichts, was pathologisiert werden müsste, es handelt sich bei dieser Vorliebe nicht um eine geistige Krankheit, die man durch das richtige Maß an Liebe "heilen" kann. Weil es nichts zu heilen gibt. Und, liebe Mädchen, vertraut mir: ihr wollt keinen Typen, der euch dauernd überwacht. Der euch auf Schritt und Tritt verfolgt und den ihr mit ein bisschen kauen auf der Unterlippe so wahnsinnig macht, dass er euch auf der Stelle den Hintern versohlen muss, bevor er euch mal so richtig durchnimmt. Weil ihr ihn ja provoziert habt. Ich kann garnicht weit genug ausholen um deutlich zu machen, wie falsch ich das finde. Deswegen höre ich an dieser Stelle damit auf, und wende mich der eigentlichen Sache zu: dem Film. Und der ist, zumindest in einigen Belangen, dann doch etwas besser ausgefallen, als ich angenommen habe. Aber lest selbst. 

Anastasia Steele will eigentlich nur für ihre kranke Mitbewohnerin einspringen. Diese soll ein Interview mit einem der erfolgreichsten Unternehmer der Stadt, Mr. Christian Grey, durchführen. Ana trifft also auf Mr. Grey, und der zieht sie sofort in seinen Bann. Doch auch er ist von der schüchternen, etwas tollpatschigen jungen Frau angezogen. Die beiden kommen sich näher, doch Ana muss schnell feststellen, dass Christians sexuelle Vorlieben ihre Vorstellungskraft übersteigen. Wenn sie eine Beziehung mit ihm will, dann nur zu seinen Konditionen, denen sie sich fügen kann, oder eben auch nicht. Um seine SM-Vorlieben abzusichern, will Christian, dass Ana einen Vertrag unterschreibt. Doch sie zögert... wird sie am Ende unterschreiben und sich fügen?
© Universal
Besprechen wir doch zunächst die positiven Dinge des Films, denn da gibt es schon die ein oder andere Sache, die verhältnismäßig gut gelungen ist. Da wäre zuerst einmal Dakota Johnson. Sie spielt überraschend gut, und man nimmt ihr sowohl die naive Unschuld als auch den Konflikt am Ende sehr leicht ab. Ein weiterer Bonus ist, dass Anastasia im Film nicht annähernd so widerlich rückgratlos rüberkommt wie in den Büchern. Sie widerspricht, sie zieht zumindest kurzfristige Grenzen. Klar fällt sie dann doch wieder darauf rein, dass sie Macbooks und Autos vor die Tür gestellt bekommt, aber da blitzt wenigstens zwischendurch mal Widerstand auf. Auch wenn da ärgerlich viel Bella-mäßiges Geschnaufe stattfindet. In diesem Zuge ist gleich noch positiv anzumerken, dass es die "Innere Göttin" aus dem Buch nicht in den Film geschafft hat. Ich gehe auch schwer davon aus, dass ich spontan Amok gelaufen wäre, wenn ich alle zwei Minuten mit Anas innerer Stimme, die alles total geil findet, in Kontakt hätte treten müssen.

Positiv finde ich auch die Wahl einer Regisseurin, jedenfalls auf den ersten Blick. Sam Taylor-Johnson hatte wohl während der ganzen Dreharbeiten permanent Stress mit E.L. James, die dauernd reinreden wollte. In den meisten Punkten scheint sich aber die Regisseurin durchgesetzt zu haben. Auch das Ende bietet ein gewissen Potential, auch wenn es den restlichen Film ad absurdum führt. Im Film entwickelt sich durchaus der Eindruck, dass die Sub die mächtigere der beiden Partner ist, was zumindest ein schöner Gedanke wäre. Ich bin mir allerdings nicht sicher, inwieweit dieser Gedanke beabsichtigt war. Im Vergleich zum Buch finde ich ihn aber erfreulich, denn dort ist Ana nunmal eine vollkommen leere Hülle und eine absolut nichtssagende Person.

Hier folgen Spoiler zum Ende:
Die Fahrstuhl-Szene führt das dann wieder ad absurdum. Laut Regisseurin war zunächst beabsichtigt, dass Ana ihr Safeword benutzt. Somit wäre das Verhältnis der beiden bis zu diesem Moment Bestandteil des Spiels geblieben. Die Buchautorin hat sich aber hier durchgesetzt und lässt sie nur "stop" sagen. Das degradiert Ana dann wiederum zu einem kleinen Mädchen, dass halt doof genug war sich in den falschen Typen zu verlieben. Die Macht, die sie zumindest zuvor noch ausstrahle, war eine Illusion die am Ende zerschlagen wird. 
Spoiler Ende

