Recap: Game of Thrones 7.5: Eastwatch

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Nach der ziemlich heftigen Episode der letzten Woche präsentiert sich "Eastwatch" fast schon als ruhige Episode, zumindest gibt es hier keine großen Gefechte. Doch mit Wendungen, Überraschungen und dergleichen wird trotzdem nicht gespart, und so rücken all die einzelnen Puzzleteile weiter zusammen.


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Bleiben wir gleich bei den unmittelbaren Auswirkungen von Daenerys' Angriff auf die Nachhut der Lannisterarmee. Statt uns lange auf eine Auflösung warten zu lassen, sehen wir gleich, dass Bronn es geschafft hat, Jaime zu retten. Bequemerweise gleich an das andere Ende des Sees, in sicherer Entfernung zu dem, was Daenerys als Gerechtigkeit empfindet. Während Bronn also noch erklärt, dass er der einzige ist, der Jaime töten darf, stellt die Mutter aller Drachen die Überbleibsel der Armee vor die Wahl: Entweder ihr die Treue schwören, oder als menschlicher Marshmallow enden. Und aus ihrer Sicht mag diese Entscheidung Sinn machen: Sie muss zeigen, dass sie einerseits Gnade walten lässt, andererseits aber Abtrünnige konsequent bestraft. Auftritt Lord Tarly, der in seiner Loyalität zwar flexibel ist, Dany aber trotzdem nicht als Herrscherin akzeptieren will, einfach weil sie nicht in Westeros aufwuchs. Für ihn ist dies der direkte Weg ins nächste Leben, was er mit einigermaßen Fassung erträgt. Doch sein Sohn Dickon, aufgewachsen mit dem väterlichen Idealbild eines "richtigen" Mannes und den Sagen von Helden, schließt sich seinem Vater an. Da Sam mit dem durch seinen Vater erzwungenen Beitritt zur Nights Watch kein Anrecht mehr auf die Nachfolge im eigenen Haus hat, können wir nun also die Tarlys vorerst von der Liste der existenten Häuser streichen.

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Während Dany ihrer eigenen Logik folgt, wird klar, dass Tyrion (und auch Varys) ihre Einstellung nicht ganz teilen. Tyrion versucht sich in der Rolle des Vermittlers, doch die Tarlys wollen seine Hilfe nicht, entweder aus falschem Stolz oder weil sie all die Rettungsringe, die er ihnen zuwirft, nicht verstehen. Varys redet Tyrion recht schnell aus, sich die Lage schön zu reden, und so sieht sich Tyrion mit einem wirklich Konflikt konfrontiert. Möglicherweise bringt die Ankunft von Ser Jorah dem erhitzten Gemüt der einen Königin ein bisschen kühlen Verstand entgegen.

Bran nutzt derweil seine Fähigkeit ausnahmsweise mal nicht, um seine große Schwester in Angst und Schrecken zu versetzen. Stattdessen geht er mit einem Schwarm Raben auf Erkundungstour, jäh unterbrochen durch den Night King. Doch Bran hat genug gesehen und auf seinen Befehl hin werden Raben mit einer Warnung vor der Armee der Untoten an alle wichtigen Orte geschickt. Diese Raben setzen eine recht große Maschinerie in Gang, welche diese Episode zu einem klassischen Setup für so ziemlich jeden "Hinter feindlichen Linien" Film, der je gedreht wurde, macht.

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In Winterfell kommt es zunächst aber zum Streit zwischen den Stark-Schwestern. Arya versteht nicht, wieso Sansa nicht einfach ein paar Köpfe rollen lässt und stattdessen auf mühsame Diplomatie setzt. In ihren Augen sind die Männer Verräter, weil sie fordern das Sansa anstelle von Jon den Norden regieren soll. Hier zeigt sich erneut, wie unterschiedlich die beiden Schwestern durch ihre jeweiligen Schicksale geformt wurden. Arya findet keine innere Ruhe, Vergeltung, Misstrauen und Rache sind ihre treibenden Motivationen. Sansa hingehen hat das große Bild vor Augen und handelt entsprechend. Mittendrin in diesem an sich schon explosiven Mix spinnt Littlefinger nun seine Ränke.

