Filmkritik: Warcraft: The Beginning


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Story: Die Orks haben ein Problem: Ihre Welt stirbt, sie verlieren ihre Heimat. Der mächtige Hexenmeister Gul'dan (Daniel Wu) öffnet ein Portal in eine andere Welt, durch das die stärksten und besten Krieger gehen sollen, um die Ankunft der restlichen Orks auf der anderen Seite vorzubereiten. Doch die Einwohner von Azeroth lassen sich ihre Heimat nicht einfach so wegnehmen. Unter der Führung von König Llane Wrynn (Dominic Cooper) und dem mächtigen Magier-Wächter Medivh (Ben Foster) stellen sich der mutige Krieger Anduin Lothar (Travis Fimmel), der junge Zauberer Khadgar (Ben Schnetzer) und die Halborkin Garona (Paula Patton) der plündernden Horde entgegen. Doch auch auf der anderen Seite machen sich Zweifel breit. Durotan (Toby Kebbell), der Anführer des Frostwolf-Clans, sucht nach einem anderen, friedlicheren Weg, um mit den Menschen gemeinsam zu leben.

Kritik: Bevor hier irgendwas besprochen wird, möchte ich klarmachen, dass es mir schwerfällt, an "Warcraft" überhaupt neutral heranzugehen. "Warcraft" 1-3 waren fester Bestandteil meiner Jugend, endlose Stunden habe ich damit verbracht Menschen und Orks und Elfen auf kleinen Karten an meinem damals sehr, sehr schrottigen PC hin- und herzuschieben. Seit Release, immer mal wieder mit Unterbrechungen, spiele ich "World of Warcraft", ich habe meine Bachelorarbeit zum kommunikativen Verhalten der Spieler von WoW geschrieben. Ich habe lange, sehr lange sogar, auf diesen Film gewartet, und wer mich kennt weiß, dass Geduld nicht unbedingt zu meinen größten Stärken gehört. Jedenfalls nicht, wenn es um Filme geht. Ich befinde mich also nicht in der Position, irgendwie unvorbelastet an das Thema heranzugehen. Würde ich mich neutral verhalten, dann würde ich folgendes zum Film zu sagen haben: 

