Recap: Game of Thrones 7.4: The Spoils of War

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Nachdem die vierte Episode vor allem durch einen vorzeitigen Leak ihre Wellen im Internet schlug, ist es nun an der Zeit, den knackig-knusprigen Fünfzigminüter (ist das ein Wort? Gelebter Sprachwandel, liebe Leute!) gebührend zu besprechen. Aber reden wir zuvor noch über den Leak und unsere teilweise fehlende Geduld.

So wie es aussieht, wurde HBO in der vergangenen Woche gehackt und bis zu 1,5 Terabyte an Daten sind entwendet worden. Darunter auch Scripts zu weiteren Folgen. Der Leak der vierten Episode scheint damit aber nicht zusammenzuhängen, stattdessen wird eine undichte Stelle bei "Star India" dafür verantwortlich gemacht. Der Sender kümmert sich um die Ausstrahlung der Serie in ... na, dreimal dürft ihr raten. Und scheinbar klappt das nicht so gut, wie es sollte. Die Qualität des Leaks selbst ist allerdings unterirdisch gewesen und ich wage zu behaupten, dass zwei Tage warten in diesem Fall die klügere Entscheidung waren. So schick, wie Thrones aussieht, wäre es eine Schande, es nicht in voller Pracht zu genießen. Aber in Zeiten in denen alles immer schneller und am besten sofort und auf einmal verfügbar sein muss, ist Geduld ein rares Gut geworden, wie mir scheint. Aber genug davon, kehren wir zunächst zurück nach Winterfell.



Mittlerweile, so fühlt es sich jedenfalls an, ist die Serie an einem Punkt angekommen, an dem es schlichtweg keinen Sinn mehr macht, Ereignisse aufzuhalten oder dem Zuschauer vorzuenthalten. So findet endlich Arya den Weg zurück nach Hause, zurück nach Winterfell. Vom ersten Blick auf Winterfell, mit Aryas Themesong im Hintergrund, steigt die Vorfreude auf ein neuerliches Wiedersehen an den Toren. Doch so ganz können die Autoren von ihrer geliebten Verzögerungstaktik nicht ablassen, und so wird Arya (und unsere Geduld) von zwei nicht ganz so hellen Wachen strapaziert. Sansa weiß allerdings, wo sie ihre kleine Schwester findet, und das Wiedersehen der beiden findet in der Krypta statt, umgeben von den Erinnerungen an die Toten und die Vergangenheit. Einer Vergangenheit, aus der die Stark-Kinder lebendig, aber verändert herauskamen.
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Und diese Veränderung der Identität betrifft alle Starks. Bran ist, wie Meera beim sehr nüchtern ausfallenden Abschied festhält, in der Höhle gestorben. Die Erinnerungen an sein altes Ich sind tief unter all dem begraben, was er nun sieht. Arya ist trotz ihrer jungen Jahre zur Kriegerin geworden, entschlossen und kalt, aber auch hocherfreut, als sie in Brienne endlich eine würdige Trainingspartnerin findet. Sansa hingegen sieht die Veränderungen ihrer Geschwister und wird sich unweigerlich damit auseinandersetzen müssen, zu welchem Ziel ihr Weg sie führt. Aus welchem Grund gab beispielsweise Bran Arya den Dolch aus Valyrischem Stahl? Einfach nur, weil er damit nichts anfangen kann? Oder hat er etwas gesehen? Letzteres scheint mir wahrscheinlicher, da Bran nicht den Eindruck macht, auch nur unkalkuliert den kleinen Finger zu bewegen.

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Gleiches gilt für Jon Snow, der sich nach wie vor in Dragonstone aufhält. Erneut werden die Zuschauer daran erinnert, dass Jons Abstammung nicht die ist, die er sich selbst zuschreibt und von anderen zugeschrieben bekommt. Das Gespräch zwischen ihm, Davos und Missandei sorgt für diese Erinnerung. Als er Daenerys die Höhle mit dem Obsidian zeigen will, wird anhand der Malereien der Children of the Forest ebenfalls klar, dass die Geschichte sich hier mehr oder weniger wiederholen wird. Nur gemeinsam kann der Feind im Norden besiegt werden. An Daenerys geht die Malerei nicht spurlos vorbei, und sie verspricht Jon ihre Hilfe im Gegenzug für seinen Treueschwur. Ob die beiden zu einer Lösung gekommen sind, wird allerdings vorerst nicht klar. Etwas heuchlerisch wirkt es allerdings schon, dass die selbsternannte Königin des Volkes ihre Hilfe nur gegen das Treueversprechen eines Einzelnen geben will.

