Filmkritik: La La Land


© Studiocanal

Sieben gewonnene Golden Globes bei sieben Nominierungen, und vermutlich wird es bei den diesjährigen Oscars ähnlich gut für "La La Land" laufen. Höchste Zeit also, kurz vor dem offiziellen Kinostart mal über diesen absolut magischen Film zu sprechen, der sich auf direktem Weg in mein Herz gesungen und getanzt hat.

Story

In Los Angeles begegnen sich zwei Träumer: Die leidenschaftliche Mia ersehnt sich den Durchbruch als Schauspielerin, leidet aber an ihrer großen Einsamkeit. Der charismatische Sebastian arbeitet derweil an seiner Karriere als Jazz-Musiker, hat es aber noch nicht über kleine Auftritte hinausgebracht. Der Zufall will es, dass sich die beiden eines Tages begegnen – und verlieben. Für beide ist es von Anfang an nicht leicht, ihre Liebe in der rauen, vom Konkurrenzkampf beherrschten Atmosphäre der Stadt zu leben. Als sich erste Erfolge einstellen, wird ihre noch frische Beziehung umso mehr auf die Probe gestellt.



Kritik

Räumen wir das zunächst einmal aus dem Raum, damit drüber gesprochen wurde: "La La Land" ist vielleicht nicht zu 100% perfekt. Aber wer ist das schon? Ich sicher nicht, ihr vermutlich auch nicht. Eine Ansammlung flüchtiger Momente und Augenblicke zieht sich wie ein zarter, rötlich schimmernder Faden durch den Film. Unmöglich, genau daran festzuhalten. Wie ein Traum, den man bereits zu vergessen beginnt, während man noch aufwacht. 
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Damien Chazelle beweist mit seinem ersten Film nach der musikalisch-teuflischen Tour de Force, die "Whiplash" darstellt, erneut, dass kaum jemand aktuell so fähig darin ist, Musik als Ereignis und Gefühl gleichermaßen auf der Leinwand festzuhalten. Doch wo "Whiplash" brutal war und sich in eine unaufhaltsame Teufelsspirale begab, ist "La La Land" naiv, verträumt, lieblich. Hoffnungslos optimistisch, herzzerreißend in seiner durchschimmernden Realität. Wie lassen sich die Kunst und das Leben, welches man für die Kunst führt, miteinander vereinbaren? Zwei Filme, zwei Seiten der gleichen Medaille. Es ist insofern nur konsequent, mit Emma Stone und Ryan Gosling ein Paar auf die Leinwand zu bringen, welches der Zuschauer mit hoher Wahrscheinlichkeit schon kennt.
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"Crazy Stupid Love" und "Gangster Squad" legen gewissermaßen die Grundsteine für das Funktionieren der Geschichte. Denn die beiden Stars (im ganz altmodischen Sinne, beide scheinen hier so hell wie kaum ein Anderer es momentan vermag) harmonieren perfekt miteinander. Beide würden diese Geschichte rein durch ihr Schauspiel auch dann vollends tragen, wenn auf Gesang und Tanz verzichtet würde. Wen stört da schon, dass beim Singen nicht jede Note getroffen wird? Wen interessiert, dass die Tanzchoreographien (ausgedacht von Mandy Moore, die schon "Silver Linings Playbook" tänzerisch gestaltete) zwar perfekt durchdacht, aber nicht immer perfekt ausgeführt sind? Wann ging es im Musical jemals um Perfektion? Nichts muss perfekt sein, wenn Worte und Gesten nicht mehr ausreichen um Gefühle auszudrücken. Wie die unzerstörbare Hoffnung derjenigen, die sich nach LA aufmachen und so für eine spektakuläre Opening Number sorgen. Durch Musik, Gesang und Tanz einen Schritt näher am Gefühl zu sein, es fast schon zu transzendieren, darum geht es. Sich ineinander zu verlieben, weil im gemeinsamen Tanz Gemeinsamkeiten entdeckt werden. So spielen sich die vielen einzelnen Herzstücke von "La La Land" ab.
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Chazelle und sein Team schaffen damit auch die Gratwanderung zwischen dem üblichen Kitsch und der stilistischen Überhöhung, die dem Musical inhärent ist, sowie der in der harschen Realität verankerten Geschichte. So lädt "La La Land" zum Träumen ein. Zeigt, wie schön der Augenblick sein kann, wenn man sich nur auf ihn einlassen will. Dass in jeder Gelegenheit das Potenzial für Großes steckt, wenn man nur die Augen offenhält. Dass eine Zufallsbegegnung, von der man zunächst nichts weiter dachte, sich als lebensverändernd erweisen kann. "La La Land" vereint darüber hinaus gleichermaßen eigenständiges Material wie auch zahlreiche Hommagen in sich. Jaques Demy ("Die Regenschirme von Cherbourg, 1967) ist sicher eines der größten visuellen Vorbilder. Und wie es sich für einen Film, der in Hollywood spielt, gehört, findet sich Selbstreferenzen an allen Ecken und Enden. Diese zu entdecken dürfte den inneren Cineasten sicherlich gut beschäftigen. Gleichzeitig geht es in die Ecken von LA, die vielleicht noch nicht so präsent in den Köpfen der Zuschauer sind.
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Gelobt werden muss auch das Production Design. Mias Zimmer zu erkunden wäre eine Lebensaufgabe. Die Kostüme sind herrlich detailreich (man achte auf Ryan Goslings Schuhe), die Kleider sprühen vor knalligen Farben und sorgen in einigen Szenen, auch dank der grandiosen Kameraarbeit, für einen wahren Rausch mit der Gefahr eines Drehschwindels. Und wenn sich gegen Ende unzählige gezeichnete Kulissen in das Geschehen einfügen, dann ist klar: "La La Land" richtet sich in erster Linie an all diejenigen, die nicht davor zurückschrecken, sich in ihren Träumen zu verlieren. Dass dabei die Realität mit all ihren Zwiespälten ebenfalls auf dem Tablett bleibt und thematisiert wird ist ein Verdienst, den man "La La Land" nicht hoch genug anrechnen kann.

