gelesen: Richtig leben ... und dann tu, was du willst

© Penguin Verlag


Das steht drin


Mehr als 20.000 nächtliche Gespräche hat Jürgen Domian geführt. 20.000 Menschen haben ihm von ihrem Leben erzählt – oft vom Falschen darin. Was aber heißt eigentlich: Richtig leben? Domian folgt den Leidenschaften des Menschen anhand der Vorlage der Sieben Todsünden und findet so Antworten auf die Frage, die ihn und so viele andere bewegt.



Kritik


Als jemand, der unmittelbar in der Kölner Ecke aufgewachsen ist, verbrachte ich seinerzeit jede Menge Nächte gemeinsam mit Domian und hörte mir an, was er den Menschen so für Tipps gab. Seine ruhige, besonnene Art gefiel mir dabei immer enorm. Er macht einfach einen korrekten Eindruck, Integrität fasziniert eben doch. Deswegen freute ich mich auch auf sein Buch. Denn wer will schon nicht wissen, wie man richtig lebt? In Zeiten, in denen Fomo (fear of missing out, also die stete Angst, etwas zu verpassen) unser aller Handeln zu lenken scheint, da muss es doch irgendwie den einen, den richtigen Weg geben?

Thematisch sortiert Domian seine Erfahrungen und Tipps nach dem Muster der Sieben Todsünden. Das bezieht sich nicht nur rein auf christliche Glaubenswerte, es gibt auch viele Abhandlungen zum Thema Zen und Buddhismus und generell sind die Todsünden ja in den meisten Religionen irgendwie vertreten. Für jedes Thema präsentiert er Geschichten aus dem eigenen Leben, aber auch Geschichten von Anrufern aus seiner Sendung, die ihm besonders im Gedächtnis geblieben sind. Hier kommt es wohl stark auf die Interessen des Lesers an, nicht alle Kapitel dürften jedem zusagen. Hier tat sich für mich das Problem auf, dass mir Standpunkte, die ich selbst nicht teile, als zu absolut wirkten. Sicher, es handelt sich um einen subjektiven Ratgeber, aber das Wort "Ratschläge" lässt sich eben nicht schreiben, ohne "Schläge" zu schreiben.

Spannend fand ich die Auseinandersetzung des Autors mit sich selbst in Form einer Art inneren Stimme, die in fett gedruckten Buchstaben immer wieder ihre Sicht der Dinge darlegt. Die so vertretenen Meinungen lassen sich stets als egoistisch und sehr kommerziell orientiert einordnen, sie spiegeln einen anteilsmäßig wohl recht großen Teil der Gesellschaft wider. All das geschieht in wirklich leicht verständlich formulierten Text, die Einstiegsschwelle ist niedrig gehalten. Besonders beim Thema Zen-Buddhismus gibt Domian auch unumwunden zu, dass er zwar davon fasziniert ist, gleichzeitig aber nicht besonders tief in die Materie eingetaucht ist. Wie auch, andere brauchen ihr ganzes Leben dafür, bei vielen klappt es selbst dann nicht. Es fügt sich harmonisch in das restliche Buch ein, das auch eher einen Startpunkt setzen zu wollen scheint, als eine komplette Anleitung liefern will. Inwieweit man sich die Ideen aus dem Buch dann zu Herzen nehmen will, sagt ja schon der Untertitel: Und dann tu, was du willst.


Fazit


Die einzig wahre Antwort auf die Frage "wie lebe ich richtig" liefert Domians Buch nicht. Was aber auch nicht verwunderlich ist, denn wie will man eine so große Frage überhaupt angehen? Zumal sie hochgradig individuell ist. Was das Buch aber liefert, sind Denkanstöße, die zumindest eine grobe Richtung vorgeben können. Ein interessantes Buch, das nachdenklich macht.

Fakten zum Buch


Richtig leben ... und dann tu, was du willst von Jürgen Domian | Verlag: Penguin | erschienen am 09. Januar 2017  | Softcover | 224 Seiten | € 10,00 [D] | € 10,30 [A] | CHF 13,90

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