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Ich bin mir nicht sicher ob nun tatsächlich eine Liebesgeschichte zwischen Jon und Dany in die Serie geschrieben wird. Inzest innerhalb der Targaryens ist normal im Kosmos der Serie, doch bisher stimmte die Darstellung von Inzest innerhalb der Serie recht dicht mit dem überein, wie wir in unserer Welt das Thema wahrnehmen. Noch in der letzten Folge blieben die Zwischentöne zwischen den beiden sehr nüchtern, doch in dieser Woche ändert sich das. Und Jon wird sich wohl auch von Ygritte gemerkt haben, wie verführerisch so eine Höhle wirken kann, wenn er schon die ganze Zeit auf Danys "großes Herz" starrt. Es stellt sich einfach die Frage, inwieweit eine Liebesgeschichte die einzelnen Geschichten beider Figuren verbessern würde, und mir fällt da ehrlich gesagt wenig zum Thema ein.

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Doch vorerst muss sich niemand Gedanken darum machen. Denn gerade als Theon mit einem einzigen Schiff und einer Handvoll Ironborn nach Dragonstone zurückkehrt, erfahren wir, dass Daenerys nun endgültig genug gesehen hat. Nachdem Tyrion und Varys ihr mitteilen, dass Casterly Rock zwar eingenommen ist, es sich dabei jedoch um eine Falle handelte, reagiert Dany entsprechend ihrem Gemüt eher überhastet und will mit ihren Drachen nach Kings Landing fliegen, um die Red Keep auszuräuchern. Tyrion macht keinen Hehl daraus, dass er das für eine schlechte Idee hält, doch Daenerys will nichts mehr von seinen Ratschlägen wissen, vermutet sogar, dass er seiner Familie einfach keinen richtigen Schaden zufügen will. Eine Gratwanderung für Tyrion und ein erster Hinweis darauf, dass er innerlich doch nicht so ganz unerschütterlich ist, wie er sich jeweils gibt?

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Auf der Suche nach Rat wendet sie sich an Jon, der sichtlich gestresst ist, überhaupt in diesen Konflikt hineingezogen worden zu sein. In einer Rede, die Ser Davos stolz macht, erklärt er ihr, dass sie nicht anders wäre als die bisherigen Herrscher, wenn sie alles zu Schutt und Asche niederbrennt. Ihre Soldaten und Anhänger folgen ihr, weil sie eine andere Perspektive bietet. Und nicht zuletzt ist das Risiko, die Drachen zu verlieren, doch nach wie vor recht groß. Seine Worte scheinen jedenfalls Wirkung zu zeigen. Während etwas später Theon auftaucht, erfahren wir dann auch, dass die Königin momentan nicht anwesend ist.

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Der nächste Schnitt bringt uns zu den Lannistersoldaten. Fast schon in einem Nebensatz erfahren wir, dass das Gold sicher in Kings Landing angekommen ist. Dies dürfte sowohl Cersei als auch den umtriebigen Bankvertreter freuen, der plant jedenfalls bereits die nächsten Investitionen. Bronn macht derweil seinem Ruf als normaler Bürger alle Ehre. Er kämpft recht gut, doch am Ende des Tages möchte er einfach ein Schloss, ein bisschen Absicherung, Ruhe und Frieden. Jaime, der diese Wünsche vermutlich aufgrund des goldenen Lannisterlöffels voller goldigem Zucker in seinem goldigen Hintern nicht nachvollziehen kann, macht sich darüber lustig. Das verbale Geplänkel der beiden wird jäh unterbrochen, als Bronn etwas hört. Und tatsächlich, von der anderen Seite eines Hügels her wird das Getrappel unzähliger Hufe lauter. Die Soldaten bereiten sich vor, Bronn schätzt die Lage sofort richtig ein und will Jaime zur Flucht bewegen. Dieser wehrt sich und will bei seiner Armee bleiben. Doch die Selbstsicherheit fällt ihm aus dem Gesicht, als über den kreischenden Dothraki Drogon aus den Wolken herabschwebt. Daenerys zögert nicht lange, und mit einem "Dracarys" nimmt das Inferno seinen Lauf.