Auch technisch weiß der Film zu gefallen. Die Farbgebung sticht hier besonders hervor. Die Aufnahmen von Seattle werden dem Namen "50 Shades of Grey" durchaus gerecht, die Schlafzimmerszenen hingegen sind in kühle Blautöne getaucht. Und wenn es dann mal sexy wird, so dominieren die Rottöne. Auch die Kamera arbeitet sauber und verwackelt nicht. Der Soundtrack stammt von Danny Elfman, der normalerweise als Haus- und Hofkomponist von Tim Burton durchgeht. Hier gibt es nun ein paar Tracks von ihm selbst, die irgendwie nichtssagend daherkommen, und ein paar geschickt ausgewählte Popsongs. Tut niemandem weh, fällt nicht unangenehm auf. Coversongs, gesungen von Annie Lennox, gehen sowieso immer, der Rest plätschert so belanglos vor sich hin. 
© Universal
Tja, das war es dann aber auch schon mit den positiven Seiten des Films, jedenfalls für mich.Klar, ich muss zugeben dass das Ausgangsmaterial undankbar ist wie sonstwas. Und ich gehe stark davon aus dass alle Beteiligten da das Beste rausgeholt haben. Und dennoch hatte ich selten bei einem Film, der nicht als Komödie deklariert war, so viel zu lachen. Und so sicher wie das zu Beginn des Films noch gewollt war, so garantiert ist das nach den ersten 20 Minuten nicht mehr der Fall. Doch die Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern ist faktisch nicht vorhanden, und die schlechte Vorlage schimmert an allen Ecken durch. Die Dialoge sind kitschig, werden hölzern vorgetragen und sorgen zwischendurch echt einfach nur für Fremdscham hoch zehn. Jamie Dornan mag in "The Fall" großartig sein, aber hier ist er völlig fehl am Platz. Dass er sich zur Vorbereitung mal dazu herabließ, bei einer SM-Session zuzusehen, und danach seine Familie erst sehen wollte, nachdem er sich ausgiebig geduscht und von dem Schund gereinigt hatte, sagt alles. Was hat so jemand in so einem Film zu suchen? Also, außer Geld natürlich. 

Überhaupt ist Christian Grey in erster Linie das Gruseligste, was mir seit langem im Film untergekommen ist. Er kriegt die Frau also am Ende rum, weil er nicht nur Flugzeuge, sondern auch Helikopter fliegen kann. Und gefühlte 20 Autos besitzt (nettes Product Placement übrigens sowohl von Audi als auch Apple). Und so geplagt von seiner Vergangenheit ist, und wir wissen ja alle dass Frauen eigentlich nichts anderes wollen, als den perfekten ( also reichen) Mann mit ihrer Liebe zu heilen. Auch wenn das bedeutet dass sie manchmal ein bisschen Prügel einstecken, und immerhin hat sie ja drum gebeten, nicht wahr? Dieser Grey ist einfach ein rundum ätzender Typ. Er fordert und fordert und fordert noch ein wenig mehr, und er fühlt sich im Recht weil er mal ein Auto oder ein Macbook springen lässt. Er selbst betont aber immer wieder, wie wenig er bereit ist sich zu ändern, wie er akzeptiert werden will, so wie er ist. Was ja an sich grundrichtig ist, doch das Prinzip sollte in beide Richtungen gelten. Selbstaufgabe fordern, aber nichts zurückgeben ist einfach nur ein ekelhafter Zug. Gerechtfertigt wird das durch seine ach so mysteriöse Vergangenheit, über die er ja nicht sprechen will. Wir erfahren ja dann doch, woran es liegt, und da geht es dann schon wieder los mit der Pathologisierung von sexuellen Vorlieben und wir stehen wieder am Anfang.