Wir sehen, wie Arya ihn beschattet, zunächst im Gespräch mit einer fremden Frau, dann mit ein paar Lords des Nordens, zuletzt mit Maester Wolkan, der ihm eine Schriftrolle, die einzige Kopie des darauf befindlichen Textes, bringt. Natürlich bricht Arya in sein Zimmer ein und stiehlt das Dokument. Es handelt sich um den Brief, den Sansa in der ersten Staffel unter Zwang schrieb. In ihm nennt sie ihren Vater einen Verräter und fordert Robb auf, Joffrey die Treue zu schwören. Arya, die den Hintergrund der Nachricht nicht kennen dürfte, hat somit etwas gegen ihre Schwester in der Hand. In Sachen Spionage hat sie darüber hinaus noch viel zu lernen, denn Littlefinger wollte, dass sie die Schriftrolle findet. Naheliegend wäre, dass er Sansa isolieren will, um seinen Einfluss zu behalten. Doch vielleicht haben sich die Geschwister abgesprochen, um Littlefinger endlich auszuschalten? Für irgendwas muss Bran ja unmittelbar gut sein. 

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Dragonstone entwickelt sich derweil zu einer Art temporärer Kommandozentrale. Ein elaborierter Plan entsteht, der sich in etwa so zusammenfassen lässt: Ein Trupp muss auf die andere Seite der Wall, um einen White Walker einzufangen. Dieser soll nach Kings Landing gebracht werden, um Cersei und generell das Volk von der Bedrohung im Norden zu überzeugen. Kurzerhand schmuggelt Ser Davos also Tyrion via Boot nach Kings Landing, wo Bronn ein Treffen mit Jaime vorbereitet hat.

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 Der ist nicht gerade erfreut, den Mörder des gemeinsamen Vaters wiederzusehen, doch er bringt Tyrions Vorschlag, einen Waffenstillstand einzugehen, zu seiner Schwester. Die sieht eine Chance, um ihren Plan neu auszurichten. Gleichzeitig erklärt sie Jaime, dass sie schwanger ist und die Herkunft des Kindes nicht verschweigen will. Ich sehe hier genau zwei Möglichkeiten: Entweder Cersei lügt, oder dieses Kind wird niemals das Licht der Welt erblicken, denn der Zeitpunkt, an dem Cersei Lannister noch irgendetwas positives wiederfährt, der ist längst vorbei.

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Ser Davos hat eigene Pläne. und er geht zielstrebig in die Straße der Schmiede in Fleabottom. Und dort treffen wir auf einen lang verloren geglaubten Charakter! Gendry, meine Damen und Herren, ist zurück. Und statt langer Worte und Erklärungen packt der Gute gleich seinen (eindrucksvollen) Kriegshammer und begleitet Ser Davos zurück zum Boot. Wie der Vater, so der Sohn, schätze ich. Im Aufeinandertreffen mit zwei Stadtwachen zeigt die Serie zwischendurch erneut, wieso sie so gut ist. Die Wachen tauchen auf, sind eine Bedrohung. Davos besticht sie, die Bedrohung ebbt ab, bis die Wachen neugierig werden. Er versucht, sie in die Irre zu führen, was auch klappt, bis Tyrion auftaucht. Und hier greift Gendry ein und feiert seine ganz persönliche Hammertime mit den Gesichtern der beiden Wachen. Keine Frage, der Junge ist bereit für Action.

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Zumindest bereit für einen Kulissenwechsel ist auch Sam. Die Maester nehmen Brans Brief und die Bedrohung im Norden nicht wirklich ernst. Sam klärt erfreulicherweise auch gleich, dass in der Show mehrere Jahre vergangen sind, seit Bran sich auf die andere Seite der Wall begab. Da nun immer mehr Nebenstränge der Geschichte einfach ausgelassen werden, ist es schön, da ein bisschen Klarheit zu erlangen, auch wenn die Vermutung nahelag. Bei der abendlichen Leserunde mit Gilly lässt die belesene Wildlingdame dann ganz nonchalant im Nebensatz fallen, dass ein Maester die Ehe zwischen Rhaegar Targaryen und Elia Martell annullieren ließ, quasi im gleichen Moment, in dem Rhaegar eine andere Frau heiratete. Es ist relativ sicher, dass es sich bei dieser Frau um Lyanna Stark handelte. Das würde Jon Snow nicht nur nicht mehr zu einem Bastard machen, sondern zu der Person mit dem größten Anspruch auf den Thron. Leider ist Sam extrem genervt von der ganzen Situation und unterbricht Gilly, bevor er auf Bücherraubzug geht und die kleine Familie Oldtown den Rücken kehrt. Irgendjemand muss Jon mal dringend über seine Abstammung aufklären, bevor es zu spät ist. Wobei, spielt Abstammung unter den aktuellen Verhältnissen überhaupt eine Rolle? Und wie würde sich Jon als König machen? Er der durch sein Dasein als Bastard zu dem Mann geworden ist, der nun darin glänzt, die unwahrscheinlichsten Menschen gemeinsam auf eine Seite zu bringen?