Um Jaime herum brennen die Soldaten, die wenige Minuten zuvor noch im Schildwall standen und die verzweifelte Verteidigung aufrecht halten wollten. Erneut wird Jaime mit etwas konfrontiert, das er wohl bisher nicht kannte: Der direkten Auswirkung gewisser Waffen auf die betroffenen Soldaten. Bisher stand er auf der Seite, die Wildfire als mächtige Waffe nutzte, nun sieht er sich selbst in den Flammen eines Drachen und die Hilflosigkeit ist quasi greifbar.

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Bronn hingegen wird für eine Weile zu unserem Fokuspunkt im Gemetzel. Die Kamera folgt ihm während mehrerer kurzer Kämpfe und ein ganzes Stück über das Schlachtfeld hinweg. Zum ersten Mal wird in naher Ansicht deutlich, zu welcher Zerstörung ein einziger Drache fähig ist. Ein ambivalenter Ausblick auf eine mögliche Zukunft, in der Daenerys sich weiterhin gezwungen sieht, die Drachen als Waffe einzusetzen. Bronn kommt an Qyburns Waffe an und beginnt, auf Drogon zu zielen. Und in diesem Moment wird klar, wie weit die Serie vorangekommen ist. Auf der einen Seite sind Bronn und Jaime. Der eine ist unsere einzige Verbindung zu den normalen Soldaten, eine liebgewonnene Nebenfigur. Der andere ist innerhalb seiner eigenen Geschichte noch nicht am Ziel angekommen. Zu viele Aspekte seiner Persönlichkeit sind noch offen, sowohl als Soldat, als auch als Vater sowie Liebhaber. Und auf der anderen Seite ist eine mögliche Königin und ihr Drache. Keiner dieser Figuren wünscht man den Tod.

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Zwischenzeitlich sehen wir den Kampf aus Tyrions Perspektive, der mit einigen Dothraki am Rand des Schlachtfeldes steht. Peter Dinklage bekommt endlich wieder Material, welches seinem Talent würdig ist, auf seinem Gesicht spielt sich eine ganze Bandbreite von Emotionen ab. Hat er wirklich mit diesem Ergebnis gerechnet, als er sich gegen seine Familie stellte? Als Bronn es schafft, Drogon am Flügel zu verletzten und zur Landung zu zwingen, wird er beinahe selbst Opfer des Drachenfeuers. Jaime, der wie in Schockstarre auf dem Feld steht, scheint wieder zum Leben zu erwachen, greift sich einen Speer und reitet auf Daenerys zu. Tyrion singt beinahe mantraartig vor sich hin und will Jaime so zur Flucht bringen, doch er spricht so leise, dass man ihn kaum hört. Genau wie wir kennt er alle drei Beteiligten Personen in diesem Moment, kennt ihre guten und schlechten Seiten, genau wie wir scheint er sich nicht ganz im Klaren darüber zu sein, wer nun gewinnen soll.

Die Episode macht es uns dann relativ leicht, denn wir werden es erst kommende Woche erfahren. Als Drogon sich vorbereitet, Jaime zu toasten, wirft ihn jemand, vermutlich Bronn, in letzter Sekunde ins Wasser. Die schwere Rüstung zieht ihn nach unten, und mit einem zum Grund des Sees sinkenden Jaime endet die Episode. Wird Dany die beiden gefangen nehmen? Für Jaime wäre es die optimale Ausnüchterungskur, und Bronn und Tyrion erneut zusammen wäre schon so ein kleines Highlight zum Ende hin. Doch sicher, das hat uns die Serie wieder und wieder gezeigt, ist niemand. Einige Figuren verlassen die Bühne mit einem Knall, andere gehen schweigend ab. Es wäre bittersüße Ironie, wenn Jaimes Gedanke an einen letzten, möglichen Akt zu Gunsten seiner Schwester mit seinem Tod endet, weil ihn jemand anderes retten wollte.