""Warcraft" kommt einige Jahre zu spät weil sowieso nur noch alle über das Spiel meckern, wartet mit einer recht belanglosen Geschichte und flachen Figuren und ist vorbei, bevor er richtig angefangen hat. Die Effekte sind etwas seltsam, der Sound ist toll. Es wird vermutlich eine Fortsetzung geben, Fans dürften an dem Film aber Gefallen finden, denn er ist wirklich groß angelegter Fanservice".
Durotan, der Anführer des Frostwolf-Clans.
C'Thun sei Dank muss ich mich aber nicht neutral verhalten, also setze ich mich jetzt ausnahmsweise mal in der Rolle eines Fans mit dem Film auseinander. Verfilmungen von Spielen haben ja generell einen schweren Stand. Bei Fans werden sie sowieso kritisch begutachtet, und sind wir mal ehrlich, meistens kommt auch kein gutes Werk dabei zustande. Hindert mich ja nicht daran, z.B. "Resident Evil 3"oder "Prince of Persia" zu mögen, aber ein guter Film sieht ja irgendwie doch anders aus. Hoffnungen macht aktuell "Assassins Creed", nicht nur wegen Michael Fassbender vor und Justin Kurzel hinter der Kamera. Aber auch "Warcraft" hat ein paar tolle Namen mit an Bord. Jedenfalls von meiner Warte aus. Travis Fimmel macht einen prima Job bei "Vikings", Ben Foster geht, genau wie Toby Kebbell eh immer. Und Duncan Jones begeisterte bereits mit "Source Code" und "Moon" das Publikum. Beliebter Stoff, guter Regisseur, gute Darsteller, kann ja eigentlich nichts schiefgehen, oder? Außer, dass der Film ewig gebraucht hat, um überhaupt mal fertig zu werden, und erst in den letzten zwei Jahren mal als handfestes Thema auf den Tisch kam.  
Ich geb mir gar keine Mühe das zu verbergen: Medivh ist ♥.
Wie ist der Film denn nun geworden? Eigentlich ziemlich gut. Naturgemäß müssen die Orks, die Landschaften und allerlei andere Wesen/Gegenstände irgendwie am Computer zurechtgemacht werden. Hier beruft man sich voll und ganz auf die Spiele-Grundlage, die Orks sind riesig und hauen ganz schön mächtig zu. Da wird gerne auch mal gleich mit einem ganzen Pferd geworfen. Klarer Nachteil ist hier, dass die Interaktion mit den wenigen Menschen umso seltsamer ausfällt. Da wird gerne im Hintergrund mal mit der Luft gekämpft, und der eine oder andere Schwerthieb geht gezielt ins Nirgendwo. Das reißen die eindrucksvollen Landschaften dafür wieder voll raus. Weite Steppen, dichte Wälder, schwebende Städte und Stormwind, die Hauptstadt der Menschen, laden zum Entdecken ein und werden mindestens die Fans der Spiele richtig erfreuen. Und wenn die Magier und Hexenmeister loslegen, dann aber so richtig: Die Blitze fliegen, magische Energien strömen durch das Bild, alles leuchtet in knalligen Farben. Eine richtige Augenweide, selbst der Schafzauber sah in den Games nicht so cool aus. ILM hat hier in Sachen Effekte mal wieder gezaubert. Bezaubernd sind aber vor allem die Details, hier wieder bei den Orks. Man merkt, dass richtige Schauspieler dahinter stecken, besonders der Ausdruck der Augen, eigentlich die ganze Mimik der Figuren, ist täuschend echt. In der Originalversion ergeben sich aus den mächtigen Hauern dieser Orks allerdings hier und da Verständnisprobleme, die Aussprache ist stellenweise arg undeutlich. Am massivsten fällt dies gerade bei dem Ork mit den kleinsten Hauern auf, nämlich Garona.
Garona, die Halborkin, ein Problemfaktor des Films.
Garona ist aber auch in anderen Bereichen klar der Schwachpunkt des Films. Während die meisten anderen Figuren hauptsächlich ihre Rolle erfüllen, wird bei ihr nie so ganz klar, welchen Zweck sie eigentlich hat. Ihre Hintergrundgeschichte wird kaum angerissen, die angedeutete Liebesgeschichte zwischen ihr und Anduin Lothar verwirrt in höchstem Maße. Wieso ist sie wichtig für Gul'dan? Ohne vorherige Kenntnis der Geschichte bleibt sie eine unterentwickelte Figur, und selbst mit Kenntnis der eigentlichen Geschichte ist das hier einfach nur verwirrend. Positiv stechen besonders die Magier hervor. Während Medivh herrlich anzuschauen ist in all seiner heruntergekommenen Pracht, ist Khadgar mit seinen etwas tollpatschigen Momenten in erster Linie für die gute Laune zuständig. Aber auch er hat es, magisch betrachtet, faustdick hinter den Ohren und ist mein klarer Favorit in der ganzen Angelegenheit. Löblich ist auch der Vorsatz, beiden Seiten gleich viel Zeit zuzugestehen. Die oft gezogene Grenze zwischen gut und böse wird effizient verwischt, beide Seiten haben nachvollziehbare Motive und sympathische Figuren vorzuweisen. Leider springt der Film, besonders zu Beginn, recht hektisch zwischen den Figuren hin und her. Was einerseits nachvollziehbar ist, denn viele Figuren wollen vorgestellt werden, weil sie einfach wichtig für die Handlung sind. Etwas mehr Ruhe wäre hier wünschenswert gewesen, alternativ wären wenige Minuten mehr pro Figur und Schauplatz vielleicht eine Lösung gewesen. So dauert "Warcraft" zwar zwei Stunden, ist aber doch sehr schnell vorbei, weil es so viel zu sehen gibt. 
Khadgar ist aber mehr ♥ als Medivh, und auch als Anduin, hier rechts im Bild.
Klares Steckenpferd des Films ist dann aber jeder Moment, der Fans der Spiele direkt anspricht. Relativ zu Beginn taucht kurz ein Murloc im Bild auf, spätestens ab da war für mich klar: das ist mein Ding, das richtet sich an mich, die furchtlose Jägerin unzähliger nerviger Murloc-Orakel und Pfützenspringer. Sicher, für Außenstehende mögen viele Dinge hier seltsam sein. Die Elfen, die kurz zu sehen sind, wirken überrissen, die Zwerge sehen ebenfalls schräg aus. Doch das Alles hat seine Wurzeln direkt in den Spielen, dementsprechend macht es irgendwie Lust auf mehr. Wie cool wäre es, die Geschichten um Illidan oder Arthas auf der großen Leinwand zu sehen? Vielleicht werden wir es eines Tages erfahren, wer weiß. Bis dahin gibt es anständig epische Schlachten und Dramen zwischen Menschen und Orks. Dazu trägt auch der Soundtrack von Ramin Djawadi bei. Er nimmt sich die bekannten Songs aus den Spielen, vermischt sie aber mit eigenen Klängen und sorgt so für ein wohliges Maß an Epicness. Sicher, für Außenstehende mag das alles flach und aufgesetzt wirken. Aber vielleicht handelt es sich auch einfach um einen Film, der eben nicht für jeden gedacht ist. Was eventuelle Schwächen keinesfalls entschuldigen soll. Aber es fällt nicht sonderlich schwer, darüber hinwegzusehen, wenn es gleichzeitig so vieles zu entdecken gibt, wenn der Wiedererkennungswert aus jahre- oder jahrzehntelanger Spielerei so hoch angesetzt ist.