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Denn Jon stellt sich ein ziemlich illustres Team zusammen. Ser Jorah begleitet ihn, und auch Gendry schließt sich an. Die beiden scheinen sich gut zu verstehen, keiner macht ein Geheimnis aus seiner Herkunft, beide haben Respekt voreinander, auch aufgrund der Beziehung ihrer (angenommenen) Väter. Gemeinsam mit Davos brechen sie nach Eastwatch auf, wo sie zunächst auf Tormund treffen. Der hat keine Scheu, Jon mitzuteilen, dass er seinen Plan für kompletten Unsinn hält. Aber wann hat Tormund schon mal "nein" zu einem Abenteuer gesagt? Eben. Wie praktisch, dass im kleinen Gefängnis von Eastwatch eine weitere, nicht weniger eindrückliche Bande einsitzt. Thoros, Beric und der Hound werden kurzerhand mit in den Norden genommen, und wenn die V-Formation, in der diese Kerle aus dem Tor treten, mal nicht das heißeste Album des Jahres 2017, ach was sage ich, des Jahrhunderts verspricht! Und das, obwohl sich kaum jemand in dieser Gruppe über die eigene Armlänge inklusive Schwert hinaus traut.

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Es macht aber auch klar, dass schwer vorherzusagen ist, wohin uns die verbleibenden Episoden noch führen werden. Der Krieg zwischen zwei Königinnen scheint vorerst auf der Wartebank zu sitzen. Könnte sich tatsächlich ganz Westeros vereinen, um gemeinsam gegen die White Walker ins Feld zu ziehen? Ein schöner Gedanke, der sich vermutlich nicht bewahrheiten wird. Charakteristisch müsste die nächste Folge die Episode in der siebten Staffel sein, in der wir endlich mal wieder so richtig einen Tritt in die Magengegend kassieren. Denn bisher sind zwar Charaktere gestorben, doch wirklich wichtig für das sich anbahnende Finale war keiner von ihnen. Doch wer von den Übriggeblieben ist wirklich wichtig? Während wir uns vom sorgsam geflochtenen, feingliedrigen Netz aus 100 Geschichten zugunsten eines typischen Blockbusters, nur eben im Serienformat, verabschieden, wird klar, dass eigentlich Nichts klar ist.



Notizen aus dem goldenen Buch

  • Davos' Familie hatte früher ein recht gutes Geschäft als Krabbenfänger und -händler. Es scheint, als würde er sich an ein, zwei Kniffe erinnern
  • Hat fermentiertes Krabbenfleisch wirklich eine solche Wirkung? Ist es vielleicht das Geheimnis hinter Podricks Beliebtheit im Bordell? 
  • Kevin Eldon spielte in der sechsten Staffel den falschen Ned im Theaterstück in Braavos. Hier kehrt er als Stadtwache zurück, nur um durch Gendrys Hammer ein vorzeitiges Ende zu finden. Vielleicht nicht der beste Karrierewechsel. 
  • Tormund denkt noch immer an Brienne und ich will doch nur, dass die beiden glücklich sein können ... 
  • Aryas Vorwurf, Sansa würde sich im Zimmer ihrer Eltern aufhalten, weil sie Schöne Dinge mag, verliert mächtig an Gewicht, wenn wir daran denken, dass Sansa in diesem Raum von Ramsay vergewaltigt wurde. 
  • Schätze die Witze über Dickon haben sich dann auch erledigt. 
  • Die Weisheit der Woche kommt von Ser Davos: “Nothing fucks you harder than time.”
  • Die Tatsache, dass Jon Drogon einfach so streicheln konnte ist sicher auch nur ein weiterer Hinweis auf seine Herkunft, oder? ODER??? Tyrion konnte in Episode 2 der dritten Staffel ja übrigens auch einen Drachen ohne Konsequenzen anfassen. Drei Köpfe und so, merkt euch meine schriftlichen Worte hier.  
  • Ser Alliser, der damals die abgetrennte Hand eines White Walker nach Kings Landing bringen sollte, war mit seiner Mission nicht erfolgreich. "Inside the Episode" spricht das Thema kurz an, und die Hand ist unterwegs einfach verfault und bewegte sich nicht mehr.

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