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Für Daenerys dürfte der Angriff trotz des verwundeten Drachen als Erfolg gewertet werden. Sicherlich werden die Erzählungen des Angriffs die Menschen verängstigen. Doch ihr Angriff richtete sich direkt gegen die Armee, Zivilisten waren, so wie es aussah, kaum anwesend. Sie konnte sich das erste Mal mit einem wirklichen Gefecht vertraut machen, auch wenn ihr das Kommando von den hinteren Reihen aus wohl etwas besser bekommen dürfte, jedenfalls in Punkto eigener Sicherheit und der ihrer Drachen. Denn, auch das wurde deutlich, ohne Drachen ist Daenerys schlicht und ergreifend keine besonders furchteinflößende Person, jedenfalls nicht auf den ersten Blick. Und der hat Jaime immerhin gereicht, um sich Chancen bei einem direkten Angriff auszurechnen. So oder so, die erste Schlacht, die, egal wer nun lebt oder stirbt, ernsthaft Gewicht für Hauptfiguren hatte, ist geschlagen worden.


Notizen aus dem Goldenen Buch

  • Mit knapp 50 Minuten Laufzeit haben wir es hier mit einer der kürzesten Folgen der Serie zu tun. Ebenfalls nur 50 Minuten hatte die erste Folge der sechsten Staffel, "The Red Woman". 
  • Dafür werden wir aber mit den längsten Folgen überhaupt am Ende der Staffel entschädigt. Mit 71 Minuten für Folge sechs und stolzen 81 Minuten für die finale, siebte Folge und Laufzeiten um die 60 Minuten für alle restlichen Episoden haben wir eine überdurchschnittlich lange Laufzeit. 
  • Wie Bronn sich einfach nicht zurückhalten kann, als er Dickons Namen hört. Ging mir ganz ähnlich. 
  • Callback-Zeit! Staffel sieben suhlt sich weiterhin in der eigenen Vergangenheit, sehr zu Freude meines komisch funktionierenden Gedächtnisses. Ernsthaft, wenn ich mir relevante Dinge halb so gut merken könnte wie Zeug aus Serien (oder Songtexte), ich wäre jetzt reich. Anyway. Littlefinger gibt Bran exakt den Dolch, mit dem der Auftragskiller in der ersten Staffel versuchte, Bran zu töten. Im Gegenzug verunsichert Bran Littlefinger mit einer Erinnerung an dessen wundervolle "Chaos is a Ladder" Rede. Arya wendet derweil im Übungskampf gegen Brienne fleißig das an, was Syrio Forel ihr in der ersten Staffel beibrachte. Und Jon findet sich in der gleichen Position wieder, in der er einst Mance Rayder beraten hat: Treue schwören oder nicht? Und Ser Davos korrigiert Jon mit "fewer", so wie einst Stannis ihn korrigierte.
  • Die Geschichte wiederholt sich. Bereits in den Blu-ray Specials wird seit Staffel 1 auf die Geschichte von Westeros eingegangen. Aegon Targaryen stand damals Haus Lannister und Haus Gardener auf dem Field of Fire gegenüber und die beiden Häuser endeten recht knusprig. Jon Snow steht in Sachen Treueschwur für Daenerys an der exakt gleichen Stelle wie Torrhen Stark seinerzeit. Im Ersten Dornischen Krieg machte darüber hinaus Königin Rhaenys mit ihrem Drachen Meraxes Bekanntschaft mit einer ähnlichen Balliste, wie Bronn sie gegen Drogon benutze. 
  • Wo wir bei Drogon sind: Bronns "ohhhhh crap" Gesicht, als der verwundete Drache direkt vor ihm landet. 
  • Gehen wir nochmal zurück in die erste Staffel, in der Khal Drogo versprach, seinen Khalasar nach Westen zu führen um die dortige Armee ordentlich zu dezimieren. Zwar hat er selbst es nicht geschafft, doch der Drache, der nach ihm benannt ist, erweist sich als würdiger Vertreter. 
  • Regisseur Matt Shakman ist zum ersten Mal auf dem Regiestuhl bei "Game of Thrones", Erfahrung konnte er bereits bei "Mad Men" sammeln. 
  • Die Rückkehr der Golden Company könnte ein Wiedersehen mit Daario Naharis bedeuten, diesmal dann auf Danys Gegenseite. Aber wie loyal werden Soldaten sein, die einfach gekauft wurden? 
  • Die Dynamik zwischen Theon und Jon dürfte in den weiteren Folgen noch spannend werden.

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