Fazit  

 

Eine Liebeserklärung an all die Träumer, gleichzeitig eine Rückversicherung für all diejenigen, die fest in der Realität verankert sind. In "La La Land" prallen alle Welten aufeinander: Moderne und Nostalgie, Farbrausch und Stille, Gesang und Tanz und bedeutungsvolle Blicke die mehr sagen, als 1000 Worte es je könnten. Großartige darstellerische Leistungen von vermutlich Hollywoods aktuell einzigem ikonischen Leinwandpaar ziehen den Zuschauer in einen magischen Bann, dem man sich kaum entziehen kann. Mit all seiner Liebe für den Film und das Kino schreit aktuell wohl kein Werk so sehr nach einer großen Leinwand, einem abgenutzten Kinosessel voller Geschichten über seine Besucher und diesem unverkennbaren Geruch einer alten Popcornmaschine, die man heutzutage nirgends mehr findet. Selten wurde Liebe in all ihren Facetten so wunderbar ausgedrückt wie mit diesem Film.
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Infos zum Film


Originaltitel: La La Land
Erscheinungsjahr: 2016
Genre: Musical, Drama, Romantik, Komödie
FSK: 0
Laufzeit: 128 Minuten
Regie: Damien Chazelle
Drehbuch: Damien Chazelle
Darsteller: Emma Stone, Ryan Gosling, John Legend, Finn Wittrock, J.K. Simmons, Sonoya Mizuno u.a.
 

Trailer

 

 

Kommentare:

  1. Oft ist es ja die kleine Abweichung vom Perfekten, die Werke zu Kunst werden lassen. Ich freue mich schon sehr auf den Film und werde mich davon sicherlich nicht abschrecken lassen.

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    1. Da sind wir voll auf einer Wellenlänge. Grad dieses nicht so ganz perfekte lässt die Figuren auch nochmal eine ganze Ecke sympathischer erscheinen, als sie es eh schon wären. Ich würd mir das für mehr Filme wünschen, es schafft ja auch eine gewisse Form des Zugangs.

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  2. Toller Filmbericht! Den werde ich mir auf keinen Fall entgehen lassen :)

    Alles Liebe, Laura von www.lauratopa.com :)

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    1. Dann sag ich doch mal: Viel Spaß im La La Land :)

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  3. Eine tolle Filmkritik! :)
    Ich war am überlegen, ob ich mir den Film auch anschauen soll, du hast mich definitiv überzeugt! :)
    Monique xx

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    1. Das freut mich. Ich bin gespannt wie er dir gefällt :)

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  4. Sehr tolle Filmkritik, die du da geschrieben hast!
    Ich habe mir den Film, zugegebenermaßen nur, weil ich ein riesen Emma Stone Fan bin, auch angesehen und war wirklich positiv überrascht.
    Ich mag übrigens auch deinen schreibstil sehr gern :)

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    1. Dankeschön :) Ja, Emma ist klasse, oder? Sie ist so ein rundum perfektes Gesamtpaket, spielt immer toll und wirkt total sympathisch.

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  5. Tolle Kritik! Ich bin ja sowas von neugierig! Den Film wird meine bessere Hälfte sich wohl "antun" müssen!!!!!
    LG Tine

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    1. Mein Freund war beim zweiten Mal auch mit im Kino, hatte ihm einen guten Deal angeboten: Wenn er den Film nicht mag, sucht er die nächsten 10 dafür aus. Er war aber auch danach ganz begeistert, also herrscht weiterhin Demokratie :D Und das, obwohl er weder Musicals noch Tanzfilmen wirklich etwas abgewinnen kann. Deine zweite Hälfte wird es bestimmt auch packen ^__^

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  6. Hallo Sandra,
    ich bin ehrlich gesagt ein wahrer Filmmuffel. Ich sehe ausgesprochen selten einen Film. Ich kann mich irgendwie einfach nicht dazu aufraffen und schaue stattdessen lieber eine Serie. Jedes Jahr um Weihnachten herum schaue ich (seit inzwischen 15 Jahren) Der Herr der Ringe und werde auch nicht müde, die Trilogie zu schauen. :-D
    Und ganz selten - vielleicht alle zwei Monate mal, überkommt es mich und ich möchte einen Film sehen und dann auch eher Action-Filme.
    So, lange Rede, kurzer Sinn: Du hast mich mit diesem Film erstaunlicherweise überzeugt. Er klingt nach einem Film, der mir gefallen könnte. Vielen Dank für diese Inspiration. :-)

    Viele Grüße
    Maike

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    1. Es geht auch absolut einfach gar Nichts auf der ganzen Welt über die "Herr der Ringe" Filme <3

      Das freut mich, dass ich ein bisschen Inspiration schaffen konnte. Ich hoffe, der Film gefällt dir dann auch tatsächlich. Damien Chazelle hat so eine ganz eigene Art, Musik mit der Kamera einzufangen, geht schon fast in die Action-Sparte hinein :)

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