Anduin Lothar kämpft gegen einen Ork, oder auch die Luft.

Fazit: Butter bei die Fische, bzw. dicke Hämmer bei die Orks: "Warcraft" gibt sich nicht sonderlich viel Mühe, kompletten Neueinsteigern in die Materie irgendwie Halt zu geben. Muss er theoretisch auch nicht, die Geschichte, die aus den Spielen und Büchern bereits bekannt ist, ist für das Medium Film ein wenig vereinfacht worden und auch so nicht sonderlich kompliziert. Visuell beeindruckend kommen die Orks daher, da sehen die Menschen durchaus mal blass aus. Und auch der Sound ist ein wahrer Leckerbissen, es fetzt jedenfalls richtig, wenn die Magier und Hexenmeister zu Gange sind. Die Unterscheidung zwischen Gut und Böse fällt ebenfalls weg, was löblich ist. Und für Fans der Warcraft-Lore ist das hier sowieso Pflichtprogramm, denn an die wurde in erster Linie gedacht. Mich jedenfalls ließen Kulissen wie Karazhan und Stormwind atemlos zurück, während durchaus humorvolle Einlagen (Murlocs, Sheep!) ebenso sicher ihr Ziel trafen. Objektiv betrachtet mag "Warcraft" vielleicht kein Meisterwerk sein, für mich, die mit den Games aufgewachsen ist, war es ein richtiges Erlebnis, die Figuren und Handlungsschauplätze auf der großen Leinwand sehen zu können. Und wer mich im Kino vor lauter Freude zum Dauergrinsen bringt, der hat einfach auch irgendwas richtig gemacht.


Infos zum Film

Originaltitel: Warcraft
Erscheinungsjahr: 2016
Genre: Western, Drama, Action
FSK: 12
Laufzeit: 124 Minuten
Regie: Duncan Jones
Drehbuch: Duncan Jones, Charles Leavitt
Darsteller: Travis Fimmel, Toby Kebbell, Ben Foster, Paula Patton, Ben Schnetzer, Robert Kazinsky, Ruth Negga u.a.

Trailer


1 Kommentar:

  1. Schön mal einen "Kritiker" zu lesen, der den Film versteht! Für mich als Fan der Serie war der Film alles worauf ich hoffen konnte und ihn dazu noch im Imaxx zu sehen hat dem ganzen die Krone aufgesetzt. In einer Welt wo so viele andere Filme gut bewertet werden, scheinen die Kritiken auf Metacritic and Rottentomatoes ein Hohn. Zumindest IMDB spiegelt ein realistisches Bild wieder (= von Fans bewertet).

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