Serienkritik: Blutsbande


© Edel:Motion
Dass die Skandinavier ein Händchen für mitreissend erzähltes Kino besitzen ist nichts neues. Doch was für das Kino funktioniert klappt im Norden auch für den Serienmarkt erstaunlich gut. Zuletzt begeisterte neben den beinahe schon als Klassikern geltenden "Wallander" Krimis und "Komissarin Lund" vor allem "Real Humans" die Zuschauer. Kurze Zeit nach der Ausstrahlung im schwedischen Fernsehen lief letztere Serie auch bei uns auf Arte, da legen die Schweden schon nach. Mit "Blutsbande" zeigte Arte im Juli die zehn Folgen der ersten Staffel jeweils im Doppelpack aus. Und seit einer Weile kann man sich die mehrfach ausgezeichnete Serie, deren zweite Staffel schon in der Vorbereitung steckt, dank der Verleihfirma Edel:Motion auch ins Regal stellen. Ob die schwedische Dramaserie, deren korrekter Titel "Tjockare än vatten" sich mit "dicker als Wasser" übersetzten lässt, aber tatsächlich überzeugen kann?  




Story: Auf einer wunderschönen Insel in den schwedischen Schären betreibt Anna-Lisa Waldemar zusammen mit ihrem Sohn Oscar und dessen Familie ein altes Gästehaus. Als sie pünktlich zum Beginn der Sommersaison Oscars Geschwister Lasse und Jonna auf die Insel einlädt, hält sich seine Begeisterung mehr als in Grenzen. Doch bald erschüttert ein noch größerer Schock Oscars Welt: Anna-Lisa wird tot aufgefunden. Und damit nicht genug. In ihrem Testament verfügt sie, dass ihre Kinder nur dann erben, wenn sie die Pension eine Saison lang gemeinsam betreiben.

Der letzte Wille der Mutter ist ein verzweifelter Versuch, die Geschwister wieder zusammenzuführen und miteinander zu versöhnen. Das allerdings ist leichter gesagt als getan. Denn das Wiedersehen von Oscar, Lasse und Jonna bringt jede Menge verborgene Wahrheiten und dunkle Familiengeheimnisse ans Tageslicht, die ihre Leben für immer verändern. Sie müssen sich den verdrängten Konflikten der Vergangenheit ebenso stellen, wie den aufgewühlten Emotionen der Gegenwart. Und alle werden herausfinden, ob Blut wirklich dicker als Wasser ist.
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Kritik: Mehr über die Geschichte von "Blutsbande" zu verraten wäre vermutlich ein gigantischer Spoiler. Soviel sei aber gesagt: wer auf Charakterdrama steht, der kommt hier voll auf seine Kosten. Gestaltet sich der Anfang noch recht zahm und nett, wird schnell klar, dass hier einige Geheimnisse begraben liegen. Natürlich versuchen die Kinder, die unterschiedlicher nicht sein könnten, sich für den einen Sommer zusammenzuraufen. Doch je mehr Zeit vergeht, desto mehr Geheimnisse kommen an Tageslicht, wollen aufgearbeitet werden. Alle drei Geschwister haben ihre eigene Vergangenheit, die sie einfach nicht loslassen will.

Den speziellen visuellen Stil der Skandinavier findet man auch hier vor. Die Farben scheinen ihrer Leuchtkraft beraubt, dunkle Töne dominieren. Das passt natürlich zur rauen Landschaft, und man erwischt sich beim Anschauen vermutlich das ein oder andere Mal beim Gedanken, doch mal Urlaub hoch oben in Schweden machen zu wollen. Dem passt sich der Soundtrack an, der die dramatischen Momente gekonnt untermalt und maßgeblich zum Spannungsaufbau beiträgt. 

Letzten Endes wird ein Drama aber zu großen Teilen von den Darstellern getragen. Johanna Ringbom als Nachbarin bereitet diebische Freude beim Zuschauen. Auch die anderen Darsteller sind gut gewählt und überzeugen. Ab der Mitte der Staffel leiden die Darsteller dann unter dem Drehbuch, welches sich zu gerne in irrelevanten Nebenschauplätzen verläuft. Die Spannung kippt zwar nie ganz, doch das anfangs hohe Tempo wird ein ums andere Mal arg gedrosselt. Wer mit ruhigem Erzähltempo keine Schwierigkeiten hat, der dürfte sich hier wohlfühlen. Wer auf schnell und effizient erzählte Geschichten steht, der dürfte sich an der einen oder anderen Stelle ein wenig langweilen. Doch an sich sind genug Wendungen vorhanden, und mittels Rückblenden wird vieles aufgearbeitet was die Figuren in ihrer heutigen Zeit beschäftigt.
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Fazit: "Blutsbande" ist eine schöne Abwechslung von den durchaus stylischen und packenden Thrillern und Krimis, welche die Skandinavier wie am Fließband liefern. Hie erwartet den Zuschauer ein Familiendrama, welches seine Sogwirkung langsam entwickelt, um dann umso fester zupacken zu können. Die Darsteller überzeugen im Rahmen des Möglichen, die raue Landschaft lädt zum Verweilen ein und die Musik tut ihr Übriges um eine rundum stimmige, mitreißende Serie zu erschaffen. Wer gerne seine Zeit damit verbringt, eine Handvoll komplexer Figuren immer besser kennen zu lernen und sich nicht daran stört dass das Tempo nach hinten heraus bisweilen arg verlangsamt wird, der ist hier goldrichtig und sollte der Serie eine Chance geben.

Infos zum Film

Originaltitel:Tjockare än vatten
Erscheinungsjahr: 2015
Genre: Drama
FSK: 12
Laufzeit: 583 Minuten
Regie: Erik Leijonborg, Molly Hartleb, Anders Engström
Drehbuch: Niklas Rockström, Morgan Jensen, Henrik Jansson-Schweizer, Charlotte Lesche
Darsteller: Joel Spira, Björn Bengtsson, Aliette Opheim, Jessica Grabowsky, Molly Nutley, Tanja Lorentzon, Johanna Ringbom, Conrad Stenberg

Die DVD: Die 10 Folgen, die mit knapp 583 Minuten Laufzeit angegeben werden, kommen auf vier DVDs verteilt an. Leider gibt es kein Wendecover. Die Extras fallen arg mau aus, außer 3 Trailern ist leider nichts zu finden. Neben der deutschen Synchronisation gibt es auch den schwedischen Originalton, Untertitel fehlen allerdings. In beiden Sprachfassungen ist der Ton in Dolby Digital 2.0 zu hören, die Abmischung von Musik und Dialogen ist dabei gut ausgewogen. Das im 16:9 Format vorliegende Bild besticht durch gute Kontraste und überzeugt mit guter Qualität. Generell sehr schön ist die Option im Menü auszuwählen, alle Folgen einer DVD hintereinander abzuspielen.

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