Das bringt uns auch direkt zu den Sexszenen des Films. Im deutschsprachigen Raum kam er mit einer FSK 16 davon, die Franzosen sehen es noch liberaler: da darf man sich schon ab 12 im Kino langweilen gehen. Mit rund 20 Minuten Sex auf zwei Stunden Laufzeit hätte es da ordentlich Potential gehabt. Stattdessen hangelt man sich am altbekannten Schema F mühsam ab: Hier mal ein beherzter Griff ins Laken, da mal ein angezogenes Bein. Davon, dass eine Frau auf dem Regiestuhl sitzt, merkt man hier auch nichts mehr. Während Anastasia also in mehr oder weniger voller Nacktheit zu sehen ist und die Kamera sich dort genüsslich abarbeitet (Teile davon wurden gedoublet), behält Mr. Grey aus unerklärlichen Gründen permanent seine viel zu weit unten hängenden Hosen an. Dürfte auf Dauer verdammt unbequem werden, wenn ich mir das so vorstelle. Hier wird ein absolutes Standardpublikum bedient, dass scheinbar zwar Sex will, gerne auch so mit Peitschen und Handschellen, hihihi, dann aber doch lieber nicht zuviel sehen will. Wo bleibt der weibliche Blick, der Rest des Films ist doch auch eher aus Anastasias Sicht erzählt? Nicht dass ich jetzt darauf bestehen würde, unbedingt nackte Männer zu sehen, aber nach wie vor erscheint es mir unfair dass Frauen stets komplett blank ziehen müssen, während die Jungs ihre Hosen anbehalten. Wo bleiben die Schweißtropfen, die nicht aussehen als wären sie in präziser Feinarbeit mit der Pipette aufgetragen worden? Die klinische Optik, die den Aufnahmen der Stadt noch einen gewissen Reiz abluchsen konnte, wird hier zur Falle und lässt die Langeweile regieren. Alles wirkt kontrolliert, nichts und niemand lässt los. Mr. Grey spricht irgendwann darüber, wie SM für ihn bedeutet, die Kontrolle abgeben zu können, sich fallen lassen zu dürfen. Als Zuschauer hätte ich dieses Gefühl auch gewollt, stattdessen spürt man die imaginären Fesseln des Konservativismus nur zu stark.
© Universal
Kritisch anzumerken ist, wie auch bereits beim Buch, dass das Thema des Kindesmissbrauchs einfach so unreflektiert im Nebensatz fällt. Und ja, mit 15 ist man noch ein Kind. Das reiht sich ein in eine ganze Riege unerfreulicher Dinge, die diesen Film ausmachen. Neben dieser nebensächlichen Abschiebung von Kindesmissbrauch (wo bleibt da eigentlich der sonst so beliebte #Aufschrei, oder ist das ok weil es ja Fiktion ist?) ist es auch die Art der Beziehung, die dargestellt wird. Grey kontrolliert nicht nur Anastasias Handy und ihren Aufenthaltsort, er will ihr vorschreiben was und wann sie zu essen hat, mit wem sie sich zu treffen hat. Er schreibt ihr vor, die Pille zu nehmen, was mich direkt auf die nächstbeste Palme hochtreibt. Er behandelt sie wie ein kleines, unmündiges Kind, und der Gedanke daran ist nicht sonderlich schön. Mister Grey ist einfach von vorne bis hinten falsch und der Typ braucht einen Psychologen und kein weiteres Opfer für sein Verhalten. Die Tatsache, dass abertausende von Frauen scheinbar dieser Art von Mann hinterherschwärmen (auch wenn er fiktional ist), versetzt mich in Sorge.

Am Ende bleibt es dann irgendwie doch ein typischer Romantikfilm: die beiden treffen aufeinander, sie ist schüchtern und arm, er selbstsicher und scheisse reich (und er kann fliegen, Helikopter und Flugzeuge. und er hat 20 Autos, Klavier spielen kann er auch und überhaupt), es gibt ein bisschen Sex, sie passen nicht zueinander, es gibt mehr Sex, er verprügelt sie mal so richtig, sie geht. Es lässt sich herunterbrechen auf eine einzige Frage: unterschreibt sie diesen beknackten Vertrag, oder nicht? Bis der Film diese Frage mehr oder weniger elegant löst, vergehen knapp über zwei Stunden, in denen ich mich zunächst durchaus unterhalten gefühlt hab. Was an größtenteils unfreiwilligen Lachern über die Dialoge und die Schauspieler lag. Es folgen langweilige Sexszenen, ein kleines bisschen Drama, Baby, und dann ist der Film auch schon vorbei. Mr. Grey würde wohl fragen "hat das jetzt weh getan?". Und ich würde mit einem beherzten "nein" antworten, bevor ich mir einen Film über Sex anschauen gehe, der wirklich etwas vorzuweisen hat. Ich empfehle Lars von Triers göttliches Meisterwerk "Nymphomaniac" (beide Teile), Steve McQueens "Shame", in dem es unter anderem einen nackten Michael Fassbender zu bewundern gibt (der Film ist auch ein großartiges Drama, so ganz nebenbei). Und wer sich mit dem Thema SM halbwegs massentauglich befassen will, der sollte sich "Secretary" anschauen, mit einer anbetungswürdigen Maggie Gyllenhaal. Alle Fans des Films dürfen sich jetzt schon auf zwei weitere Teile freuen, in denen es vermutlich nicht besser wird.

Infos zum Film
Originaltitel: 50 Shades of Grey
Genre: Drama, Erotik
FSK: 16
Laufzeit: 125 Minuten
Regisseur: Sam Taylor-Johnson
Darsteller: Dakota Johnson, Jamie Dornan, Marcia Gay Harden, Rita Ora, Eloise Mumford, Luke Grimes

Trailer






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