gesehen: Vaiana

© Walt Disney

Story


Die temperamentvolle und eigenwillige Vaiana ist von Geburt an mit einer einzigartigen Verbindung zum Ozean gesegnet. Mutig setzt sie die Segel und macht sich zusammen mit dem selbstverliebten Halbgott Maui auf die Suche nach den Geheimnissen ihrer Vorfahren. Ihr Weg birgt jede Menge aufregende Erlebnisse und Begegnungen mit den verrücktesten Kreaturen und führt Vaiana letztlich nicht nur auf die Spur ihrer Ahnen, sondern auch zu sich selbst!




Kritik


Ich muss ja gestehen, "Vaiana" habe ich im Kino gemieden. Der Grund dafür war simpel: Eine PR-Kampagne, die absolut unnötig war (Eine britische Agentur tarnte sich als probierfreudige Bloggerin, um dann einen vollkommen belanglosen, nichtssagenden Text als Gastartikel zu platzieren. In einem grottenschlechten Deutsch, es war ein wirklicher Spaß, das zu lesen. Liebe PR Agenturen, Blogger kommunizieren untereinander.) schreckte mich ab. Meine Schlussfolgerung aus dieser Angelegenheit war: Wenn sowas nötig ist, dann muss der Film ja beinahe ein Desaster sein. Oh man, lag ich falsch. Sowas von falsch. "Vaiana" reiht sich sofort bei den großen Klassikern ein. Der einzige Kritikpunkt, den ich an dem Film anbringen will, ist die Tatsache das "We know the Way"so verdammt catchy ist und nur knapp zwei Minuten geht. Viel zu kurz! Aber fangen wir von vorne an.
© Walt Disney
"Vaiana" erfindet über weite Teile das Rad sicher nicht neu. Tief im Herzen ist die Geschichte sicherlich bekannt und auch irgendwie vorhersehbar. Die Frage sollte vielmehr sein: Wenn man ein Rezept über die Jahrzehnte perfektioniert hat, wieso sollte man dann an den Grundzutaten herumpfuschen? Zumal Disney seit "Frozen" durchaus den ausgetretenen Pfad der klischierten Prinzessinnen-Story verlässt und stattdessen eigenständige, willensstarke Hauptfiguren zeigt. Wobei hier die Parallelen zu "Tangled" sehr eindeutig sind. Beide Filme zeigen eine Figur mit Helikoptereltern, die ausbrechen muss, um sich dann unter der Fittiche eines Mannes beweisen zu müssen. So weit, so bekannt. Doch bei "Vaiana" fühlt sich das alles so organisch an, jeder Moment sitzt. Wenn das Rezept all die Jahre schon nahezu perfekt war, dann erreicht es hier den "Kirsche auf dem Sahnehäubchen" Status. Dafür gibt es eine Menge Gründe.
© Walt Disney
Mit Ron Clements und John Musker sind richtige Disney Veteranen am Regiewerk. "Arielle", "Aladdin" und "Küss den Frosch", der Disney sozusagen wiederbelebte, sie alle gehen auf das Konto der beiden. Auch das Sprichwort "Viele Köche verderben den Brei" bewahrheitet sich hier nicht, denn das Drehbuch stammt von einer Vielzahl an Autoren. So ergibt sich eine bunte Mischung aus vorherigen Filmen beziehungsweise den Aspekten, welche die großen Disneystreifen so gut machten. Vaiana muss sich gegen den Willen ihrer Eltern behaupten, herausfinden wer sie ist und nebenbei noch ihr Zuhause retten. Als Protagonistin ist sie grundsympathisch, man fiebert schnell mit ihr mit. Sie hat eine sehr souveräne Art mit Fehlschlägen umzugehen, keine Probleme damit die Sache auch mal selbst in die Hand zu nehmen. Vor allem aber kommt sie ohne Liebesgeschichte aus. Hier geht es einzig um eine Person, die ihrem Weg folgt, ganz auf ihre Weise. Ihre Position als Anführerin ihres Volkes ist vorherbestimmt, und Vaianas Rolle lässt sich gänzlich befreit von Gender lesen. Es ist eine universelle Geschichte, die wirklich jeden ansprechen dürfte.
© Walt Disney
Typisch für Disney dürfen natürlich die Songs nicht fehlen. Mit Opetaia Foa'i holte man sich einen samoanischen Superstar mit ins Boot. Er verpasst dem Soundtrack, gemeinsam mit Igelese Ete und dem Pacific Choir, einen wundervollen Anstrich, bei dem es schwierig ist, stillzuhalten. Mit Mark Mencina holte man einen "König der Löwen" Veteran mit ins Boot. Abgerundet wird der musikalische Input von Lin-Manuel Miranda, dem Schöpfer des "Hamilton" Musicals. "How far I'll go" geht als typischer Prinzessin-auf-Mission Song durch und setzt sich schnell im Ohr fest. Auli'i Cravalho bringt frischen Wind in den Film und beweist Vielseitigkeit und emotionale Tiefe, die weit über ihr Alter hinausgeht. "We know the Way" ist mein absoluter Favorit auf dem Soundtrack, stillhalten und nicht mitsingen ist kaum möglich. Heimlicher Anwärter auf den größten Ohrwurm ist allerdings "Shiny", gesungen von Jemaine Clement. Eine riesige, selbstverliebte, Schätze hortende Krabbe, die ganz klar von David Bowie und irgendwie auch Tim Curry in der "Rocky Horror Picture Show" inspiriert wurde und für die wohl visuell spannendste Szene im Film sorgt. Oh, und wer The Rock schon immer mal singen hören wollte, der ist mit "You're Welcome" bestens bedient. Er dürfte wohl die beste Zeit seines Lebens im Aufnahmestudio gehabt haben. Falls man nicht sowieso schon auf Englisch schaut, dann sollte man sich zumindest den Soundtrack im Originalton gönnen. Auch, weil man dann auf Helene Fischer (euer Ernst, Disney?) und Andreas Bourani verzichten kann.

© Walt Disney
Auch visuell überzeugt "Vaiana". Die Figuren sind lebensnah animiert, Vaiana entfernt sich auch ein gutes Stück von der sonst so einheitsbreiigen Optik der Hauptfiguren. Mauis Tattoos, welche die Rolle eines griechischen Chores einnehmen und das Geschehen konträr zu seinem Ego kommentieren, sorgen für einige Lacher. Und dann ist da noch die Umgebung, die herrlich farbenfroh und kontrastreich daherkommt. Die Bewegungen des Wassers sind atemberaubend echt geraten, Disney beweist hier erneut seine Position als großartiges Animationsstudio in Sachen Technik. Auch die Siedlungen auf Vaianas Insel sind liebevoll animiert, man merkt, dass sich im Voraus ausgiebig mit den polynesischen Kulturen befasst wurde. Dort macht sich auch eine positive Entwicklung bei Disney bemerkbar. Wo zu Zeiten von "Aladdin" noch unfassbar tief in die fiese Kiste voller Stereotype gegriffen wurde, begibt sich das Studio auch in dieser Hinsicht auf den Weg der Besserung. Hier setzt man auf Zusammenarbeit. Die englische Sprecherriege ist bis auf Alan Tudyk (er spricht den verwirrten Hahn) polynesischen Ursprungs und es ist überaus spannend, eine sonst relativ unterrepräsentierte Kultur in einem Blockbuster nähergebracht zu bekommen. 


Fazit



"Vaiana" begeistert mit einer geradlinig erzählten Geschichte, einer rundum gelungenen Hauptfigur, die sämtliche Disneyklischees hinter sich lässt, zumindest in der Originalversion wundervoll eingängigen Songs und einer atemberaubend schönen Optik. Wenn Disney seit Jahrzehnten versuchen würde, seine Formel für Filme zu perfektionieren, dann wäre "Vaiana" so nah am perfekten Ergebnis, wie man es sich nur wünschen kann. Ein Disneyfilm, der mich nach anfänglicher Skepsis so richtig umgehauen hat, und in den ich mich vom Fleck weg verliebt habe. 

Die Blu-ray 


Die Blu-ray im Vertrieb von Disney erscheint in Deutschland am 20. April. Die Schweiz darf wie immer schon etwas früher ran, hier ist der Film seit Anfang des Monats schon erhältlich. Neben der englischen Originaltonspur liegen auch die deutsche sowie eine spanische und eine portugiesische Version bei. Der Ton ist insgesamt gut abgemischt, Dialoge sind gut verständlich. In der englischen Spur sind die Songs deutlich lauter als der Rest des Filmes, was beim nächtlichen Anschauen zum hektische Griff in Richtung Fernbedienung führen kann. Die Farben machen einen satten Eindruck, auch die Kontraste sowie die Schärfe wissen zu gefallen. Die Blu-ray ist außerdem mit Extras vollgepackt. Sehenswert ist vor allem der Kurzfilm "Inner Workings", eher in die witzige Kerbe schlägt hingegen "Angeln gehen", der ein kleines Maui-Abenteuer zeigt. Es gibt jede Menge Eindrücke von der Entstehung des Films, Neugierige bekommen eine kurze Auflistung aller Disney Easter Eggs im Film. Mich haben besonders die beiden Featurettes über die Musik begeistert. Der zusätzliche Song "Warrior Face" ist besonders für Hamilton Fans ein Leckerbissen. "Die Musik von Vaiana" setzt sich detailliert mit den drei musikalischen Genies hinter dem Film auseinander und zeigt, wie der Soundtrack entstanden ist. Ein weiteres Featurette zeigt den Titelsong "How far I'll go" in mehr als 20 Sprachen rund um die Welt. Ein Audiokommentar zum Film rundet das Paket ab. 

Infos zum Film


Originaltitel: Moana
Erscheinungsjahr: 2016
Genre: Animation, Abenteuer
FSK: 0
Laufzeit: 107 Minuten
Regie: Ron Clements, John Musker u.a.
Drehbuch: Ron Clements, John Musker, Jared Bush u.a.
Sprecher: Auli'i Cravalho, Dwayne Johnson, Alan Tudyk, Jemaine Clement, Temuera Morrison, Nicole Scherzinger u.a.
 

Trailer

 

Kommentare:

  1. Bei dem war ich auch nicht im Kino, was aber nicht wirklich am fehlenden Interesse lag. Eher an der Tatsache Dreifach-Mama. Da ist es nicht so einfach, sich Mal einen Abend für Kino frei nehmen zu können. ;)

    Ich bin daher gespannt auf die BR-Version, die quasi vor der Tür steht. Ich bin seit Kindertagen Disney-Fan und habe unglaublich viele positive Dinge über Vaiana gelesen. Erstaunlicherweise auch häufig von Männern. Ich habe sonst oft das Gefühl, Disney macht bei älteren Semestern eher die Frauen an. Mag natürlich täuschen. Trotzdem war ich überrascht, wie viele Männer aus meinem Bekanntenkreis mir aufgeregt von dem Film vorgeschwärmt haben. Das Setting ist toll und die Protagonisten wirken zumindest in den Trailer sehr liebenswert. Wird mir bestimmt viel Freude bereiten. :)

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    1. Ich denke auch, bisher hab ich noch keine negativen Rückmeldungen nach einer Empfehlung für "Vaiana" bekommen. Mein Freund, der Disney generell mag, fand den allerdings auch ganz besonders toll. Ich finde gut, dass sie mal eine universelle Heldin geschaffen haben, bringt frischen Wind ins Haus.

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